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Die Wahrheit · 1934-04-06 · Heft 15 (6.4.1934) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 15 (6.4.1934)
Date
1934-04-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 3 Spezialhaua für Voile und Strickgarne Moritz Nagel Wien, 2. Bez., Taborstraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden Telephon A 45-8-69 auch fernerhin hochzuhalten. Wir haben uns nie unseren Weg von unserem Gegner vorschreiben lassen, auch im Vorjahre, da wir angesichts der deutschen Ereignisse von jüdischnationaler Seite verspottet wurden, haben wir kein« Zugeständnisse gemacht. Wir haben an unserem patriotisch-religiösen Standpunkt festgehalten, aber wir müssen daraus auch die entsprechenden Konsequenzen ziehen. In der heutigen Zeit genügt nicht nur das Lippenbekenntnis. Es ist Aufgabe der „Union", auch in religiöser Hinsicht für die heranwachsend© Generation durch geeignete Institutionen zu sorgen. Die Hingabe an den Staat muß gleichfalls eine volle geistige und physische sein. Wenn wir mit unserem ganzen Sein und Empfinden uns dem Staate widmen, dann können wir von diesem verlangen, daß er uns als gleichwertigen Teil des Ganzen anerkennt. Der Redner beantragte in diesem Zusammenhang den korporativen Beitritt der „Union österreichischer Juden" zur „Vaterländischen Front", welcher Antrag einstimmig angenommen wurde. Dr. L e n k befaßte sich am Schlüsse seiner mit großem Interesse aufgenommenen Ausführungen noch mit der von mancher Seite proponierten „Regelung der Judenfrage" und stellte unter begeisterter Zustimmung der Versammlung fest, daß wir von unseren Rechten freiwillig nichts aufgeben werden, denn ein Recht, dessen man sich auf diese Weise begibt, erlangt man nie mehr zurück. Schließlich beantragte Dr. Lenk die folgende Resolution: Die heute, den 28. März 1934 tagende, von allen Bezirks- und Unterorganisationen beschickte Vertrauensmänner-Versammlung der »Union österreichischer Juden" faßte einhellig folgende Entschließung: Die »Union" stellt mit berechtigter Genugtuung fest, daß sie unbeirrt von allen Zeitströmungen ihren vor nun fünfzig Jahren statutarisch festgelegten Grundsätzen, das ist Pflege der angestammten heiligen Religion und unerschütterliche Verbundenheit mit dem heimatlichen Boden und Vaterlande Oesterreich unentwegt treugeblieben ist Diesen Grundsätzen, die erst neuerdings am 18. Februar des Vorjahres, also schon vor der gleichgerichteten allgemeinen Erneuerungsbewegung Oesterreichs in einer großen Vertrauensmänner-Versammlung feierlich bekräftigt wurden, wird die „Union" auch in aller .Zukunft folgen. Für unser Vaterland Oesterreich, mit dessen christlichen Mitbürgern uns Sprache, Kultur und innige Vaterlandsliebe verbinden, wollen wir. Jede wie immer geartete Sonderstellung entschieden ablehnend, als treue Bürger unser Bestes geben. Keine heim liehe Heimstätte. Die Jerusalemer Tagung des zionistischen Aktionskomitees, über deren Verlauf und Ergebnisse wir noch berichten werden, steht sichtlich unter dem Eindruck der tristen innen- und außenpolitischen Situation im Zionismus. Im Heiligen Lande tobt seit langem ein heftiger Bruderzwist, der seine traurigen Wirkungen auch in der zionistischen Weltorganisation zeitigt. Die Tore Palästinas sind durch englischen Machtspruch gesperrt und die zionistische Exekutive muß sich wegen ihrer wenig energischen Haltung gegenüber der englischen Mandatannacht Vorwürfe von allen Seiten gefallen lassen. Sie befindet sich wahrlich in keiner angenehmen Lage. Feinde im eigenen Lager und geringes Entgegenkommen von seiten Englands, unter solchen Umständen die Geschäfte zu führen, dazu bedürfte es tatkräftigerer Männer als jener, die heute im Zionismus am Ruder sind. Wie verworren die Situation ist, das ergibt ein flüchtiger Blick auf die Jerusalemer Verhandlungen. Wiederholt kam es zu stürmischen Auseinandersetzungen, vor allem wegen der disziplinwidrigen Haltung der Revisionisten. Eine von ihrem Vertreter verlesene Deklaration veranlaßte das Aktionskomitee, sofort ein kongreßgerichtliches Verfahren gegen die gesamte zionistische Fraktion wegen Disziplinbruches einzuleiten. Das Kongreßgericht wird festzustellen haben, ob die Deklaration der revisionistischen Fraktion nicht schon an sich einen Selbstausschluß derselben aus der zionistischen Organisation zum Inhalt hat. Das Ergebnis dieser Untersuchung ist zur Stunde, da diese Zeilen geschrieben werden, nicht bekannt. Sehr bedenklich ist auch der Konflikt der zionistischen Leitung mit dem M i s r a c h i, deren Präsident Rabbi Meir Berlin ausdrücklich erklärte, der Misrachi1 werde so lange keine Vertreter in die Exekutive entsendem, als nicht seine Forderungen religiöser Natur, insbesondere seine Postulate hinsichtlich der Sabbathbeobachtung und der Kaschruth im gesamten Jischuw, erfüllt werden. Sollte die Exekutive ihre gegenüber der Religion indolente Politik weiter fortsetzen, so werde der Misrachi nicht nur dien Keren Hajessod und den Keren Kajemeth weiter bekämpfen, sondern sogar zum offenen religiösen Krieg gegen die Exekutive und die Organe der zionistischen Organisation übergehen. Zu diesen inneren Konflikten kommt, wie gesagt, das gespannte Verhältnis gegenüber der englischen Mandatannacht. Diesbezüglich waren die Ausführungen des Mitgliedes der Jerusalemer zionistischen Exekutive Mosche Shertok bemerkenswert, der u. a. sagte: Die englische Regierung scheine von der Furcht beherrscht zu sein, daß der fortschreitende jüdische Aufbau Palästinas der arabischen Entwicklung nicht genügend Raum lasse. Die Regierung hat offenbar keine Neigung, ihre Politik den erhöhten jüdischen Möglichkeiten anzupassen, sondern sie habe die Taktik angenom- GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM. KORNMEHl UMMMHMMUMIMMISMHMHBHBMB' WIEN IX., BIRQOASSI NR. 1» F1UALB i XVIII., WAHRINOMSTRASSB 9t 7«lepboa Nr. A 17-3-99 aad A 16-9-34 Itetemrt für Hallanstartea AbteilungenfürKoscherfleisch Notar AafsloM Im »hrw. RanblBates tor. KaltuaaeneiMte Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität in den billigsten Marktpreis«» men, Juden zu zwingen, mehr arabische Arbeiter zu beschäftigen. Diese Politik hat einen Exodus der jüdischen landwirtschaftlichen Arbeiter aus der Landwirtschaft und ihr Einströmen in die Industrie zur Folge, was anderseits zu einem Einströmen von Arabern aus den Palästina benachbarten Ländern und ferner zu einem arabischen Zustrom aus den rein arabischen Distrikten in die jüdischen Distrikte innerhalb Palästinas selbst führt. In dem mehrstündigen Referat des Präsidenten des Nationalfonds Ingenieurs M. M. U s s i s c hk i n kam der Pessimismus über die gegenwärtige politische Situation zu noch klarerem Ausdruck. Ussischkin erklärte u. a. wörtlich: Während England der jüdischen Einwanderung Schwierigkeiten Nach der Möbel-Messe besichtigen Sie auch meine frei zugängliche Möbelausstellung in Küchen, Vorzimmern, Kinderzimmern, Wohnzimmern; trotz neuester Modelle Gelegenheitskäufe MÖBEL-KOHN, TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 macht, läßt es ganz ohne jedes Hindernis, ja ohne Kontrolle ungezählte Mengen von Arabern vom Osten her einwandern. Bei dem bestehenden Mangel an Arbeitskräften im Lande bekommen diese bald Arbeitsplätze, auch in den jüdischen Unternehmungen und in den jüdischen Kolonien, so daß das Wort von der „gesicherten Heimstätte in Palästina", wie es in der Baliour-Deklaration steht, vielleicht bald verwirklicht sein wird, nur nicht für die Juden, sondern für ihre Gegner. Infolge dieser Einwanderungspolitik und ihrer Folgen müsse man trotz dem wirtschaftlichen Aufschwung sagen: Die politische Lage ist schlechter als jemals! Griechenland beschämt Deutschland. Der Minister für soziale Fürsorge im Tsaldaris-Kabinett, Michael K y r k o s, ein Salonikier Bürger, erklärte kurz nach Antritt seines Postens einer jüdischen Abordnung: Ich habe das Bedürfnis, der jüdischen Bevölkerung von Mazedonien und vor allem von Saloniki zu versichern, daß ich den jüdischen Angelegenheiten das gleiche Interesse wie denjenigen der gesamten mazedonischen Bevölkerung entgegenbringe; alle jüdischen Fragen werden im Geiste der Gerechtigkeit und der Gleichheit aller Bürger behandelt werden. Die freundschaftlichen Gefühle des Premierministers Tsaldaris für die Juden bedürfen keiner besonderen Betonung. Ich werde alles tun, um die Mißverständnisse zwischen den griechischen Flüchtlingen und den Juden zu beseitigen. Ich sende meinen jüdischen Mitbürgern die herzlichsten Qrüße. Eine revisionistische Attacke auf unseren Herausgeber. Der in unserer letzten Nummer vorgenommene Nachdruck des Artikels „Die Braunhemden Zions" von M. Y. Ben G a v r i e 1 aus dem Pariser „Neuen Tagebuch" hat die Verstimmung einiger jugendlichen Anhänger der kleinen österreichischen Jabotinsky-Gruppe ausgelöst. Am vergangenen Freitag vormittags statteten mehrere dieser radikalen Heißsporne unter Führung des Pressereferenten der „Partei" Paul H a 11 e r unserem Herausgeber in den Räumen der „U n i o n" einen unerwünschten Besuch ab, der sehr stürmisch verlief. Denn als unser Herausgeber die Forderung der jungen Herren, eine Berichtigung zu dem Aufsatze zu veröffentlichen, dahin beantwortete, daß diese Veröffentlichung nur dann erfolgen könne, wenn sie dem österreichischen Pressegesetz entsprechen würde, ergingen sich die hitzigen Besucher in Drohungen mit Anwendung physischer Gewalt und Beschimpfungen wie „Justizmorde r!" usw. Unser Herausgeber brach in diesem Moment die Unterredung ab, worauf die jungen Revisionisten in sehr drastischer Weise ihrer „Verachtung" über seine Hartherzigkeit Ausdruck verliehen. Die jugendlichen Heißsporne werden die Folgen ihres unqualifizierbaren Verhaltens in einer für sie wahrscheinlich recht unangenehmen Weise zu spüren bekommen, unseren Lesern sei der Vorfall nur deshalb mitgeteilt, damit sie sehen, wie weit die Verhetzung im revisionistischen Lager heute schon gediehen ist. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, ist der Beginn der Hauptverhandlung im Prozeß gegen AchiMeir, Stavsky und Rosenblatt, die unter der Anklage der Teilnahme am Morde, bzw. der Anstiftung zum Morde an Dr. A r- I o s o r o f f stehen, vor dem Geschworenengericht in Jaffa für den 16. April angesetzt worden. Musa Kazim Pascha gestorben. Im Alter von 85 Jahren verstarb in Jerusalem der Präsident der vom Kongreß der mohammedanisch-christlichen Vereinigungen eingesetzten Arabischen Executive Palästinas Musa Kazim Pascha el Husseini. Er war der konsequenteste Gegner des Palästina-Mandates des Völkerbundes und der Idee des jüdischen Nationalheims in Palästina und der Initiator aller aus der Mitte der nationalistischen Araber ausgehenden Widerstände gegen die Mandatarmacht und das jüdische Nationalheim. 1922 hat er die Korrespondenz mit dem damaligen Kolonienminister Winston Churchill unterzeichnet, die zur Veröffentlichung des sogenannten Churchill-Weißbuches führte, in dem der Begriff Jüdisches Nationalheim eine bedeutsame Einschränkung erfuhr (nicht Palästina a 1 s Nationalheim, sondern Nationalheim i n Palästina bei Ausschluß Transjordaniens aus dem Bereich des Nationalheims). Im Sommer 1928 erklärte Musa Kazim Pascha der Jüdischen Telegraphen- Agentur: „Auf dem 5. arabischen Kongreß habe ich geschworen, die Balfour-Deklaration mit allen Kräften zu bekämpfen, ich werde dieses Gelübde halten." Die Juden sollten in der von ihm erstrebten arabischen Staatenföderation mit Einschluß Palästinas gleiche Rechte und Pflichten, aber nur entsprechend ihrem zahlenmäßigen Anteil in der Bevölkerung haben. 1932 unterzeichnete er eine Proklamation der Arabischen Executive, in der die Araber aufgefordert wurden, die Levante-Messe in Tel Aviv zu boykottieren. 1931 demissionierte er als Executivpräsident mit Rücksicht auf sein hohes Alter, zog aber bald darauf die Demission aus „Prestig'egrimden" zurück.

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