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Die Wahrheit · 1934-03-30 · Heft 13-14 (30.3.1934) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 13-14 (30.3.1934)
Date
1934-03-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite * EDERABENDE Am 30. and 31. Mär» werden im Restaurant BGOllON GRÜNER Wien II., Zirkusgasse 30 2 SederaDCnde abgehalten Reichhaltiges resfmahl a la Corte nnd billige Menüs Härmetnnd Tischweine schel Pessach. Anmeldungen rechtzeitig erbeten Hei Aviv auf ihren vermutlichen Arbeiterbedarf für die nächsten Monate hin zu überprüfen. Das Ergebnis dieser Ueberprüfung soll mit den Vorschlägen verglichen werden, die die Jewish Agency zur Festsetzung der Einwanderungsquote für das Halbjahr März/Oktober 1934 erstatten wird. * Vertreter des Waad Leumi, der Jewish Agency und des Waad Hair haben eine Sitzung abgehalten, in der Richtlinien für ein einheitliches Vorgehen bei der bevorstehenden Neuwahl des Stadtrates von Jerusalem besprochen wurden. In der Sitzung wurde mitgeteilt, daß nach zuverlässigen Informationen dem künftigen Stadtrat sechs Juden, vier Mohammedaner und zwei christliche Araber angehören sollen. * Kürzlich sollten 150 Juden aus Polen als Pessach- Touristen nach Palästina fahren, sie hatten alle ihre vorschriftsmäßigen Pässe nebst je 60 Pfund als Kaution für rechtzeitige Rückkehr deponiert. Unmittelbar vor der Abreise erhielten hundert der Touristen den Bescheid, daß ihnen keine Visa gegeben werden, während 50 anderen mitgeteilt wurde, daß ihre Gesuche einige Tage später zur Erledigung gelangen werden. Die 150 Touristen konnten die Reise, auf die sie sich vorbereitet hatten, nicht mehr antreten. Dieses Vorgehen des englischen Konsulats hat in der jüdischen Gesellschaft Warschaus um so mehr Empörung hervorgerufen, als christliche Palästina-Touristen anstandslos die Visa erhielten, ohne daß sie eine Geldbürgschaft hinterlegen mußten. * Dem Aufruf der Histadruth Haowdim, angesichts des durch die unzureichende Einwanderung verursachten Arbeitermangels freiwillige Erntehelfer zur Einbringung der restlichen Ernte in den Orangenpflanzungskolonien beizustellen, haben 400 Schüler und Studenten der Hebräischen Universität, des Haifaer Technikums und anderer höherer Schulen Folge geleistet. Man erwartet, daß diese Zahl mit dem Beginn der Pessachferien auf 1000 anwachsen wird. Siebzehn Führer der arabischen nationalistischen Revolte in Palästina im Oktober 1933, die sich gegen Einwanderung und Bodenerwerb von Juden richtete, wurden zu Zwangsarbeit von 5 bis 10 Monaten verurteilt. Sie haben Berufung eingelegt und wurden bis zum Beginn des Prozesses vor dem Berufungsgericht gegen Leistung von Geldgarantien auf freiem Fuß gesetzt. * Zwischen der Executive der Jewish Agency und der Führung der Agudas Jisroel ist eine Verständigung getroffen worden, der gemäß — zum ersten Mal in der Geschichte der neuen Alijah — Vertreter der Agudah das Recht erhalten, den Sitzungen der Palästinaämter in den verschiedenen Ländern mit beratender Stimme beizuwohnen und auf die Auswahl der Palästinawanderer aus den Reihen der Agudah einen E i nf 1 u ß auszuüben. Bekanntlich hat die Jewish Agency der Agudah aus der letzten Schedule 125 Zertifikate zugeteilt, wobei festgelegt wurde, daß die Agudaheinwanderer allen Anforderungen, die an Chaluzim in bezug auf Hachscharah usw. gestellt werden, entsprechen müssen. Auch von den zukünftigen Schedulen werden der Agudah entsprechende Quoten zur Verfügung gestellt werden. * Der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Earl of Plymouth erwiderte im Oberhaus auf die Frage von Lord Templetown, ob die Regierung nicht daran denke, die Entwicklung des Oelfeldes am Toten Meer selbst in die Hand zu nehmen, statt sie einem privaten Unternehmen zu überlassen, folgendes: Es ist noch nicht erwiesen, ob in Palästina irgendwelche ertragreiche Oelquellen gebohrt werden können. Die Ansichten hierüber gehen auseinander. Es ist darum besser, wenn Private nach dieser Richtung hin Forschungen anstellen. O e 1gewinnung ist ein riskantes Unternehmen, zu dem große praktische Erfahrung notwendig ist. Die Regierung werde die Vorgänge auf diesem Gebiet genau verfolgen. * Die Bne Briss-Loge „Schaare Zion" in Tel Aviv hat die Initiative zur Abhaltung einer Weltkonferenz der Bne Briss-Logen in Tel Aviv am „Lag beomer"-Tag (3. Mai) ergriffen. Riga. Das lettländische Parlament stimmte der Gesetzesvorlage zu, daß Nationalsozialisten keine Posten in staatlichen und städtischen Aemtern bekleiden dürfen. Aphorismen aus dem Talmud Versprich wenig, halte viel. * Wer sein Versprechen nicht hält, steht auf einer Stufe mit den Götzendienern. * Wahrheit ist Gottes Siegel. * Beurteile Deinen Nächsten stets nachsichtig und entschuldigend. * Verleumdung ist schlimmer als die größten Verbrechen. * Das Wort gleicht der Biene: es hat Honig und Stachel. » Schweigen ist ein Zaun der Weisheit. * Kein besseres Füllhorn des Segens gibt es als den Frieden. * Frieden stiften unter den Menschen wird im Diesseits und Jenseits belohnt. -*>~ . * Eher :'$oll sich der Merfsch ins Feuer werfen lassen als' jemanden öffentlich beschämen. * Oeffentliche Beschämung des Nächsten ist wie Blutvergießen. * Stolz ist die Maske der eigenen Fehler. * Wer in die Höhe speit, dem fällt der Speichel ins Gesicht. * Die beste Eigenschaft ist ein gutes Herz. * Sei lieber der Schweif des Löwen als das Haupt der Füchse. * Des Nächsten Ehre sei Dir teurer als Deine eigene. * Der Greis zum Rat, der Jüngling zum Kriege. * Zufriedenheit ist der wahre Reichtum. * Achtet auf die Kinder der Armen, denn von ihnen wird die Wissenschaft ausgehen. „FAMILIEN SCHUTZ" Gemeinnützige Vereinigung für Familienfürsorge Wien II.. Aspernbrückenqaaae 2_Tel. B 43-500 Durch Monatsbeiträge von S I bis 10 kann man bei ans sicherstellen:; Studienbeiträge für Töchter und Söhne Ausstattungsbeiträge für TScbter Vorsorge für das Alter und für die Hinterbliebenen Unsere Vorteile: 1. Geringe Beiträge. 2. Uobe Versicherungssummen. 3. Keine Wartezeit, daher sofortige Wirksamkeit. 4. Volle Garantie der Lebensversicherungsgesellschaft. Phönix". 5. Keine Nebengebübren. 6. Keine ärztliche Untersuchung. 7. Unverfallbarkeit nach zweijähriger Beitragszahlung. 8. Keine Aufnahmegebühr. Oer „FAMILIENSCHUrZ" wird von der Wiener Kutttugemeinde befürwortet Es beschämen Deutschland Rumänien. In Erwiderung auf mehrere Interpellationen in der Kammer hielt der Unterstaatssekretär Iamandi eine großangelegte Rede, die als unerschütterliches Bekenntnis der rumänischen Regierung zur demokratischen Staatsform im Inlande wie im Auslande starke Beachtung fand. Ein besonderes Kapitel widmete Iamandi der Stellung der Regierung zu den Juden. Er analysierte das Rassenproblem und lehnte jede Rassenpolitik im Namen der rumänischen Regierung mit Entschiedenheit ab. Die modernen Forschungen, sagte er, haben erwiesen, daß es keine reinen Rassen gibt. Auf die Einwürfe der Antisemiten, u. a. Cuzas, hin erklärte er, es sei wohl richtig, daß in manchen Teilen des Reiches Juden in großer Zahl wohnen und wichtige wirtschaftliche und soziale Funktionen innehaben. Man darf aber nicht vergessen, daß sie keinem Rumänen etwas wegnahmen, daß sie Stellen besetzten, die frei waren, und daß Rumänien es ihnen zu verdanken hat, daß es sich wirtschaftlich ausgestaltet und auf allen Gebieten Fortschritte gemacht hat. Es ist dies eine historische Tatsache, daß unsere heutige bürgerliche Entwicklung, daß die Schaffung der Anfänge unseres nationalen Ka- GROSSFLEISCHHAUEREI tIEGM. KORNMEHL ««■■■■■■■■■■■■■■■■■■■iMBl VJUM IX* BMMMMSSS NR. 1 MUAUi XVIII., WAHRINQIRSTRASSm •? Telephon Nr. A 17*99 und A 18-9-34 Lieferant für ttellamtaltM AbteilungenfQrKoscherfleisch Mtor JtafsleM dos «brat. Rafeblrates dot> lar. Kaltasa«MB«lafj» Vtaa. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreis«» pitals allen dieses Land bewohnenden Faktoren zu verdanken ist. * —» Griechenland. Der Generalgouverneur von Mazedonien, Philipp Dragoumis, hat mit dem Oberstaatsanwalt und dem Pressechef der Regierung eine Besprechung betreffend die gegen die antisemitischen Hetzblätter in Saloniki zu ergreifenden Maßnahmen abgehalten. Bei dieser Gelegenheit erklärte der Generalgouverneur: Die Regierung ist fest entschlossen, nicht zuzulassen, daß die Zeitungen Unfrieden zwischen Juden und Christen säen. Wir mißbilligen durchaus die Hetze gewisser Zeitungen gegen ein Element der griechischen Bevölkerung, das wir von materiellen wie moralischen Gesichtspunkten aus als w e r t.v o 11 f ü r d e n F o r tschritt des Landes erachten. Sollte man auf unsere Mahnungen nicht hören, so wird unsere Geduld bald ein Ende haben und man wird sich dann unseren Anordnungen fügen müssen. Die Petition Bernheim. Die unter dem Vorsitz des früheren schweizerischen Bundespräsidenten C al o n d e r tagende O b e rschlesische Gemischte Kommissron hat in den letzten Tagen in Kattowitz den Fall des deutschen Juden Franz Bernheim in einer vertraulichen Aussprache behandelt und der Erledigung zugeführt. Die Entscheidung der Kommission wird vorläufig der Oeffentüchkeit nicht mitgeteilt Der Fall Bernheim hat im Sommer 1933 die Weltöffentlichkeit beschäftigt. Bernheim, ein deutscher Staatsbürger jüdischer Herkunft, wurde im Zuge des von den Nationalsozialisten in ganz Deutschland durchgeführten antijüdischen Boykotts aus einem Warenhaus fn Gleiwitz. Oberschlesien, wo er angestellt war, entlassen. Er ging ins Ausland und forderte im Wege einer an den Völkerbund gerichteten Beschwerde eine Entschädigung von der deutschen Regierung: dies auf Grund des Abkommens zwischen Deutschland und Polen, wonach beide Staaten sich verpflichten, die Rechte atter Bürger Oberschiesiens zu wahren. Im Verlaui der in der Völkerbundversammlung öffentlich durchgeführten Aussprache über den Fall Bernheim nahmen sich die Vertreter Frankreichs, Englands, der Tschechoslowakei und andern Staaten m denkwürdigen Ausführungen der verfolgten deutschen Juden an und gaben der Meinung Ausdruck, daß der Minderheiten, schütz nicht nur den oberschlesischen, sondern auch aüen deutschen Juden zukommt. Der deutsche Vertreter, Herr v. Keller, der offenbare Tatsachen wegzudisputieren suchte, spielte während dieser Verhandlungen e?ne sehr klägl'iche Rolle. Schließlich wurde die Petition Bernheim über Antrag des irischen Delegierten L e s t e r vom Völkerbung der Gemischten Oberschlesischen Kommission zur Entscheidung überwiesen. Oer Alpenverein gleichgeschaltet. Der A1 p e n v e r e i ft hat in seiner kürzlich in Berlin abgehaltenen Jahresversammlung die völlige Gleichschaltung und Ausschließung aller N ich tarier beschlossen. Die englische Königin beglückwünscht die Bergner. Königin Mary von England wohnte in LondcTt einer Theateraufführung bei, in der Elisabeth Bergner, die wegen ihres Judentums aus Deutschland vertriebene geniale Schauspielerin, die Hauptrolle spielte. Nach Schluß der Vorstellung äußerte Königin Mary den Wunsch, daß ihr die Bergner vorgestellt werde. Die Königin beglückwünschte die Schauspielerin zu ihrer unvergleichlichen Leistung und unterhielt sich mit ihr längere Zeit. New York. In diesen Tagen ist in New York ein Großhirn mit dem Titel „The House oi Rothschi I d". der die Geschichte der Rothschild-Familie durch zwei Generationen verfolgt, uraufgeführt worden. Her Film wird auch in europäischen Ländern vorgeführt werden.

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