Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 13-14 (30.3.1934)
- Date
- 1934-03-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 DIE WAHRHEIT DIE SCflOHOLADEN UND KAKAOPOLfER — ne© *7ü — Sr. Ehrw. Herr Rabbiner H. SCHENK beaufsichtigt heuer nur die Schokolade-Erzeugnisse der Marke „EFlOIJi" Koch- Wirtschafts-, Haselnufc- und Bitterschokolade 10 Groschen-Schokolade in Haselnuß und Bitter AMeUnnti M«laer «er »eazUMter scbeMIaaeuithrtk Wien HU., OoidscmaiSstr. Ml / Tel. D 33-1-60 ^mmmmm^mmmmmmmmmmm^mm^^m^amm^mm Organisation Amerikas Morris Rothenberg und Rabbi Jonah B. W i s e. Ihnen zur Seite steht ein Administrative Committee, das sich aus 13 prominenten amerikanischen Juden zusammensetzt. Hauptredner auf der Kundgebung waren der Hochkommissar James Mac Donald, Paul Baerwalti, Morris Rothenberg und' Jo.iah B. Wise. Am 27. März wurde in London unter dem Vorsitz Anthony de Rothschilds eine große anglojüdische Konferenz abgehalten, auf der der Beginn einer zweiten großen Sammelaktion der englischen Judenheit für das Hilfswerk zugunsten deutscher Juden proklamiert wurde. Ansprachen hielten u. a. der ehemalige Vizekönig von Indien und' frühere britische Außenminster Lord R e a- Erstklassige Ruche sowie Weine von S 2.— per Liter aufwärts, auch alle Sorten Orlg. Palfistina -Wein«, erhalten Sie im altrenommierten RESTAURANT P10RITZ SINGER Ii., if omOdiengasseO (EffieZlrhusgasse) dang und der Vorsitzende der Zuteilungskommission des Central British Fund und frühere Vorsitzende des Board of Deputies Sir Osmond d'Avigdor Goldsmid. Die Nothilfe in Prag beendet. Das Jüdische Hilfskomitee in Prag hat eine Reorganisation seiner Tätigkeit vorgenommen. Die Nothilfe wurde beendet. Die politischen und staatenlosen Flüchtlinge und Emigranten, die noch in der Fürsorge des Jüdischen Hilfskomitees waren, hat die Jüdische Fürsorgezentrale zwecks endgültiger Liquidierung und Lösung der einzelnen Fälle namentlich übernommen. Das Hilfskomitee wird weiterhin die Emigranten in Paßangelegenheiten, konstruktiver Hilfe. Palästina- und sonstiger Auswanderung beraten. r Die Braunhemden Zions. Von M. Y. Ben Angesichts der Erhebung der formellen Anklage gegen Stavsky, Rosenblatt und Achi MeTr wegen der Ermordung Arlosoroffs und der von der Londoner zionistischen Exekutive verfügten Auflösung des Sonderverbamdes der Zionisten-Revisionisten dürfte der folgende Artikel, den wir auszugsweise dem Pariser „Neuen Tagebuch" entnehmen, allgemeinem Interesse begegnen. Die Red. In Paris sitzt ein talentierter, aber eitler Journalist namens Jabotinsky, der seit Beginn des Weltkrieges alles nur Mögliche versucht, um von sich sprechen zu machen. Zuerst suchte er die im Osten Londons lebenden polnischen Juden in die englische Armee zu bringen. Dann organisierte er auf Gallipoli ein Mulitreiberkorps, das sich damit beschäftigte, unbewaffnete Juden im Feuer der türkischen Batterien zu Artillerie-Handlangern auszubilden. Nun, es gab im Krieg manche Arten von patriotischen oder individuellen Abenteurern, die, wenn der Erfolg für sie sprach, später zu Helden ernannt wurden. Darüber soll hier nicht gesprochen werden. Etwas bedenklichere Blüten schon trieb der Geltungstrieb dieses unleugbar fähigen und patriotischen, aber humorlosen und politisch nicht gerade genialen Nachahmers geschichtlicher Persönlichkeiten, als er, ohne Legitimation, mit dem Judenschlächter Petljura unterhandelte und ihm vordringlich jüdische Legionen anbot. Grotesk-tragisch aber wurde seine Rolle, als er, fasziniert von dem aufkommenden Faschismus Italiens und besonders Deutschlands, daran ging, im Judentum eine faschistische, besser gesagt: eine zwar natürlich nicht antisemitische, dafür um so exzessiver arbeiter- und araberfeindliche Art Hitlerpartei zu gründen. Es soll hier nicht über die Geschichte dieser Gründung — deren Ziel die Krönung des großen Jabotinsky zum Diktator war — gesprochen werden. Es soll nur der sicherlich erstaunten Mitwelt mitgeteilt werden, daß das vom deutschen Nationalsozialismus so verfolgte Judentum in seiner Mitte eine Organisation besitzt, l>estehend aus heroischen und aus unsagbar lächerlichen Elementen, die genau nach dem Muster eben dieser nationalsozialistischen Organisation aufgezogen, nicht nur ihre Methoden, Ziele und Kampfmittel, sondern sogar ihre Aeußerlichkeiten kopiert, das braune Hemd, den Schulterriemen — und den deutschen Gruß, der hier zum „jüdischen Gruß'* umannektiert wurde. Es ist ein seltsam tragischer Witz, den sich die Judenheit in diesem Augenblick ihrer größten Bedrängung leistet. Die revisionistische, die „nazionistische" Partei ist geteilt in eine Gruppe der Wähler, also der bürgerlich-passiven Elemente, und in eine militärisch organisierte Stoßtruppe, die sich „Britli Trumpeldor" nennt. Der Name ist typisch für die Wirrköpfigkeit des Ganzen. Trumpeldor, der einzige jüdische Offizier auf russischer Seite im russisch-japanischen Krieg, war eine der faszinierendsten Erscheinungen im Beginn der jüdischen Palästina-Kolonisation, nach der Vertreibung der Türken. (Dieser einsame, einarmige G a v r i e 1. Kämpfer fiel bei der Verteidigung eines Platzes gegen Beduinen.) Trumpeldor aber war alles eher denn ein Faschist.*) Er war einer der alten russischen Sozialisten, und sein Grab ist noch heute ein Wallfahrtsort für die sozialistische Jugend Palästinas. Nichtsdestoweniger erklären die verbissenen Anti-Sozialisten den Mann, dessen Bild in jeder Kommune Palästinas hängt, zu Ihrem Helden und tragen dieses Bild neben dem Jabotinskys, des in jeder Beziehung ihm entgegengesetzten Antipoden, Ukase, Befehle und Geheimzirkulare erlassenden und Paraden abnehmenden Narren von Paris. Der Arbeiterheld Trumpeldor neben dem Mann der großen Geste, dem Mann der demagogischen Aeußerlichkeiten und des verbissenen, beinahe pathologischen Arbeiterhasses — eine blutige Groteske! r;: ~ Die Nazionisten machen immer häufiger von sich reden. Nicht durch systematisch-aufbauende Arbeit — sie haben bis heute noch kein halbwegs diskutables wirtschaftliches oder politisches Programm, das über die nebulose Forderung nach einem jüdischen Kostarika, nach einem Judenstaat um des Staates, nicht um der sozialen Gerechtigkeit willen, hinausginge. Aber durch Straßenkrawalle, durch systematisch betriebene Streikbrechereien, gelegentlich auch durch eine Geheimbundromantik, die an die übelsten Kitschromane längst vergangener Dienstmädchenträume erinnert. („Schick mir statt Blumen Dolche" schrieb, wie eine Gerichtsverhandlung ergab, einer der Führer eines solchen Bundes jüngerer und älterer Knaben.) Alle diese Dinge sind symptomatisch für eine Geisteshaltung, die es verständlich erscheinen läßt, daß einige Burschen aus diesen Kreisen unter der Beschuldigung, den „Außenminister" der Jewish Agency, Hayyim Arlosoroff, einen der besten Köpfe des konstruktiven Judentums dieser Tage, erschossen zu haben, vor die Geschworenen kommen werden. Man weiß noch nicht ob diese Beschuldigung richtig ist, die Voruntersuchung zog sich monatelang hin. Aber was man weiß, ist dieses: ein penetranter Romantizismus beginnt sich in die Politik eines Volkes einzuschleichen, das heute aller Kräfte bedarf, um konstruktivem positiv aufzubauen. Man weiß ferner :daß ■eine verantwortungslose Gruppe sich für westliche Methoden und Ziele begeisternder junger Menschen einer Arbeiterschaft Palästinas, die an opferbereitem Patriotismus und nationaler Hingabe von niemandem zu übertreffen ist, in den Rücken fällt. Und weiter ist sicher, daß die Burschen, die aus romantischer Sehnsucht mit Gewalttaten liebäugeln, unter dem faszinierenden Einfluß halbverrückter Führer imstande sind, den Aufbau Palästinas um Jahre zurückzuwerfen. * Gleichgeschaltet Die griechische.Regierung hat der antisemitischen EEE und dem Brith Bille um rechtzeitige Vormerkungen für die Erstklassige I1DS "ft£0 Weine von S 2.— per Lüer aufw. ins Haus zugestellt. Alle Sorten Karmel- und Palästina- Weine. RESTAURANT HERUNGER II., f ADORSTRASSE Nr. 18 im Hotel National Tel. R 47-7-41 Trumpeldor das Tragen von Uniformen verboten; sie erlaubte aber dem EEE eine Reorganisierung unter andersdenkenden Führern und das Tragen einer neuen Uniform. *) Diese Tatsache hinderte auch die Wiener Nazionisten nicht, den 14. Todestag TrumpeWors im Wiener Stadttempel in einer mehr als bombastischen Weise zu feiern. ' D. Red. Bruderzwist in Palästina. Fast täglich laufen neuestens Meldungen aus Palästina ein, die von schweren Konflikten zwischen Revisionisten und Arbeiterparteilern berichten, Konflikte, die bereits, wie berichtet, zu blutigen Zusammenstößen geführt haben. Versuche, von den verschiedensten Seiten unternommen, diesen Bruderzwist beizulegen, sind bisher gescheitert, gewöhnlich an dem Widerstand der Revisionisten, die mit den verhaßten Gegnern nicht Frieden halten wollen. Dieser Tage hat sogar die Executive der Union der Zionisten-Revisionisten alle Revisionisten in Palästina aufgefordert, aus der Knesseth Jisrael, der von der Regierung anerkannten organisierten jüdischen Gemeinschaft, auszutreten. Aus diesem Beschluß erkennt man die Gespanntheit der inneren Lage im Heiligen Lande, in dem gerade in dieser Woche das zionistische Aktionskomitee zu seiner ersten Tagung seit dem vorjährigen Kongreß versammelt ist. Aus diesem Anlaß weilt auch Dr. Weizmann in Palästina. Als Hauptredner auf einer jüngst stattgehabten Keren Hajessod-Kundgebung in Jerusalem befaßte er sich auch mit der inneren Lage in Palästina und führte dazu folgendes aus: Aufs schmerzlichste muß ich es bedauern, daß englische Polizisten sich zwischen Jude und Jude stellen müssen, um einen Bruderzwist zu verhüten. Die Juden werden in Zukunft vor allem nach dem beurteilt werden, was sie in Palästina tun. Käme es zu einem innerjüdischen Blutvergießen in Palästina, so würde die Welt sagen: Tausende Jahre habt ihr uns angeklagt, daß wir euch Juden keine Chance gegeben haben; heute, da ihr die Chance habt, zerstört ihr sie. Wie nie vorher ist diese Zeit eine Zeit der Gefahr für das jüdische Volk, vom Rhein bis zum Pazifischen Ozean geht man gegen die Juden im Angriff vor. Es ist darum selbstmörderisch, daß jetzt Juden in Palästina sich auf eine Linie des Zwistes festlegen. Weizmann schloß: Als einer, der Schulter an Schulter mit euch in Zeiten der Bedrängnis gekämpft hat, richte ich an euch nun den Appell zu Frieden und Harmonie. Palästina-Nachrichten. Bis 31. Jänner 1934 war der Verwaltungsüberschuß der Palästina-Regierung auf 2,341.746 Pfund angewachsen. Während der ersten zehn Monate des Finanzjahres, das am 1. April 1933 begonnen hat, betrugen die Einnahmen 3,204.739, die Ausgaben 2,096.288 Pfund, so daß sich für diese zehn Monate allein ein Ueberschuß. von 1,111.451 Pfund ergibt. * i Wie „Davar" mitteilt, sind im letzten Halbjahr 30 jüdische Bahnarbeiter aus den Diensten der palästinensischen Bahnverwaltung wegen ungünstiger Arbeitsbedingungen und niedriger Löhne ausgeschieden. Unter dem gesamten etwa 3000 Arbeiter und Angestellte umfassenden Eisenbahnpersonal befinden sich derzeit nur noch 200 Juden. Die Lage der jüdischen Eisenbahnbediensteten wird auch dadurch sehr erschwert, daß die Eisenbahnverwaltung die Bitte jüdischer Angestellter, an Sabbathtagen vom Dienste befreit zu werden und statt dessen regelmäßig am Sonntag arbeiten zu dürfen, a bgelehnt hat * Die - Einwanderungsabteilung der Palästina-Regierung hat den Leiter der Arbeitskontrolle George Msarsa, einer, christlichen AraberO), beauftragt, die Fabriken und Industriebetriebe im Gebiet von Jaffa und