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Die Wahrheit · 1934-03-30 · Heft 13-14 (30.3.1934) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 13-14 (30.3.1934)
Date
1934-03-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite? Voptrßf fliehMazzßs'BrißB'Mßtl1, FaraB1> statt ^Bitmitm 3 Bortß: »voptT8fr lieh—Erzeugung unübertroffen". In allen Bezirhen Uerhaufsstellen täglich frisch. » Lernt Deutschland kennen!" Es ist wirklich sonderbar, wie unkonsequent die Machthaber und ihre Unterführer im Dritten Reich sind. Während sie gestern noch mit dem Brustton der Ueberzeugung erklärten, daß sie auf die außerhalb Deutschlands lebenden .luden absolut nicht neugierig sind, während die diversen deutschen Seebäder und Kurorte auf ihren Prospekten und Werbeschriften an leuchtende Stelle das Wort „judenrein" stellten, hat sich bei diesen „Edelmenschen" plötzlich eine Wandlung vollzogen, die dem nüchternen Betrachter wohl zu denken gibt. Die deutsche Postverwaltung ließ nämlich neue Korrespondenzkarten herstellen, die das Bild irgendeiner Landschaft zeigen, über dem die Worte „Lernt Deutschland kennen!" in großen Lettern gedruckt stehen. Da diese Werbung wohl kaum für den Einheimischen bestimmt sein dürfte, kommt naturgemäß dieser Aufruf nur für den Ausländer in Betracht, und da in den einzelnen Staaten auch Juden leben, ist die obige Aufforderung auch an diese gerichtet. Also: „Juden, lernt •Deutschland kennen!" Nun, ich glaube, daß sich wohl jeder Jude, ob er nun in England oder Argentinien leben möge, beim Lesen der Werbung das richtige Urteil über diesen plötzlichen Gesinnungswechsel bilden "wird. Zeigt denn diese Fremdenverkehrs-Propaganda nicht genau, daß die Pleite im Dritten Reich schon gToße -Dimensionen angenommen hat, legt sie nicht klar und deutlich die Folgeerscheinungen des nationalsozialistischen Systems zutage, des wirtschaftlichen und moralischen Bankrotts eines Staates, dessen Führer die Worte ,.Juda verecke!" geprägt haben, sie in die Massen posaunten und heute schon selbst, wenn auch noch nicht rückhaltslos zugeben, daß das von Lüge angefressene Gebäude vor dem Zusammenbruch steht? Wo sind die rauchenden Fabrikschornsteine, die Hitler bei seinem Antritt als Reichskanzler dem deutschen Volke versprochen hat? Bringen nicht täglich die deutschen Korrespondenzen offizielle Statistiken, die den Rückgang von Export, Handel usw., Einstellungen von Zeitungen, Auflassungen von ganzen Industriezweigen (siehe die Spitzenerzeugung in Sachsen usw.) offen bestätigen? Und nun wirbt Deutschland für den Fremdenverkehr: „Lernt Deutschland kennen!" Ironie des Schicksals! Gestern noch verzichten, heute fast flehen! Ungefähr: Kommt, lernt unser Land kennen, wir tun euch nichts, ihr werdet euch selbst überzeugen, wie schön und gut alles bei uns ist, doch kommt nur und lernt Deutschland kennen! Ich würde der deutschen Postverwaltung empfehlen, bei einer Neuausgabe ihrer Postkarten statt dem Landschaftsbild das Photo irgendeines Konzentrationslagers oder das Bildnis eines zum Krüppel geschlagenen Juden zu bringen, mit einem Wort zu zeigen, wie das Deutschland von heute in Wirklichkeit aussieht mit seinem Judenboykott, seinen Bestialitäten und Konzentrationslagern. „Lernt Deutschland kennen" — man kennt es zur Genüge. Sulfur. VOßNEflUE FAMILIEN - PENSION iRRttaaratioBjBffnhai» täglich 5-Uhr-Tee IscrancBiNo TELEPHON 11 {Hochstraße 43 'neben Kasino und Strandbad | Mäßige Preiset Zimmer mit Pension S12.— aufwärts Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser M in jedem Zimmer. Zum Besuch ladet höflichst ein Eckstein« Besitzer i IfiliiBf V^iiiiiiiÄ mmsm mmmmmmmmmmmaimim Amerika bleibt fest. Auf Antrag des /Mitgliedes des amerikanischen Kongresses Samuel Dickstein beschloß das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten, einen Untersuchungsausschuß zur Prüfung von Art und Umfang der nationalsozialistischen Propaganda in den Vereinigten Staaten einzusetzen. Die Zustimmung des Senats liegt bereits vor. Samuel Dickstein war in der Lage, den beiden Körperschaften des amerikanischen Kongresses ein umfangreiches und sehr schwerwiegendes Material Aber die Wühlereien deutscher nationalsozialistischer Emissäre, die die Sicherheit in den Staaten untergraben, zu unterbreiten. Es gelang Dickstein, nachzuweisen, daß die Hitler-Regierung eine Art Geheimpolizei in Amerika unterhalte, die versuche, 12 Millionen Deutsch-Amerikaner zu zwingen, der „Gesellschaft der Freunde des Neuen Deutschland", einer getarnten Nazi- Organisation, beizutreten, indem sie ihnen im Weigerungsfall androhe, ihre in Deutschland gebliebenen Verwandten allen möglichen Verfolgungen auszusetzen. Senator Read teilte dem Vorsitzenden der „Agudas Bene Erez Israel" in Philadelphia, Rabbi Mosche Lipschitz, mit, er werde im Senat die an den deutschen Juden begangenen grauenvollen Ungerechtigkeiten brandmarken und eine Aussprache über die Nazi-Barbarei herbeiführen. Zu PIDS benutz« man in jedem jüdischen Hauso SIEMES fEinstos Palästina OliTenö ras1? nwa n m pw Heurig frisch, nur mit Einprägung in der Dose. TlDSb TED Das Beste zum Kochen, Braten, Backen, das Beste für Salate und Mayonnaise, das Beste für Medizinal- ZWGClcC am iiiiiui im* in zehn Sorten, Bade-Soap, Adin, Hadar Hacarrael. Galil, Carmel Flowers, Baby Soap, Menorah, La Palma, A la Marseille und Ora Seifenflocken in allen besseren Geschäften erhältlich. Generalrepräsentant für Österreich: Sa. RABINOWITSCH Wien II., Zirkiiigass« 10, Tnl. R 48-7 St jj^i an den Sederabenden bei A. BARSCH AK Wies IL, Grolle ScHlttOasse Nr. 3 Telephon \ 40-4 S§ Unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Josef Babad Berühmt sind seine ungarischen Weine, Palästinaweine. Meth. Slibowitz. Kognak von S 2.- per Liter aufwärts. Besonders empfehlenswert: seine streng koschere Küche rraa bv m Der Einwanderungsausschuß des Repräsentantenhauses hat beschlossen, der Regierung die Annahme eines Gesetzes zu empfehlen, worin die bevorzugte Behandlung von deutschen Flüchtlingen festgelegt wird. Der Bericht erinnert an die amerikanische Tradition, allen Flüchtlingen, die Opfer religiöser, nationaler oder politischer Verfolgungen sind, Zuflucht zu gewähren. Die Direktion des New Yorker Warenhauses R. H. Macy gibt bekannt, daß sie ihr Einkaufsbüro in Deutschland schließt und an dessen Stelle ein Einkaufsbüro in Prag eröffnet. Als Grund wird angegeben, daß infolge des überhandnehmenden Boykotts deutscher Waren in den U. S. A. sich die Einkäufe in Deutschland im Verlauf von sechs Monaten um mehr als 90% verminderten. Das Prager Büro wird nunmehr die Einkäufe für Macy in der Tschechoslowakei, in osteuropäischen und in skandinawischen Ländern tätigen und Deutschland als Einkaufsquelle nicht mehr in Betracht ziehen. Das Warenhaus R. H. Macy & Co., dessen Hauptinhaber der amerikanische Botschafter in Paris Jesse Isidor Straus ist, der einmal auch als Botschafter in Berlin in Aussicht genommen war, ist eines der größten New Yorker Warenhäuser sowie der Welt überhaupt. Es besitzt im Zentrum New Yorks einen Riesenwolkenkratzer. Der Umsatz beläuft sich auf viele Millionen Dollar. Die Gesellschaft hat mehrere tausend Angestellte und gilt als das vornehmste New Yorker Warenhaus. Es führt aus Europa unter anderen Textilwaren, Handarbeiten, Porzellan und Spielwaren in ungeheuren Mengen ein. Der Hauptteil dieser Waren wurde bis jetzt in Deutschland angeschafjt Nunmehr sah sich Macy mit Rücksicht auf die jüdische Kundschaft gezwungen, den Verkauf deutscher Waren einzustellen und in die anti-deutsche Boykottfront einzutreten. Das Mammuth-Warenhaus F. W. Woolworth gibt bekannt, daß es die Einfuhr deutscher Waren infolge „beharrlichen Widerstandes'4 der Konsumenten eingestellt hat. Bernard F. Gimbel, Präsident des Mammuth- Warenhauses Gebrüder Gimbel, gibt bekannt, daß seine Finna die Einkäufe in Deutschland eingestellt hat, weil „faktisch keine Nachfrage nach deutschen Waren mehr besteht". Emigranten-Hilfswerk. Der Beirat der privaten Organisationen iür Flüchtlingshilfe beim Hochkommissariat des Völkerbundes wurde zu einer Beratung nach London iür den 30. April und 1. Mai einberufen; dieser Tagung schließt sich eine Sitzung des aus Vertretern der Regierungen sich zusammensetzenden Verwaltungsrates für die deutschen Flüchtlinge beim Völkerbund an. Die Tagesordnung dieser beiden Beratungen enthält u. a. folgende Punkte: 1. Bericht des Hochkommissars über die Tätigkeit seit der Dezembersitzung. 2. Allgemeiner Bericht über die Lage der Flüchtlinge in den verschiedenen Ländern und die Tätigkeit der Hilfsorganisationen. 3. Emiigration und Seßhaftmachung der Flüchtlinge in den Ueberseeländem. 4. Fortschritte in den Bemühungen der Flüchtlinge, sich den neuen Bedingungen anzupassen. 5. Pässe und Arbeitserlaubnisse für die Emigranten. 6. Das Problem der Staatenlosen. 7. Schaffung eines Fonds für Hilfe und eines für konstruktive Zwecke. 8. Erhöhung der Zahl der Verwaltungsratsmitglieder. Vor diesen Sitzungen whrd Hochkommissar Mac Donald iKeh eine Reise durch einige Länder machen, um dort die Lage der Flüchtlinge und den Stand der Hilfs- und Umschichtungsarbeit zu prüfen. Hochkommissar MacDonald wird Anfang April die Tschechoslowakei und Polen besuchen und einige Tage in Prag und in Warschau zubringen. * Der „große Schweiger" James MacDonald. Im ..Pariser Tageblatt" iührt Prof. Georg Bernhard u. a. aus: Dur Amerikaner MacDonald erweist sich als ein großer Schweiger. Er hat einige große Reisen unternommen. Er ist sogar nach Deu tsc h La nd gefahren. Aber dort hat ihn keiner der führenden Nationalsozialisten empfangen. Das war verauszusehen. Wie überhaupt von Anfang au die Idee völlig verfehlt war. im Guten mit Hitler-Deutschland arbeiten zu wellen. Dort versteht man nur eine harte Sprache und ein festes Zugreifen. Der Kommissar in Lausanne ist vom Weltgewissen als dessen Exekutor gegen die Barbarei des Dritten Reiches eingesetzt wordien. Davon merkt man bisher gar nichts. Bisher verlautet nicht einmal darüber etwas, daß in der iür die Emigranten so überaus wichtigen Paßfrage ein Beschluß gefaßt und wenigstens ein Anfang zur Ausführung gemacht worden ist. Noch immer scheint das Problem der deutschen Emigration und besonders das Problem der jüdischen Emigration dahin aufgefaßt zu werden, daß für einige tausend Leute, die sich bereits außerhalb Deutschlands befinden. Z uf Jucht erbettelt werden muß. In Wirklichkeit handelt es sich — wenigstens soweit die jüdische Emigratron in Frage kommt — um ein Wanderungsproblem von riesigen Ausmaßen. Sehr bald wird ein neuer Sturm gegen dia deutschen Juden einsetzen. Aber auch ohnehin wird die noch in Hitler-Deutschland lebende jüdische Jiwpend dort auf die Dauer kein Betätigungsfeld in einer moralisch erträglichen Atmosphäre mehr rinden. Und in den östlichen Ländern ist das dort immer vorhanden gewesene Emigrationsproblem durchaus nicht etwa zum Stillstand gekommen. Es handelt sich hier um Wanderungsprobleme von welthistorischer Bedeutung, die nicht — wie es manche jüdische Magnaten sich und anderen gern einreden möchten — mit der Errichtung einer Abschiebungs-Kartothek gelöst werden können. Aber wie denkt der Hohe Kommissar in Lausanne darüber? Vielleicht bricht or endlich sein „fürchterliches Schweige n". * Neue große Sammlungen in Amerika und England. Mit einer großen Kundgebung in New York wurde die gemeinsame Aktion des American Jewish Joint Distribution Committee und des American Palestine Campaign der Jewish Agency zur Aufbringung von drei Millionen Dollar in diesem Jahre zugunsten der jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland eingeleitet. An der Spitze der Aktion steht der Ehrenpräsident des Joint Distribution Committee Herr Felix M. W a r b u r g. Vizepräsident des Drives sind der Präsident des J. D. C. Paul B a e r w a I d. der Präsident der zionistischen

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