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Die Wahrheit · 1934-03-30 · Heft 13-14 (30.3.1934) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 13-14 (30.3.1934)
Date
1934-03-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite a " 1 Kundmachung Die Alpenmilch-Zentrale Ges. m. b. H. bringt im Einvernehmen mit der Wiener Molkerei auch heuer Pessach-Koschermilch in allen ihren Filialen und Depots zum Verkauf. ' Die Pessach-Koschermilch wird in Meiereien in Niederösterreich unter streng ritueller Aufsicht der von Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. M. Rosenmann bestellten religiös verläßlichen Organe (D'n^'i'ö) erzeugt, gefüllt und zum Verschluß gebracht. Sämtliche Kannen und Flaschen sind neu. Die Kannen sind überdies mit einer Plombe versehen, die den Aufdruck "KEP aufweist: die Flaschen sind Uber dem Halse mit einem Streifen versehen, der die Aufschrift trägt: nos "ü!b 2bn : Es wird bemerkt, daß die Pessach-Koschermilch von uns nur in derart verläßlich geschlossenen Gefäßen abgegeben wird. März 1934. Alpenmilch-Zenlrale Ges. m. b. H. Auskunft erteilt Sr. Ehrw. Herr Rabb. Dr. M. G. Mehr er, Tel. U-l 1-7-84. nos Aus der Fabrik EISEN & HONIGSBER Wien II., Haldgass« 5 — Tal. A 46-4-69 Feinste Wurstand Selchwaren, Roladen und Zungen, Fleischkonserven zu billigen Preisen Moderner Speisesaal ihre Pflicht erfüllt"? Und gilt dies nicht auch für ihre übrigen Kollegen, wo immer sie ihren kärglich genug bezahlten Dienst für die Gesundung der Menschheit tun? Die Beantwortung dieser Fragen müssen wir dem Gerechtigkeitssinn der Lenker unseres Staatswesens überlassen. JCa£ße& W ""I^J"^^^^ ist iui&hiMifigS6pahmdLf Die Wissenschaft bestätigt dies. Kaffeetrinker essen im allgemeinen wenig und fühlen sich wohler als Vielesser. Jjj££u6 MeinA Kaffee-Import Gegr. 1862 Wien. ausgesucht werden. Wenn sich unter diesen eifrige sozialdemokratische Parteigänger befunden haben, so müssen sie logischerweise die Folgen des Systemwechsels ebenso treffen wie die christlichen oder konfessionslosen Aerzte, die in den letzten 15 Jahren diese politische Gesinnung offen bekundeten. Aber wir wissen sehr genau, daß dies nicht für a 11 e jüdischen Aerzte der Gemeinde Wien zutrifft. Die Zahl der jüdischen Aerzte, die in den ständigen Diensten dieser Gemeinde standen, ist ohnehin klein genug. In dem etwa 150 Personen zählenden gemeindeärztlichen Stab der Stadt Wien sind Juden — ebenso wie im Sanitätsdienst des Staates — kaum zu finden. Lediglich für die Vertragsposten, die im ganzen mit einem Monatsiehalt von 180 S dotiert sind, wurden Juden herangezogen. Und nun sollen sie aus diesen kärglich bezahlten Posten — ein Straßenbahnschaffner verdient wesentlich mehr — herausgeworfen werden, nur weil sie — Juden sind. Wenn das allein und nicht der immerhin verständliche politische Beweggrund die drakonischen Maßnahmen der neuen Gemeindeverwaltung veranlaßt, wenn auf diese Weise dem wüsten Geschimpfe der antisemitischen Presse, die in dieser Hinsicht immer wieder mit falschen Statistiken und Bloßstellung eines geachteten Standes Hetzpolitik betreibt, Rechnung getragen wird, dann muß die österreichische Judenschaft daran zweifeln, daß die Worte der führenden Männer unseres Staates von den untergeordneten Instanzen beachtet werden. In Klosterneuburg hat Bundeskanzler Dr. Dollfuß am vergangenen Sonntag erklärt: »Jeder, der treu und ehrlich auf seinem Platze seine Pflicht erfüllt, ist ein gleichwertiger Bürger dieses Landes." Und der Bundesführer des Heimatschutzes Ernst Rüdiger von Starhemberg hat auf einem Empfang der Anglo-Amerikariischen Presse Association, dem zahlreiche Mitglieder der englischen und amerikanischen Gesandtschaft beiwohnten, in einer Ansprache, in der er den Antisemitismus der Gewalt als einen Unsinn ablehnte und sich gegen einen Numerus clausus aussprach, gesagt, daß die Dienste der wertvollen Judenschaft für den Wiederaufbau des Staates benötigt werden ilrid in Anspruch genommen werden sollen. Wir dienen diesen beiden führenden Männern unseres Staates nun mit der Anführung von Leistungen, die in einem gerade für sie und unser ganzes Land bedeutungsvollen Moment, nämlich anläßlich der Februar-Revolte von jüdischen Aerzten unter Lebensgefahr vollbracht wurden. Viel gerühmt wurde bekanntlich in diesen kritischen Tagen die Unerschrockenheit und Aufopferung der Aerzte der Rettungsgesellschaft, darunter auch jüdischer Aerzte, die in unzähligen Fällen intervenieren mußten. Dr. Richard Gitter, ein jüdischer Arzt der Rettungsgesellschaft, hat sich besonders ausgezeichnet. Er fuhr immer wieder in die vorderste Linie. Bei einer dieser Fahrten erhielt er einen Streifschuß am Kopf. Er ließ sich jedoch nur flüchtig verbinden und machte weiter Dienst. Dr. Otto Hahn, ebenfalls ein jüdischer Arzt, leistete in Floridsdorf Hervorragendes an ärztlicher Hilfsbereitschaft. Immer wieder half er Verwundete bergen und harrte an exponiertesten Stellen aus, um sie zu betreuen. . Haben diese Aerzte, die aus der großen Schar ihrer gleich wackeren Kollegen herausgegriffen seien, nicht „treu und ehrlich auf ihrem Platze In der Februar-Ausgabe der von R. N. Coudenhove-Kalergi herausgegebenen Zeitschrift „Paneuropa" finden "wir folgende gediegene Betrachtungen: Die Augen der Welt sind auf Wien gerichtet: denn hier entscheidet sich noch einmal das Schicksal Europas. In dreitägigem Straßenkampf überwand die Regierung die Revolte der Linksradikalen: aber sie siegte zugleich über die Revohitionsdrohung der Rechtsradikalen. Dieses Ereignis gibt dem Ausgang des österreichischen Bürgerkrieges europäische Bedeutung. Denn die Gleichschaltung Oesterreichs hätte dessen Annexion vorbereitet: die Annexion Oesterreichs aber bedeutet dem Europäischen K rieg. * Der Neubau Oesterreichs beginnt: als christlicher, autoritärer und korporativer Staat. Dfeser Staat ist entschlossen, mit dem Parlamentarismus zu brechen und an die Stelle der bisherigen Parteiorganisationen Berufsorganisationen zu setzen. Zwei Dinge aber sollen gewahrt bleiben: eine Kontrolle der Regierenden durch die Regierten — und die Garantie der Menschenrechte. Hier liegt das W^^ghe, das^ Entscheidende, Gelingt dieser große Plan, kann Oesterreich vorbildlich werden für Europa: dessen beste Jugend müde ist der unfruchtbaren) Parteikämpfe — aber dennoch festhält am G1 aube.n an persönliche Freiheit. Die in Freiheit und Menschenrecht, über alle Verfassungsfragen hinweg, den tiefsten Gegensatz sieht zwischen europäischer Kultur und bolschewistischer Staats-Totalität. * Europa blickt nicht nur auf Oesterreich, sondern auch auf den Mann, der es gerettet hat: Dollfuß. Dieser Mann hat gegen zwei übermächtige Fronten zugleich gekämpft und gesiegt. Weil er den Mut fand, an Oesterreich zu glauben, als die halbe Welt es aufgab. Weil er von seiner Pflicht erfüllt ist: von seiner österreichischen, von seiner europäischen Mission. Weil er in einer Welt des allgemeinen Zweifels glaubt. Dieser Staatsmann verdient, jenseits von aller Parteiperspektive, den Dank Europas: weil er nicht nur die Unabhängigkeit Oesterreichs gerettet hat — sondern mit ihr den Frieden unseres Erdteiles. Er verdient zugleich die Achtung der Welt: weil er als Sieger ebensoviel Hochherzigkeit bewies wie als Kämpfer Tapferkeit. Weil er auch als Diktator ein menschlicher Mensch blieb. Von der Kabbala und der weißen Magie. Abhandlungen über mystische Disziplinen pflegen gewöhnlich recht unverständlich zu sein. Man sollte zwar erwarten, daß gerade Darstellungen aus diesen Gebieten so gemeinverständlich sein sollten, daß sie sogar der Laie verstehen sollte, was mir aber bisher in die Hand gekommen ist, war oft das Gegenteil: eine, quasi gezwungene, Unverständlichkeit der Schreibweise; ein Gedanke, der sich in einem Satze hätte ausdrücken a Die Delikatess-Orange für den Kenner ist die PARDESS ORANGE aus Jaffa fErzeugnis jüdischer Pflanzer; Schulzmark* Kamel" Saftig ■ Süß - Kernlos In jedem besseren Geschäft erhältlich lassen, wurde auf zwei Seiten hingezogen. Im Zusammenhang mit meinen kabbalistischen Studien hatte ich oft das Bedürfnis, mich mit der Lehre der Magie vertraut zu machen, hielt aber vergebens nach einem kurzgefaßten Lehrbuch Umschau. Nun kam mir kürzlich ein nettes, auch drucktechnisch vollendetes Büchlein von Herbert Pritsche in die Hand. Es betitelt sich „Kleines Lehrbuch der weißen Magie" (Smichov 1934, Neubert & Söhne). Der Verfasser, bekannt als magischer Dichter und Forscher, hat mit diesem Buche das erste Lehrwerk der weißen Magie in deutscher Sprache geschaffen. Damit ist der Wunsch weiter Kreise in Erfüllung gegangen, aus berufener Feder eine brauchbare Einführung in die weißmagische Praxis zu erhalten, und ich muß gleich hier sagen, daß mich das Buch vollauf befriedigt hat, denn es hat mich auf manche richtige Fährte gebracht. Fritsche, der diese Materie wie nur wenige Deutsche — in Oesterreich sind es die beiden „Franz", Spunda und Struntz — beherrscht, hat es verstanden, in leichtfaßlicher, geradezu anziehender Weise den Weg zu der Lehre zu zeigen, deren Vertreter Paracelsus. Swedenborg, Eliphas Levi waren. Er führt den Leser durch die Klippen schwarzmagischer Versuchungen, zeigt ihm den Weg zur weißmagischen Vollendung, behandelt gründlich die ersten Uebungen, die den „unverweslichen Doppelgänger" erwecken, führt zu dem Bittgebet zum magischen Alltag — und rechnet kurz und bündig mit der schwarzen Magie ab. Daß Fritsche die Kabbala . in Ehrfurcht erwähnt und den Mut fand, das Bild des hohen Rabbi Loew zu bringen, macht das Buch auch für Juden interessant Fritsche. ein treuer Anhänger Gustav Meyrinks, über den er seinerzeit mehrere Aufsätze veröffentlicht hat und dessen er auch in dieser Schrift in „Ehrfurcht und Dankbarkeit" gedenkt, erinnert mich an eine Unterhaltung, die ich mit diesem Vertreter der weißen Magie einige Monate vor seinem Hinscheiden hatte. Meyrink bat mich, ihm jene Stellen im talmudisch-rabbinischen Schrifttum nachzuweisen, in denen Spuren weißer und schwarzer Magie zu finden sind. Gerne war ich bereit, seinen Wunsch zu erfüllen. Schon hatte ich die nötigen Materialien zusammengestellt, als ich von der Nachricht über sein Hinscheiden überrascht wurde. So möge es mir denn vergönnt sein, aus der Zusammenstellung, die ich unter dem Titel „Volkskundliche Materialien zur hebräischen Magie" zur Herausgabe vorbereite, einiges hier zu wiedergeben. Vorweg sei hervorgehoben, daß die Juden die Magie, auf deren Ausübung Mose die Todesstrafe setzte, von den Aegyptern übernommen haben. Da sich die Juden mit dieser Wissenschaft nicht befassen durften.

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