Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 13-14 (30.3.1934)
- Date
- 1934-03-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT ^wuBuuuinnuiiiiuuiuiuu iiiHiiniiiiifflniii||||||||||||||||||||||ii.....iiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiMi nfinserterwaluingo. nopothehen reichsdeutscher Häuser und Hypotheken über- nimmt gegen Monatspauschale Rechtsanwalt Knoch aus Berlin» jetz ständig in Wien I.. Tuchlauben 7a, g Tetephon U 22-3-60 | nummmnE zum Erfolg, zur Erlangung einer herrschenden Stellung verhelfen würde. Das jüdische Volk hat gewiß als erstes Volk der Welt ein so grandioses, sinnreiches Fest der Freiheit geschaffen, das immer wieder in der tausendjährigen Finsternis seiner Geschichte und Drangsale als ein Fanal aufleuchtet, als der Ausdruck ernsten Lebenswillens und unbeugsamen Dranges nach Freiheit sich manifestiert. In der jetzigen Schicksaiswende, wo es darum geht entweder den seit 1789 hochgehaltenen und entwickelten Geist der Gleichheit, Brüderlichkeit und Freiheit zu erhalten oder ihn in einen Morast von Menschenhaß, Unduldsamkeit und Verhetzung .untergehen zu lassen, wie manche Menschengruppen es wünschen, die die große französische Revolution als „die größte Dummheit der Weltgeschichte" bezeichnen, müssen wir das Fest der Freiheit besonders feierlich und mit innigster Andacht begehen. Es ist ein Symbol unseres Daseins. Der Auszug der Juden aus Aegypten nach vielhundertjähriger beispielloser Versklavung ist sicherlich der größte geschichtliche Akt eines Volkes, die heroischeste Tat eines Volksführers seit dem Bestand der Welt. Das zugeben, heißt objektiv, heißt gerecht sein. Weil die Juden die Freiheit lieben und sie verkünden, haben sie ein Recht darauf, daß sie im selben Geist behandelt werden. Bernhard Horowitz, Brünn. Wertvolle Beratung für Palästina-Reisende und Palästina-Reisen (für Mitglieder) durch BMA Kredit-Kassa und Wirtschaftsvereinigung ■ *MP für den Warenaustausch mit Palästina reg. Gen. m. b. H. Wien IV., Capistrangasse 2 Sprechstunden: Montag—Preitag nur von 9—12 Uhr „Jeder, der hungrig ist, komme und esse mit!" Zur Erinnerung an den Auszug der Juden aus Aegypten, zur Erinnerung an die Befreiung von dem Drucke der Pharaonen sitzen wir alljährlich versammelt, um uns an den Sederabenden die Geschichte dieses grandiosen Befreiungskampfes zu erzählen. Wenn die Familie um den Sedertisch versammelt ist, wenn der Vorsitzende der Tischrunde sich die Hände gewaschen hat, um mit der eigentlichen Verlesung der Hagadah zu beginnen, da ergreifen alle, die am Tisch versammelt sind, die Sederschüssel, heben sie in die Höhe und sagen die Worte: „Dieses ist das Brot des Elends, das unsere Väter im Lande Aegypten gegessen haben! Jeder, der hungrig ist, komme und esse mit! Jeder der in Not ist, komme und feiere mit uns dieses Fest!" Wir beginnen dieses herrliche Fest mit einer Einladung an jeden, der hungrig und in Not ist, zu uns zu kommen und an unserem Tische teilzunehmen. Jeder ohne Unterschied des Glaubens und seiner Nationalität möge durch die offene Tür kommen, um seinen Hunger zu stillen, um in der Not einen Retter zu finden. Gerade diese einleitenden Worte unseres Sederabends legen ein beredtes Zeugnis dafür ab, daß wir den Begriff der Nächstenliebe durch nichts eingeschränkt wissen wollen. Wir haben diesen Idealismus der Menschlichkeit nicht gestern und vorgestern gelernt, sondern seit Jahrtausenden als Glaubensdogma und jüdisches Gebot zu halten uns verpflichtet gesehen. Und trotzdem bekämpft man uns, trotzdem wirft man uns vor, daß wir diejenigen wären, die den Begriff menschlicher Erkenntnis nicht verstehen, daß wir diejenigen wären, die das ganze Unglück über die Menschheit heraufbeschworen hätten. In der Jahrtausende alten Geschichte des Judentums haben jüdische Glaubensbrüder gar oft den Wanderstab ergreifen und Haus und Hof verlassen müssen, weil sie verfolgt oder gehetzt wie wildes Tier davongejagt wurden. Aber alljährlich in diesen Tagen der Erinnerung an die Befreiung der Juden von dem Joche der Pharaonen rufen sie in alle Welt hinaus, daß sie nie und nimmer von dem Grundsatz lassen werden, daß jeder ohne Unterschied des Glaubens und der Nationalität, ohne Unterschied ob arm oder reich, ein Recht darauf hat, an seinem Tische zu sitzen, sein Brot zu essen und von seinen Mitmenschen gleichgeachtet zu werden. Trotz aller Verfolgungen und Drangsalierungen haben wir das Gefühl des Hasses-nicht kennen gelernt, sondern immer aufs neue der Liebe zum Mitmenschen gedient, in der vollen Ueberzeugung, daß es doch einmal auch dort Licht werden muß, wo heute noch Haß und Verachtung die wirklichen Begriffe vom Menschen verdunkeln. Im vergangenen Jahr haben viele unserer Glaubensbrüder den Wanderstab ergreifen müssen; sie sind zu uns gekommen, wir haben ihnen die Türe geöffnet, wir haben sie teilnehmen lassen an unserem Tische, wir haben ihnen in der Die nächste Nummer unseres Blattes erscheint regulär am Frelfacj, den 6. April Die vorliegendeFestnummer erscheint in vergrößertem Umfange ur»*; üerr'y«kter Auflage. Stunde der Not und des Unglückes bewiesen, daß die einleitenden Worte der Hagadah immer lebendiges Gesetz geblieben sind, daß diese Worte immer der Grund- und Leitsatz jüdischer Erziehung bleiben werden. Wer am Sederabend, durchdrungen vom Geiste jüdischer Erziehung und jüdischen Denkens, beim Seder sitzen wird, der wird die Sederschüssel erheben und die Einladung an alle Hungrigen und von Not Verfolgten in dem stolzen Bewußtsein ergehen lassen, bei Erfüllung dieses jüdischen Gebotes eine Pflicht als Mensen zu erfüllen. Wie viele unserer Glaubensbrüder aber werden an diesem Abend nicht beim Sedertische Na<h der Möbel-Messe besichtigen Sie auch meine frei zugängliche Höbelausstellung in Küchen, Vorzlmmarn, Kinderzimmern, Wohnzimmern; trotz neuester Modelle Gelegenheitskäufe MÖBEL-KOHN, TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 sitzen, um sich die Geschichte des Auszuges der Juden aus Aegypten zu erzählen; wie vielen Kindern wird von ihren Eltern der Sedertisch nicht gedeckt werden! Nicht diejenigen Kinder meine ich, denen das Schicksal frühzeitig ihre Eltern entrissen hat. Für diese Kinder wird gesorgt werden, daß sie an einem Sedertisch ihren Sederabend feiern können. Diejenigen Kinder sind gemeint, deren Eltern leben, deren Eltern die Möglichkeit hätten, dieses Fest zu feiern und den Kindern diesen Geist der Nächstenliebe und der Duldsamkeit zu vermitteln. Die Zeit hat hoffentlich viele Juden gelehrt, Einkehr zu halten; unsere Zeit hat hoffentlich vielen Juden bewiesen, daß die größte Stärke in der Not, im Elend und im Unglück die Erkenntnis von der Ewigkeit des Judentums geblieben ist. Vielleicht werden diesmal die noch abseits Stehenden besinnen ihren Kindern von der Befreiung der Juden aj« der Herrschaft der Pharaonen erzählen und l^i Herzen der Kleinen den Stolz auf die gewaltigen Taten der Ahnen wachrufen. Die ersten Worte der Hagadah, sie möge(i ein Mahnruf sein an alle Juden, allen,' die hungejg sind, die Türe zu öffnen, in der Not den Armen und Verfolgten zur Seite zu stehen, in dieser Zeit der Not und des Elends ihnen hilfreich die Hand zu bieten. An alle verfolgten, verlassenen und unglücklichen Menschen, an alle bedrängten Glaubensbrüder wollen wir aus ganzem Herzen den Ruf ergehen lassen, nicht zu verzweifeln, sondern davon überzeugt zu sein, daß der Geist unserer Ahnen, der in diesen einleitenden Worten des Sederabends zum Ausdruck kommt, uns noch immer erfüllt und in aller Zukunft erfüllen wird. Dr. Ernst Feldsberg. Nochmals die jüdischen Vinte. Wir haben in unserer letzten Nummer eine Reihe von Maßnahmen beleuchtet, durch die in der jüngsten Zeit österreichische jüdische Aerzte be-. troffen wurden. Am selben Tage, da unser Aufsatz erschien, wurde die Wiener jüdische Oeffentlichkeit durch die Nachricht alarmiert, daß die Verträge, die im Verlauf der letzten 15 Jahre zwischen der Gemeinde Wien, bezw. ihren Spitälern und Aerzten abgeschlossen wurden, einer Ueberprüfung unterzogen werden und daß einzelne Verträge, insbesondere aber Verträge jüdischer Aerzte, die im letzten Jahrzehnt durch die Gemeinde Wien angestellt wurden, nach ihrem Ablauf nicht mehr erneuert werden sollen. Mehrere solche bei der Gemeinde Wien beschäftigte Aerzte haben im Verlauf der letzten Tage bereits die Verständigung erhalten, daß ihre Verträge durch die Gemeinde Wien nicht mehr erneuert werden. Wir haben Verständnis dafür, daß bei einem Systemwechsel die neuen Machthaber alles daran setzen, um jene Elemente, die sich politisch für das frühere System betätigt haben, zu eliminieren. Ein solcher Standpunkt entspricht der politischen Uebung und dient den Interessen des neuen Systems, das auch von der österreichischen Judenschaft in ihrer gewaltig überwiegenden Mehrheit bejaht wird. Was wir aber nicht begreifen können und was in dieser Judenschaft eine starke Depression erzeugt hat, ist der Umstand, daß bei der nun vorgenommenen politischen Säuberungsaktion angeblich vor allem jüdische Aerzte her- Israelitische Kultusgemeinde Zürich Stellenausschreibung, Durch den Tod unseres langjährigen Vorbeters ist die Stelle des 1. Kantors in unserer Gemeinde frei geworden und soll baldmöglichst besetzt werden. (Synagoge mit Orgel.) In Betracht kommen nur erstklassige Bewerber, die über eine ganz hervorragende Stimme verfügen, musikalisch geschult sind (Konservatoriumsbildung) und sich außerdem als seminaristisch ausgebildete Pädagogen ausweisen können, um in der Religionsschule den Unterricht der untersten Klassen zu übernehmen. Gehalt und Pension nach Vereinbarung. Offerte i mit Zeugnisabschriften und Bild, Lebenslauf und Referenzen sind schriftlich zu richten an den Präsidenten der Synagogenkommission Max Cahn, Uranlastraße 36, in Zürich. Besuche und persönliche Vorstellung sind zwecklos. tjm I