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Die Wahrheit · 1934-03-23 · Heft 12 (23.3.1934) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 12 (23.3.1934)
Date
1934-03-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE WAHRHEIT gMUMI bei! Jluw nodk wenige Gagel decken an den berühmten ^^flEHMlHIIm ^^^LMMSLtL^^L^M. Jlattkan t&rodetzßy % anträte: 'Wien, 2. (Siezirft, Xeopofdsgasse %3 Telephone: A 461-90, A 48-4-48, A 60-2-63 fin Veinuft roirrf fie fißemeugen? Erzeugt aus feinstem Mehl unter streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Babad Die f£Skmi«U-yt£axszottk und das Fabrikat „JOTVnsfxe Scfkmtdt JH. 03." (Mazzoth, Grieß und Farwel) sind außerdem erhältlich in allen besseren Geschäften. Ueber diesen Vorschlag gibt es einfacli keine D i s k u s s i o n. Die Judenheit in Kategorien teilen, für die Zufallsdaten maßgebend sind, ist unmöglich, widerspricht unseren Staatsgrundgesetzen und den Friedensverträgen. Aber abgesehen von diesen juristischen Bedenken gibt es auch moralische Gründe, die dagegen sprechen, Gründe schließlich, die in der Judenheit selbst liegen. Ein Staat, der seinen Neuaufbau in durchaus anerkennenswerter Weise auch von religiösen Gesichtspunkten aus vornimmt, muß Verständnis dafür haben, daß eine religiöse Minderheit, die er als Ganzes in sich aufgenommen hat, sich nicht nach willkürlichen Methoden auseinanderreißen läßt. Der Westjude, der dieser geschlossenen religiösen Minderheit angehört, ist ebenso ein gut Teil von ihr wie der Ostjude, sofern er sich zum österreichischen Vaterland bedingungslos bekennt. Da machen wir, unbekümmert um Lockungen durch „erste Kategorien", keine Unterschiede, für uns gibt es in solchen Dingen nur eine Einheit des Judentums. Für diese Einheit sind wir immer eingetreten und haben uns stets gegen jene gewandt, die — im fremden Lager oder im eigenen — diese Einheit zu stören suchen. Wir sind Gegner jeder Separataktion und wer eine solche unternimmt, muß es sich gefallen lassen, daß man ihm gegenüber Feststellungen vornimmt, die ihm vielleicht unangenehm sein mögen. In diesem Sinne haben wir auch Herrn Stricker in unserer letzten «m]utut>;nuiHiH!:im!Hu:^nitu:iu[ui^unindintinuimiuRfinnrfiiimi:;i Nummer einige Wahrheiten" gesagt, auf die er sehr grob antwortet. Es ist eine beliebte Methode, daß derjenige, der selbst den Frieden stört, den anderen den Vorwurf macht, daß sie die Missetäter wären. Der Ausdruck ist nicht zu stark gewählt, denn Herr Stricker spart in seiner Antwort nicht mit Kraftausdrücken, wie die Aufschrift „D e n u nz i a n t e n" allein beweisen mag. Das sollen die Herren der „Union" deshalb sein, weil in unserem Artikel die als erfreulich bezeichnete Feststellung vorgenommen wurde, daß heute auch die Zionisten sich enger jenen vaterländischen Prinzipien verbunden fühlen, für die die „Union" seit jeher eingetreten ist. Es bedeutet besondere Wehleidigkeit, solche Feststellung als „Denunziation" anzusprechen, wobei wir ganz davon absehen, daß es zum Wesen der Denunziation gehört, daß sie in aller Heimlichkeit erfolgt, während wir in aller Offenheit diese Feststellung machten. An ihr halten wir auch nach der Schimpfkanonade des Herrn Stricker noch fest, weil es unserer Ansicht nach nicht schimpflich ist, einen Standpunkt einzunehmen, den man früher selbst weniger, eine andere jüdische Organisation aber stärker betont hat. So führt die Not der Zeit auch in dieser Hinsicht zu jener Einheit des Judentums, die gerade angesichts der oben charakterisierten antisemitischen Forderungen heute notwendiger denn je ist. In eine weitere Polemik, zu der die Auslassungen der „Neuen Welt" gjnüg^nd^Anlaß .bpjten^. lassen wir uns um des Friedens willen~nicht ein. iiiiininiiuiinnniiiiiin^ Deutschland aus der zivilisierten Welt ausgeschlossen. Das Jahresdinner des Anglo-Palestine-Club, das unter Vorsitz von Baron James de Rothschild dieser Tage in London abgehalten wurde, verlief diesmal außerordentlich eindrucksvoll. Hauptthemen des Abends waren das Jüdische Nationalheim in Palästina und die Behandlung der Juden in Deutschland. Persönlichkeiten wie Sir Austen Chamberlain, Viscount Cecil, Sir Herbert Samuel, James de Rothschild, Lord Melchett, Unterhausmitglied Josiah Wedgwood und die Nichte Lord Balfours, Mrs. Dugdale, brandmarkten die Entrechtung und Verfolgung der Juden im heutigen Deutschland. Der Ehrengast des Abends, der konservative Führer Sir Austen Chamberlain, sagte u. a.: Es ist nicht leicht, mit einem Deutschland zusammenzuarbeiten, das vorsätzlich eine Politik verfolgt, die der Auffassung von Menschen- und Bürgerrechten ins Gesicht schlägt. Ich frage Deutschland: Wie kann es erwarten, einen gewissen Standard in der Schätzung der Nationen zu erlangen, wenn es innerhalb seiner eigenen Grenzen Menschen in Fesseln schlägt und die Nachkommen des alten Israel in Gefangenschaft schmachten läßt? Ich appelliere an Deutschland nicht allein im Interesse der Juden, sondern in seinem eigenen wohlverstandenen Interesse, von der Politik der Depossedierung und Hinausdrängung der Juden zu lassen. Ahmt Deutschland das Beispiel des historischen Spanien nach und drängt die Juden aus seinen Grenzen, so wird es ebenso verarmen, wie Spanien nach der Austreibung der Juden verarmte. Wir, die Nationen der Welt, würden Deutschland in seinen Forderungen nach Gleichberechtigung gern entgegenkommen, aber wie ist es möglich, mit einem Lande gleich zu gleich zu sprechen, welches seine eigenen Bürger nicht duldet und verdrängt? Zum Schluß appellierte Austen Chamberlain an die Juden, nicht den Mut zu verlieren, und schloß mit dem leidenschaftlichen Ruf: „Die Besten in der Welt stehen auf Ihrer Seite und wollen Ihre Sache verfechten!" CAFE VICTORIA AH SCHOTTENTOR WIEN I. SCHOTTENTOR Ihre schönste Fahrt nach PALÄSTINA mit unserer Gesellschaftsreise! Zur Levantemesse, Pfingsten und das entzückende Erstlingfest in Haifa a) am 14. April ab Triest mit dem Luxusdampfer „Ausonia" b) am 2. Mai ab Neapel mit der „Vulcania" Preise je nach der Kombination ab: ö. S 530.— Für Einzelreisende Schiff- und Bahnkarten. Anmeldungen und Auskünfte: NORDISCHES REISEBÜRO (Palästina-Abteilung: Reiseleitung) N. M. Racker Wien I.. Seilergasse 3 (Ecke Graben- Stephansplatz) Telephon R 25-0-92 Prospekte und Offerte zur gefälligen Verfügung Jederzeit genaue Informationen „Die Juden sollen sieh mäßigen!" Diesen kategorischen Imperativ schmetterte vor einigen Tagen die Mittagsausgabe des „Oesterreichischen Beobachters" in die Welt hinaus. Die Entrüstung des getarnten Naziblattes entzündete sich nicht etwa an einem jüdischen Verstoß gegen das allgemeine Sittengesetz, sondern an den höchst privaten Empfindungen des völkischen Blattes in der unangenehmen Situation, bei einer groben Versündigung gegen das Grundprinzip kaufmännischer und journalistischer Anständigkeit ertappt worden zu sein. Solch ein Erwischtwerden in flagranti ist immer unangenehm und man wird im allgemeinen die zornigen Flüche armer Sünder, die sie ihren Entlarvern in die Ohren schreien, nicht allzu strenge auf die Waagschale legen dürfen. Viel grotesker stellt sich der Semmering— Pension HISRCH, Fürstenhof, moderner Komfort, angenehmer PeSSQCtl- OSlerODfenthalt za mäßigen Pauschalpreisen. Baron James de Rothschild führte in seiner Ansprache aus: Auf Grund einer vagen Rassentheorie tat Deutschland seine Juden in Acht und Bann und nahm ihnen die Gleichberechtigung. Kaum einer ist unter uns, der nicht Freunde oder Verwandte in Deutschland hat, um die er bangt, und um deren Schicksal sein Herz blutet. Viele jüdische Familien in Deutschland, die seit Jahrhunderten mit Deutschlands Erde sich verbunden fühlen, ziehen dem Exil den Freitod vor. Die alte Generation ist ohne Hoffnung. Die Tore aller Länder, mit Ausnahme Palästinas, sind ihr verschlossen. Mrs. Dugdale beschloß den Abend mit einer Ansprache, in der sie betonte, daß England eine große Verantwortung gegenüber den Juden auf sich genommen hat; diese Verantwortung, schloß sie, hat sich jetzt, nach Deutschlands Selbstausschluß aus der zivilisierten Welt, gesteigert. Sliemen Palästina Olivenöl und Toiletteseifen sind in jedem Hause unentbehrlich! Heurig frisch nur mit Einprägung in der Dose TVDSb IM Verlangt sie in euren Einkaufsquellen! Zu beziehen durch: Gen.-Repr. S. Rabiuowitsch, Wien II., Zirkusgasse 10, Telephon R 48-7-38. Fall dar, wenn die mit Recht vor den Kadi gestellten Frevler sich nicht damit begnügen, ihrem menschlich immerhin begreiflichen Grimm über ihre Bloßstellung in elementaren Zornausbrüchen Luft zu machen, sondern wenn sie sich die Rolle von — Sittenrichtern denen gegenüber anmaßen, die den Anforderungen von Moral und Anstand auch hakenkreuzlerischen Preßerzeugnissen gegenüber Geltung verschaffen wollen. Man erinnert sich noch der sittlichen Entrüstung der gesamten antisemitischen Presse angesichts der geplanten Machinationen, die der „Abend"-Prozeß enthüllt hatte. Damals prägten die „Wiener Neuesten Nachrichten" das von uns sofort, nachdem es gefallen war, glossierte Wort „Die Frösche im Pressesumpf mauscheln". Und nun liegt der dringende Verdacht vor, daß der „Oesterreichische Beobachter", also ein Zeitungsunternehmen, dessen rassische Belange keineswegs in der Verpflichtung zu mauscheln festgelegt erscheinen, das, was die angeblich jüdischen Macher des „Abend" nur geplant hatten, in Wirklichkeit durchführten. Der „Oesterreichische Beobachter" soll aus der eingegangenen „Neuen Zeitung" auf jenem berüchtigten Wege hervorgegangen sein, der den Herren Colbert und Markus für ihre bloße Absicht, aus der Krida des „Abend" durch Neugründung anderer Blätter ihre persönlichen Stellungen und Einkünfte zu retten, schwere und entehrende Strafen eingetragen hat. Es ist sehr skurril, wenn derjenige, der die Pläne eines anderen realisiert, diesem andern, im Projekt Steckengebliebenen „Mäßigung" empfiehlt und diesen Rat auf die ganze Rassengemeinschaft, der der weniger weit Gegangene entstammt, ohne auf diese Zugehörigkeit den geringsten Wert zu legen, ausdehnt. Aber die Angelegenheit gestaltet sich noch viel lächerlicher. Denn nicht auf seine durch die Tat übertroffenen Vorbilder konzentriert sich die „sittliche" Empörung des „Oesterreichischen Beobachters", sondern auf diejenigen, die dem hakenkreuzlerischen Pressesumpf jetzt dieselbe gerichtliche Brandmarkung angedeihen lassen wollen,

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