Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 11 (16.3.1934)
- Date
- 1934-03-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT S.ait« 3 IffinflioffHrh MazzBS-B™ß' ffleW«Farwßls^iedep ^sonderen Eeblan», 3 Horte: „Vortieff- V Ur 11 ui III Uli lieh—Erzeugung unGbertroffen". in allen Bezirken Verhaufsstellen täglich fpiseb. Das preußische Innenministerium teilt mit, daß die voji Ministerialdirektor Dr. Hermann Badt, der nunmehr in Palästina lebt, und von Ministerialrat Hans Hirschfeld zurückbehaltenen M i n F s t e r i a 1pässefür ungültig erklärt wurden. * Der Präsident des preußischen Landesprüfungsamtes Dr. Otto Palandt äußerte sich in der „Deutschen Justiz" über die Ergebnisse der Referendarprüfungen 1933 und'führte* dabei aus, daß die Anzahl der Referendare, die im Berichtsjahre ausschieden, weil sie nichtarischer Abstammung waren, 804 betrug. * Die Ende Februar 1934 in Arnswalde, Pommern, vorgekommenen pogromartigen Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung hatten ein Nachspiel in Genf. Deutsche Versicherungsgesellschaften, die für den in Arnswalde angerichteten Schaden haftbar und bei schweizerischen Gesellschaften rückversichert sind, haben eine genaue Schilderung der Vorgänge nach Genf geschickt, der folgendes zu entnehmen ist: Am Abend des 24. Februar wurden in Arnswalde sämtliche Häuser, in denen Juden wohnen, alle* jüdischen Geschäfte, Synagogen und Gemeindeinstitutionen plötzlich, wie auf ein gegebenes Zeichen hin, mit Feldsteinen bombardiert. In mehrere jüdische Wohnungen wurde mit Revolvern durch Türen und Fenster hbemgeschossen. In keiner jüdischen Wohnung blieb auch nur ein Fenster ganz. Gleichzeitig drangen die der SA angehörenden Angreifer in das Haus der jüdischen Gemeinde, in die S y n a g o g e und in die Wohnung des Rabbiners ein. zerstörten die Inneneinrichtung der Synagoge, löschten das Ewige Licht, zerrissen und schändeten die Heiligen Bücher. Die ganze Nacht durch wurde die jüdische Bevölkerung unter einem beispiellosen Terror gehalten. Am nächsten Morgen flüchteten die meisten jüdischen Einwohner, ihre ganze Habe zurücklassend, aus Arnswalde, um nicht mehr dorthin zurückzukehren. In dem Bericht wird betont, daß der Versicherungsschaden hoch ist und daß bisher keiner der Angreifer verhaftet wurde. Ein anderer Bericht an schweizerische RückVersicherungsgesellschaften hat ähnliche antijüdische Ausschreitungen in Neuwedell zum Inhalt, wo die jüdische Bevölkerung auch körperlich schwer mißhandelt wurde mit dem Ziele, sie zum Verlassen der Stadt zu zwingen. Rumänien beschämt Deutschland. Der frühere Ministerpräsident Professor Jorga hat im Senat folgende Interpellation ati den Ministerpräsidenten gerichtet: Angesichts der Diskussionen über die Minoritätenpolitik Rumäniens und angesichts der verfehlten Art, mit welcher die Ansprüche des rumänischen Elements auis Tapet gebracht wurden, einer Methode, die den Eindruck hervorrufen könnte, daß es wirklich eine Strömung gibt, welche den heiligen und edlen Nationalismus durch eine absurde Rassentheorie ersetzen will, — fühle ich mich verpflichtet, an dem Herrn Ministerpräsidenten die Anfrage zu richten, ob er die Absicht hat, gewissen gefährlichen Suggestionen Rechnung zu tragen, welche Rumänien den größten Schaden zufügen würden. Beim Abschluß der Debatte über die Thronrede im rumänischen Senat erklärte Minister Lapedatu, man hätte vielfach in der Thronrede die Erwähnung der Minoritätenfrage vermißt. Mit Unrecht. Die Stellung der Regierungspartei zu dieser Frage sei hinreichend bekannt: „Rumänien kennt nur Bürger gleicher Rechte und gleicher Pflichten." Wenn nun die Verfassung, fuhr der Minister fort, nur Bürger gleichen Rechtes anerkennt, wie könne man dann, wie verschiedentlich in der Presse dargelegt wird, mit Ausnahmegesetzengegen die Juden kommen? Man kann dies um so weniger, als die Juden, besonders die in Altrumänien, in ihrer Mehrheit sich eäns fühlen mit dem rumänischen Volk. Bildet aber die Juden eine Minorität, so gelten auch für sie die Bestimmungen, die zum Schutze der nationalen Minderheiten in den Friedensverträgen statuiert stnd. Die Entrechtung der deutschen Juden wird legalisiert. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, wird das von der nationalsozialistischen Regierung bereits im Juli 1933 angekündigte Gesetz über die neue deutsche Bürgerschaft, das auch den legalen Status der deutschen Juden festsetzen wird, noch vor Ostern 1934 herauskommen. Nach den bisher vorliegenden Informationen wird das Gesetz, das jetzt im Innenministerium ausgearbeitet vorliegt, in Uebereinstimmung mit dem nationalsozialistischen Parteiprogramm zwei Kategorien von Bürgern statuieren: vollberechtigte Bürger, die auch an politischen Wahlen teilnehmen, und Bürger zweiter Ordnung, denen alle politischen Rechte vorenthalten werden. Von den Juden werden nur diejenigen Bürgerrechte haben, die ihre Abstimmung auf Ahnen zurückführen können, die schon im Jahre 1812 in Deutschland wohnten und auch in Deutschland geboren wurden. Das Jahr 1812 wurde gewählt, weil in diesem Jahre die in Deutschland lebenden Juden sich Familiennamen zulegten, die in den Gemeindematriken registriert wurden, wodurch eine Kontrolle erleichtert wird. Es ist auch schätzungsweise schwer anzugeben, wie vielen Juden in Deutschland der Nachweis, daß ihre Ahnen 1812 als Deutschgeborene in Deutschland wohnten, glücken wird; vage Schätzungen gehen dahin, daß es kaum der glMIII«« Theodor Lessing-Kinderheim in Marienbad. P'e Theodor Lessing-Gedächtnisstiftung beabsichtigt, das Haus „City" in Marienbäd zu erwerben und zu «mem Erholungsheim für israelitische Kinder zu gestalten. Gesangspädagogin Elsa Funk-Freund veranstaltet am 21. d. im Thalia-Saale (Hotel Post) ihr diesjähriges Schülerkonzert. Am Klavier: Kapellmeister Hans Hatschek. Chordirigent: Dr. Max nonig. VORNEHME ^wsw&m y^i^w^.--^ •- |§§I|j3^ :uz?' FAMILIEN - PENSION nBsfaüPattoB.HaffßBiiaus .täglich 5-Uhr-Tee SENHERING TELEPHON 11 Hochstraße 43 neben Kasino and Strandbad Mäßige Preiset Zimmer mit Pension S12.— aufwärts Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser in jedem Zimmer. Zum Besuch ladet höflichst ein Eckstein» Besitzer 1 Hälfte der deutschen Juden gelingen wird, einen solchen Nachweis zu erbringen. Viele jüdische Familien sind bereits eifrig mit der Nachprüfung ihres Stammbaums beschäftigt. i Der Berliner Korrespondent von „H e t Handetsblad" (Amsterdam)) schreibt u. a.: ..Man wird in Deutschland nicht eher ruhen, bis man dem deutschen Juden jegliche Möglichkeit, gleich auf welchem Gebiet, sein Brot zu verdienen, genommen hat. Und obwohl er noch heute deutscher Staatsbürger ist und man bei der Entziehung der Länderzugehörigkeit mit den Juden keine Ausnahme gemacht hat, sind die Juden doch tagtäglich darauf vorbereitet, daß ihnen bei der strikten Durchführung des Programms der NSDAP, ihre R e i c h s b ü r g e rschaft genommen wird und sie z ti A u sländern gestempelt werden." Was geht im „Bund jüdischer Frontsoldaten" vor? Im Zusammenhange mit dem auch von uns in unserer letzten Nummer gemeldeten Rücktritt des Herrn Generalmajor a. D. Emil Sommer von der Führung des „Bundes jüdischer Frontsoldaten" ist in der „Stimm e" ein überaus gehässiger Angriff gegen die derzeitige Leitung des Bundes erschienen, auf den diese m der letzten Ausgabe der .. J ü d i s q h e n Front" ausführlich antwortet. Wir publizieren im folgenden die markantesten Stellen dieser Replik und stellen mit Genugtuung fest, daß die in diesem Aufsatze neuerlich zum Ausdruck gebrachte Einstelfimg des Bundes — treues Bekenntnis zum Judentum und Vaterland — den altbewährten Grundsätzen der „Union" entspricht. Unter obigem Titel, den auch „Die Stimme" für ihren Angriff wählte, schreibt die „Jüdische Front" u. a. folgendes: Unser Bund ist groß und mächtig geworden. Er hält sich frei von jeglicher Parteipolitik, er geht seinen Weg, ohne nach rechts oder links zu schauen, zu schielen oder gar abzubiegen, er setzt erfolgreich seine Arbeit fort, die Arbeit der Sammlung der Juden Oesterreichs und der jüdischen Jugend in einer großen Organisation, die sich auirecht und treu zum Judentum und zu unserem Lande bekennt. Parteipolitik ist uns fremd, demagogische Phrasen kennen wir nicht, wir sind auch keine Söldner irgend einer Partei, und das gefällt anscheinend gewissen jüdischen Politikern nicht, die sich allein tür die berufenen Führer jüdischer Politik in unserem Lande halten, und die, wenn sie sehen, daß wir für ihre Art kein Verständnis haben, verantwortungslos in einer Zeitung unseren Bund vor der Oeifentlichkeit herabsetzen. Das geht beim Bund jüdischer Frontsoldaten vor und sonst gar nichts! Die Quelle des Konflikts war eine rein sachliche Differenz zwischen der Anschauung des zurückgetretenen Bundestührers und der Mehrheit der Generalversammlung bezüglich der in Aussicht genommenen Statutenänderung. Es kam damals zur Abstimmung und trotzdem ein Mann, der sich für den besten und populärsten jüdischen Volksrcdnor Wiens hält (gemeint ist Dr. Oskar G r ü n b a u m. D. Red.), seine ganze Beredsamkeit und sein ganzes Repertoire an Herabsetzung derjenigen, die anderer Meinung zu sein wagten, aufbot, blieb der Antrag des Bundestührers in der Minderheit. So etwas soll schon einmal dagewesen sein. Was aber noch nicht dagewesen ist, ist die Tatsache, daß dies einer jüdischen Zeitung Anlaß bot. gehässig über den Bund herzufallen, was bei unseren Mitgliedern, ohne Rücksicht auf ihre Parteizugehörigkeit, größte Entrüstung hervorrief. Der wahre Grund dieses Angriifes ist aber in einer ganz anderen Interessensphäre zu suchen: so manchem jüdischen „Politiker" war die Tatsache unbequem, daß unser Bund kein Sprungbrett für ihn sein konnte. Es ist diesen Herren mißlungen, den Bund zum Tummelplatz ihrer parteipolitischen Betätigung zu machen. Dafür, daß es dazu unter keinen Umständen komme, werden wir nach wie vor sorgen. Wir haben das Wohl der österreichischen Judenheit als unser wichtigstes Ziel vor Augen und dieses Ziel wird uns heilig bleiben, sollten sich die Angriffe auf uns noch so mehren. Stavsky, Rosenblatt undAchiMeir kommen vor die Geschworenen. Vor dem Gericht in Jaffa wurde die Voruntersuchung gegen Abraham Stavsky, Zwi Rosenblatt und Abba Achi Meir, die beschuldigt werden, den Leiter des Politischen Departements der Palästina-Exekutive der Jewish Agency und der Zionistischen Weltorganisation: Dr. Chaim Arlosoroff am Abend des 16. Juni 1933 am Strande von Tel Awiw ermordet, bzw. den Mord vorbereitet zu haben, durch Oberrichter Commander Ralph Bodilly abgeschlossen. Gegen die Beschuldigten wird nunmehr die formelle Anklage auf Grund von, Artikel 170 des Strafgesetzes (vorbedachter Mord) erhoben. Auf das Verbrechen, dessen die Angeklagten beschuldigt werden, steht Tode ss träfe. Stavsky, Rosenblatt und Achi Meir werden vor ein Geschworenengericht gestellt. Wie der JTA mitgeteilt wird, entspricht die Uebergabe des Falles an einen Strafgerichtshof dem üblichen Vorgang nach Beendigung des Untersuchungsverfahrens. Vor Verkündung der Entscheidung Richter Bodillys verlas der Verteidiger. Rechtsanwalt Samuel, ein von Stavsky, Rosen- Watt und Achi Meir unterzeichnetes Memorandum, m dem sie jede Schuld im Abrede stellen und die Aussagen der von der Anklagebehörde geführten Zeugen einer Analyse unterziehen. Die Verlesung dieser Denkschrift nahm vier Stunden in Anspruch. Achi Meir legte außerdem ahte Erklärung vor, in der er feststellt daß politischer Mord seinen Auffassungen ebenso wie denjenigen der revisionistischen Bewegung widerspricht. Austritte aus der „Jüdischen Volkspartei". Wie wir hören, sind vor einiger Zeit aus der „Jüdischen Volkspartei" des Herrn Stricker die Herren Kultuspräsident Dr. Desider Friedmann und Kultusvorsteher Dr. Oskar Grünbaum ausgetreten. Zur Zubereitung der Osterspelsen kann jeder Strenggläubige ohne Bedenken Kunerol verwenden. Kunerol ist verbürgt reines Fett aus Kokosnüssen. Die gesamte Erzeugung bis zur Verpackung des fertigen Fettes steht unter strenger Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenield zu Mattersburg.