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Die Wahrheit · 1934-03-09 · Heft 10 (9.3.1934) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 10 (9.3.1934)
Date
1934-03-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DIE WAHRHEIT BHanzaDscMflsse nnd SlcflciUchcnBlHissc NeaanlageB, DertsioneR, Butfinntfiirtifte sowie steaereriedigMigen jeder Art übernimmt MalHSlUüB DIR. 6DSTAU ROUflH Boro für Bncbhaltunfl, BHanz nnd Steuerfaeratoog Wien M1-. Taborsteofle Telephon R 45-3-30 Vor Irreführung wird gewarnt. Das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich versendet an die „Sehr geehrten Herren G. G." ein Werbezirkular, in dem auch folgender Satz zu lesen ist: „Insbesondere kommen heute zu uns viele Juden, die bisher allem Jüdischen vollkommen fremd gegenübergestanden sind oder früher Mitglieder der „Union" oder sozialdemokratischer Parteien waren." Daß heute, unter dem antisemitischen Drucke, nicht informierte Juden, weil sie „bisher allem Jüdischen vollkommen fremd gegenübergestanden sind", einfach aus „rassischen" Erwägungen sich rassisch-nationalen Parteien anschließen, ist noch begreiflich. Ihr Judentum bedeutete ihnen bisher nichts, bedeutet ihnen auch heute nichts; religiös entwurzelt, lassen sie sich von Hitlers Rassenlehre dirigieren. Sie fallen von einem Extrem ins andere: sie „werden" von einem Tag zum andern — Nationaljuden. — Wir gönnen sie dem Zionistischen Landeskomitee. Wir wissen, wie wertlos gedankenlose oder egoistisch? Nachläufer für eine Partei in entscheidenden Momenten sind. Eine große österreichische Partei hat es in den Februartagen erfahren. In dem Werbezirkular wird aber auch behauptet, daß viele Juden, die früher Mitglieder der „Union" waren, zu den Zionisten kommen. Das werden die Herren G. G. dem Landeskomitee nicht glauben und die Unionisten werden darüber mitleidig lächeln. Denn wahrlich: Die Entwicklung der Dinge in unserem Lande bildet die erfreulichste Rechtfertigung der alten, immer unverändert gebliebenen jüdischen Einstellung der „Union", deren beide Grundpfeiler: Religion und Vaterland heute auch die Grundpfeiler des Neuaufbaues unseres Staatswesens bilden. Wir sehr unseren jüdisch-nationalen Freunden der Schreck in die Glieder gefahren ist, konnte man seit einiger Zeit sus ihren Reparationen deutlich wahrnehmen. Auch die Herren G. G. haben dies wohl schon bemerkt und sich und anderen gesagt: „Ja, was die jüdisch- Rationalen Führer heute sprechen und schreiben, das klingt ganz unionistisch; nicht anders Jiaben ja die Unionisten seit jeher gesprochen und geschrieben." Die Herren vom Landeskomitee haben wohl auch schon gemerkt, daß die vaterländische und religiöse Politik der „Union" heute mehr denn je eine starke Anziehung auf die österreichische Judenschaft ausübt und besorgen wohl gar einen Abfall aus ihren eigenen Reihen zur „Union". Keine Angst meine Herren: Wenn Sie sich auch heute — zu unserer Freude und Genugtuung — die Grundprinzipien' der „Union" zu eigen zu machen suchen, über jüdisch-nationale Landes- und Absonderungspolitik sich ausschweigen, — die jüdische und auch die übrige österreichische Oeffemiichkeit verkennt nicht die Weltanschauungsklüfte, die die „Union" von den Jüdischnationalen trennt An uns soll es aber nicht fehlen, wenn es gilt, in diesen Zeiten der Judennot diese Kluft zu überbrücken. Der Betrüger Sfawisky — Propagandist Nazi-Deutschlands. Die französischen Zeitungen bringen.immer neue Enthüllungen zum Fall des durch Selbstmord geendeten gigantischen Betrügers Sergej Stawisky. Die Leitung der französischen Sicherheitszolizei, die Stewisky jahrelang als Angeber und Geheimagenten benützte,, hat dem. Gericht ein umfangreiches Material zur Verfügung gestellt, woraus hervorgehen soll, daß Stawisky der Führer einer imposanten Spionage- und N a z i p r oj) ag-a n da o r g a n i s a t i o n gewesen sei. Unter den verhafteten Komplicen Stawiskys befinden sich Albert D u b a r r y, Herausgeber der „VoIonte", die Propaganda für Hitler und den Antisemitismus machte und zuletzt ein offenes Nazi-Organ war. Ein zweiter verhafteter Komplice ist der Mulatte D a r i u s, der die inzwischen eingegangene radauantisemitische Zeitung „Midi"' herausgab und durch Friedrich Sieburg für das Göbbelsche Propagandaministerium gewonnen wurde. Beide Journalisten waren mit Stawisky liiert und zwangen das deutsche Propagandaministerium, Bayonner B o n s z u kaufen, die jetzt fast wertlos geworden sind, so daß in den Fonds des Herrn Göbbels ein tiefes Loch entstanden ist. Gegen den Rassenunsinu. Wie wir hören, bereitet die tschechische Akademie der Wissenschaften eine Publikation vor, in der die sogenannte deutsche Rassenwissenschaft von hervorragenden Mitgliedern der Akademie widerlegt wird. Die Publikation wird Arbeiten der Professoren Matiegka, Ruzicka, Weigner und anderer Kapazitäten enthalten und voraussichtlich den Titel führen: „Für die Gleichberechtigung der Rassen." Die Schrift wird den Beweis führen, daß es reine Rassen nicht gibt und daß auch die Züchtung von reinen Rassen unmöglich ist, denn bei der Berechnung der Merkmale der Reinrassigkeit kommt man zu astronomischen Ziffern. Der Band wird in wenigen Wochen erscheinen. 2000 Jahre alte Bibel. Wie das römische Institut „De Propaganda fide" mitteilt, hat ein arabischer Antiquitätenhändler in Istanbul dem dortigen Staatsmuseum ein Bibelexemplar zum Kauf angeboten, das 64 große Pergamentblätter mit handschriftlichen Aufzeichnungen enthält. Nach dem Urteil von Experten soll diese Bibel etwa 2000 Jahre alt sein. Eine Kommission wurde mit dem Studium der Handschrift betraut. " Zimmermaler Kohlt empfiehlt sich zur Ausführung von Malerarbeiten jeder Art II., ttotukf eu«ga«ge 3_Tel. A 43-3-37 Semeiudedkronifc. Rücktritt des Generalmajors a. D. Emil Sommer von der Führung des Bundes jüd. Frontsoldaten. Die Demission des Generals Sommer stellt mit den Ergebnissen der am 1. Februar d. J. abgehaltenen Generalversammlung des Bundes in Zusammenhang, die den vom Bundesführer General Sommer vorgeschlagenen, auf die Führung des Bundes bezüglichen Statutenänderungen die Zustimmung verweigert hatte. Generalversammlung von Tempelvereinen. Im Döblinger Tempelverein fand Sonn, tag, den 25. v. M.. vormittags, die Generalversammlung statt, der unter anderem die Herren Rabbiner Doktor Schwarz und Dr. Frankfurter, namens des Kultusvorstandes Herr Dr. P. Raumann. vom Döblinger Frauenverein die Damen Frank 1. Frankfurter und Dp. Herrnstadt beiwohnten. Obmann B. Frank! gedachte in seiner Eröffnungsansprache des Hinscheidens des langjährigen verdienstvollen Tempelvorstehers Michael Tauber, dessen Funktion nunmehr in sehr ersprießlicher Weise Herr Moritz Gal übernommen bat Im Rechenschaftsbericht wurde mit besonderer Genugtuung der durch die Herren Rabb. Doktor Frankfurter und Oberkantor B. Bohomilny so würdig gestaltete Gottesdienst erwähnt, der sich allgemeiner Anerkennung erfreut ebenso wie auch der Jugendgottesdienst dazu beiträgt, immer mehr jüdische Menschen an das Gotteshaus zu fesseln. Die mit dem Tempelverein in Verbindung stehende Chewra Kadischa und den Frauenverein haben im abgelaufenen Jahre eine segensreiche Tätigkeit entfaltet Die Bibelschule, in der nun Fräulein Edith Frankfurter, die auch die Bibliothek verwaltet ausgezeichnet mittätig ist, hat einen schönen Aufschwung genommen, so daß der Verein in kultureller Hinsicht von einer aktiven Bilanz sprechen kann. Passiv dagegen ist die wirtschaftliche Bilanz und es wurden seitens des Obmannes Bela F r ä n k 1, wie auch des Kass'ers Wilhelm L ö w y der Kultusgemeinde der Vorwurf gemacht daß sie diesen so ersprießlich wirkenden Tempelverein nur deshalb nicht berücksichtige, weil er bisher seinen Stolz darein setzte, von der Gemeinde keine Subvention zu erbitten. Nun aber mußte er sich in seiner schweren Bedrängnis an die Muttergemeinde wenden und habe dort nicht das erwartete Entgegenkommen gefunden. Rabbiner Dr. Schwarz überbrachte als Gemeinde. KONB£KiR5. Im Gotteshause des Brig. isr. Tempelvereines, XX., Kluckygasse n, in Wien, gelangt die Stelle eines OberSuEntors zur Besetzung. Zur Anstellung sind erforderlich; die österreichische Staatsbürgerschaft oder die behördliche Berechtigung zur Ausübung des kantoralen | Dienstes in Oesterreich, eine gute schöne, gesang- \ lieh ausgebildete Stimme, liturgische und hebräische, durch eine Prüfung zu erweisende Kenntnisse und ein Alter unter 35 Jahren. Mit den Personaldokumenten und einem Nachweis über die bisherige, fachliche Verwendung belegte Gesuche sind bis längstens 15. April ds. J. an die Kanzlei des Brig. isr. Tempelvereines, | XX., Kluckygasse 11, zu überreichen. Vor der Aufnahme müssen sich die Bewerber P einer Vorprobe und dann eventuell einer Probe bei ieinem Sabbatgottesdienste unterziehen. j. Gehalt nach Uebereinkommen. i Nur dem Akzeptanten werden eventuelle f Reisekosten vergütet. Für den Vorstand des Brig. isr. Tempel Vereines: Geza K i'i n g e r, Josef K o h n, \ Schriftführer. Obmann. rabbrner des 18. Bezirkes die Grüße und Wünsche dieser Nachbargemeinde. In einergroßangelegten Rede pries Rabbiner Dr. Frankfurter die Opferfreudigkeit und den Idealismus der Männer, die an der Spitze der Döblinger Gemeinde stehen und ein Wirken entfalten, das zum Optimismus selbst in dieser Zeit tiefster Depression berechtige. Er schloß seine ausgezeichnete Rede, die mit großem Beifall aufgenommen wurde, mit dem Appell, aljes daran zu setzen, daß dieses prachtvolle Gotteshaus seine Aufgabe, Mittelpunkt der Gemeinde zu sein, restlos erfüllen könne. Bei den Wahlen wurden die ausgeschiedenen Herren Ober-Ins. Wilhelm Berger, Bela Fränkl; Generaldirektor Dr. Max Leimdorfer und Leo L ö w v einstimm'g wiedergewählt . _>'-ss--W1 — Sonntag, den 4. d. M., vormittags, fand im Wintertempel die 55. ordentl. Generalversammlung des Favoritner Tempelvereines unter ganz außergewöhnlich großer Beteiligung statt, welcher Zuspruch das erfreulich große Interesse bewies, das in diesem exponierten Bezirk für den Tempelverein besteht. Dies ist ein Verdienst der tatkräftigen Männer, die unter Leitung des Ehrenpräsidenten Jakob S. Straßberg, des Obmannes Benjamin Scher und des Obmannsteilvertreters Leopold Grünspan hingebungsvoll im Dienste der schönen Sache tätig sind und denen auch der Vertreter der Kultusgemeinde, Herr Dr. Leonhard Mai er, in seiner herzlichen Ansprache den Dank und die Anerkennung der Muttergemeinde für ihre Mühewaltung zoEte. Auch der Vertreter der Organisation der Tempelveneine, der Obmannstellvertreter derselben Herr Oskar Schramek lobte die Gebarung des Vereines, über d'e man im Jahresbericht manches Schöne und Gute, insbesondere über die Führung des Gottesdienstes durch Rabbiner Dr. Weiner undOberkatotor S. Weiß zu hören bekam. Durch eine Begrüßungsansprache des Obmannes des benachbarten Tempelvereines Wieden-Margareten, Herrn Desider WoIinen, wurde die Diskussion auf die Frage der, wie der Redner kritisierte, mangelhaften Subventionierung der Tempelvereine durch die Kultusgemeinde geb-iacht, zu welchem Problem Dr. Mai er neuerlich Stellung nahm. Frau Dr. Mandl überbrachte als Präsidentin des Favoritner Frauenvereines die Grüße desselben und dankte der Leitung des Tempervereines für das Entgegenkommen, das ihr Verein dort stets gefunden habe. Auf Antrag des Obmannsfellvertreters Leopold Grünspan wurden, die Herren Kom.-Rat Oskar Lehn er und Fabrikant S. Erben, die sich um den Verein große Verdenste erworben haben, einstimmig zu Ehrenmitgliedern ernannt. Obmann Benjamin Scher durfte mit Worten der Genugtuung d e Generalversammlung mit der Feststellung schließen, daß Besuch und Verteuf derselben zu der Hoffnung berechtigen, daß trotz der tristen Zeiten das Interesse am Gotteshaus in diesem Bezirk erhalten bleiben wird. — Nach einer durch die Ereignisse bedingten Verschiebung fand am Montag, den 5. d. M., abends, im Restaurant Kohn die Generalversammlung des Brigittenauer Tempelvereines unter Vorr sitz des verdienstvollen Obmannes Josef Kohn statt der unter anderem folgende Herren begrüßte: Berthold Sinai als Vertreter der Kultusgemeinde. Oskar Schramek als Delegierten den Organisation der Tempelvereine und Rabbiner Dr. B. Murmelstein. Geradezu eindrucksvoll war den Rechenschaftsbericht, den der Schriftführer, KultusvorsteheT Geza K1 i n g e r, zum Vortrag brachte. Er gedachte zunächst des Hinscheidens des beliebten Obmannstellvertreters Leopold Bösel, sodann beglückwünschte er Herrn Obman» Josef Kohn neuerlich zu seinem vor kurzem erfolgten und feierlich begangenen 80. Geburtstag. Herr Klinger ve rwies ferner mit Stolz auf die Tatsache, daß die Bilanz akt'v sei und sprach schf eßlich in Worten des höchsten Lobes von der hingebungsvollen uneigennützigen Wirksamkeit des Herrn Rabbiners Dr. B. Murmelstein, der es verstanden hat das Gotteshaus zu einem kulturellen Mittelpunkt für) alt und jung zu gestalten. Der Redner erwärmte auch, daß derzeit die Oberkantorensteüe unbesetzt ist doch soll diese Vakanz in kürzester Zeit beseitigt werden, so daß der Gottesdienst wieder sein würdiges Gepräge bekomme. Obmann Josef Kohn dankte für die ihm anläßlich seines schönen Jubiläums zuteil gewordenen Ehrungen und insbesondere seinen VorBtandskoüegen dafür, daß sie durch Widmung von sübernen Kandelabern und einer herrlichen „Sonne"

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