Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1934-03-09 · Heft 10 (9.3.1934) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 10 (9.3.1934)
Date
1934-03-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3064504-3064514--19671-3084833
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

DIE WAHRHEIT Seite 3 nfflirh Hras' 6rieB>Mi Fa™Bl-statt ititr *tmitm mm<3 BoPtt: »Vortuffu 11 llulli lieh—Erzeugung unübertpoffen". Ii eilen M&m Vtrkaif ssikIIed täglich frisch. Das Evangelium unterscheidet nicht nach Rasse und Nationalität, üben erst hat der Papst über ein Buch von Alfred Rosenberg den Bann gesprochen, weil es gegen die Grundidee des Christentums gerichtet ist. Die Behauptung, daß Jesus ein Arier war, ist ketzerisch. In seinem Buch „Mein Kampf" erklärt Hitler, die Nation, die die beste Rasse züchtet, wird einst die Welt beherrschen. Wir nehmen das als Warnung und werden Tag für Tag an das Weltgewissen appellieren, daß nicht im Namen der Rasse getötet wird. Viel Blut, christliches und jüdisches, ist unter der Hitlerdiktatur vergossen worden. Prinz Hubertus zu Löwenstein gab schließlich der Hoffnung Ausdruck, daß er nicht immer als Verbannter, sondern einmal von einer deutschen Tribüne zum deutschen Volk sprechen werde. „Ich verspreche Ihnen", schloß er, „daß wir dann den Juden, die in der Front des wahren Deutschland mit uns kämpften, helfen werden, eine Lösung derjüdischenFragezu finden.'' Die deutsche Judenheit in schwerer Notzeit Die Reichsver1 tretung der deutschen Juden veröffentlicht eine Verlautbarung, in der es unter anderem heißt: Die Reichsvei'tretung ist nach dem Willen und nach den Erklärungen aller Beteiligten als Gesamt Vertretung der deutschen Juden nach innen und nach außen ins Leben getreten. Diese Aufgabe hat sie seitliier verfolgt und wird sie weiter verfolgen. Sie enthält sich jeder Einwirkung auf das religiöse Gebiet im engeren Sinne und sie will nicht eine Uniformierung der Weltanschauungen innerhalb des deutschen Judentums. Aber sie läßt sich ihre Zuständigkeit von einzelnen jüdischen Gruppen .und Organisationen nicht beschränken, insbesondere nicht auf das rein wirtschaftliche und wirtschaftspolitische oder soziale Gebiet, auf dem schon vor ihr der ihr jetzt angegliederte Zentralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau tätig gewesen und seither tätig geblieben ist Vielmehr sieht die Reichsvertretung ihre Hauptaufgabe in der einheitlichen Arbeit nicht nur für die wirtschaftliche, sondern auch tun die politische, rechtliche und kulturelle Stellung der deutschen Judenheit, also namentlich auch im Verhältnis zur Umwelt, zum deutschen Volk und deutschen Staat. Trotz der Verschiedenheit der religiösen und weltanschaulichen Richtung soll, kann und muß diese Einheit an die Stelle zersplitterter und deshalb unwirksamer Tätigkeit einzelner Gruppen treten. ...Diese Linie ist vom Ausschuß, in dem sämtliche großen Organisationen der deutschen Judenheit, der Centrai-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, die Zionistische Vereinigung, der religiöse Liberalismus und die Orthodoxie vertreten sind, in voller Einmütigkeit festgehalten worden, so im Aufruf zum Volksentscheid vom 12. November 1933. wie in den an die Reichsregierung gerichteten Eingaben. ... Die Reichsvertretung ist nicht gewillt von ihrer Zielsetzung etwas aufzugeben. Sie weiß die erdrückende Mehrheit der organisierten und nicht organisierten deutschen Juden hinter sich, wenn sie die Führung des deutschen Judentums fest in der Hand behält und gegen alle Versuche der Spaltung durchsetzt * Am letzten Sonntag, 10 Uhr vormittags, tand auf Einladung des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde in der Synagoge Oranienburgerstraße ein Trauergottesdienst zu Ehren der im Kriege gefallenen Kameraden statt Mit etwa 3000 Kameraden marschierte die Ortsgruppe Berlin des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, von Orgelklängen begleitet und unter Vorantritt der Jugend des „Schwarzen Fähnleins'*, in das Gotteshaus. Rabbiner Dr. Salonioriski gedachte der gefallenen Kameraden und ermahnte die Lebenden zur Pflichterfüllung dem Judentum gegenüber. Kaddiscbgebet und Orgelklang beendeten die Feier. Anschließend daran legte eine Abordnung von etwa 300 Kameraden den Kranz der Ortsgruppe Berlin und einen Kranz des Volksbundes für Kriegsgräberfürsorge am Denkmal auf dem jüdischen Ehrenfriedhof Weißensee nieder. » Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden teilt offiziell mit: Die Führung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden empfindet besonders stark das Bedürfnis, gerade in dieser Zeit neben der im Rahmen der verfügbaren Mittel durchgeführten Stützung der kleinen und mittleren Gemeinden auf finanziellem Gebiete auch für die Intensivieiung jüdischten Lebens und jüdischen Empfindens in den Gemeinden zu sorgen. Zu diesem Zweck hat der Landesverband, durch einen kürzlich gefaßten Beschluß der Berliner1 Jüdischen Gemeinde angeregt, ein Rundschreiben an alle ihm angeschlossenen Synagogengemeinden versandt in dem er den Gemeinden nahelegt, durch verschiedene Maßnahmen und Einrichtungen dafür zu sorgen, daß möglichst alle Gemeindemitglieder bei dem Kommenden Pessachfeste an Sederfeiern teilnehmen. In dem Rundschreiben ist u. a. ausgeführt: b BeKeiner Feier> die so sehr den Charakterdes ratninenfestes trägt, wie die Sederfeien, ist das Ideal die Feier im eigenen Hause und im Kreise der r amilte. In erster Reihe bitten wir also dahin zu wl'Ken» daß in möglcbst zahlieichen Haushaltungen oederabende abgehalten werden, zu denen in wertestem Umfange Gäste aus dem eigenen Familien- und Bekanntenkreise, besonders aber auch aus dem Kreise der- }?}jKen> ohne eigenen Haushalt den verwandtschaft- Echen Beziehungen sind, herangezogen werden sollten. Wo der Hausherr oder ein anderes Familienmitglied den Seder selbst nicht abhalten können, sollte es Aufgabe der Gemeinde sein, den Betreffenden dafür geeignete Persönlichkeiten zuzuweisen. Wo die notwendige Zahl geeigneter Personen nicht vorhanden ist, bitten wir die Herren Rabbiner und Lehrer, unverzüglich in besonderen Kursen einer genügenden Anzahl — vor allem jüngeren Menschen — die notwendigen Kenntnisse zur Abhaltung der Sederfeieii zu vermitteln. Sie sollten hierbei ihr besonderes Augenmerk darauf richten, auch den etwaigen Bedarf der von der beireffenden Rabbinergemeinde oder Lehrergemeinde aus ohne Schwierigkeiten zu erreichenden kleineren Genieinden zu berücksichtigen. Neben den auf diese Weise an häuslichen Sederieiem teilnehmenden jüdischen Menschen wird aber trotz aller Bemühungen eine größere Zahl von Personen verbleiben, die keinerlei Zugang zu einer Familie geiunden haben. Deshalb halten wir es für unbedingt notwendig, unter Heranziehung allen in jeder Gemeinde bestehenden Vereinigungen Seder i eiern für die sonst ohne solche Feier Bleibende n zu veranstalten. Hierfür werden insbesondere die berufstätigen Jugendlichen in Betracht kommen, ferner die jungen Menschen, die sich der Be r u f s u msch kc h (iun g unt!eTafieh)en. aber auch sicher vielfach ältere Menschen, die ohne jeden Anhang sind. Daneben wird es im Umkreise jeder größeren oder mittleren Gemeinde Juden geben, die ganz vereinzelt in kleinen Orten oder Dörieni wohnen, und die zu solchen Feiern in die nächste größere, bzw. mittlere Gemeinde eingeladen werden sollte». Der Landesverband bringt am Schluß zum Ausdruck, daß ihm jede U Informierung der Feiern fern liege und er mit seinen Anregungen lediglich beabsichtige, zur Vertiefung jüdischen Lebens und jüdischer Sitte und zum Zusammenhalt innerhalb der Geineinden und Familien beizutragen und die 1 s olier'ung, unter der zahlreiche vereinzelt wohnende Juden schmerzlich leiden, lindern zu helfen. Das Rundschreiben ist allen Rabbinern, die in deu Mitgliedsgemeinden des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden tätig sind, und. wo kein Rabbiner vorhanden ist. dem Lehrer mit der Bitte um tätige Mitwirkung zur Kenntnis gebracht worden. Außerdem bat der Landesverband es den außerpreußischen jüdischen Landesverbänden übermittelt und ihnen anheimgestellt, ähnliche Maßnahmen zu treffen. Aus der braunen Hölle. Der Vizepräsident und Qeschäitsleiter der üroßloge Deutschland des Unabhängigen Ordens Bne Briss, Dr. Benno Walter, ist, wie seitens der Behörden angegeben wird, im Zusammenhang mit einer Rede, die er am 8. Jänner in München- Gladbach gehalten hat, verhaftet worden. Es wird angenommen, daß nicht etwa allein seine Ausführungen in Gladbach (die dazu gewiß mißverstanden worden sind, da nicht anzunehmen ist, daß ein Mann wie Dr. Benno Walter irgendwelche verfänglichen Aeußerungen tun wird) der Grund zu der Verhaftung Dr. Walters sind, sondern daß die Behörden im Zuge der Aktion gegen die Freimaurer auch die Bne Briss-Bewegung treffen wollen; es scheint den Behörde« nicht bekannt zu sein, daß die B n e B r i s s- Logen nichts mit Freimaurerei zu tun haben, sondern eine rein jüdische Brüderorganisation ohne Geheimriten sind, deren Tätigkeit sich im Sozialen und Kulturellen erschöpft Bereits vor mehreren Wochen konnte die JTA melden, daß das Haus der Bne Briss-Loge in Stettin von den Behörden beschlagnahmt worden ist, während die Ritualien usw. der Loge zur Verfügung gestellt worden sind. Seither sind in Königsberg, Nürnberg, Elbing, Allenstein, Aschaffenburg und Kottbus die Logenhäuser samt Inneneinrichtung beschlagnahmt und die Logen selbst für aufgelöst erklärt worden. Verhaftungen sind aber in diesem Zusammenhang nicht erfolgt. Großpräsident der Deutschland-Loge Bne Briss Ist bekanntlich der Präsident des deutschen Rabbinerverbandes Dr. Leo Baeck, gleichzeitig Präsident der Reichsvertretung der deutschen Juden. * Dr. Goebbels sprach in einer Massenversammlung in Hamburg über die Leistungen des Nationalsozialismus und sagte u. a.: Wir haben das internationale Judentum aus unserem Kulturleben ausgemerzt wir reinigten die Theater und Filmpaläste von jüdischem Geist und legten neue Fundamente für das geistige Leben der Nation. Mögen manche uns hart schelten, wir werden es 20 Jahre später ebenso macheii. * Staatssekretär Dr. Conti erklärt im „Völkischen Beobachter", der gesamte Berliner ärztliche und sanitäre Dienst sei von Juden gesäubert. Früher waren von 3481 zur Krankenkassenpraxis zugelassenen Aerzten 1888 Juden, nunmehr sei rücksichtslos durchgegriffen worden. Die Juden seien aber im privatärztlichen Dienst noch sehr stark vertreten, die Hälfte der in Berlin praktizierenden 6200 Aerzte bestehe aus Nichtariern. * Dem „Berliner Tageblatt" wird aus Leipzig gemeldet: In der Sitzung des Hauptausschusses der Leipziger Stadtverordneten wurde ein Antrag angenommen, der die vorläufige Suspendierung vom Amte in't di>m Ziele der Dienstentlassung für Obersuidiendirekior Dr. Behrends und iür die Lehrerin Vorwerk ven der Goethe-Schule zum Gegenstand hatte. Dem Antrag lag folgender Tatbestand zugrunde: Fräulein Vorwerk hatte im Unterricht einer Schülerin die Deklamation eines antisemitischen Gedichtes von Dietrich Eckart untersagt, weil sie fürchtete, daß dadurch zwei jüdische Schülerinnen der Klasse in ihren Gefühlen verletzt werden könnten. Auf eine Beschwerde des Vaters der betreffenden Schülerin hatte Oberstudienrat Dr. Behrends versucht das Verhalten der Lehrerin zu rechtfertigen, und sich gleichsam mit ihr solidarisch erklärt. Eine derartige Handlungsweise von Lehrern und Lehrerinnen könne, so wurde ausgeführt im nationalsozialistischen Staate unter gar keinen Umständen geduldet werden, und der Hauptausschuß beschloß deshalb in dem obenerwähnten Sinne. a In einer Besprechung, die der Theatcr-Siaatskorniiiissar H i n k e I mit dem Vorsitzenden des Berliner Kulturbundes, Dr. Singer, gehabt hat. wurde „gnädigst" die Erlaubnis erteilt, daß arische Ehepartner von Mitgliedern des Kulturbundes zu den Veranstaltungen des Kulturbundes zugelassen werden dürfen. * In einer Massenversammlung im Berliner Sportpalast sprach Reichsbischof Müller über das Verhältnis von Kirche und Staat. Er sagte: Wir stehen zum deutschen Evangelium und erkennen die deutsche Sendung Hitlers an. Das Christentum läßt sich nicht aus dem Judentum ableiten: es ist vielmehr im Kampf mit dem Judentum entstanden und ist auch heute ein a n t i j ii d is c h e s Element. * Die Nürnberger Polizei hat den Direktor der Vereinigten Papierfabriken Fritz Obermeyer in Schutzhaft genommen, weil er den ins Ausland gegangenen deutschen Juden Hans Rosenfeld mit der Vertretung der Firma im Auslande betraut hatte. In der Begründung der Schutzhaft wird erklärt, ein Emigrant darf deutsche Interessen im Auslande nicht vertreten: Obermeyer habe gegen die Interessen von Staat und Nation gehandelt, als er einen emigrierten Juden mit der Vertretung seiner Firma betraute. * Die hervorragende junge jüdische Sängerin Irene Eisinger. früher eine Stütze der Staatsoper, zuletzt am Prager Deutschen Theater tätig, mußte ihr am Berliner Theater des Westens außerordentlich erfolgreich begonnenes Gastspiel plötzlich abbrechen: sie wurde in nationalsozialistischen Blättern und von Berliner christlichen Kollegen attackiert Der bekannte Berliner Komponist und Kabarettist WtHy Rosen mußte sein Auftreten im Berliner Kabarett der Komiker abbrechen, nachdem eine Nazizuhörerschaft durch unaufhörliche Rufe „Nieder mit den Juden!" sein Abtreten von der Bühne erzwungen hatte. * Der jüdische Arzt Dr. Wagner aus Triberg hat sich, seine Frau und sein Kind mit Morphiumeinspritzungen zu töten versucht. Das Kind ist inzwischen gestorben. Der Karlsruher nationalsozialistische „Führer" stellt dazu fest: „Vom Ortsgruppenleiter wird ausdrücklich bestätigt, daß irgendeine Bedrohung oder Verfolgung Dr. Wagners in gar keiner Weise in Frage käme." Einige Zeilen vorher schreibt; der „Führer" dagegen, daß Dr. Wagner „infolge ungesetzlicher verbotener Handlungen" nach Offenbach gebracht werden sollte. Die „Handlungen" des Arztes werden mit keinem Wort präzisiert.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.