Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 7 (17.2.1934)
- Date
- 1934-02-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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?D1E VVA11KHE1T Seite 5 i STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: III.. Rennweg 112, Tel. U 15-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentralfriedhof, 3. Tor, Tel. LMO-4-53 Vom Siedlungsprojekt. Am 31. Jänner fand im großen Sitzungssaal der israelitischen Kultusgemeinde eine von der Zentralkommission für soziale Fürsorge einberufene Versammlung statt, bei der Herr Dr. Ludwig Neumann, Abteilungsleiter der „Gesiba" und Generalsekretär des „Oesterreichischen Verbandes für Wohnungsreform", über „Jüdische Wirtscliaitssiedlung" sprach und seine Ausführungen mit Lichtbildern der Siedlung Leopoldau der Stadt Wien ergänzte. Herr Dr. Neumann — ein anerkannter. Fachmann auf dem Gebiete des modernen Siedltingswesens — verstand es. sein Thema interessant und lehrreich zu behandeln und alle in Betracht kommenden Umstände, die für und gegen das Projekt sprechen, ohne Optimismus, aber auch ohne übertriebenen Pessimismus vorzubringen. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß das von Herrn Nathan Po Hak. Mitglied des Zentralvorstandes der Union österreichischer Juden, vorliegende Projekt eine beachtenswerte Grundlage bildet und daß sein der Zentralkommission für soziale Fürsorge überreichter Vorschlag einer sofortigen theoretischen Umschulung der jüdischen Jugend im Alter von 16 bis 30 Jahren und einer sich daran anschließenden praktischen Ausbildung, für die die Gärten der Anstalten der Kultusgemeiude sich sehr e'gnen. die richtige Voraussetzung bilden, bevor, der großen Aufgabe der Errichtung einer jüdischen Siedlung nähergetreten wird. Nach den bisherigen Erfahrungen kann eine Sledlerfamilie als Nebenerwerb mit 1000 Quadratmetern, als Haupterwerb mit 2500 Quadratmetern bei fleißiger Arbeit und fachmännischer Anleitung und Kontrolle sich selbst erhalten, im letzteren Falle sogar nach zwei Jahren aus den überschüssigen Produkten des Bodens zirka 100 S monatlich bar einnehmen. Auch die Hühnerhaltung kann — fachmännisch angeleitet — durch Eiergewinnung gute Resultate erzielen. An geeigneten Grund und Boden ist in Oesterreich kein Mangel und wäre solcher mit zirka 60 Groschen per Quadratmeter käuflich, doch wäre es vielleicht möglich, solchen in Erbpacht zu bekommen. Die Baukosten eines Siedlerhauses bezeichnete Redner als billig und bei Mitarbeit des Siedlers oder der Gesamtheit der. Siedlergemeinschaft sind wesentliche Baukosten noch zu ersparen. Die diesbezüglichen Erfahrungen der .„Gesiba'"'-waren sehr günstig. Von behördlicher Seite ist keine Schwierigkeit zu befürchten, im Gegenteil, es besteht gute Hoffnung, von der Industriellen Bezirkskommission den festgesetzten Umschulungsbeitrag von S 150.— pro Manu und später eine Zeitlang die Fortdauer der Arbeitslosenunterstützung zu erhalten. Eine Siedlergruppe besteht aus je 80 Parzellen (zu zwei aneinander gebaute Häuser), die Wohnung aus Zimmer, Wohnküche. Flurküche und Wirtschaftsgebäude, was in Lichtbildern gezeigt wurde, ebenso die Einteilung der Anbaufläche in Gemüse-. Obst-, Blumengarten usw. Zum Schlüsse wies der Vortragende auf die großen Vorteile hin, die eine Umschulung der erwerbslosen Jugend nicht nur für Oesterreich, sondern auch als Hachscharah für nach Palästina auswandernde Leute haben würde, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Chamisso Ossertag — an dem die Sitzung stattfand — nicht nur als Neujahrsfest der Bäume, sondern auch für den jüdischen Siedlungsgedanken eine gute Vorbedeutung haben möge. Das zahlreich erschienene Publikum, die anwesenden Kultusvorstände sowie ein Interessentenkreis, dem auch mehrere Damen der verschiedenen Fraktionen angehörten, zahlreiche Fürsorgeräte usw. zollten dem Referenten Herrn Dr. N e u m a n n. lebhafte Anerkennung und Dank. a Vor kurzem fand die angekündigte Führung zur Besichtigung der Siedlung Leopoldau durch Herrn Nathan P o 11 a k statt. Die Teilnehmer versammelten sich beim Cafe „Goldener, Engel'- in Floridsdorf und nach einem kurzen Marsche wurde die Siedlung erreicht und die Anlage derselben, sowie ein Siedle rhaus, Wirtschaftshof usw. eingehend besichtigt und erklärt. Die Teilnehmer — insbesondere der jugendlichen Kreise — hatten für alles lebhaftes Interesse und waren von der Exkursion vollauf befriedigt. Dem Leiter wurde allseits gedankt und sind vielfache Anmeldungen für den Umschulungskurs bei demselben erfolgt. Am unser« Leser? Infolge der durch die bekannten Ereignisse dieser Woche entstandenen technischen Störungen, durch die auch der Betrieb unserer Druckerei betroffen wurde, erscheint die vorliegende Nummer der „Wahrheit" um einen Tag später und in verringertem Umfange. Insbesondere mußten mehrere Nachrichten über Veranstaltungen im jüdischen Wien zurückgestellt werden, deren Besprechung in diesen ernsten Tagen ohnehin nicht am Platze wäre. Die Redaktion „Die Wahrheit". Für Hochzeiten u. Vereine schöner Saal oder Klubräume mit Klavierbenützung zu vergeben. Restaurant Herlinger II.. Tatoorslraße IS Gute Küche, billige Preise, große Auswahl in Mittag- und Abendmenüs Polen beschämt Deutschland. Anläßlich eines Empfanges zu Ehren des Marschalls Pilsudski in Wilna wurde dem Marschall mitgeteilt, daß das jüdische Krankenhaus der Stadt infolge gewisser behördlicher Maßnahmen geschlossen werden soll. Marschall Pilsudski erklärte sofort, sich für die bedrohten jüdischen Interessen einsetzen zu wollen. Er sagte wörtlich: „Den Juden Wilnas soll. Gott bewahre, k e i u Unrecht zugefügt werden." Dank dem Eingreifen Pilsudskis wurde das Fortbestehen des Krankenhauses gesichert. In der Sitzung des polnischen Sejm, in der das Budget des Innenministeriums behandelt wurde, hielt der Nationaldeniokrat Bielecki eine antisemitische Hetzrede, auf die Innenminister Pieracki folgendes erwiderte: „Ich benutze die Gelegenheit, um nochmals unmißverständlich festzustellen, daß wir keinerlei Terror, sei er individueller oder kollektiver Art. dulden werden. Wir werden nie ein e n Rasse ti- und N a t i o n a I i t ä t e n k a m p f zulassen, da ein solcher dem geschichtlichen Geist unseres Volkes zuwider ist. In Polen bildet die Gleichberechtigung aller Bürger die Ii a ti p t g r u n d läge der S t a a t s m a c h t." Zimmermaler Kohn empfiehlt sich zur Ausführung von Malerarbeiten jeder Art II., Rotankreuzsasse 3 Tel. A45-5-37 25Jahre „Hakoah". In diesen Tagen begeht der Sportklub „Hakoah" sein 25jähriges Bestandsjubiläum. Mit dem Gefühl stolzer Genugtuung kann dieser Verein, der wohl als der größte jüdische Allround-Sportklub der Welt anzusehen ist, auf die enormen Leistungen und sportlichen Erfolge seit seiner Gründung hinweisen. Aus kleinen Anfängen heraus verstand es die „Hakoah", sich einen Namen und eine Position in der ganzen Sportwelt und darüber hinaus zu schaffen und dieses Ansehen zur Ehre des ganzen Judentums zu testigen. Junge jüdische Burschen und Studenten waren es, die vor 25 Jahren die Hakoah gegründet haben, ohne vielleicht damals daran gedacht zu haben, welche Rolle dieser Klub einst im jüdischen sportlichen und gesellschaftlichen Leben spielen wird. Mit eiserner Konsequenz, mit gewaltigen Opfern an Arbeit, Zeit und Geld gelang es dem aufblühenden Verein, trotz aller Fährnisse und Unbill der allgemeinen Wirtschaftslage seiner Aufgabe, die jüdische Jugend zu gesunden und aufrechten Menschen zu erziehen, gerecht zu werden. Und wahrlich, man sagt gewiß nicht zu viel, wenn man behauptet, daß dieses Werk, das sein Gedeihen und seine Erfolge einzig und allein der energievollen Führung selbstloser jüdischer Sportsleute zu verdanken hat, in der ganzen Welt wohl nicht so bald seinesgleichen finden wird. Der Verein selbst, dessen Sektionen seinerzeit gemeinsam geleitet wurden, mußte später infolge gewisser Schwierigkeiten, die sich durch diverse Lasten, wie Steuern, Abgaben und Gagen usw., ergaben, eine Reorganisation durchführen, durch welche der Fußballklub „Hakoah" von dem Stammverein gelöst wurde, ohne daß jedoch durch die Selbständigkeit der Kontakt mit der Zentralleitung verloren gegangen wäre. Die sportlichen Leistungen dieses aufstrebenden Vereines, der derzeit die Sektionen Schwimmen, Leichtathletik, Hockey. Handball, Ringen, Fechten. Tennis, Ping-Pong, Schach. Ski und Touristik umfaßt, sind wohl zur Genüge bekannt; wir können uns deshalb darauf beschränken, die hauptsächlichsten Erfolge dieses an Ehren reichen jüdischen Vereines anzuführen. Der Fußballklub Hakoah wurde, abgesehen von seinen ganz bedeutenden Glanzleistungen im Innnd Auslande, 1925 österreichischer Meister. fcv GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM, KORNMEHL unHMMHHMMHHHMMI WIEN IX., BCRGOASSB NR. 19 FILIALE« XVIII., WÄHRINOBBSfRASSS »7 Telephon Nr. A 17-3-99 and A 15-9-34 Lieferant für Hallanstartaa AbteilungentürKoscherfleisch nata* Aufsteht de« ehm. RabbhMtas ■** Isr. Kiilluagemaind» Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreises Gleich der Hockeysektion, die ebenfalls den Meistertitel erringen konnte, verstanden es auch die Schwimmer (nur ein paar Namen: Hedy Bienenf e 1 d - W e r t h e i m e r. Fritzi Low y. Idi Kohn und Alfred Gut Ii). Leichtathleten, Handballer und Schachspieler, den Verein würdig zu vertreten. Zum Schluß, aber nicht zuletzt wollen wir noch die Ringer erwähnen, die Jahre hindurch die Mannschaftsmeisterschaft von Gesterreich gewonnen haben und in dem mehrfachen Meister von Oesterreich und Olympioniken Nikolaus H i r s c h 1 die repräsentativste Stütze besitzen. So wollen wir uns anläßlich des Jubiläums der „Hakoah" — die nicht nur für uns Juden, sondern auch für Oesterreich selbst eine große Aktivpost bedeutet — gerne dem Reigen der Gratulanten anschließen und tun es mit dem Wunsche, dal! der Verein sich durch Abkehr von einer einseitigen Partei,einstellung die Gefolgschaft und das Wohlwollen der gesamten Judenschaft, das ihm durch die Glückwünsche aller Kreise der österreichischen Judenschaft bekundet worden ist, erhalten möge. S u I f u r. Zur Nachahmung empfohlen. Wir haben vor einiger Zeit von dem hochherzigen Akte berichtet, den ein treues Mitglied der „Union österreichischer Juden" angesichts der furchtbaren Not, die in jüdischen Kreisen hauptsächlich des Mittelstandes herrscht, gesetzt hat. Er hat der Fürsorgezentrale der KuJtusgemeiride, wie auch der „Union" eine sehr große Anzahl von Anweisungen — fast 1000 — zur Verfügung gestellt, die den Empfänger zum Bezüge einer reichlichen Jause in einem Wiener Kaffeehaus berechtigen, so daß der auf diese Weise Befürsorgte nicht nur einen leiblichen Genuß erhält, sondern auch in die Lage versetzt wird, in passendem Milieu sich der Lektüre von Zeitungen hinzugeben. Das edle Beispiel dieses prächtigen Menschen, der leider noch immer ungenannt bleiben will, hat — nicht zuletzt durch unsere Publikation — schon Nachahmer gefunden, so daß wir mit lebhafter Genugtuung feststellen können, daß diese schöne Aktion erfreulich fortschreitet. Daß sich ihr möglichst zahlreiche edle Wohltäter anschließen, ist der sehnlichste Wunsch desjenigen, der sie durch sein munifizentes Beispiel initiiert hat; wir leiten seinen Wunsch, der auch der unsere ist, hiemit weiter und hoffen, daß er bei den Lesern unseres Blattes auf fruchtbaren Boden fallen wird. Eine Denunziation. Der palästinensisch-jüdische Führer B e nz i o n M o s s e n s o n, Direktor des hebräischen Gymnasiums in Tel Awiw, der sich auf der Durchreise in Wien nach Prag zu den dortigen Tagungen befand, wurde unter der Beschuldigung, daß er im August 1933, als er als Delegierter zum 18. Zionistenkongreß in der Tschechoslowakei weilte, auf einem in Karlsbad gehaltenen Vortrag beleidigende Worte gegen den Bundeskanzler Dollfuß gebraucht hatte, von der Polizei testgenommen und drei Stunden lang auf dem Präsidium zurückgehalten. Ein Vortrag M o s s e n s o n s in Wien wurde b eh ö r d Ii c h verboten. Während der Vernehmung auf der Polizei stellte es sich heraus, dali Mossenson von einer getauften Jüdin denunziert worden ist. Der Präsident des zionistischen Landesverbandes Oesterreichs Dokior Oskar Griinbaum konnte der Polizei mehrere Zeugen, unter ihnen den bekannten jüdischen Maler Wilhelm Wachtel, namhaft machen, die bekundeten, daß die Beschuldigung aus der Luft