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Die Wahrheit · 1934-02-17 · Heft 7 (17.2.1934) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 7 (17.2.1934)
Date
1934-02-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Btt wmwif Seite 3 Vortrefflich sind die Vortrefflich-Nlazzotli. Oberau m\m. Nur dort, wo alle schöpferischen Kräfte hemmungslos zur Entfaltung kommen können, sind Großtaten des Geistes und ständige Befruchtung aller Kulturgebiete zu erwarten. In diesem Sinne hat Heraklit den Krieg den Vater aller Dinge genannt. Solch schöpferischer Krieg ist gut und nützlich. Wem das Risiko eines Kampfes erspart bleibt, mag leichter- Beute nach Hause bringen, aber die erhabenen Trophäen, in denen sich für die Menschheit die unvergänglichen Siege ihres schöpferischen Genies verkörpern, sind nicht darunter zu finden. Dr. Hugo S p i e g 1 e r. verschiedenen Länder äußerten sich sehr eingehend zu den verschiedenen erwähnten Punkten. Es steht schon jetzt fest, daß der Weltkongreß im Sommer dieses Jahres, vermutlich im Aug u s t, in der Schweiz stattfinden wird. Der Jüdische Weltkongreß. vorigen Woche fanden in Prag Be- Exekutivkomitees für die Vorbede s Ende der ratungen des reitung des Jüdischen Weltkongresses, sowie der Exekutive des Comitc des Delegations Juives statt. An den Sitzungen, die vom Vorsitzenden des Comite des Delegations Juives, Dr. Nahum Ooldmann, geleitet wurden, beteiligten sich Vertreter vieler mittel- und osteuropäischer Länder; u. a. nahmen an ihnen der Präsident der Wiener Kultusgemeinde Dr. Desider Friedmann teil. Dr. G o 1 d m a n n erstattete einen Bericht über die laufenden politischen Aktionen des Comite des Delegations Juives, insbesondere soweit sie . mit der deutschen Juden frage zusammenhängen. Eingehend besprochen wurde die Frage der Beziehungen der jüdischen Minoritäten zum Europäischen Minder h ei tenkongreß. Der Präsident des Minderheitenkongresses Doktor VV i 1 f a n war zu diesem Teil der Besprechungen eigens aus Wien nach Prag gekommen und legte den Standpunkt des Ausschusses des Minoritätenkongresses bezüglich der weiteren Mitarbeit der jüdischen Minoritäten dar. Nach einer lebhaften Diskussion, an der sich insbesondere die Vertreter der jüdischen Minoritäten aus den verschiedenen Ländern beteiligten, wurde beschlossen, die Frage durch die Instanzen der verschiedenen jüdischen Minoritäten erörtern zu lassen, damit auf Grund einer klaren Stellungnahme derselben in einer für Mai in Aussicht ge- In dem sogenannten „erzählenden" Teile des Talmuds fällt der glühende Erlösungsdrang auf und aus vielen Aussprüchen der Rabbinen erkennt man den jüdischen Ursprung des Christentums; sie weisen Gedanken auf, die in Sinn und Ausdrucksweise mit den Lehren des Christentums ähnlich sind; wir vernehmen den stolzen Ruf nach Erlösung und des Heils für alle Menschen. Die Tatsache, daß die Juden den aus ihrer Mitte hervorgegangenen Stifter des Christentums nicht als ihren Messias anerkannt haben, kann ihnen gewiß nicht zum Vorwurf gemacht werden: das war Inspiration, und wer Gott und seinem Tun gläubig vertraut, muß sich sagen, diese Verweigerung Israels lag in dem Plan der Vorsehung, worüber aber weder ein Nachgrübeln nach der Ursache noch eine Anfechtung nützen könnte. Kardinal Faulhaber erhebt den Anspruch, als Fachmann in diesen Dingen mitzureden, weil er elf Jahre seines Lebens einen Lehrstuhl für die Heiligen Schriften des Alten Testaments inne hatte. Es ist um so mehr zu bedauern, daß er sich nicht auch mit dem Studium des Talmuds und des rabbinischen Schrifttums befaßt hat. So aber ist ihm diese Lehre nur aus judenfeindlichen Darstellungen bekannt. Wäre dem nicht so, Talmud und Schulchan-Aruch hätten in seinen Predigten eine gerechtere Beurteilung erhalten. Ich habe Grund zur Annahme, daß Kardinal Faulhaber sich nun dem Studium der rabbinischen Literatur zuwenden wird, und bin überzeugt, daß er, gleich Johannes Reuchlin, zu einer anderen Ansicht kommen wird. Denn es gibt rabbinische Aussprüche, die es an Schönheit und Erhabenheit mit dem Evangelium und der späteren christlichen Lehre aufnehmen könnten. Das eine steht fest: die Rabbinen lehrten die unbedingte Achtung vor dem Andersgläubigen. Hier nur eine Leseprobe zum Psalterersatz: „Deine Priester kleiden sich in Gerechtigkeit", bemerkt ein Rabbi: „Unter .Priester' sind die .Gerechten' der nichtjüdischen Völker gemeint, die Priester Gottes sind." (Jälkut Thilim § 298). Jeder anständige und nichtjüdische Mensch, genießt im nachbiblischen Judentum vollste Achtung. Von besonderem Interesse ist Faulhabers Silvesterpredigt über „Christentum und Germanentum", mit der volkstümlichen Analyse der „Germania" des Tacitus. Bei Behandlung der Frage, wie sich das Christentum zur germanischen Rasse stellt, wird daran erinnert, daß bei keinem Volke Blut und Rasse so stark betont wurden, wie bei den Israeliten des Alten Bundes. Daran ließen sich viele Bemerkungen knüpfen. Jedenfalls wäre hervorzuheben, daß zur Zeit des Talmuds die Ansicht durchgedrungen war, es entscheide bei der Volkszugehörigkeit (nicht Staatszugehörigkeit!) vornehmlich der Glaube an Gott allein. Wer daher an Gott glaubt und sich vom Heidentum abwendet, erscheine im Sinne des Talmuds dem jüdischen „Blutmenschen" vollkommen gleichgestellt. nommenen neuen Sitzung über die Beziehungen der jüdischen Minoritäten zum Minoritätenkongreß definitiv Beschluß gefaßt werden soll. Ein großer Teil der Verhandlungen galt den Fragen der Vorbereitung des Jüdischen Weltkongresses. Da am 25. Februar in Paris eine Sitzung der westeuropäischere Mitglieder des Exekutivkomitees für den Jüdischen Weltkongreß stattfindet, werden die definitiven Beschlüsse bezüglich Ort und Zeit des Weltkongresses, sowie Tagesordnung und Wahlmodalitäten erst nach der Pariser Besprechung gefaßt werden. Die Vertreter der „FAMILIENSCHUTZ" Gemeinnützige Vereinigung für Familientürsor ge Wien II.. Aapernbriiokenqaw 2_Tel. B 43-500 Dutch Monatsbeiträge von S 1 bis 10 kann man bei nni sicherstellen: Studlenbeitrüge für Täohter und SBbne Ausetattungebettrage für Tochter Voreorge für da* Alter und für die Hinterbliebenen Unsere Vorteile: 1. Geringe Beiträge. 2. Robe Versicherungssummen. 3. Keine Wartezeit, daber sofortige Wirksamkeit. 4. VolleGarantieder Lebensversicherungsgesellschaft „Phönix". 5. Keine Nebengebühren. 6. Keine ärztliche Untersuchung. 7. Unverfallbarkeit nach zweijähriger Beitragszahlung. 8. Keine Aufnahmegebühr. Der „PAMIUBNSCHUTZ" wird von der Wiener Kultiugcmalaä« bcffljrwortat ilNU&UttUUälBüfyilUUlliUlWU Wünsche und Hoff nungen der deutschen Juden. in der Februar-Nummer der vom P h i 1 o- Ve rlag lieiausgegebenen Monatsschrift „Der Morgen" legt zum erstenmal die Reichsvertretung der deutschen Juden durch den Mund des Vorsitzenden, Ministerialrat Dr. Otto Hirsch, öffentlich Rechenschaft über ihre Tätigkeit ab, gibt ihren Wünschen und Hoffnungen Ausdruck und formuliert ihr Ziel. Aus dem Artikel, der als wichtiges Zeitdokument zu werten ist und interessanterweise in vielem mit dem übereinstimmt, was letzthin in diesen Blättern als „Zwische n- I ö s u n g" verlangt wurde, seien folgende SteTfen wiedergegeben: Der eigentliche Ort praktischer Gemeinschaftsarbeit ist für den Juden die Gemeinde. Ihre Erhaltung, ja ihr Ausbau ist deshalb nicht nur vom religiösen, sondern auch vom staatlichen Standpunkt aus von der größten Bedeutung. Dazu ist aber Vorbedingung, daß nicht über die Gesetzgebung des letzten Jahres hinaus und entgegen vielfachen Willensäußerungen maßgebender Stellen den Juden immer wieder die wirtschaftliche Betätigung als Arbeitnehmer und Arbeitgeber erschwert, in manchen Reichsteilen und Wirtschaftszweigen geradezu unmöglich gemacht wird. Die bisherige, durch die geschichtliche Entwicklung mitbedingte Berufs Schichtung der deutschen Juden, ihr Ueberwiegen in den geistigen Beruien und in den Großstädten war ungesund. Die deutsche Judenheit ist mit allem Nachdruck bemüht und ihre Jugend ist bereit zur Aenderung dieses Zustand es, zum Uebergang auf körperliche Arbeit. Soll sie Erfolg haben, soll ihrer Jugend überhaupt noch eine Zukunftshoifnung, die Hoffnung auf Arbeit bleiben, so muß ihr in angemessener Weise Ausbildung und Eingliederung in Arbeiterschaft, Handwerk, Land- und Forstwirtschaft ermöglicht werden. Gleichwohl wird eine Anzahl deutscher Juden keinen Lebensraum mehr in Deutschland finden und auswandern müssen. Daß diese Auswanderung planmäßig vorbereitet und geregelt werde, ist ein Erfordernis ebenso des deutschen wie des jüdischen Ansehens, und die Unterstützung der Arbeit der hiezu berufenen Organisationen für die Auswanderung nach Palästina und anderen Ländern durch die Reichsregierung ist in höchstem Maße erwünscht. Stärker als wirtschaftliche Not bedrückt die deutschen Juden eine andere Last: der leider so oft wiederholte Vorwurf der Minderwertigkeit ihrer Gemeinschaft, ihrer Herkunft, ihres Glaubens. Der Aufbau des neuen deutschen Staates auf rassisch-völkischer Grundlage mag die Betonung der Andersartigkeit der Juden gegenüber ihrer Umwelt zur notwendigen Folge haben, ihre Minderbewertung, ja ihre Entwertung kann keine Gemeinschaft von Ehre und Selbstachtung ohne Widerspruch hinnehmen. Die deutschen Juden vertrauen darauf, daß der neue deutsche Staat auch ihrer kleinen Gemeinschaft das elementare Gefühl für Ehre und Würde zuerkennt und ihre Diffamierung nicht länger duldet. Wir selbst aber werden unsere Ehre und Würde dann am besten wahren, wenn wir nach dem geschichtlichen Sinn dieser Zeit fragen und wenn wir ihn darin finden, daß sie uns nötigt, uns auf uns selbst, auf die Werte unseres Judentums zu besinnen, und wenn wir in uns die Kraft entwickeln, von innen heraus unserer Not Herr zu werden." Der Aufsatz behandelt weiter die Erziehungsarbeit der Reichsvertretung und ihr Verhältnis zu den jüdischen Organisationen. Als ihr Ziel wird „kräftiges und würdiges jüdisches Leben auf deutschem Boden innerhalb des deutschen Staates" bezeichnet. Die Auswanderung betrachtet sie als einen in gewissem Umfang notwendigen und wichtigen Ausweg, aber nicht als den Weg. Für einen Burgfrieden. Unter Beteiligung der Vertreter von Gemeinden, Gemeindeverbänden und der Arbeitsgemeinschaft jüdischer Landesverbände sowie hervorragender Vertreter der großen jüdischen Zweckverbände und weltanschaulichen Richtungen fand am 11. Februar im Berliner Logenhaus eine Sitzung des Beirates der Reichsvertretung der deutschen Juden statt, in der der Ausschuß der Reichsvertretung Bericht über seine Tätigkeit auf wirtschaftlichem, sozialem und kulturellem Gebiet erstattete. In der dem Bericht sich anschließenden Aussprache wurde einmütig auf die Notwendigkeit hingewiesen, (die auch in Oesterreich bestehen würde. D. Red.) —, zum Zweck ungestörter Koordinierung der verschiedenen Gebiete jüdisch-öffentlicher Tätigkeit ideologische Auseinandersetzungen in Wort und Schrift auf ein Mindestmaß zu beschränken und hierbei jede Form zu vermeiden, die die eine oder andere Seite verletzen könnte. Ganz besonders aber müsse darauf gesehen werden, daß Aktionen einzelner Gruppen auf Gebieten, die der Reichsvertretung vorbehalten sind, unterbleiben. In einer Entschließung wurde der Reichsvertretung die Aufgabe übertragen, den von allen Seiten geforderten Burgfrieden zwischen den verschiedenen Verbänden und Richtungen zu fördern und über seine Einhaltung zu wachen. Deutsches Gemüt. Der „Beobachter" in Hirschberg i. Rsgb. veröffentlichte am 10. Jänner diese Todesanzeige: Am 9. Januar verstarb plötzlich mein geliebter Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater und Großvater Ludwig waiiiisdi im Alter von 72 Jahren. Walllisch. Frau Martha Walllisch. Dr. Arnold Wallfisch. Hanne Zweig, geb. Walllisch. Dr. Max Zwei«. Gabriele Zweig. Hirschberg i. Rsgb.. Reichenbach u. d. Eule, Die Beisetzung findet Donnerstag, den 11. Januar, um 13 Uhr. von der Leichenhalle des jüdischen Friedhofes aus statt. Von Kondolenzbesuchen bitten wir abzusehen. Am Tage darauf, noch ehe der Leichnam in die Erde versenkt war, erschien im „Beobachter" folgende Erklärung: Durch ein Versehen eines Lehrlings in der Anzeigenannahme ist gestern eine Anzeige eines Juden erschienen. Wir stellen hiermit ausdrücklich fest, daß es sich nur um ein Versehen handelt, daß unsere Einstellung den Juden gegenüber nach wie vor unverändert ablehnend geblieben ist, und daß wir es auch für die Zukunft ablehnen, irgend eine Anzeige eines Juden aufzunehmen. Die Anzeigenabteilung des „Beobachters". —t*!

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