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Die Wahrheit · 1934-02-17 · Heft 7 (17.2.1934) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 7 (17.2.1934)
Date
1934-02-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 DIE WAHRHEIT r Grimm über das Scheitern allzu hoch gespannter Hoffnungen früher abreagieren konnte. Für Oesterreich, wo von der demagogischen Phrase, daß die .luden der arischen Jugend den Weg zum Erfolg verrammeln, noch reichlich Gebrauch gemacht wird, ist es sehr lehrreich, die Entwicklung im Hitler-Paradies als Probe aufs Exempel zu beleuchten. Nicht weniger als drei Millionen deutscher Staatsangehöriger stehen laut amtlicher Meldung aus dem Dritten Reiche als .luden, bzw. Judenstämmlinge unter behördlicher Kontrolle, damit sie ja nicht etwa der gefährlichen Versuchung erliegen, sich irgendwie nützlich zu betätigen. Nichtarier. die schon früher, als für sie noch keine Beschränkung bestand, diesem sträflichen Drange gefrönt hatten, mußten unter Zurücklassung von Hab und Gut ins Ausland flüchten. In Deutschland ist die Forderung des Horst-Wessel-Liedes Gesetz geworden: ..Die Straße frei den braunen Bataillonen!" Aber was nützt die Freiheit aller Straßen, wenn sie nicht entsprechend ausgenützt wird? Gewiß: die leichten und bequemen Zugänge zur Staatskrippe wurden von den braunen Bataillonen rasch überflutet, aber die schwierigeren Gebirgspfade. deren Ueberwindung geistige Gipfelleistungen voraussetzt, bleiben seit Einführung der braunen Markierung erstaunlich leer. Die oben zitierte Ansprache des Dr. Goebbels an die Filmleute spiegelt die Enttäuschung wieder, die die Führer über das Ausbleiben des erhofften Ersatzes für die gewaltsam unterbundenen Leistungen der .luden empfinden. Wahrheitsliebe gebietet die Feststellung, daß diese Enttäuschung nicht auf allen Gebieten berechtigt ist. In der ..Judenrepublik'* galt die Korruptionsaffäre der Gebrüder Sklarek als ein kaum noch zu überbietender Skandal. Aber das Dritte Reich hatte seine Affäre Lahusen, die das unmöglich Scheinende vollbrachte: Neben der Leistung dieser arischen Kridatare verblaßt die der jüdischen Firma aufs kläglichste. Dafür sind auf anderen, ehrenvolleren Gebieten die von .luden erzielten Rekorde noch immer nicht gebrochen. Für Wissenschaftler wie Einstein, für Literaten wie Arnold Zweig ist noch kein entsprechender arischer Ersatz gefunden. Deshalb hält man sich einssweilen an Moses-Sta- SP ■■■■■■■■■■■■«■■■■■■■««■■«£ i 3n floridsdorf steht die bekannte fdhmidt Jllazzoth - Fabrik Jlatftan (ftrodetzfry £tn Versutfk wird ffe Ii6eraeu^en! Erzeugt aus feinstem Mehl unter streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Babad Zentxate: Wien, 2. f&essirß, Xeopoftisgasse %3 Telephone: A 46-1-W, A 48-4-48, A 60-2-63 Die fdhmidl-yitaxs&otfk und das Fabrikat ..ytlm&ei SdkmiAtJl. {Mazzoth, Grieß und Farwel) sind außerdem erhältlich in allen besseren Geschäften. tuen und am materiellen Besitz der Emigranten schadlos, indem man einfach ihr Vermögen konfiszierte . . . Als sich jüngst ein nationalsozialistischer Stunntruppenführer einer dringlichen Operation unterziehen mußte, brachte man ihn ausgerechnet ins jüdische Krankenhaus von Berlin und der jüdische Chefarzt der chirurgischen Abteilung mußte selbst die Operation vornehmen. Unwillkürlich erinnert man sich an die Sympathie des österreichischen Nazi-Führers Frauenfeld für das Wiener Rothschildspital. Aber Frauenfeld konnte sich mit dem Hinweis auf die „Verjudung" des Wiener Aerztestandes ausreden, die ihm angeblich die Möglichkeit nahm, sich von Ariern behandeln zu lassen. In Deutschland liegen dank Hitler die Verhältnisse anders. Dort muß man geradezu angestrengt suchen, um eine noch aktive ärztliche Größe aufzuspüren. Es ist deshalb um so bemerkenswerter, daß die Berliner Nazi sich diese Mühe nicht verdrießen ließen, um einem der Ihrigen das Leben zu retten. Ein seiner Lehrkanzel beraubter jüdischer Orientalist mußte trotz dem Aerger der Hochschuljugend reaktiviert werden, weil sich herausstellte, daß er der einzige ist, der eine bestimmte innerafrikanische Sprache beherrscht und daher schon für den diplomatischen Verkehr mit dem betreffenden Lande unentbehrlich ist. Der aus rassischen" Gründen kaltgestellte Organisator des deutschen Sportes, Lewald. mußte gleichfalls reuig wieder in Amt und Würden eingesetzt werden, weil sonst die Durchführung der Berliner Olympiade gefährdet gewesen wäre. Dafür hat der Regierungskommissär von Gladbach die jüdischen Sportvereine lahmgelegt . . . Auf dem Gebiet des Handels, auf das schon Friedrich der Große die jüdische Erwerbstätigkeit beschränkt wissen wollte, haben die Gesetzgeber des Dritten Reiches den Juden von Anfang an gewisse Rechte gesichert. Sogar das Verbot journalistischer Tätigkeit für Juden wurde zugunsten jüdischer Handelsredakteure ganz offiziell durchbrochen und die nationalsozialistischen Minister Dr. Schmitt und Dr. Frick haben wiederholt mit Nachdruck verkündet, daß auf die freie Wirtschaft der Arierparagraph nicht anzuwenden sei. Tobend brandmarkten die Nur-Antisemiten diese Emulationen als Verrat, am Nationalsozialismus. Man suchte ihnen mit Erfolg den Mund zu verstopfen, indem man den ärgsten Schreiern fette Pfründen im Reichswirtschaftsministerium verschaffte, durch die sie sich selbst sanieren können. „Wirtschaft', Horatio, Wirtschaft . . ." Mit der Feststellung all dieser bezeichnenden Tatsachen wird keineswegs die unsinnige Absicht verfolgt, zu leugnen, daß auf allen Gebieten menschlicher Arbeit hervorragende Arier rühmlichst tätig waren und sind. Aber diese wirklichen Größen brauchten, um sich durchzusetzen, nicht den Arierparagraphen. Sie hatten den Wettbewerb mit Juden nicht zu scheuen.-Diejenigen aber, die ihn scheuen, werden auch durch die Ausschaltung der jüdischen Konkurrenz keine Lorbeeren ernten. Peuilteton Kardinal Faulhabers Loblied auf die Heilige Schrift. Von Chajim Bloch. Die herrliche Würdigung der Heiligen Schrift, die der Müncliener Kardinal Faulhaber in seinen Adventpredigten zum Ausdruck brachte, iiat in der ganzen christlichen Welt ungeheures Aufsehen erregt. Die Tagespresse des In- und Auslandes schenkte ihnen aufmerksame Beachtung und befaßte sich eingehend mit den Grundzügen seiner Ausführungen. Daß diese Predigten im Blätterwald ein Für und Wider erweckten, ist selbstverständlich. Nun liegen diese Predigten in vier schmucken, drucktechnisch vollendeten Heften vor (H u b e r - Verlag, München). Es erweckt in jedem gläubigen Menschen eine seelische Befriedigung, wenn er sieht, daß abseits von jener trüben, immer tiefer werdenden Dämmerung der europäischen Kultur noch immer die Religion ihre Fahne ausbreitet. Es ist aber ein trauriges Zeichen unserer Zeit, daß sich die Notwendigkeit ergab, den Glauben und die Lehre Gottes aus dem Abgrund des Alltäglichen emporheben zu müssen. Kardinal Faulhaber behandelte das Alte Testament und seine Erfüllung im Christentum, die sittlichen Werte des Alten Testamentes und ihre Aufwertung im Evangelium, die sozialen Werte dieses „Buch der Bücher" und schließlich das Alte Testament als den Eckstein zwischen Judentum und Christentum. Für den Kenner der Meiligen Schrift hat der Kardinal freilich nichts Neues entdeckt. Die deutschen Klassiker haben das Alte Testament in Ehren gehalten. Biblische Klänge finden sich bereits in den ältesten Stücken der deutschen Literatur, im Rolandslied, im Lied des heiligen Gral, im Parzival des Wolfram von Eschenbach, Walter von der Vogelweide und andere 'Minnesänger waren mit der Heiligen Schrift vertraut. Vollends in der Blütezeit der deutschen Literatur. Klopstock, der Sänger der Messiade. Herder, der Lobredner der hebräischen Dichtkunst, und Goethe, der einmal die Heilige Schrift mit der Veronika verglich und meinte: „Wie auf jenes Tuch der Tücher sich des Herrn Antlitz drückte, so auch mich das Buch der Bücher oft in tiefer Brust entzückte." Es ast daher die Verehrung des Alten Testamentes seitens eines Kirchenfürsten nur eine Selbstverständlichkeit Aber das Auftreten des Kardinals Faulhaber, in diesen Tagen für das alte Gesetzbuch des Judenvolkes ein Loblied zu erheben, verdient Bewunderung und muß bei diesen unsäglich verfahrenen, auf die Vernichtung des Gottesglaubens gerichteten Verhältnissen geradezu als ein Ereignis gewertet werden. Das Auftreten des hohen Priesters erinnert an ein tiefsinniges Wort Fdnney's: „Eine Erweckung ist kein Wunder, sondern die natürliche Folge eines geheiligten Lebens!" Fürwahr, nur aus dem Munde eines hohen Gottesdieners — und die jüdische Lehre weiß auch die Frommen unter den Nichtjuden zu würdigen — konnte dieser flammende Aufschrei kommen. Bereits um die Jahrhundertwende, icli glaube im Jahre 1899 wurde, was nur wenigen bekannt sein dürfte, auf dem Antisemitentag in Hamburg die Forderung erhoben, zwischen Christentum und Judentum müßte ein Trennungsstrich gezogen werden. Die gleiche Forderung stellte damals Houston Stewart Chamberlain, der Schwiegersohn Richard Wagners, in seinem Buche „Die Grundlagen des 20. Jahrhunderts". Ihm folgten Theodor Fritsch mit seiner Schrift „Der falsche Gott", in der er Lästerungen zum Ausdruck brachte, die dem Wesen dieses Mannes voll entsprachen, und schließlich Arthur Dinter mit seinem Buche „Die Sünde wider das Blut". Alle diese Herren hielten es für das Christentum geboten, das „jüdische" Testament verschwinden zu lassen und an seine Stelle eine Germanenbibel auf den Markt zu bringen: sie strebten eine „deutsche" Religion an, gereinigt von allen „Schlacken" des Judentums. Selbst gegen Luther erhoben sie Einwendungen, da er die Schriften des Alten Testaments in seine Bibel aufgenommen hat. Also weg, weg mit dem Judenbuch und mit dem Judengott aus der Schule und aus dem Herzen: Judentum und Christentum dürfen nicht nebeneinander stehen. Diese umstürzende Bewegung führte dazu, daß man auch die Persönlichkeit des Begründers der christlichen Religion iii den schmutzigen Kampf hineinzerrte und seine „Absetzung" forderte; er sei Jude und habe mit dem deutschen ..Christentum" nichts zu tun! Als sie aber zur Ueberzeugung kamen, daß eine vollständige Verbannung des „Juden" aus der deutschen Religionsgemeinschaft von heute auf morgen nicht durchführbar ist, fand man einen Ausweg: Ach, der sei doch gar kein Jude gewesen, er war vielmehr das Kind von Eltern von reinstem arischem Geblüte, denn er stammte aus Galiläa, wo keine Juden waren. Das von P. R. Eicheiter herausgegebene Buch „Jesus, der Galiläer, Ein arisches Evangelium", wird als fünftes Evangelium, „gereinigt von den Schlacken der jüdisch-römischen Fälschungen" bezeichnet. Wer die Literatur zu diesem Gegenstand kennt, kann feststellen, zu welch unsinnigen und umstürzenden Schlüssen Haß und Einseitigkeit verleiten können. Zu spät gelangten die Führer der Christenheit beider Bekenntnisse zur Einsicht, daß ihre Unterlassung, gegen die Entwürdigung der Heiligen Schrift energisch einzuschreiten, ein großer Fehler war. Wären sie gegen diese unerhörte Brunnenvergiftung rechtzeitig vorgegangen, hätten sie durch ein Gesetz einen Riegel vorgeschoben, um diese tückische Gotteslästerung abzuwehren, es wäre heute wahrlich nicht notwendig, die Heilige Schrift von der Kanzel zu verteidigen. Man fühlt es dem hohen Kirchenfürsten nach, wenn er beispielsweise die Frage aufwirft, ob denn eine Predigt'über die altjüdische Rechtsordnung auf die Kanzel gehört. Er muß die Frage mit einem festen „Ja!" beantworten: sie gehört auf die Kanzel, weil der heilige Geist auch durch die Propheten der Juden gesprochen hat. Faulhaber hebt hervor, es habe bei keinem anderen Volke des vorchristlichen Altertums eine so große Zahl von hochragenden Männern gegeben, die mit ihrem Wort und ihrer ganzen Persönlichkeit für die religiöse Ordnung ihres Volkes sich einsetzten, wie beim altbiblischen Volk. Der Kardinal nimmt mit Recht gegen Ernst Renan Stellung, der die Bibel als natürliche Blüte des semitischen Volksgeistes zu erklären versuchte. Faulhaber fragt, warum denn die anderen Völker der semitischen Rasse nichts Gleichartiges oder auch nur Aehnliches wie das Judenvolk hervorgebracht haben. Es fehlt hier der Raum, auf die in den vorliegenden Heften enthaltenen durchdringenden Worte des Lobes und der Anerkennung der Heiligen Schrift ausführlich einzugehen. Jedem rechtdenkenden Menschen, dem der Gottesslaube noch eigen ist und vor dem Urheiligen Respekt hat, soll diese Hefte lesen, wenn er auch mit manchen Anschauungen nicht einverstanden sein wird. Um aber volle „Klarheit" zu schaffen und jedes ..Mißverstehen" auszuschließen, macht der Kaidinal allerdings „Unterscheidungen". Er zieht zwischen dem Alten Testament und den Talmudschriften des nachchristlichen Judentums einen Trennungsstrich und hebt, natürlich ganz überflüssig, hervor, die Kirche des neuen Bundes habe nur die Heiligen Schriften des vorchristlichen Israel, nicht aber den Talmud und den Schulchan Aruch als Erbschaft übernommen. Es ist in der Kürze nicht möglich, sich mit dem Standpunkt des Kardinals eingehend zu befassen, und werde ich in einer von mir vorbereiteten Entgegnung aui die bekannte Czermak- Karbach-Schrift „Ordnung in der Judenfrage" auch auf manche Bemerkungen des Kardinals einzugehen Gelegenheit haben. An dieser Stelle möchte ich nur den Ausspruch des Kardinals M a n n i n g in Erinnerung bringen, den er in einem Gespräche mit Juden machte: „Ich würde meine eigene Religion nicht verstehen, wenn ich für die Ihrige keine Ehrfurcht hätte!" Nun möge es gesagt sein: Die Lehren des Talmuds und des Schulchan- Aruch bedeuten keine Abweichung von den Grundsätzen des Alten Testamentes, sondern vielmehr eine Festigung, eine „Umzäunung": das nachchristliche rabbinische Schrifttum regelt das Leben der Juden in seinen Grundziigen im Sinne der Heiligen Schrift. Wir finden denn auch im Talmud den Willen zum Diesseits, zur Freude, zur Schönheit der Welt, und daneben auch die Erkenntnis der Nichtigkeit und Flüchtigkeit alles Menschlichen. Dr. über die 1 des Dele mit der hängen, der Bezl Europ' Der Präs Wilf a

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