Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 5 (2.2.1934)
- Date
- 1934-02-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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man erinnere sich des geheimen Reservatbefehls der österreichischen Heeresleitung an die Offiziere im Felde, sich nur auf die Juden und nicht auf andere Bewohner Galiziens zu verlassen. (J. S. B1 o c h, Erinnerunsen, Bd. III. S. 231.) Wenn schon von der grausamen Not aufgestachelt, dio Masse des Volkes zum Brotneid neigt, so sollten doch die berufenen Vertreter der Intelligenz sowie die hohen Herren, die es besser wissen, vor allem die Veteranen in unseren Offizierskreisen, die jetzt so gern Kriegserinnerungen zum Besten geben, dem Volke die rechte und gerechte Aufklärung geben, daß diese galizischen Juden treue Oesterreicher waren und nicht uus eigenem Antrieb hierhergekommen sind, und daB sie, wenn schon nicht Dank, so doch Duldung verdienen. Der Ruf der Undankbarkeit des Hauses Oesterreich sollte endlich von unserem Lande genommen werden. Margarethe Grunwald. Antisemitische Arithmetik. Der Besuch des Staatssekretärs S u v i c Ii in Wien löste bekanntlich ein wahres Trommelfeuer nationalsozialistischer Propaganda aus. Der „Völkische Beobachter" hat die vielen recht naiven Bekehrungsversuche, die Hitlers Wiener Parteigänger gegenüber dem italienischen Staatssekretär unternahmen, sehr liebevoll registriert. Clou dieser Aktion war eine Denkschrift der Kärntner Nationalsozialisten, die Herrn Suvicii angeblich auf dem Bahnhof zugesteckt wurde, und die, wie der „Völkische Beobacher" rühmt, „der Staatssekretär mit verbindlichem Dank entgegennahm". Das Memorandum, dessen vollen Wortlaut das Organ des deutschen Kanzlers iauf der Titelseite abdruckt, widmet sich besonders ausführlich der Judenfrage; vermutlich hat sich in Kärntner Nazi- Ureisen noch nicht herumgesprochen, daß Mussolini in diesem Punkte seine speziellen Ansichten hat. Allerdings sind einzelne Tatsachen, die von den Kärntner Nazis denkschriftlich festgelegt sind, auch für Nicht-Antisemiten erstaunlich. Man erfährt zum Beispiel: „Daß die Juden hinter Dollfuß stehen, darf niemanden wundernehmen, denn sie haben die meiste Ursache, das Erstarken des Nationalsozialismus zu fürchten. Diese Juden spielen in den Bundesländern sair keine bedeutende Rolle, wohl aber fälschen sie das Antlitz Wiens. woselbst nicht weniger als 300.000 Juden leben, die während einer zehnjährigen sozialdemokratischen Gemeindewirtschaft aus dem Osten nach Wfen einwanderten." Statistisch ist festgelegt, daß sich unter den Einwohnern Wiens 200.000 Juden befinden, und die Richtigkeit dieser Statistik hat bisher noch niemand bestritten. Aber von diesen 200.000 sind — es gibt arithmetische Wunder — 300.000 allein in den letzten zehn Jahren „aus dem Osten zugewandert". Derart sind die Konstatierungen einer diplomatisch gedachten Denkschrift, abgefaßt von Männern, die so gerne die Regierung Oesterreichs in die Hand nehmen möchten. „Und derartiges druckt, an Leitartikelstelle, das Organ des deutschen Reichskanzlers in dicken Lettern nach. Eine Wendung im Mordfall Arlosoroff? Ein aufsehenerregender Vorstoß der Verteidigung im noch immer nicht beendeten Jaffaer (;ntersuchungsverfahren gegen Stavsky und Genossen läßt die Möglichkeit einer Wendung in der Untersuchung zur Aufklärung des Mordes an Dr. Arlosoroff offen. In der letzten Verhandlung brachte Rechtsanwalt Horace Samuel zum erstenmal auf Grund von Mitteilungen des Jerusalemer Staatsanwaltes den seiner Meinung nach sehr begründeten Verdacht zum Ausdruck, daß die Mörder Dr. Arlosoroffs Araber gewesen seien. Rechtsanwalt Samuel erklärte, er habe vom Staatsanwalt in Jerusalem erfahren, daß zwei Araber, Abdul Majis Dalhendi Bukhari und Issa Darwisch AI Kurdi, im Zusammenhang mit der Ermordung Dr. Arlosoroffs verhaftet wurden, und daß der erstere ein zweimal mit seiner Unterschrift bekräftigtes Geständnis abgelegt habe, er sei derjenige gewesen, der Dr. Arlosoroff ins Gesicht geleuchtet habe, als der zweite Attentäter auf ihn schoß. Am folgenden Tage äußerte sich vor Gericht Polizeihauptmann Rice zu den Ausführungen des Rechtsanwaltes Horace Samuel. Er erklärte, die Aussage Abdul Majis sei voll von Widersprüchen und anscheinend falsch. Der zweite Araber, Issa Darwisch aus Jaffa, der angeblich auf Dr. Arlosoroff geschossen haben soll, sei im Juli verhaftet, später freigelassen, aber auf Grund von Angaben Abdul Majis in diesem Monat wieder in H a f t genommen worden. Ursprünglich sei der Araber im Zusammenhang mit einem Blutrache-Mord an einem anderen Araber verhaftet worden. Mitgefangenen habe Abdul Majis gesagt, er hätte Arlosoroff getötet. Vor dem vernehmenden Polizeibeamten erklärte er später, daß er und Issa Darwisch auf dem Strande ein jüdisches Mädchen überfallen wollten, doch sei ein Jude dazwischengetreten, deshalb hätten sie auf ihn geschossen. Richter Bodilly verfügte die Vorführung Abdul Majis' vor Gericht. Polizeihauptmann Rice erklärte, die Polizei sei völlig davon überzeugt, daß die von Abdul Majis vorgebrachte Geschichte erdacht sei und keinerlei realen Wert habe; die Polizei lege aber Wert darauf, daß die Angelegenheit durch Vernehmung von Majis vor Gericht geklärt werde, damit sie nicht nachteilig auf die Aufklärung des Mordfalles einwirkt. Die griechischen Juden verzichten auf „Minderheitsrechte". Im Verlaufe einer imgriechischenOberhausc (Senat) stattgefundenen Aussprache wurde auch der Status der Juden von Saloniki erörtert. Der in Saloniki gewählte jüdische Seniator Sciaki gab im Verlauf der Debatte folgende Erklärung abr Die Juden Salonikis betrachten sich nicht als Minderheit. Dies geht daraus hervor, daß sie wiederholt von den früheren Regierungen durch Delegationen. Gesuche und Proteste die Aufhebung der besonderen jüdischen W a h I k u r i e, einer sie von der übrigen Bevölkerung unterscheidenden Institution, gefordert haben. In dieser Unterscheidung erblickten sie eine Beleidigung ihrer Eigenschaft als gleichberechtigte Bürger. Wir wollen griechische Bürger sein und von den Regierungen als solche betrachtet werden. W i r Juden nehmen Minderheitsrechte nicht in Anspruch. In der griechischen Kammer erklärte der Abgeordnete" ApoiföföÄ irrr'Laufe der Debatte, die Juden seien in Griechenland Fremde. Diese Bemerkung wurde vom M i n isterpräsidenten Tsaldaris sofort z uz ii c k g e w i e s e n, der von der Ministerbank aus die Erklärung abgab, die Juden seien friedliche und I o y ia 1 e Bürger, die die gleichen Rechte hätten wie alle anderen Griechen. Einige venizelistische Abgeordnete benutzten den Zwischenfall zu einer judenfeindlichen Kundgebung, indem sie den Ministerpräsidenten wiederholt durch Zurufe unterbrachen. Vom rumänischen Judentum. Der rumänische Landesrabbiner und Senator Dr. 1. N i c m i r o w e r. Großpräsident der Rumänien-Loge des U. O. B. B.. hat noch vor den Parlamentswahlen versucht, die verschiedenen jüdischen Gruppen, Union rumänischer Juden, Jüdische Reichspartei und die Juden, die rumänischen politischen Parteien angehören, zu einem, wenn auch nicht ideologischen, so doch praktischen Zusammengehen in allen das jüdische Interesse berührenden Fragen zu veranlassen. Während der Wahl-Kampagne hat Dr. Niemirower seine Bemühungen eingestellt. Nunmehr aber hofft er. seine Versuche in kürzester Frist zu einem E rf o 1 g e führen zu können, da angesichts der dem Judentum drohenden Gefahren die Besinnung bei allen Parteien einzukehren beginnt. Die Zeit scheint für ein solches Zusammengehen reif zu sein, zumal keine der Parteien über eine spezielle Vertretung im Parlament verfügt und einzig als Vertreter der liberalen Regierungspartei zwei Juden im Parlament sitzen. Die altbekannte jüdische Wochenschrift „Egalit a t e a" kann auf ein 45jähriges Bestehen zurückblicken. Sie wurde gegründet und wird seit Beginn geleitet von Moses Schwartzfeld, dem Doyen der jüdisch-rumänischen Journalisten. Schwartzfeld war bis zum Kriege ein Pionier im Kampf für die Jude nemanzipation; er gehört heute dem Vorstand der Union rumänischer Juden an. Von ihm stammt eine volkstümliche Geschichte der Juden in rumänischer Sprache, lange Jahre hat er auch die „Jahresberichte der rumänischen Juden" (Anuarul pentru Israetiti) herausgegeben, eine der wichtigsten Quellen für Kultur und Geschichte der Juden Rumäniens. UerlanQt in Cafes usw. „DiGVIaliröeir'! GROSSFLEISCHHAUEREI «EGM. KORNMEHI WM IX* IIMMiSU NR. 1» PtUAUi XYUL, WAHMMOUUniMSSa «f Taltpboa Nr. A 17-M»aad * IM«« U«taraat Htr KlUmUlHii AbteilungenrarKoscherfleiscb «■ter tahtoM ihnb RabMMM <w tev. KmH—Wimm* Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität xa den billigsten Marktpreiats Eine bedeutsame Zeifnngs-Neugrfindttng in Polen. Das erste jüdische Wochenblatt in deutscher Sprache. „Jüdische Presse" ist der Name eines Mitte dieses Monats in Polnisch-Schlesien neu herauskommenden jüdischen Wochenblattes. des einzigen jüdischen Organs in deutscher Sprache in Polen. Herausgeber ist eine neugegründete „Jüdische Verlagsgesell- SChaft" mit dem Sitz in Bielitz und Kattowitz Das publizistische" Programm des Blattes umfaßt folgende Gebiete: regelmäßige Berichterstattung über die wichtigsten politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Vorgänge und Strömungen innerhalb der Judenschaft Polnisch-Sehlesiens und darüber hinaus ganz Polens. Kampf für volle Gleichberechtigung mit dem Ziel der organischen Eingliederung der Juden in den polnischen Staat bei Ablehnung einer nationalpolitischen Sonderstellung, religiöser Aufbau und wirtschaftliche Produktivierung und Umschichtung der Juden im Wege der Innenkolonisation und Ueberteitung vom Handel zur Landwirtschaft und zum Handwerk. Wir begrüßen schon heute unsen Schwesterorgan und wünschen ihm eine gedeihlicht Entwicklung. Palästina-Nachrichten. Die Weltzentrale der Agudas-Jisroel- Organisation hat ihre palästinensische Zweigorganisation verständigt, daß der für diesen Sommer geplante Agudah-KongreB in Jerusalem nicht abgehalten werden wird. Es sei beschlossen worden, den Agudali-Kongreß zu einem späteren Zeitpunkt außerhalb Palästinas abzuhalten. Der aus Deutschland vertriebene junge jüdische Gelehrte Dr. Martin PI essner. zuletzt Dozent für semitische Sprachen und Islam-Folklore an der Universität Frankfurt a. M., wurde eingeladen, ein Lektorat am Orientalischen Institut der Hebräischen Universität zu übernehmen. Doktor Plessner ist Laureat des Lord-PIumett-Preises für arabische Studien an der Universität Jerusalem. Bei einer in Jerusalem stattgefundenen Polizeiparade verlas der High Commissioner General Sir Arthur Wauchope eine Botschaft, in der dem gesamten Polizeikörper Palästinas für sein Verharten während der arabischen Unruhen im Oktober 1933 die Anerkennung der Regierung ausgesprochen und außerdem einigen mit Namen genannten englischen, jüdischen und arabischen Polizisten ein besonderes Lob für ihre Tapferkeit gezollt wird. Die Botschaft enthält die Feststellungen der zur Untersuchung der Vorgänge bei den Unruhen eingesetzten Regiemngskommission, die besagt, daß die Polizei gegen die Araber, die gegen jüdische Einwanderung und jüdischen Bodenkauf demonstrierten, äußerste Zurückhaltung und Nachsicht übte und. um die Menge zum Auseinandergehen zu bewegen, zu Mitteln der Ueberredung griff und erst als sie angegriffen wurde, zur Anwendung von Gewalt überging. Diese Methode wurde vom höchsten Offiziere bis zum einfachen Polizeimann ausnahmslos geübt. Einen solchen einheitlichen. Loyalität, Mut und Takt beweisenden Polizeikörper' ausgebildet zu haben, ist das Verdienst des Inspektors Spicer. Der High Commissioner fügte diesen Feststellungen der Kommission hinzu, er sei überzeugt, daß die Palästina-Polizei auch in der Zukunft ihier schwierigen Aufgabe gewachsen sein wird. An diese Botschaft knüpfte der High Commissioner den Ausdruck des Beileids für die Hinterbliebenen der getöteten und die Angehörigen der verwundeten Polizisten. Ein feiner Herr. Die Auslassungen des Herrn Rabbiner M o rt e n f e 1 d aus Breslau in seinem an die Wiener Juden versandten Flugblatt, das wir in unserer letzten Nummer entsprechend behandelten, werden vom „Stürme r" in seiner letzten Folge im Fettdruck in einer Notiz wiedergegeben, die den Titel erhielt: „Eine Stimme der Einsicht". — Kommentar überflüssig.