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Die Wahrheit · 1934-02-02 · Heft 5 (2.2.1934) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 5 (2.2.1934)
Date
1934-02-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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ME WAHRHEIT ü sir Seite 3 Cafe Sächsischer noi ü II., TaDorsträOe 46 (lel. R 41-40») Für Hochzeiten und Vereine schöner Saal oder Klubräume mit Klavierbenützung zu vergeben. Erstklassige Konsumation u. vorzügliche Bedienung. nationalsozialistischen Parteiprogramm und von den Reden und Schriften der Führer gezeigt, was der Nationalsozialismus für den Fall der Machtergreifung bezüglich der Entrechtung der Juden sseplant hat. Die weiteren Kapitel behandeln die Diskrimination der Juden in Deutschland seit Beginn der Kanzlerschaft. Adolf Hitlers. Hierauf werden die Gewalttaten geschildert, die gegen Juden wegen ihrer Eigenschaft als Juden begangen wurden. Schließlich werden die Wirkungen der gewaltsamen Veränderungen auf die deutschen Juden dargestellt. Das Buch gibt fast lückenlos die authentischen Texte aller Gesetze und Verordnungen sowie aller offiziellen Verlautbarungen wieder, die in bezug auf die Juden im Jahre 1933 im Dritten Reiche erflossim sind. Eine geradezu erdrückende Fülle von Zitaten aus der in Deutschland erschienenen Presse sowie aus Aeußerungen der nationalsozialistischen Gewalthaber vervollständigen das Bild der tragischen Entwicklung der jüdischen Situation in Deutschland. Wer aus politischen, historischen, soziologischen oder allgemein menschlichen Gründen an dem Schicksal der deutschen Juden Interesse nimmt, wird in dei noch ausführlich zurückkom- Handbuch erblicken. Trotz tief reduzierte r Preise Immer nur da» Beates MÖBELFABRIK Slgm. Oppenbelm IL, PRATERSTRASSE 3© Denkschrift, auf die wir inen, ein unentbehrliches Aus der braunen Hölle, Die die Lage der Juden in Deutsch-Oberschlesien betreffende Petition der jüdischen Gemeinde in Praszka (Polnisch-Oberschlesien) wurde von einem Dreierkomitee des VölkerbundTates — bestehend aus den Vertretern Italiens, Australiens und Panamas — geprüft Die deutsche Regierung hat alle vom Verfahren vorgesehenen Termine — die Petition datiert vom 26. Juni v. J. — verstreichen lassen, ohne von ihrem Recht, „Bemerkungen" zu machen. Gebrauch zu machen. Es lag demnach dem Dreierkomitee keinerlei Aeußerung der deutschen Regierung vor. Das Dreierkomitee beschloß daher, den Generalsekretär des Völkerbundes zu beauftragen, sich noch einmal schriftlich an die deutsche Regierung zu wenden, mit der Bitte, ihm ihre Bemerkungen zu der fraglichen Petition zukommen zu lassen. Die Erledigung diesen Petition wurde deshalb bis zur Mai-Tagung desRatesvertagt Die von allen jüdischen Organisationen und Parteien in Deutschland eingesetzte und von diesen als autoritativ anerkannte Reichsvertretung der deutschen Juden hat kürzlich der deutschen Regierung im normalen Amtswege ein Memorandum zugehen lassen, in welchem die Lage der deutschen Juden eingehend dargelegt und die Forderung der. Juden nach gerechter Eingliederung in das politische, kulturelle und wirtschaftliche Leben des neuen Staates ausgesprochen wird. Nunmehr hat sich die Reichsvertretung der deutschen Juden entschlossen, je ein numeriertes Exemplar dieses Memorandums an Reichskanzler Adolf Hitler und anrjedes Mitglied der Reichsregre-rung direkt zu senden. .4' Dem Memorandum sind Dokumente und 0.:a t e n. beigefügt, die beweJsen, in welchem Ausmaß die1. an ti jüdisehe Propaganda noch heute in ganz Deutschland betrieben wird und geht, schreibt der „V. B.", werden die christlichen Kirchen mit einem gewaltigen Zustrom von Juden zu rechnen haben, die sich taufen lassen, besser gesagt: eine Scheintaufe vornehmen, um besser behandelt zu werden. Zugegeben, daß manchen aufrichtigen Täuflingen, die im Herzen Christen sind, oder jenen, die aus Mischehen abstammen, Unrecht geschieht; aber bei der Durchführung der nationalsozialistischen Rassegrundsätze können nun _U nger e ch ti g kei t e n an Einzelnen nicht vermieden werden. » Das offiziöse Oesterreichische Telegraphen-Korrespondenzbüro verbreitet eine Mel- Semmering Pension Hirsch FOrstenhoff Alle Zimmer zentralgeheizt und mit fließendem Kalt- und Warmwasser. Vollpension inkl. aller Steuern ab St 1.15. dung des Vatikan-Organs „Osservatore Romano", wonach die katholischen Diözesen in Deutschland seitens des Vatikans angewiesen wurden, Theodor Fritschs berüchtigtes „Handbuch zur Judenfrage" aus allen katholischen Bibliotheken und aus den Privatbibliotheken katholischer Familien zu entfernen. Der in deutscher, englischer und französischer Sprache in Berlin erscheinende und vom Reichspropapandaministerium geförderte .,W e 11 - D i e n s i". dessen Organisation darauf aufgebaut ist, daß er unter den Ariern in der ganzen Welt von Hand zu Hand weitergegeben wiird, veröffentlicht einen Aufruf zum Zusammenschluß aller bereits bestehenden und noch zu gründenden anti-jüdischen Organisationen in Europa zu einem Verband, der den Namen „Vereinigte Pan- Arische Front" führen soll. Der „Welt-Dienst" teilt mit. daß zunächst die nachstehenden Organisationen für einen Zusammenschluß innerhalb der „Vereinigten Pan-Arischen Front" in Betracht kommen: Eiserne Garde in Rumänien, Rczwoj in Polen, EEE in Griechen-!:.nd. Erwachende Magyaren in Ungarn, Lappos in r-Umland, die ..Fronten" in der Schweiz, die Faschisten Lettlands und Litauens u. v. a. Die nichtjüdische Welt, l'tißt es in dem Auiruf. kennt noch nicht die jüdische Gefahr: die Bildung der vereinigten antisemitischen alleuropäischen Front werde der Welt die Augen öffnen. Wassermann-Gedenkfeier der „Union". wie diese Propaganda den Ruin der Juden auch in jenen Berufs- und Tätigkeitszweigen, die ihnen heute noch offen stehen, zur Folge hat Das Memorandum hat drei Teile. Der erste Teil befaßt sich mit der antijüdischen Propaganda in der Presse und im öffentlichen Leben, der zweite Teil mit den Auswirkungen des a n t i j ü d ischen Boykotts und der wirtschaftlichen Entrechtung der Juden; in dem dritten Teil wird dargelegt was die deutschen Juden von der Regierung fordern müssen, um existieren zu können. In dem Memorandum lenkt die Rechsvertretung der deutschen Juden die Aufmerksamkeit der Regierung nicht nur auf die materiellen, sondern auch auf die moralischen Leiden der Juden in Deutschland. Die Regierung wird gebeten, gegen jene Beamten, namentlich in den Provmzstädten, die gegen die Juden über die bestehenden Gesetze und Vorschriften hinaus vorgehen, einzuschreiten und den Status der deutschen Juden in den Rahmen der Politik des neuen Reiches einzubauen. * Die neue antijüdische Propaganda, die offenbar den Zweck verfolgt, die Bevölkerung von der steigenden Wirtschaftsnot. der Arbeitslosigkeit und den Wirkungen des die Arbeitnehmer entrechtenden neuen Arbeitsrechts abzulenken, nimmt ihren Fortgang. Im „Völkischen Beobachter" schreibt der führende Nationalsozialist Dr. Wilhelm Grau: Deutschland hat der Welt den Weg! gezeigt, wie man das gefährliche Experiment der Judenemanzipation liquidiert. In nicht allzulanger Zeit wird die Judenemanzipation selbst in jenen Ländern der Vergangenheit angehören, die heute noch die Realität des Judenproblems leugnen. Wachsendes Rassebewußtsein unter den nichtjüdischen Völkern auf der einen. Wachstum des Zionismus unter den Juden auf der anderen Seite werden schließlich zu einer vollständigen Absonderung der jüdischen Rasse ^ph den nJchtjüdischen Rassen führen. «,^'Der „Völkische Beobachter" klagt darüber, daß dgn^ge tauften Juden und den Ab körn ml in- M.n^von getauften Juden eine mildere Behandlung zuteil wird als denjenigen, die dem J,ji dentum treu blieben. Wenn dies so welter. Am 23. Jänner veranstaltete die „Union österreichischer Juden". wie letzthin kurz berichtet, im Festsaale des Handelsmuseums eine Trauerfeier für Jakob Wassermann. Zwei ernste Stücke für Geige und Klavier, treffKch wiedergegeben von Kurt Fuchsgelb und Betty L e w i n, leiteten den Abend würdig ein. Dann sprach Heinrich Eduard Jacob über Wassermann. Jacob ist em Schriftsteller, dem es oft gelingt, Dinge des Herzens auf innige und — das Wort im besten Sinne genommen — geistreiche Weise darzustellen. Wir verdanken Jacob besinnliche Kleinigkeiten wie die entzückende „Belehrung vor der Traube", Dichtungen wie den tief anmutigen und zugleich tiefsittlichen Roman „Jacqueline und däe Japaner". „Beaumarchais und Sonnenfels" heißt ein Schauspiel Jacobs; romantische und soziale, abenteuerhafte und agitatorische Elemente mischen sich in seiner Begabung. Er ist kein Lyriker, aber lyrische EJemenift.. durchfärben allenthalben seihe Prosa, die erzählende 'iirid'die 'betrachtende. Durch solche Vorzügewar auch sein' Vortrag ausgezeichnet: von persönlicher Liebe durchwärmt, durch persönlich erlebte und mit sorgfältiger Aufmerksamkeit gesehene Züge erhellt; das Werk Wassermanns überschauend und ordneud; zugleich nach vielen Seiten in geschichtliche und gegenwärtige Verhältnisse ausblickend: sachlich darstellend und zugleich farbig beglänzt. Jacob sieht Wassermann zunächst als einen Romantiker, innig verwurzelt in der deutschen Ueberlieferuitg; dann aber, von dem Gedanken des Rechtes ergriffen, wird1 er zum ■ sozialen Kämpfer. Jacob heb die bewahrenden Kräfte der Juden hervor: weil sie ein so altes Volk sind, streben sie auch, die wertvollen Güter der Völker, denen sie sich verbinden, zu bewahren. Er sprach von Wassermanns Bemühen, zugleich „als Deutscher und als Jude" zu leben und zu wirken, von Widerstand und Vorurteil, die ihn hemmten. Das Jahr 1933 sprengte diese beiden Pole so weit auseinander, daß keine Stimme mehr von dem einen zum andern drang. Die Wucht dieser Geschehnisse zerbrach das Herz Jakob Wassermanns. Er ist eine der repräsentativen Gestalten des deutschen Judentums und sein Tod ist ein Sinnbild der geschichtlichen Ereignisse, die über das deutsche Judentum hereingebrochen sind. Nach Jacobs Rede las Frieda Richard das erste Kapitel des Romanes „Caspar Hauser" und das Stück „Schauspieler und Rechtsanwalt" aus dem Roman „Laudin und die Seinen"; beide Abschnitte, zumal der zweite, Beispiele der eindringlichen, angespannten, mit wenigen Zügen hart belichtenden Kunst Wassermanns. Frau Richard, die wir als eine Meisterin des schlichten, lebensgroßen Realismus verehren, bewährte das gleiche Können wie auf der Bühne und im Film auch als Vorleserin. Sie hat durchaus die Fähigkeit das Erzählte, Geschehnisse und Personen, zu vergegenwärtigen. Die Szene, in welcher der durch seine Ehe völlig vernichtete Schauspieler dem Anwalt seiner Frau beichtet, wirkte, als ob wir sie zu Berlin auf dem einstigen Deutschen Theater unter der Regie Otto Brahms sähen, oder ~- was stilistisch dasselbe ist — als ob sie von Max Liebermann gezeichnet wäre. Die Kunst der Frau Richard ist zeichnerisch: sie setzt die schwarzen und weißen Linien so, daß sie höchst charakteristisch, beinahe farbig, ausdrücken. In würdigster Weise wardl durch die Gedenkfeier der „Union österreichischer Juden" das Gedächtnis des dahingegangenen Meisters geehrt Ernst L i s s a u e r. * * Die Wassermann-Gedenkfeier der „Union" hat auch in der Tagespresse, d:e ihre prominentesten Vertreter zu der würdigen Veranstaltung entsandt hatte, besondere Beachtung gefunden. Im folgenden publizieren wir drei der bemerkenswertesten Besprechungen der schönen Feier: „Neue Freie Presse". Die Union österreichischer Juden veranstaltete im Festsaale des Handelsmuseums eine überaus eindrucksvolle Gedächtnisfeier für Jakob Wassermann. S'e wurde nach einer Begrüßungsansprache des Schriftführers Dr. Lenk, der ein Telegramm der Witwe des dahingeschiedenen großen Erzählers. Martha Karlweis, zur Verlesung brachte, durch musikalische Darbietungen von Kurt Fuchsgelb und Betty L e w i n stimmungsvoll eingeleitet. Heinrich Eduard Jacob. Wassermanns intimer Freund, hielt sodann, sichtiieh tief erschüttert, die Gedenkrede. Bei der Aufführung der „Ariadne" in Stuttgart lernte Jacob den Dichter kennen. Jacob schilderte lebendig das Festmahl im königlichen Schloß, dem Richard Strauß. Hofmannsthal und Wassermann beiwohnten, und mit welcher Intensität den große Romandichter jede der Gestalten ins Auge faßte und in sich aufnahm. Noch von einer zweiten charakteristischen Begegnung sprach er dann. Es war in Venedig und Wassermann fragte Jacob nach dem Buch, das dieser eben bei sich trag. Und als er erfuhr, daß es d'Annunzio sei, riet er ihm. gerade an d'esem farbenumsprühten Strande, den Dichter, der den Menschen in seinen Tiefen zeige, zu studieren: Dostojewski. Nun erzählte Jacob sehr anschaulich von dem Leben, zumal der Jugend Wassermanns. Seit dem Wiener Aufenthalt des Dr. Merz begann sein Aufstieg, immer deutlicher ward es, daß er zum deutschen Balzac, wie Jacob ihn nannte, berufen sei. Sehr fein legte nun der Vortragende die beiden künstlerischen Gegenpole seines Wesens, das Romantische und das Naturalistische, dar. Nach dieser warmgefühlten und sprachschön gestalteten Gedenkrede las Frieda Richard Kapitel aus „Caspar Hauser" und dem Advokatenroman „Laudin und die Seinen". Frau Richard ist nicht nur eine außerordentliche Menschendarstellerin. s:e bekundet auch als Vorleserin die gleiche Künstlerschaft Die Gestalten der Dichtungen traten überaus plastisch hervor. Die Vorlesung selbst war von dem Atem des Dramatischen durchweht Das Publikum nahm ergriffen die Wassermann-Feier entgegen. »Wiener Allgemeine Zeituug". Die „Union österreichischer Juden" hatte zu einer tiefergreifenden Trauerfeier für Jacob. Aus jahrzehntelanger persönlicher Kenntnis Handelsmuseums war überfüllt von Menschea Es war die erste Feier, die im deutschen Sprachgebiet für den heimgegangenen Dichter stattfand — und die „Union österreichischer Juden" kann stolz sein, sie veranstaltet zu haben. Hauptredner des Abends war Heinrich Eduard Jakob. Aus jahrzehntelanger persönlicher Kenntnis schuf er ein Porträt des großen Prosaikers und Menschen Jakob Wassermann. Ohne literarische Reminiszenzen, aber doch die verschiedenen Phasen seines Lebens scharf scheidend und charakterisierend, ließ der Redner das Wesentliche aufglänzen; die metallene Verbindung des Deutschen und des Jüdischen, die sich in Jakob Wassermann vereinigt hatte. Jacob verschwieg nicht das Tragische dieses Todes in der vergangenen Silvesternacht. Fast war es, als ob das Herz des Dichters das Neue Jahr nicht mehr erleben wollte nach den barbarischen Schrecknissen des Jahres 1933. Vielleicht aber, schloß der Vortragende, wird Wassermanns Zeit erst anbrechen; den kritischen Spiegel seiner Dichtung kann der Rassenhaß wohl trüben, aber nicht zerbrechen. Minutenlange Zustimmung lohnte die erschütterten und erschütternden Worte. Darnach las Frieda Richard, die große Mutterspielerin der deutschen Bühne, zwei ausgewählte Steilen aus Wassermanns Werken. Aus seiner romantischen Periode den Beginn des „Caspar Hauser" und aus der realistischen Periode ein Gespräch im Konferenzzimmer des „Advokaten Laudin". Mit stärkster und subtilster Einfühlungsgabe las die Künstlerin diese männlichen Stoffe. Die verwandelnde Kraft ihres Ausdruckes teilte sich dem Publikum mit Nicht endenwollender Applaus belohnte alle Darbietungen, die von dem Geiger Kurt Fuchsgelb, begleitet von Betty Lewin, mit klagender Melodie eingeleitet worden waren.

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