Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 51 (22.12.1933)
- Date
- 1933-12-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Setieid in Tirol (1200 ■) hervorragendster Wintersportplatz und Höhenluftkurort, das Sonnenparadies für Kinder, jede Art Wintersport, absolut schneesicher / 50% Fahrpreisermäßigung PENSION GESCHWISTER SCHEE*, streng "wz im Hotel Hochalm Bekannt erstklassige Verpflegung, Wiener Küche. Mäßige Preise. — Telephon 28 — Mitglied des Vereins zur Förderung ritueller Speisehäaser, Hamburg J Gemeindewahlen in Polen. Bei den in Ost- und Westgalizien vorgenommenen Gemeindewahlen haben die antisemitischen Parteien eine schwere Niederlage erlitten. Die Regierungspartei konnte sich die überwiegende Mehrheit der Mandate sichern. Unter den Gewählten befinden sich auch 131 jüdische Gemeindevertreter. In Krakau wurden 40 Stadträte der Regierungspartei und 13 jüdische Stadträte gewählt ' Chanukafeier der „Union". Es war ein glücklicher Gedanke, den Erlös des diesjährigen Chanukafestes der „Union" den Insassen des Versorgungshauses zu widmen. Diese Absicht erhöhte in besonderer Weise die gewohnt große Besucherzahl, die die „Union" bei Veranstaltungen dieser Art aufzuweisen hat. Dieser überwältigende Besuch war aber auch reichliche Belohnung für die Bemühungen, die aufgewendet wurden, um das Fest diesmal besonders schön zu gestalten. In dieser Hinsicht sind die Leistungen des vorbereitenden Komitees, speziell der Herren Reg.-Rat Dr. M. Lenk, Nathan Po Hak, Kultusvorsteher Berthold Sinai, Direktor J. Weiger, E. Widrich und Sekretär Oskar Hirschfeld, lobend hervorzuheben, insbesondere aber die hingebungsvolle Arbeit des Damenkomitees der „Union" und namentlich seiner eifrigen Präsidentin Frau Ernestine Lenk mit vielem Dank rühmend festzustellen. Selbst die geräumigen Prachtsäle des Handelsmuseums in der Berggasse erwiesen sich als viel zu klein, um den wahren Ansturm von Besuchern aufzunehmen, der an diesem Abend erfolgte. Es entstand zeitweise ein ganz gefährlich scheinendes Gedränge, aber der Umsicht der Veranstalter gelang es, bald Ordnung zu schaffen, und so konnten all die vielen, die gekommen waren, mit Befriedigung und Vergnügen den Darbietungen folgen, die geboten wurden. Unter anderen waren erschienen sämtliche Kultusvorsteher und Zentralvorstandsmitglieder der „Union" mit Präsident Dr. J. Orns t e i n an der Spitze, der auch in einer herzlichen Ansprache die Anwesenden, insbesondere die prominenten Gäste begrüßte; ferner der Obmann des Versorgungshaus-Komitees Dr. H. Körner und Oberverwalter Popper, Oberrabbiner Dr. I. Taglicht und Gemahlin, der Führer des Bundes jüdischer Frontsoldaten General Sommer und Gemahlin; besondere Begeisterung löste die Begrüßung der mutigen Kämpferin gegeni dein Rassenhaß Frau Irene Harand aus. Eingeleitet wurde die gediegene Veranstaltung mit einer schönen religiösen Feier, bei der Oberkantor S. Postolow, unterstützt vom Gesamtchor des Müllnertempels, in erstklassiger Weise fungierte. Rabbiner Dr. A. Frankfurter hielt die eindrucksvolle Festrede, in der er davon sprach, daß auch unsere Zeit Makkabäergeist erfordere, den hoffentlich die Judenschaft in einmütiger Weise bekunden werde. Die von Sekretär Oskar Hirschfeld konferierte Akademie wurde von Kunstkräften bestritten, die großen Beifall fanden, der durchaus berechtigt war, denn alle Mitwirkenden boten ihr Bestes. Wir erwähnen insbesondere die meisterhaften Violinvorträge des Herrn Prof. Josef Z i m b 1 e r, begleitet von Frau Käthe N e u m a n n, die stimmungsvollen Vorträge von Frau Hilde Dulitzkaja, die, feinfühlig begleitet von Fräulein Betty Lew in, hübsche jüdische Volkslieder brachte, und die ausgezeichneten humoristischen Darbietungen des beliebten Komikers Eugen Strehn. Eine besondere Attraktion war das Auftreten des „H a n i g u h" - K a b a r e 11 s, das sich an diesem Abend zum erstenmal in Wien zeigte. Das Publikum, unter dem sich viele Besucher der beiden bisherigen großen Konzerte des Gesamtchors befanden, war gespannt darauf, nun prominente Solisten des Chors in anderer Art zu hören, nämlich als Kabarettisten, und sah sich in seinen Erwartungen nicht enttäuscht, denn obwohl die Mitwirkenden dieses Kabaretts infolge der vorgerückten Stunde nur Teilproben ihrer großen Kunst bieten konnten, war die Gesamtwirkimg eine ausgezeichnete und die Gesänge, Parodien und insbesondere die Meisterleistungen eines ungemein begabten Kunstpfeifers wurden mit viel Beifall quittiert. Sodann trat der Tanz, zu dem die gediegene Zulu-Band (Leitung J. F o r g a c z) aufspielte, in seine Rechte und jung und alt unterhielt sich auch hiebei sehr gut . Auch die originelle Art der Versteigerung eines prachtvollen Polsters, gespendet von Frau Rosa Lindenbaum, fand viel Ankhang. Sehr starken Zuspruch begegnete das reichhaltige Büfett, das von den Damen des „Union"-Frauenklubs in munifizenter Weise beigestellt und tadellos geführt wurde. Die „U n i o n" darf stolz sein auf diesen Abend, durch dessen schönen Reingewinn sie hilfsbedürftigen Menschen eine große Freude bereitete, der aber auch einen gewaltigen moralischen Erfolg für sie bedeutete, denn die Stimmung der zahlreichen Besucher war eine wirklich ausgezeichnete. Chanuka. Sdiönes, großes Oassenlohal zwei Ausladen, Nebenraum, Verkehrsstraße des II Bezirke«, geeignet f. Lederbranche, Wolle, Eissalon, da neben Schule, billiger Zins, spottbillig abzulösen. Ebenso vollständ. Gasthaus-Inventar sehr billig zu verkaufen. Auskunft Telephon R 46-2-16 Seitdem die Wirtschaftskrise ihre unzähligen Opfer unter der Wiener Judenschaft fordert, wird in den vielen jüdischen Vereinigungen, die zu Chanuka Feste und Bekleidungen veranstalten, jedesmal bei der Vorbereitung derselben von übervorsichtigen Komiteemitgliedern der Einwand erhoben, daß es diesmal ganz ausgeschlossen sei, derartiges zu unternehmen, die Zeiten seien viel zu schlecht So war es auch heuer. Die unendlich große Anzahl von Chanukafeiern hat diese allzu ängstlichen Gemüter eines Besseren belehrt, hat ihnen aber vor allem bewiesen, daß auch im Wiener Judentum jenes jüdische Gefühl, das die jüdische Gemeinschaft jahrtausendelang erhalten hat. nicht nur nicht erstorben, sondern unter dem Druck der furchtbaren Ereignisse des nun zu Ende gehenden Jahres wesentlich erstarkt ist Trotz Wirtschaftskrise und finanzieller Depression wurde im jüdischen Wien heuer Chanuka gefeiert wie schon lange nicht, wurden Feste veranstaltet deren Innigkeit den Besucher zu größter Anerkennung zwang. Derjenige, der es sich zu gerne geübter Pflicht gemacht hat, diese Feste zu besuchen, hat es sehr schwer, denn allzu oft kollidieren bedauerlicherweise Veranstaltungen, von denen jede gern besucht sein will. Noch schwerer aber hat es der Redakteur der „W a h r h e i t", der in diesen acht Tagen so viel Schönes gesehen, daß er über jede einzelne Veranstaltung viel Lobendes sagen möchte. Der leidige Raummangel läßt diese Ueberschwänglichkeit nicht zu, obwohl sie am Platze wäre und obwohl es insbesondere notwendig wäre, all die vielen Männer und Frauen rühmend zu nennen, die sich 'in allen Wiener Bezirken in den Dienst der guten Sache gestellt und wieder wie so oft Großartiges geleistet haben. Und so wird im folgenden nur das Wichtigste erwähnt, das gesagt werden muß, um auch auf diese Weise den Dank der Öffentlichkeit für diese hochherzigen Menschen zu bekunden, denen die Freude der Beschenkten allein schon schönster Dank gewesen sein muß. In allen Wiener Gemeinde- und Vereinstempeln wurden Chanuka-Festgottesdienste veranstaltet, die sehr erhebend verliefen. Spezielle Erwähnung verdienen zwei Gottesdienste, die einen besonders feierlichen Charakter trugen. Am ersten Chanukaabend fand ein solcher würdiger Gottesdienst im Pazmanitentempel statt, bei dem die meisterhafte kantorale Funktion des Herrn Oberkautor J. Müller und die künstlerische Wirkung des verstärkten Chores unter Leitung des Herrn Dirigenten Hirschmann sehr bewundert wurden. Die Festrede hielt Rabbiner Dr. Z. Taubes. Der Reingewinn dieser schönen Veranstaltung war der Bekleidung von 40 armen Schulkindern der Talmud-Thora des Pazmanitentempels gewidmet, die von einem rührigen Komitee unter Leitung des Herrn Obmannes Oskar S c h r amek u.id der Frau Bundesstaatlichen Fürsorgerat Ottilie Politzer vorgenommen wurde. Ein erhebender Gottesdienst war auch der im Polnischen Tempel am vergangenen Sonntag; er gewann durch die Mitwirkung des so rasch beliebt gewordenen „Hanigun"- Chors erhöhte Anziehungskraft, dessen Darbietungen wieder viel berechtigten Beifall fanden. Auch die kantorale Funktion des Herrn Oberkantor E. Fränkl, der von dem schönen Tempelchor unter Leitung des Herrn M i 11 e t unterstützt wurde, gefiel außerordentlich gut. Bei der Chanukafeier des „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" am 17. d. M. füllte eine festlich bewegte Menge bis auf das letzte Plätzchen den Großen KonzerthaussaaL In der Festloge bemerkte man den Präsidenten der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde Dr. Desider Friedmann samt Gemahlin. Herrn Obecrabbiner Dr. F e u c h t w a n g. Herrn Rabbiner Doktor Rosen mann samt Gemahlin, den Bundesführer des „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" Generalmajor Emil Sommer samt Gemahlin und Tochter, das Ehrenmitglied Rudolf Landes u. v. a. Eingeleitet wurde die Feier durch das erstmalige Auftreten des Bundesorchesters, dessen Darbietungen unter Leitung des verdienstvollen Kapellmeisters Emil Offner STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: Hl.. Rennweg 112, Tel. U 15-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentralfriedhof, 3. Tor, Tel. LMO-4-53 ein musikalisches Ereignis ersten Ranges bildeten und begeisterten Beifall der Zuhörer auslösten. Sodann erstrahlten die Chanukakerzen unter den Klängen des „Moaus-zur". welches Herr Oberkantor S. Weiß mit dem Jüdischen Gesangverein eindrucksvoll und feierlich vortrug. Die Festrede hielt Dr. Oskar Griinbaum. Nach der Pause konzertierte wieder das Bundesorchester, worauf noch Gesangsvorträge von Eliahu S. Krybus. Iwo Guttmann und heitere Vorträge von Frau Else Kaufmann und Leopoldi-Milskaja folgten. Mit der Ouvertüre zur Operette „Eine Nacht in Venedig" von Joh. Strauß, welche vom Bundesorchester in geradezu brillanjex Form zum Vortrag gebracht wurde, schloß die schöne und eindrucksvolle Feier, deren Arrangement fci den Händen des Herrn P f e f f e n war. Am 14. Dezember fand in der Isr. Versorgungsanstalt, IX., Seegasse 9, so wie alljährlich eine Chanuka-Feier statt Dank der besonderen Bemühungen des Obmannes Herrn Dr. I. H. Körner, des Obmannstellvertreters Kultusvorsteher Berthold Sinai, ferner der Herren Josef Dohan, S. Oesterreicher,, des Oberverwalters Popper mit den Beamten der Anstalt sowie zahlreicher Freunde und Spender war es auch heuer möglich, den Insassen durch Aufbringung mannigfacher wertvoller Geschenke eine besondere Freude zu bereiten. Nach einem sehr guten Festessen erfolgte die reichliche Bescherung der Pfleglinge, die volle zwei Stunden in Anspruch nahm. Hierauf fand im Betsaale ein feierlicher Gottesdienst statt, bei dem Oberkantor Postolow, begleitet von dem Chore des Leopoldstädter Tempels, in glänzender Weise die kantorale Funktion versah. Rabbiner Dr. Schwarz richtete an die fast vollzählig erschienenen Insassen und die zahlreich gekommenen Gäste eine andächtig angehörte Ansprache. Als Festgäste erschienen: das gesamte Präsidium der Kultusgemeinde in Begleitung des Amtsdirektors Reg.-Rat Fuchsgelb, vom Kultusvorstande die Herren Dr. Josef Löwy, Dr. Rybaczewski, Waltuch und Gemahlin, ferner die Bezirkskommissionstnitglieder Siegmund Kornmehl und Frau Bellak, Cafetier Müller, S. Oesterreicher und viele andere. Bei allen Insassen herrschte froheste Stimmung und einmütig Lob und Dank für das schöne Fest. Chanuka ist ein Fest der Kinder und deshalb sind besonders rühmenswert jene Feiern, die edle Menschen jenen Kleinen veranstalten, die unter der Not unserer Tage leiden. Dies gilt besonders von der immer gleich schönen Feier in" der K i h d e r b e w a Ii r a nstalt, II., Schiffamtsgasse, bei der auch diemal das Lichteranzünden von Oberkantor G. Margulies mit gewohnter Innigkeit unter Mitwirkung des Chors vorgenommen wurde. Die Festrede hielt Oberrabbiner Doktor I. Taglicht, der an die Großen wie die Kleinen recht innige Worte richtete. In seiner Begrüßungsansprache konnte Vizepräsident Dr. B. Spiegier zahlreiche Festgäste begrüßen, die gekommen waren, um an der Freude der Kleinen herzlichen Anteil zu nehmen. Diese Freude war berechtigterweise sehr groß, denn sämtliche Kinder des Instituts, die unter der prächtigen Leitung der edlen Frau Direktor Fischer herzige Reigen vorführten, wurden dank der Rührigkeit des Vorstandes und der Freunde der schönen Anstalt mit kompletter Winterkleidung und Spielsachen beschenkt Auch die jüdischen Waisenhäuser unserer Stadt feierten für ihre kleinen Insassen das Chanuka-Fest in gewohnt würdiger Weise. Das mit hingebungsvoller Liebe arbeitende Damenkomitee des Merores- Waisenhauses gab dessen Zöglingen am vergangenen Samstag ein schönes Fest, die Kinder der Waisenhäuser Probusgasse und Ruthgasse wurden am Sonntag durch reichliche Gaben erfreut, bzw. erfreuten in allen diesen Fällen die Kinder selbst die Besucher der Veranstaltungen durch ihre schönen Spiele, die viel Beifall fanden. Dies gilt auch von der Feier im Springerschen Waisenhaus, die vom Kuratorium desselben gemeinsam mit dem der Heimstätte für verlassene jüdische Kinder am 16. d. M. veranstaltet wurde. Die Besucher dieser Feier, unter denen sich auch Oberrabbiner Doktor I. T a g I i c h t befand, der die Festrede hielt, hatten Gelegenheit die umsichtige Leitung der schönen Anstalt durch Direktor L. Margulies zu bewundern, zu dem die Kinder wie zu einem geliebten Vater aufblickten. Auch hier wurden die Zöglinge dank der Opferwilligkeit der Kuratorien der beiden Anstalten und der Vorstandsmitglieder der Loge „Eintracht" reichlich bedacht. Sehr rührig waren in allen Bezirken die jüdischen Frauenvereine. Wenn im folgenden die Veranstaltungen einzelner Vereine dieser Art erwähnt werden, so soll dies keine Zurücksetzung für die anderen bedeuten, denn wir wissen sehr genau, daß gerade zur Chanuka- Zeit die Leistungen dieser Vereine in allen Wiener Bezirken ganz besondere sind. Die Chanuka-Feier des Israelitischen Frauenverv'. eines für den 18. Bezirk wurde mit einer zu Herzen gehenden Ansprache des Herrn Rabbiners Doktor A. Z. Schwarz eingeleitet Am Tage vorher waren 65 Kinder und 65 alte Frauen reichlich bekleidet worden, eine Leistung, die um so höher einzuschätzen ist, als der Verein auch während des ganzen Jahres von den Bedürftigen stark in Anspruch genommen wird. Die Chanuka-Feier im Tempel XXI. fand Sonntag, den 17. d. M., in überaus würdiger Form und unter zahlreicher Beteiligung statt. Unter den Anwesenden seien besonders erwähnt: Herr Vizepräsident Dr. J. Orn-