Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1933-12-22 · Heft 51 (22.12.1933) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 51 (22.12.1933)
Date
1933-12-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3062972-3064350-3064399--19577-3084729
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

DIE WAHRHEIT Seite S Rumänien macht ernst Als über Auftrag der Zentralbehörden die Organe der Polizei und der Siguranza. in allen Teilen des Reiches an die Schließung der Heime und Festnahme der Führer der „Eisernen Garde" schritten; kam es in vielen Orten zu Ausschreitungen der Mitglieder der „Eisernen Garde", die oft einen antisemitischen Charakter trugen. In Bukarest beschloß eine stark besuchte Hochschüler Versammlung den G eneralstreik sämtlicher Universitätshörer als Protest gegen die Verhaftung mehrerer Hochschüler anläßlich der Auflösung der „Eisernen Garde". Die Versammlung beschloß ferner, die Forderung aufrecht zu erhalten, daß jüdische Mediziner nicht zur Praxis in den städtischen Krankenhäusern zugelassen werden. Bekanntlich ist es dem Führer der „Eisernen Garde", Corneliu Zeleä Codreanu, gelungen, sich der Verhaftung zu entziehen. Verhaftet wurden sein Vater Jan Zelea Codreanu und sein Bruder. Die liberale Regierungspartei, die bekanntlicli ein Wahlkartell mit den organisierten jüdischen Gruppen Rumäniens, der Union rumänischer Juden und der Jüdischen Reichspartei, abgelehnt hat, hat nunmehr den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Bukarest Siegmund Birman und den Sohn des verstorbenen Senators Berkovitz, Dr. B e r k o v i t z, in ihre Kadidatenliste aufgenommen. Ursprünglich hieß es, die Regierungspartei wolle sich überhaupt mit jüdischen Kandidaten nicht belasten. <= Die liberale Regierung hat die gewählte Repräsentanz der Israelitischen Kultusgemeinde Czernowitz aufgelöst. An deren Stelle ist eine Interimarkommission eingesetzt worden. Dr. Menczer, ein Parteigänger des alten Dr. Straucher, wurde mit der Leitung der Gemeinde betraut, gleichzeitig „wurde Doktor Straucher zum Ehrenpräsidenten der Gemeinde ernannt. Bei der Installierung Dr. Menczers hielten der Präfekt Va n t u und der Stadtpräsident Prof. Dr. Marmeliuc programmatische Reden, in denen die Jüdische Reichspartei und deren Repräsentanten, die eine eigene Liste aufgestellt haben, scharf angegriffen wurden. Sie warnten die Juden vor separaten politischen Handlungen, die eine „selbstmörderische Politik" wären. Es dürfen keine Mauern zwischen der jüdischenund der rumänischen Bevölkerung gezogen werden, es dürfen keine separaten Listen geduldet werden. Tun die Juden dies, so schaufeln sie sich selbst das Grab. Die Reden der liberalen Führer haben viel Aufsehen erregt. Eine am gleichen Tage in die Toynbeehalle einberufene Wahlversammlung der nationalen Jüdischen Reichspartei wurde von der Polizei aufgelöst. Hifier als Vorbild. An den ungarischen Hochschulen herrscht noch immer nicht vollkommene Ruhe. Wie können auch Studenten Disziplin halten, denen Hitler als Vorbild <üent? Denn das ist der deutsche Nationalheros den magyarischen Radaubrüdern. In der Gründungsversammlung der neuen antisemitischen Organisation „Das Lager der Kurzen" erklärte der Vertreter des Studentenverbandes „Tttrul": „Hinter den jetzigen antisemitischen Demonstrationen steht der ganze magyarische Mittelstand. Er fordert die strengsteDurchführungdesNumerus clausus auch auf dem Gebiete des Handels undderlndustrie. Hitler hat seinen Standpunkt gegenüber den Juden nicht revidiert (eine Anspielung auf Gömbös). Er führt sein Programm zu 200 Prozent durc h." »Wir haben Menschen gefunden . . Der Vorsitzende der .Vereinigung für das religiös-liberale Judentum Heinrich Stern nimmt in dem unter der Ueberschrift „Wir Drückeberger" erschienenen Leitartikel der letzten Nummer der „Jüdisch-liberalen Zeitung" dagegen Stellung, daß in der deutschen zionistischen Presse den Nichtzionisten der Vorwurf gemacht wurde, sie legten ein „eigentümliches geistiges Drückebergertum" an den Tag und wollten die Judenfrage in ihrem wahren Wesen nicht sehen. Wir deutschen Juden der Gegenwart, schreibt Heinrich Stern, und gerade wir, die wir uns gläubig nennen, haben in diesem Jahre schwerste Stunden durchgemacht. Auch in unseren Reihen ist von manchem wie an der Heimat so an Gott gezweifelt worden. Die eine Frage lautete: „Ist das der Lohn für das Blut, das für Deutschland geflossen ist, für die Arbeit jüdischer Generationen am deutschen Aufbau?" — lieber alle derartige Zweifel und die daraus erklärlichen Empfindungen ist sehr bald die Heimatliebe siegreich hinweggeschritten . . . Gewiß, wir haben Verkennung und Feindschaft erlebt, wie es unsere Väter erlebten; manche, die sich unsere Freunde nannten, denen wir Gutes erwiesen haben, haben sich von uns abgewandt. Wir haben aber auch erlebt, daß der Funke göttlichen Mitleides und göttlichen Verständnisses in Deutschland und außerhalb Deutschlands in Tausende und Zehntausende gefallen ist. Wir haben Menschen gefunden! Wir haben die lebendige Kraft der jüdischen Gemeinschaft an uns erfahren und wir haben vor allem gesehen, daß unsere Kinder sich nicht haben brechen lassen. Niemals ist die üottesgeneigtheit, die Gottessehnsucht der Jugend, wenigstens der besten unserer jungen Menschen, so groß gewesen wie in der heutigen Zeit . . . Diese Erfahrung befestigt in uns den alten Glauben, daß Gott uns erwählt hat — wahrlich nicht zu äußerer Herrschaft, auch nicht zur Schaffung irdischer Güter, sondern als die uralte Gemeinschaft seelischen Lebens und geistigen Strebens, als -das „heilige Volk", das, unerschüttert durch alle Rückschläge, an sein Ziel glaubt, an das Ziel, von dem wir am Schluß jedes Gottesdienstes in unserem alten Olenu-Gebet sagen: „Wir glauben an die Offenbarung des einigen Gottes in einer einigen, in Recht und Frieden verbundenen Menschheit." „FAmLIENSCHUTZ" Gemeinnützige Vereinigung für Familienfürsorge Wien II.. Aspernbrffckenqasse 2_Tel. B 43-500 Duich Monaisbtilräge von S 1 bis 10 kann man bei uns sicherstellen: Studlenb8iträge für Töchter und Sänne AusstaUungsbetträge für-Töchter Vorsorge für das Alter und fBr die Hinterbliebenen Unsere Vorteile: 1. Gerinpe Beiträge. 2. Hohe Versicherungssummen.?. Keine Wartezeit, daher sofortige Wirksamkeit. 4. YolleGarantieder Lehensversicherungsge^ellschaft .Phönix". 5. Keine Nebengebübren. 6. Keine ärztliche Untersuchung. 7. Unverfallbarkeit nach zweijähriger Beitragszahlung. 8. Keine Aufnahmegebühr. Der „PAMILIENSCHUTZ" wird von der. Wieoer Kalttugcmelnde befürwortet Eine Möglichkeit für die deutschen Juden? Zwecks Ermunterung der Kolonisation in den fernöstlichen Ländern der Sowjetunion haben Stali.n und Molotow die fernöstlichen Qebiete von der landwirtschaftlichen Naturalsteuer befreit, und zwar die Kollektivwirtschaften für 10 Jahre und die Einzelbauern für 5 Jahre. Angekündigt werden ferner kolonisatorische Maßnahmen großen Formats in Sachalin und Kamtschatka und im jüdischen Anstedlungsgebiet Biro-Bidschan. Der Vizevorsitzende des Zentralexekutivkomitees und Kommissar für nationale Minderheiten Smidowitsch, erklärte in einem Gespräch mit dem Vertreter der britischen Nachrichten-Agentur „Exchange Telegraph", die Sowjetunion werde in Biro-Bidschan eine autonome jüdische Republik schaffen. Das Territorium von Biro-Bidschan sei dreimal so groß wie das Palästinas. Doch bedarf das Land technisch vorgebildeter Kräfte. Die Sowjetunion lade die in Deutschland veriolgten und die aus diesem Lande bereits ausgewanderten Juden ein, am Aufbauwerk der jüdischen Republik Biro-Bidschan teilzunehmen. In Biro-Bidschan fehlen heute noch Wohnhäuser. Wasserleitungen und elektrische Anlagen. Diese Schwierigkeiten könnten angesichts des Naturreichtums des Landes leicht überwunden werden, wenn die Führer des Weltjudentums sich entschließen sollten, das von der Regierung der Sowjetunion geschaffene Kolonisationswerk in Biro-Bidschan zu fördern. Die Regierung der Sowjetunion habe die Absicht, sich mit den großen jüdischen Organisationen wegen Abschließung eines Vertrages, in dem die Rechte und Pflichten beider Vertragsparteien konkretisiert werden sollen, in Verbindung zu setzen. Jüdische Gelehrte nacb dem Fernen Osten. Die japanischen Zeitungen melden, daß in japanischen Gelehrtenkreisen eine Bewegung entstanden ist. aus Deutschland vertriebene jüdische Gelehrte nach Japan zu berufen. Durch Vermittlung von Dr. Noruhiko Soto wurden der weltberühmte Chemiker und frühere Leiter des Kaiser Wilhelm-Institutes in Berlin-Dahlem und der berühmte Chirurg Dr. Apof nach Tokio eingeladen. Die Zeitungen bringen ein Verzeichnis weitere.- jüdischer Gelehrter, die nach Japan eingeladen werden sollen. — Auch in Shanghai hat sich ein Komitee zur Einladung jüdischer Gelehrter aus Deutschland gebildet. Mehrere ärztliche Spezialisten aus Deutschland üben in Shanghai bereits eine Praxis aus. OROSSFLEISCHNAUEREI IIEGM. KORNHBil WOM OL, HWHUS1S NR. 1» MUKUe XVHfc« WJbaUMOaRSTRASSB IV TdaptwaNr. A IT-Maua4 A l«*3* LMwMt fBr IMMnWiM AbteilungentarKoscherfleisch mm%mm AalsteM «•» ehnh KabMMtM mm* tor. K«ltii«g«wl««e> Wimm. Sämtliche Fleischsorten von ausschltaBHch Priaa~Qualität zu den Uliigsten Marktpeel«« „Nieder mit der Hitler-Barbarei!" Der deutsche Botscharter und frühere Reichskanzler Dr. Hans Luther wurde, als er dieser Tage in der New Yorker Columbia-Universität erschien, um einen Vortrag zu halten, von mehreren hundert Studenten mit Rufen „Nieder mit der Hitler-Barbarei!" empfangen. Auch während des ganzen Vortrages selbst wurden immer wieder Rufe gegen das Hitler-Deutschland ausgestoßen. Zwischen demonstrierenden Studenten und Polizei kam es zu einem Zusammenstoß. Jüdische Auswanderung: aus Breslau. Nach den vorläufigen Ergebnissen der Volkszählung von 1933 zählte Breslau Mitte Juni d. J. 19.722 ortsansässige jüdische Bewohner gegen 23.240 bei der Volkszählung i. J. 1925. Das bedeutet einen Rückgang um rund 15 Prozent. Im Jahre 1933 sind von Jänner bis Oktober 1107 Juden aus kleineren Orten in Breslau zugezogen, aber 2357 abgewandert, so daß ein Wanderungsverlust von 1250 Personen entstanden ist. 58 Prozent der Abwandcrer sind ins Ausland gegangen. 378 Personen haben Palästina als Ziel angegeben. 160 Polen. 133 die Tschechoslowakei. 90 Frankreich. 83 Holland. 44 Oesterreich. 31 Italien usw. Wissen Sie schon. daß gemäß einem Runderlaß des preußischen Innenministeriums Reichspräsident Hindenburg, der Reichskanzler und der preußische Ministerpräsident künftig nur bei dem neunten Kind oder dem siebenten Sohn einer Familie Pate stehen werden, wenn das Patenkind urbgesund und arischer Abstammung ist. daß in der Zeitung ..Der Gesellige", die in Schneidein ühl erscheint, der Gauleiter der Kurmark Wilhelm Kube folgendes schrieb: „Es seht nicht um den König David in Juda oder um Mcses und die Propheten, es geht nicht um die einwandfrei nachgewiesenen Silberdiebstähle des jüdischen Gaunervolkes in Aegypten, nicht um die Getreideschiebungen Josephs oder um die Erbschleicherei Jakobs: das hat mit Religion nichts zu tun. Die Geschichte des jüdischen Spitzbubenvolkes hat auch mit unserem inneren Verhältnis zum Herrgott nicht das geringste zu tun." daß in der ersten Generalversammlung des Gesamtverbandes Deutscher Handwerker. Kaufleute und Gewerbetreibender in der deutschen Arbeitsfront, Amtsleitung Liegnitz, der Kreisleiter der NSDAP. Klieber. erklärte: ..Es wird gar nicht daran gedacht, diu Warenhäuser und die jüdischen Geschäfte zu schließen. Allen denen, welchen diu Entwicklung zu langsam geht, sage ich: Geht doch nicht in diese Geschäfte, dann wurden sievon selber schließen!" daß d;c BetriebsgeseMsehait des staatlichen Nordsechades Norderney eine Verschlußmarku mit der Aufschrift „Nordseebad Norderney — ist judentrei" anfertigen ließ und sie der Einwohnerschaft Norderneys für ihren Briefverkehr zur Verfügung gestellt hat: sollten Juden, so erklärt die Badevcrwaltung. trotzdem versuchen, im kemmenden Sommer in Norderney unterzukommen, so haben sie selbst die Verantwortung dafür zu tragen; bei vorkommenden Reibereien müßte die Badeverwaltung im Interesse des Bades und der anwesenden deutschen Kurgäste die anwesenden Juden soiort von der Insel verweisen. c';:ß der in Nürnberg erscheinende ..Stürmer". Organ des Abgeordneten und Freundes des Reichskanzlers Hitler, Julius Streicher, der seinerzeit offiziell zum obersten Leiter des antijüdischen Boykotts ernannt worden war. in einem längeren Artikel allen Ernstes fordert daß man das Gesetz über Sterilisierung Minderwertiger allgemein gegen Juden anwende: erst wenn wir. schreibt der ..Stürmer". Juden und Judenstämmlinge sterilisieren, werden wir die Sicherheit gewinnen, daß Deutschland in 50 bis 60 Jahren die .luden ci:i für allemal los geworden sein wird, daß der Verband deutscher Lebensretter seine jüdischen Mitglieder ausgeschlossen und einen Beschluß gefaßt hat, daß Juden nicht als Badeaufseher zwecks Rettung Ertrinkender angestellt werden dürien. Wir machen unsere geseb. Leser auf das Inserat der Elektro-Radlo-Material-FIrma J. Hann, IX, Wasagasse 12. aufmerksam. Die firm» Haha bat sieb bereit erklärt, S Prozent vom lewelOgen Kaufbetrag an das Hilfskomitee für deutsche Juden abzuführen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.