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Die Wahrheit · 1933-12-15 · Heft 50 (15.12.1933) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 50 (15.12.1933)
Date
1933-12-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE WAHRHEIT UNION ÖSTERREICHISCHER JUDEN in den GeseUsdiaftsräumen des Handelsmuseums, Wien, ES. Bezirk, Berggasse Nr. 16 Beginn 8 Uhr — Ende 2 Uhr früh Eestkleidung Der Reingewinn fließt dem Versorgungshaus der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde zu. Programm: Religiöse Feier: Oberkantor S. Postolow mit dem Gesamtchor des Müllner-Tempels — Festrede Rabb- Prof. Dr. A.Frankfurter Akademie: Prof. Josef Z i m b I e r, Violine — Oberkantor S. P o s t o l o w, hebräische Gesänge — Hilde D u l i t z k a j a, Gesangsvorträg«^— Eugen Strehn, humoristische Vorträge — Lisi Brunner (Simpl), Chansons. NaA dkAarett Tanzkapel,e: Zulu'Band - ausgeführt von bedeutenden Reichhaltiges Büfett, beigestellt und geführt vom „Union"-Frauenklub - Solisten de8 Weltberühmten Karten im Vorverkaui: Sekretariat der „Unioa" IX, Berggasse 4, Tel A 19-2-77, Redaktion „Die Wahiheil" II., Heinestt. 13, Tel.R 46-2-16 ind |^ | Q SJ m Q g£ J bei den Mitgliedern des Komitees Eintritt S 2.50 — Jugendkarte S 2.— „Palästina prosperiert — dardi Einwanderungsbeschränkung,u Wiederum Unterhausdebatte. Im Londoner Unterhaus fragte am 5. Dezember der konservative Abgeordnete Generalmajor Sir Alfred Knox den Minister für die Kolonien, ob er mitteilen könne, wie hoch die Quote der in den ersten sech& Monaten 1934 nach Palästina zuzulassenden Einwanderer sei. Sir Philip Cunliffe-Lister erwiderte, die Quoten, die „Arbeiterschedulen" genannt werden, würden jeweils im Oktober und April für die folgenden sechs Monate festgesetzt. Die im Oktober festgesetzte Quote betrug 55Ü0; die nächste Arbeitereinwanderungsquote werde im April 1934 bekanntgegeben werden. Sir Alfred Knox fragte weiter: Ist der Kolonienminister sicher, daß mit Rücksicht auf die vorhandene Bevölkerung diese Quote für die Aufnahmefähigkeit des Landes nicht zu hoch ist? Ich habe wiederholt erklärt, antwortete Sir Philip, daß es die konsequente Politik der Regierung und des High Commissioner ist, die Quote genauestens der Bevölkerung des Landes anzupassen. Will der Minister für die Kolonien auch die Tatsache in Betracht ziehen, warf Abgeordneter Barnett Janner ein, daß Palästina ein .prosperierendes Land ist und daß es die Einwanderer sind, die diese Prosperität herbeigeführt haben? Es ist wobl ein prosperierendes Land, antwortete Sir Philip, aber es wäre kein solches, wenn wir die Einwanderung nicht entsprechend der Aufnahmefähigkeit regein würden. * Die Folgen der „Touristen-Jagden". In Tel Aviv kam es am Samstag abends zu U nruhen. wie sie diese rein jüdische Stadt seit ihrer Gründung nicht erlebt bat Die Revisionisten veranstalteten eine Kundgebung zum Protest gegen die sogenannten „Touristen-Jagden", die von der Polizei unternommen werden, um illegal nach Palästina gekommener Juden habhaft zu werden und sie des Landes zu verweisen. Eine riesige Menge staute sich in den Straßen und leistete der Aufforderung der Polizei zum Auseinandergehen kerne Folge. Es kam sodann zu einem schweren Zusammenstoß zwischen den Demonstranten auf der einen Seite und englischen, jüdischen und arabischen Polizisten auf der anderen Seite. Der Kampf dauerte volle drei Stunden. Schließlich kam mit iünf Panzerautos Militär aus Jaffa herbei. Die Soldaten gingen mit blanken Bajonetten gegen die Menge •vor und zerstreuten sie. Im Verlauf der Kämpfe wurde Polizeiinspektor Gorfer sehr erheblich verletzt. Mehr oder weniger schwer verletzt wurden ferner sechs englische und jüdische Polizisten und sieben Zivilpersonen, gegenwärtig herrscht in Tel Aviv Ruhe. Die Erregung unter der Bevökerung über das Vorgefallene ist groß. Am Abend vorher hatte eine Menschenmenge versucht, einen der Spitzelei gegen illegale jüdische Einwanderer Verdächtigen zu lynchen. Der Angegriffene konnte sich mit knapper Not in einen Friseurladen retten, von wo er durch mehrere ihm zu Hilfe gekommene Polizisten und Detektive abgeholt und zur Polizeiwache gebracht werden konnte. Unter den Rufen „Hängt ihn!" folgte eine sehr große Menschenmenge der Eskorte und versuchte immer wieder, den der Spitzelei Verdächtigen in ihre Hände zu bekommen. Noch in später Nacht versuchte die Menge das Wachgebäude zu stürmen und an dem Schutzhäftling Lynchjustiz zu üben. Herbeigeeilte verstärkte Polizeiposten trieben die Menge mehrmals auseinander, diese sammelte sich aber immer wieder. Erst sehr spät gelang es. die Menge endgültig zu zerstreuen und die Ordnung herzustellen. Zwei der Demonstranten wurden verhaftet. * Die Prozesse gegen die Unruhestifter. Das Jerusalemer Gericht hat nunmehr das Ausmaß der Strafen für die im Prozeß wegen der Araberunruhen am 13. Oktober in Jerusalem verurteilten arabischen Führer festgesetzt Der Sekretär des Obersten Mösl emitischen Rates Jamal el flusseine. ein Vetter des Großmufti, und Edmund Roch, einer der christlichen Führer der christlichmohammedanischen Vereinigung, wurden zu je einem Monat Gefängnis verurteilt. Der dritte Angeklagte, Scheich Abdul Kader Muzzafar, ein Mitglied der arabischen Exekutive, mußte eine Kaution von 100 Pfund für weiteres Wohlverhalten hinterlegen, für weitere 100 Pfund muß eine dritte Person Bürgschaft leisten. Die Aiiklage gegen die drei Verurteilten wurde wegen Teilnahme an einer verbotenen Versammlung auf Grund des Artikels 25 der Aufruhrverordnung vom Jahre 1929 erhoben. Die Höchststrafe für dieses Vergehen beträgt sechs Monate Gefängnis. Es sind aber auch Geldstrafen zulässig. Meist wird eine Kaution für eine bestimmte Zeit verlangt. Die für den 4. Dezember in Jaffa angesetzte Verhandlung gegen 20 arabische Ruhestörer, die im Zusammenhang mit den am 27. Oktober in Jaffa stattgefundenen Unruhen verhaftet worden sind, konnte nicht durchgeführt werden, da der Vorsitzende, Richter Bodilly, von der Verteidigung als Zeuge geführt wird. Der anläßlich des Prozeßbeginns verkündete Araberstreik wurde in Jaffa n u r zum Teil durchgeführt und vollständig eingestellt, als die Vertagung der Verhandlung bekannt wurde. In Jerusalem MÖBEL „Haarez" erfährt, daß der Jetzige Bürgermeister Ragheb Boy Nashashibi seinen Posten verlassen und durch einen vom High Commissioner zu ernennenden Engländer ersetzt werden soll. Ihm sollen zwei Vizebürgermeister, ein Moslem und ein Jude, attachiert werden. Distriktskommissar Campbell empfing eine Abordnung der Agudath Israel, die mit ihm Fragen der Gemeindewahlordnung erörterte. Von der Abordnung wurde inoffiziell der Vorschlag gemacht, daß für die Besetzung des Bürgermeisterpostens von Jerusalem' ein Turnus eingerichtet werde, derart, daß alle fünf jfciii-e ein Angehöriger einer anderen Nationalität, respektive Konfession, zum Bürgermeister von Jerusalem bestellt werde. Es mögen der Reihe nach ein Engländer, ein palästinensischer Christ, ein Jude und ein Mohammedaner dieses Amt bekleiden. Moderne Kdchen- Vorzimmer- Wohnzimmer- F.KOHN, Wien IL,TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen — Angeschlossen der „Schomra" und in den anderen Städten wurde die Streikparole der arabischen Exekutive gar nicht befolgt. Alle arabischen Geschäfte waren geöffnet. Zur Verhandlung am 4. Dezember hatte sich eine außerordentlich große Zuhörertnenge, unter ihr 30 arabische Anwälte, eingefunden. Die neue Verhandlung wird von dem Vorsitzenden des Haifaer Gerichts, Richter Currie, der zu diesem Zweck nach Jaffa delegiert wird, geleitet werden. Der Vertreter der Anklage, Staatsanwalt E11 i o 11, hat einen schweren Autounfall erlitten und komplizierte Knochenbrüche an beiden Armen und beiden Beinen davongetragen. Der moslemitische Chauffeur meldete sich selbst bei der Polizei und beteuerte, daß es sich um einen reinen Verkehrsunfall handle. An Stelle Elliotts wird in den weiteren Verhandlungen Kommissar R i g g s. der Leiter der polizeilichen Aktion gegen illegal Eingewanderte, als Anklagevertreter fungieren. Der Dampfer „Polonia" mit zahlreichen jüdischen Touristen und Einwanderern an Bord konnte am 4. Dezember in Jaffa infolge des Teilstreiks der Hafenarbeiter, nicht landen und wurde nach Haifa dirigiert. Sir William M u r i s o n, der Leiter der von der britischen Regierung eingesetzten Kommission zur Untersuchung der arabischen Unruhen in Palästina vom Oktober d. J., hat am 5. Dezember seine Tätigkeit begonnen. Die Kommission ist eine Zwei- Männer-Kommission; ihr gehört nur noch der palästinensische Oberstaatsanwalt Trustod an. Laut der ihr von der Regierung erteilten Instruktion wird sie „den genauen Verlauf und die Natur der Ereignisse in der Zeit vom 13. Oktober bis 3. -November sowie die in ihrem Gefolge eingetretenen Unfälle und Sachbeschädigungen" zu untersuchen haben. * Vor Stadtwahlen in Jerusalem. Im Jänner oder Februar 1934 sollen in Jerusalem die Wahlen zum Stadtrat durchgeführt werden. Das Stadtterritorium soll in 12 Wahlbezirke, nämlich in v i e r jüdische und acht moslemitische, arabisch-christliche, europäisch-christliche und gemischte moslemitischchristliche, eingeteilt werden. Auf diese Weise soll den Juden, die die Mehrheit der Gesamtbevölkerung bilden, die Möglichkeit genommen werden, eine ihrem Verhältnis zur Gesamtbevölkerung entsprechende Zahl von Stadträten in den Magistrat zu entsenden. „Deutsch" und „Völkisch". In Elmau werden die „Q r ü n e n B1 ä 11 e r" herausgegeben. In dem neuesten Heft setzt sich dar Herausgeber Johannes Müller in einem umfangreichen „Die nationale Revolution und das deutsche Schicksal" überschriebenen Artikel auch mit der Stellung der Juden im neuen Deutschland auseinander. Er stehe;,k o p f s c h ü 11 e 1 n d, j ä betroffen" vor den Tatsachen. Er schreibt: „Seitdem die Juden im 18. Jahrhundert ihre abgesonderte Existenz aufgeben konnten, sind sie nicht mehr Fremdlinge in Deutschland, sondern eingebürgerte Volksgenossen, die bloß einer bestimmten Konfession angehören. Seit Generationen ist Deutschland ihr Vaterland, deutsch ihre Muttersprache, die deutsche Geschichte ihre Vergangenheit, deutsche Bildung und Kultur ihr persönlicher Besitz, Bestand und Leben. Die deutsche Not ist ihre Bedrängnis, das deutsche. Schicksal ihr nationales Leid und die deutsche Sehnsucht erfülle sie ebenso wie die anderen Mitbürger mehr oder weniger. Ihre Arbeit, ihre Persönlichkeit und berufliche Tüchtigkeit gehört ihrem deutschen Volk. Im Kriege und Frieden haben sie gedient und Opfer gebracht." Auf einer Kundgebung der Halberstädter Deutschen Arbeitsfront gab der Hauptreferent die folgende Definition der Begriffe „Nationalsozialist" und „Völkisch": „Nationalsozialist ist einzig und allein der, der den Satz verstanden hat und nach dem Satz handelt, der da lautet: Wir sind alle und Leben verbunden!' - der, dem das Blut ins dem Augenblick, wo ein miteinander auf Tod - Völkisch aber ist Gesicht schießt in Jude es wagt, ihn auf der Straße anzusprechen." Das zeitgemäße Chanukageschenk: Die Sicherune eines Studienöder Ausstattungsbeitrages für Söhne und Töchter um S /.— bis S 10.— monatlich durch den ,.&amiUens€tkutx" gemeinnützige Vereinigung für Familienfürsorge Der „FÄMIUENSCHUTZ" stellt die Leistung bei der Lebensversicherungsgesellschaft Phönix1sicher. Der „FAMILIENSCHUTZ" wird von der Wiener« Kultusgemeinde befürwortet >• Ein Anruf der Nummer R 43-500 genügt Adresse: ,J*mmttlBm»cMB", II.. AspernbrOekengaaso 2

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