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Die Wahrheit · 1933-12-08 · Heft 49 (8.12.1933) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 49 (8.12.1933)
Date
1933-12-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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sccfcid in Tirol ») hervorragendster Wintersportplatz and Höhenluflkurort, das Sonnenparadies für Kinder, jede Art Wintersport, absolut schneesicher PENSION GESCHWISTER SCHEE*, streng-[£2 Bekannt erstklassige Verpflegung, Wiener Küche. Mäßige Preise. - Telephon 18 —.Mitglied des Vereins zur Förderung ritueller Speisehäuser, Hamburg strieren. Sie ruft zu diesem Zweck ein jüdisches. Kind -vor und fordert die'Klasse auf, selbst die Merkmale an dem kleinen Mädchen zu benennen. Die Schülerinnen stellten nacheinander fest: gebogene Nase, Rundschädel, krauses Schwarzhaar, volle Lippen. Dann fällt ihnen nichts mehr auf. Die Lehrerin läßt den fragenden Blick in der Klasse herumschweifen. „Seht ihr sonst nichts?" fragt sie. Schweigen, sie sehen sonst nichts. „Nun", sagt darauf die Lehrerin mit erhobener Stimme, „und der v e i Das kleine Judenmädchen errötet tief und wird wieder in.die Bank geschickt J^^^^^Ei^^ra^^^^forwj Wie ein Lauffeuer verbreitete sich am vergangenen Freitag im jüdischen Wien die Kunde vom Ableben des Czortkower Großrabbiners Israel Friedmann, der an diesem Tage nach kurzem schweren Leiden im 78. Lebensjahre in e:nem Wiener Sanatorium verstorben war. Namenloser Schmerz ergriff die gewaltig große Gemeinde seiner treuen Anhänger, denen er im wahrsten Sinne des Wortes Lehrer und Führer gewesen war. „Lehrer", diese Bezeichnung allein gilt für d e Tätigkeit, der der Dahingeschiedene sein frommes Leben gewidmet bat jede andere Signatur ist falsch und tendenziös. Insbesondere ist es unrichtig, ihn oder einen anderen seiner Art als „Wunderrabbiner" zu bezeichnen, denn es gibt im Judentum keine „Wunderrabbiner". Rabbi Israel Friedmann aus Czortkow war so wie die anderen seiner Art Rebbe. d. h. Lehrer seiner zahlreichen'Schüler, die er in allen Zweigen der jüdischen Lehre unterrichtete und zu strengster Gottesgläubigke't anhielt. Daß er diesen seinen Getreuen auch in wirtschaftlichen und familiären Dingen nrt Rat an die Hand ging, ist nur selbstverständlich, aber auch in diesen Frästen urteilte er nur nach seinem Grundprinzipe strengster Rechtlichkeit und Geradlinigkeit wie er auch jene Außenstehende, die s'ch an ihn um Rat in allerlei Situationen wandten, immer nur nach Recht und Gerechtigkeit und nie mit abwegigen Kniffen beriet Diese auserlesene Art von Lehrern und Führern stammt hauptsächlich aus den östlichen Ländern, aber auch in den westlichen Staaten haben sie weite Kreise von Anhängern. Früher wurde der ausgezeichnetste Schüler eines solchen Mannes nach dessen Hinscheiden zu. seinem Nachfolger bestimmt, später griff hier das patriarchalische Prinzip duich und der älteste Sohn oder auch einige seiner Söhne folgten dem Vater in der Führung seiner Gemeinde. Die Ruzyner-Dynastie. aus der Rabbi Israel Friedmann stammte, war die älteste und populärste ihrer Art Von den sechs Söhnen des alten Ruzyner Rebbe übernahmen vier in verschiedenen Gemeinden das Amt ihres berühmten Vaters, darunter-David Moses Friedmann, der Vater des nun Heimgegangenen Rabbi Israel Friedmann, in Czortkow, Ostgalizien. Rabbi Israel Friedmann, über dessen hervorragende Persönlichkeit uns ein Mitglied seiner Familie informierte, trat vor dreißig Jahren an die Stelle seines gelehrten Vaters und durfte sich gleich diesem rühmen, nicht nur so wie d e anderen Rabbis eine sehr große Schülergemeinde zu besitzen, sondern auch Schüler von besonderer geistiger Oual'tät herangebildet zu haben. Aus dieser Schule stammen u. a. die bekannten Rabbiner Steinberg, Brodyw Rabbiner Arak, Tarnow. Rabb'ner Schapira. Lublin. Als zu Beginn des Weltkrieges unter der russischen Invasion Judenverfolgungen in Ostgalizien ausbrachen, übersiedelte Rabbi Israel Friedmann mit seinen getreuesten Anhängern nach Wien, wo er ebenfalls eine gewaltige Gemeinde um sich scharte. Wer nur einmal das Glück hatte. Rabbi Isiael Fr'edmann zu sehen, sein durchgeistigtes Gesicht seine bellen großen Augen, seinen silberweißen, langen, schmalen Bart, seine aufrechte' Gestalt der wußte, daß hier ein nicht alltäglicher Mann wirkte, wer aber gar ausgezeichnet war, dieses Wirken näher kennenzulernen, der war begeistert von dem Wesen d'eses Mannes, das überragend und dennoch so einfach gewesen ist Einfachheit war der Grundcharakter seiner Persönlich» keit und E'nfachheit trug er auch seiner Familie-auf, seiner braven Frau, mit der er 63 Jahre lang verheiratet war, seinen beiden Söhnen und seinen beiden Töchtern. Sfliönes. großes Oasscnlohal zwei Auslagen, Nebenraum. Verkehrsstraße des II. Bezirke«, geeignet f. Lederbranche, Wolle. Eissalon, da neben Schule, billiger Zins, spottbillig abzulösen. Ebenso vollständ. Gasthaus-Inventar sehr billig zu verkaufen. Auskunft Telephon R 46-2-16 Für ihn gab es keine freie Minute am Tage, für ihn gab es nur wehige Stunden Schlaf in der Nacht Bis spät in die Nacht von zeitlich morgens saß er über den Folanten des Talmuds und lernte und lehrte. Großrabbiner Israel Friedmann war einer jener Gelehrten, die in die Mystik der Kabbala eingedrungen wären, in jene Mystik, die ihn .geist'g dem Alltag entrückte und gleichsam zum Uebeiraenschen, machte. Aber nicht nur dem Studium und. der Forschung war sein Leben gewidmet sondern auch der Schaffung und Schöpfung.- Groß-' rabbiner Israel Friedmann hat viele ausgezeichnete Werke geschrieben, die in Kreisen der Talmudisten und Gelehrten Anerkennung und Achtung gefunden haben. Seine Kommentare werden immer wieder z'tiert. wenn es gilt, schwierige^ Stellen jüdischer Werke zu.-erörtern. Das gewaltige W.ssen, die asketische Abgeschiedenheit von der Umwelt und die Anerkennung seiner Werke vergrößerten von Ta<" zu Tag . den Kreis seiner "Anhänger! Er wurde nicht nur von jenen, die ihn kannten, verehrt und geachtet, sondern tausende und abertausende Menschen kamen zu ihm. um sich bei ihm Rat zu holen, um ihn zu bitten: ihnen in den schwersten Situationen ihres Lebens zur Seite zu stehen. Bekannt war auch se'ne große Wohltätigkeit die ihn dazu veranlaßte, einen bedeutenden Teil der ihm zugekommenen Dotationen an Bedürftige in aller Welt zu geben. Am Sonntag, den'3. d. M., wurde Großrabbiner Israel Friedmann zu Grabe getragen. Eine unübersehbare Menschenmenge — vom Kultuspräsidium und Oberrabbinern bis zum einfachen Juden — hatte sich in der Heinestraße eingefunden, um dem toten Großrabbiner das letzte Geleite zu geben. Nur mit äußerster Anstrengung und unter Assistenz der mit Umsicht amtierenden Sicherheitswache war es möglich, den aus den Arbeitstischen des Meisters und seiner Schüler gehobelten Sarg zum Leichenauto zu schaffen. Jeder einzelne der vielen hunderte Verehrer, die — selbst von weither — zu dem Begräbnis erschienen waren, wollte in die Nähe des Sarges des großen Rabbiners gelangen, den nur die Familienmitglieder und die engsten Getreuen trugen, welche in der Früh das rituelle Tauchbad genommen hatten. Die gleichen Szenen spielten sich auf dem Zentralfriedhof ab. Ohne jede Rede, einfach, wie es eines großen Gelehrten würdig ist wurde der Sarg zur Grabstätte getragen, zu der in Zukunft tausende und abertausende Juden pilgern werden, um dort zu beten und die Fürsprache des Großrabbiners vor Gott für sich und die Ihren zu erflehen. BRIGITTENAUER ISRAELIT. TEMPELVEREIN _Wien XXn Kluckygasse II_ festfäoliesdienstf anläßlich des 80. Geburtstages des Obmannes Josef K o b n, am 10. Dezember 1933, 3.45 Uhr. Mitwirkend: Oberkantor J. ManmÄUS Brünn, verstärkter Chor der Israelitischen Kultusgemeinde unter Leitung des Herrn Kurt Fuchsgelb. Karten in der Tempelkanzlei täglich von 4 bis 6 Uhr erhältlich. Das Reinerträgnis ließt den Vereinen zur Ausspeisung armer Kinder und Erwachsener des 20. Bezirkes zu. Wie sie sich bereichern . . . Professor Albert Einstein, dessen gesamtes Vermögen vom preußischen Staat beschlagnahmt worden ist kündigt in einem dem Vertreter der Pariser Zeitung „Voila" gegebenen Interview energische Schritte beim Haager Internationalen Gerichtshof zur Wiedererlangung seines Besitzes an. „Die Beschlagnahme meines Vermögens", sagte Einstein, „erfolgte nicht nur ungesetzlich, sondern völlig grundlos. Niemand kann mir den Vorwurf machen, daß ich in Deutschland oder im Ausland dem deutschen Staat gegenüber Hochverrat begangen hätte. Ebenso haltlos ist die Beschuldigung, daß ich mich jemals zum Kommunismus oder Marxismus bekannt habe. Seit Jahrzehnten lebte und lebe ich nur für meine Wissenschaft Mein Vermögen, das jetzt beschlagnahmt worden ist, habe ich lediglich mit meiner wissenschaftlichen Arbeit ehrlich erworben. Mein einziges Verbrechen besteht darin, daß ich ein Jude bin. Der Prozeß, den ich vor dem Haager Internationalen Gerichtshof anstrengen will, geht nicht nur um mein Vermögen, sondern auch um den Nachweis, daß man in Deutschland keinen Hochverrat zu begehen braucht damit das Vermögen der Beschlagnahme verfällt, sondern daß es hierzu genügt, Jude zu sein." Kürzlich ist auch die Konfiskation der gesamten Wohnungseinrichtung des ehemaligen Chefredakteurs des „Berliner Tageblatt", Theodor Wolff, angeordnet worden, der sich vor einigen Monaten ins Ausland begeben hat Das Vorgehen der nationalsozialistischen Regierung gegen Theodor Wolff ist um so verblüffender, als dieser Publizist seitdem er Deutschland verlassen hat nicht eine einzige Zeile über die jetzigen deutschen Verhältnisse veröffentlicht und sich auch sonst an keiner Aktion gegen die nationalsozialistische Regierung beteiligt hat Gleichgeschaltete deutsche Zeitungen außerhalb Deutschlands haben vor kurzem diese Tatsache mit Genugtuung vermerkt. Aber selbst die „Berliner-Börsen-Zeitung" verlangte „Repekt vor dieserri Mann!" Unter den außerdem von den nationalsozialistischen Bereicherungsmethoden Betroffenen befinden sich neuestens der Schriftsteller Emil Ludwig, der ehemalige Ministerpräsident Hermann Badt und der Chefredakteur des' „Tagebuch" Leopold Schwarzschild. STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentra'e: III.. Rennweg 112, Tel. U '5-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentralfriedhof, 3. Tor, Tel. LMO-4-53 Eine Richtigstellung, die wir gerne vornehmen, beinhaltet das folgende uns zugekommene Schreiben des ehemaligen Oberregisseurs des Hamburger Deutschen Schauspielhauses Herrn Josef Glücksmann: Sehr geehrter Herr Chefredakteur! In Nr. 47 der sonst so sorgfältig und qualitätvoll redigierten Zeitschrift „Die Wahrheit" stand ein Artikel („Das srnd eure Filmlieb 1 i n g e"), der sich mit der gegenwärtigen un-r menschlichen Haltung -verschiedener deutscher Film- und Bühnenlieblinge beschäftigte. In diesem Artikel wird auch Käthe Dorsch, und zwar in besonders heftiger Weise angegriffen. Zur Wahnug der Wahrheit, die ja nicht eine leere Äffiche sein darf, muß ich Ihnen mitteilen, daß Käthe Dorsch mit dem Ausbruch der sogenannten „nationalen Revo^ lution" nicht aufgehört hat, für alle ihre jüdischen Kollegen einzutreten und zu kämpfen, sofern ihr deren Schicksale bekannt wurden. Jeder informierte Emigrant aus Theaterkreisen kennt einige Fälle, die nur durch die persönliche Intervention von Käthe Dorsch einen versöhnlichen Ausgang fanden. Ich glaube, daß den jüdischen Schauspielern, die es immer noch in Deutschand gibt, besser damit gedient ist, wenn man diese aufopfernde und selbst? lose Tätigkeit von Käthe Dorsch anerkennt. Um so wirksamer und schmerzlicher wird sich das Schweigen der anderen davon abheben. Veröpntlid\unQ<zn der „Union*1 Zur Nachahmung empfohlen. Ein prominentes Mitglied der „Union österreichischer Juden", das mit einem Kaffeehaus im 1. Bezirk in geschäftlicher Verbin- .. dung steht, hat der „Union" Anweisungen zukommen lassen, die den Empfänger zum Bezug einer Gratis jause in diesem Kaffeehaus berechtigen. Die „Union" hat diese Anweisungen an bedürftige Personen — vornehmlich Intellektuelle, denen auf diese Weise auch die sehr vermißte Lektüre von Zeitungen ermöglicht wurde — verteilt und dankt dem hochherzigen Spender, der ungenannt bleiben will, auch auf diesem Wege für seine nachahmenswerte Hilfsbereitschaft aufs herzlichste. Die „Jugend-Union" hat am vergangenen Samstag im Goldsaal des Cafe Silier wieder einen Geselligen Abend veranstaltet, dessen Programm, von Kurt K a r s t e n gut konferiert, recht gediegen war. Wir erwähnen insbesondere die ausgezeichneten Violinvorträge des jungen kanadischen Juden Eugen Cash und die hervorragenden Gesangsdarbietungen von Frau Dr. Paulsen. Die beiden, die viel berechtigten Beifall ernteten, wurden von Dr. B a c h r i c h sehr feinfühlig begleitet. Für stimmungsvollen Humor sorgte der beliebte Klavierhumorist Kraus-Elka. — Auf der Veranstaltung gab sich lebhaftes Interesse für die am Samstag, den 16. Dezember, in den Gesellschaftsräumen des Handelsmuseums stattfindende Große Chanuka-Feier der „Union" kund, zu der Mitglieder und Freunde der „Jugend- Union" im Sekretariat der „Union", IX., Berggasse 4 (Telephon A 19-2-77) und bei den Leitungsmitgliedern Jugend-Karten zum Preise von S 2.— erhalten. Dringender Appell! Ein Schriftsetzer, ein Buchdrucker (Maschinen» meister), ein Goldarbeiter, drei Handelsangestellte aus guten jüdischen Häusern, seit Jahren arbeitslos» bitten um Arbeit Gebt ihnen Arbeit und damit wieder Lebensmut! Freundliche Mitteilungen an das Sekretariat der „Union österreichischer Juden", IX., Berggasse 4, Telephon A19-2-77, erbeten.

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