Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 49 (8.12.1933)
- Date
- 1933-12-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE WAHRHEH einzudringen, trat den Exzedenten ein rumänischer Pfarrer mit den Sakramenten entgegen und beschwor sie, die Kinder zu schonen. Die Exzedenten zogen sich daraufhin von der Schule zurück. Der Innenminister hat den nach Kischinew für den 4. Dezember einberufenen Kongreß der antisemitischen rumänischen Studenten verboten. Der zur Organisierung des Kongresses nach Kischinew gekommene Führer der rumänischen Nationalsozialisten Stefan Tatarescu wurde verhaftet. Polen. Am Jahrestag des Todes des Studenten Grotkowski, am 28. November, veranstalteten Lemberger nationaldemokratische Hochschüler antisemitische Straßenkundgebungen. Auf der Polytecbnik wurden die jüdischen Hörer verprügelt und aus den Vorlesungssälen vertrieben. Auf der Universität kam es zu einem scharfen Zusammenstoß zwischen jüdischen und nationaldemokratischen Hochschülern. Auf dem Rückmarsch vom Traucrgottesdienst für Grotkowski wurden jüdische Passanten überfallen und mißhandelt, in mehreren jüdischen Geschättsladen wurden die Scheiben eingedrückt. Die Polizei verhaftete vier Demonstranten. Die Warschauer Behörden haben den antisemitischen Verein „Rozwcj" wegen Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit aufgelöst. Lettland. Der Senat der Rigaer Universität hat das ihm von der christlichen Studentenschaft uberreichte Memorandum betreffend Einführung des Numerus clausus für jüdische Hörer ad acta gelegt und beschlossen, die Freiheit des Studiums für;: 11 e K o n i e s s i o n e n aufrecht zu erhalten. Griechenland. Im griechischen Senat richtete der oppositionelle Abgeordnete von Saloniki Mavrogordatos eine Anfrage an die Regierung betreftend das Dekret, .durch das der Jörn Kippur zu einem Staatsfeiertag in Saloniki erklärt wird und alle Bürger ,yon Saloniki verpfliohtet werden, ihre Geschäfte an diesem Tage zu schließen. Namens der Regierung erklärte der Volkswirtschaftsminister, auf Grund der Vorschläge des -Generalgouverneurs sei ein neues Dekret erlassen worden, durch das die Verpflichtung, die Geschäfte am Jom Kipur zu schließen, auf ,^ie jüdischen Bürger von Saloniki beschränkt wird. TT Gouverneur Dragoumis hatte die Abänderung des .Dekretes mit Rücksicht auf die bedrohliche anti- Semitische Stimmung, die es in Saloniki fiervorgerufen hatte, beantragt inzwischen geht die antisemitische Hetze in Saloniki in bedrohlichem Umfang iWeiter. Die bevorstehende Bürgermeister wähl &ibt Anlaß zu neuen Angriffen der antisemitischen Zeitungen gegen die Juden Unbedeutende Zwischenfälle '»•ird-n zu ..Verbrechen gegen den Staat" aufgebauscht. JDie Opposition will offenbar durch ihre iudenfemdliche Kanr-agne das Terrain für die Wahl eines „christlichen gegen den „jüdischen" Bürgermeister, wie tle den Kandidaten der Regierungspartei 'pennt, vorbereiten. Der Kommandant des in Saloniki stationierten 3. Armeekorps untersagte in einem Korps- 'r&fehl den Offizieren und Soldaten des Korps, der vor kurzem in eine antisemitische politische Partei umgewandelten nationalistisch-antisemitischen Organisation t. F.. F. beizutreten. h;■■;. liii'üü, if' -Auf Grund der falschen Beschuldigung, die Juden fhätten Bomben für die Gegner des Regimes Grau San Martin1 angefertigt und von den Dächern auf kubanische sMUitärpatrouillen gefeuert hat in Havanna ein scharfer antisemitischer Terror eingesetzt. Tag und Nacht führen Militärpatrouillen im jüdischen Viertel Haussuchungen nach angeblich versteckten iM/affen>üdurch. Es haben sich zahlreiche Fälle yon iPJündcrungen jüdischer Geschäfte HJijd Wohnungen ereignet, sogar auf offenei SträUe wurden einzelne Juden ausge- [T.a/U bjt iDer jüdische Einwohner Jacob Altschul wurde ,w»n. einer Militärpatrouille abgeführt und mit dem Er- .'s^bießen .bedroht Erst gegen ein Lösegeld von 40 Dollar würde er freigelassen. Der Jude Blank wurde von Sol- .datew in.,seiiier Wohnung schwer mißhandelt; eine Gsldisifmme iujd Wertgegenstände wurden von den Soldaten geraubt/TJie Einwohner von Buenavista, einer Vorstadt ~\Qri'Pa\'äfina, sammeln Unterschriften für eine Petition, In'dpr"klie' Ausweisung aller in der Vorstadt ^'^hn^n^en jüdischen Kaufleute verlangt wird. \:...\,t$>£r Rechtsausschuß der Jüdischen Gemeinde Hart^«ja,ha.t, den Generaladjutant der kubanischen Armee JY^sc^,-besucht und ihm die Lage der von Militärabtei- .Juni^/jteflrorisierten jüdischen Bevölkerung geschildert. "Der General versprach, sich um das Los der Juden von jHayaifna,;zu bekümmern. Inzwischen geht der -ßjij't ij^if^i sehe Terror weiter. 'ü' <\;■}> Aber auch England. ^" ,11lti>er'»wachsende Gegensatz zwischen der antisemiti- MiihenrOj^iippe der Imperial Fascists und der von ■Sjlif Oswald Mosley geführten nichtantisemitis]cii'-en.liFaschistenpartei hat in London zu "einem3 blutigen Zusammenstoß zwischen den beiden Parteien geführt Anhänger Mosleys versuchten, eine WfersSihmlüng der Imperial-Faschisten zu sprengen. Es n&tm 'Ku 'Öftiem offenen Kampf, in dem sich die Gegner •mit' Stühlen und Bänken bewarfen. Zehn Personen wurden;^ pg^zur Bewußtlosigkeit mißhandelt Wer führet der Imperial-Faschisten A. Liese und der Häuritpedher der Versammlung General Blakenes wurden.verletzt. Der Angriff der Mosley-Faschisten eriötelev^weil in dem Organ ihrer Gegner behauptet ^vorder)?üvar, Mosley werde von den Juden befrerps<ch4. Seine Bewegung werde durch Juden Una'fcäeW' i Union österreichischer Juden Chonuha-Feier Samstag, den 16. Dezember 1933, in den Gesellsdtaftsräumen des Handelsmuseums, Wien EL, Berggasse 16 Beginn 8 Uhr — Ende 2 Uhr früh — Festkleidung Religiöse Feier: Akademie: Karten im Vorverkauf: Sekretariat der ..Union" IX., Berggasse 4, Tel. A 19-^-77, Redaktion „Die Wahtheit"Il., Heinesti. 13, TeL R 46-2-16 und bei den Mitgliedern des Komitees Eintritt S 2.SO Ingendkarte S 2— Der Reingewinn fließt dem Versorgungshaus der Israelitischen Kultusgemeinde zu. Programm: Oberkantor S. Postolow mit dem Gesamtchor des Müllner-Tempels Festrede: Rabb- Prof. Dr. A. Frankfurter Prof. Josef 2 i m b I e r. Violine — Oberkantor S- P o s t o I o w, hebräische Gesänge — Hilde Dulitzkaja, Gesangsvorträge — Eugen Strenn, humoristische Vorträge — Dr. Max Honig, jüd. Volkslieder — IJsl Brunner (Simpl). Chansons. Eine besondere Überraschung wird außerdem das Auftreten eines prominenten Wiener jüdischen Kabarettisten bieten. - Nadi der Akademie Tanz: Zulu-Band Reichhaltiges Büfett, beigestellt und geführt vom „Union'-Frauenklub In der Provinz entfalten die Imoerial-Faschisten eine intensive Propaganda, insbesondere in jenen Kreisen, in denen Juden ins Parlament gewählt wurden. Vor kurzem wurde ein großes Meeting mit anschließender Straßenkundgebung in Isle Ely. das durch James Rothschild im Unterhaus vertreten wird, veranstaltet Der Führer Liese erklärte, ein einzelner Staat sei nicht in der Lage, die Judenfrage zu lösen; aber alle faschistischen Staaten zusammen könnten sich darüber einig werden, wohin die Juden gebracht werden sollen. Bis es so weit ist, sollen die englischen Juden kein Staatsbürgerrecht haben. vom Staatsdienst ausgeschlossen bleiben und kein Recht haben. Grund und Boden zu erwerben. Am letzten Freitag abends, nach Beendigung des Gottesdienstes schlichen sich Hakenkreuzler in die prächtige Prinzeß-Synagoge zu Liverpool ein und lichteten in dem großen Gebetraum und in den Nebenräumen große Verwüstungen an. Sie b emalten die Wände mit Hakenkreuzen und zertrümmerten die Marmor Skulpturen rings um den Almemor, auch rissen sie die hölzernen Leisten hinter den Bänken heraus und zerbrachen sie. Die Tat kann nur von Erwachsenen begangen worden sein. Das Anmalen von Hakenkreuzen, wie dies in Deutschland aufgekommen ist. in England aber bisher noch nicht geübt wurde, läßt auf eine Initiative seitens deutscher Hakenkreuzler schließen. Man nimmt an, daß die Huligans sich in der Frauenabteilung des Tempels während des Gottesdienstes verborgen hielten und nachher von dort in den großen Betraum herabstiegen. Einen Tag vorher fand in Liverpool ein Massenmeeting der antisemitischen Imperial Fascists statt, die von etwa 8000 Personen besucht wurde. Man bringt die Synagogenschändung mit den zügellosen Hetzreden in dieserVersammlung in Zusammenhang. ' -! Das internationale Emigrantenhilfswerk. Der Verwaltungsrat des deutschen Emigranten hilfswerks ist am Dienstag, den 5. Dezember, im Lau sanner Universitätsgebäude zu seiner ersten Tagung zusammengetreten. Hochkommissar James MacDon a 1 d hielt ein ausführliches Expose über die allgemeine Lage des deutschen Emigrantenproblems und betonte, die Zahl der Flüchtlinge betrage gegenwärtig 60.000, darunter 51.000 Juden; 25.000 Flüchtlinge befinden sich in Frankreich, 6000 in Polen, Moderne Küchen- Vorzimmer- Wohnzimmer- MÖBEL F.KOHN, Wien II TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen — Angeschlossen der „Schomra* 5000 in der Tschechoslowakei und Holland, 3000 in England, 2500 in der Schweiz. Das Problem könne nur durch internationale Zusammenarbeit gelöst v/erden. Die Tagung dürfe drei Tage in Anspruch nehmen. 15 Staaten sind vertreten. Der englische Delegierte, Viscount C e c i 1 of Chelwood, wurde zum Präsidenten ernannt. Der Verwaltungsrat wird die Referate einiger Vertreter der jüdischen und uichtjüdischen Privatorganisationen anhören. Zu diesem Behufe haben sich Dr. W e i zm a n n, Dr. N. G o 1 d ni a n n und ein Vertreter der JCA nach Lausanne begeben. Zu einem Referat über die Lage der aus Deutschland ausgewanderten Gelehrten wurde der Genfer Universitätsprofessor William R a p p a r d eingeladen. Wie der JTA-Vertreter erfährt, besteht eine starke Meinungsverschiedenheit zwischen dem Hochkommissar für deutsche Flüchtlinge James MacDonald und der britischen Regierung in puncto Palästina. Die englische Regierung hat bei Gelegenheit der Schaffung des Amtes eines Emigranten-Hochkom- Sheman Palästina Olivenöl und Tollelteseilen sind in federn Haushalt unentbehrlich! Verlangt sie In euren Einkaufsquellen 1 Zu beziehen durch: Gen.-Repr. S. Rabinowilsch. Wien II., Zirkusgasse 10. Tel. R 48-7-38. missars die Bedingung gestellt, daß Palästina aus dem Tätigkeitsbereich des Hochkommissars auszuschließen sei, da England seihe Befugnis, als Mandatarmacht über den Umfang der Einwanderung in Palästina allein zu bestimmen, gewahrt wissen will. Der Völkerbund hat sich in einer vertraulichen Sitzung mit Englands Bedingung einverstanden erklärt und zugestimmt, daß Palästina aus dem Rahmen der Resolution betreffend die Schaffung eines Flüchtlingsamtes herausfällt. James Mac Donald war zu der Zeit, als er seine Zustimmung zu seiner Nominierung gegeben hat, über diesen Punkt noch nicht informiert. Nunmehr erachtet MacDonald den vertraulichen Beschluß betreffend Palästina als eine Beschneidung seiner Befugnisse und als eine Beeinträchtigung der ihm einzuräumenden Möglichkeiten, zugunsten der Flüchtlinge zu wirken. Er besteht auf seinem Recht, der britischen Regierung Fordeningen betreffend Seßhaftmachung einer gewissen Zahl deutscher Flüchtlinge in Palästina unter einer besonderen Quote zu unterbreiten. Einigkeit im rumänischen Judentum. Nach mehrtägigen Verhandlungen ist es aus Anlaß der bevorstehenden Parlamentswahlen zu einem Wahlbündnis zwischen der von Doktor Theodor Fischer und Dr. Mayer Ebner geführten Jüdischen Reichspartei und der von Dr. Wilhelm Fildermann und Horia Carp geführten Union rumänischer Juden gekommen. Diese beiden Hauptrichtungen im rumänischen Judentum haben der Regierung einen Vorschlag betreffend die Zuerkennung einer bestimmten Zahl von Mandaten an die jüdischen Parteien unterbreitet. Ihre Vertreter verhandelten im Ministerratspräsidium mit dem Ministerpräsidenten D u c a, dem Innenminister I n c u 1 e t z und Staatsminister Dr. NIstor. Die Besprechung wird fortgesetzt werden; sollte sie zu keinem Resultat führen, so werden wohl die jüdischen Parteien mit einer anderen großen rumänischen Partei wegen eines eventuellen Zusammengehens bei den Wahlen Fühlung nehmen. Whmachen unsere gesch. Leser auf das Inserat der Elekiro-Radlo-Material-Firma .1. Hahn, DU Wasagasse 12, aufmerksam. Die Firma Hahn hat sich bereit erklärt, 5 Prozent vom jeweiligen Kaulbetrag an das Hilfskomitee für deutsche Juden abzuführen.