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Die Wahrheit · 1933-12-08 · Heft 49 (8.12.1933) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 49 (8.12.1933)
Date
1933-12-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 3 Verblüffend billige Preise m ö belfabrik: Sigmund Oppenhelm H., PRATERSTRASSE 30 ein religiöses ist. Die Zionisten, die das Judentum als „Nation" werten, verzichten eben dadurch auf die Zugehörigkeit zu einer anderen Nation, aber, sie köilhen einen solchen Verzicht nicht auch denjenigen ihrer Stammesgenossen zumuten, die sich Yooi mosaischen Gesetz religiös orientiert fühlen, ohne das Bewußtsein der jüdischen Schicksals- und Abstammungs-Gemeinschaft je eingebüßt zu haben. Während demnach der von Dr. Czermak behauptete Widerspruch zwischen dem rituellen und dem nationalen Bekenntnis der jüdischen Ässimi- >kuiten in sich zusammenfällt, deklariert sich um so deutlicher der Gegensatz zwischen der von der katholischen Kirche in letzter Zeit betonten Verwerfung des Rassenstandpunkts und der propa-r gan'distischen Anerkennung des Rassenstandpunkts durch den katholisch-klerikalen Vorkämpfer Dr: Czermak. Durch den Kniff, statt „Rasse" immer „Nation" zu sagen, wird dieser Widerspruch nicht verhüllt. Denn der Begriff „Nation" wird entweder vornehmlich sprachlich bestimmt und dann haben die Juden, die weit über die Grenzen des geschlossenen deutschen Sprachgebiets hinaus sich der deutschen Sprache bedienen, ein logisches Recht, sich als Deutsche zu fühlen, oder man deutet den Begriff „blutmäßig", dann stellt man sich eben auf den von der katholischen Kirche täglich aufs neue bekämpften Standpunkt Hitlers. >' Was Dr. Czermak über die Unmöglichkeit nationaler Eingliederung sagt, ist durch die Geschichte widerlegt. Die weltbeherrschende Nation der .Engländer ist erst durch Vermischung der bodenständigen Angelsachsen mit den normannischen Eroberern entstanden. Heute wäre es vergebliche Mühe, diese beiden Urstämme der Britannen voneinander zu sondern. Wenn es relativ leichter ist, jetzt die gleichfalls schon jahrhundertelang in Deutschland miteinander hausenden Germanen und Juden voneinander zu trennen, kommt dies daher, daß die Juden selbst der Vermischung ausweichen. Wenn Hitler heute die Mischehe verbietet, verhilft er. nur einem uralten jüdischen Gesetze zu neuer Geltung. Es ist also absurd, wenn die Antisemiten die Arier vor jüdischen Mischtendenzen schützen zu müssen behaupten. Dies gilt auch in wirtschaftlicher Beziehung. Kein arischer Angestellter wird gezwungen, bei einem jüdischen Unternehmer in Dienst zu treten, kein Christ ist genötigt, bei einem jüdischen Arzte oder Advokaten Rat zu suchen oder in einem jüdischen Geschäfte einzukaufen, und am allerwenigsten ist es für christlichsoziale Parteiobmänner obligatorisch, in den Verwaltungsrat jüdischer Gesellschaften einzutreten. Wem dies widerstrebt, der kann es auch ohne Numerus clausus vermeiden. Ebenso überflüssig wie dieser ist die von Dr. Czermak geforderte Kenntlichmachung der ganz oder teilweise von Juden verfaßten Zeitungen» Die „dem; Staatsvolk angehörenden Leser" erkennen den Unterschied zwischen solchen Blättern' und reih arischen ohnehin schon deutlich genug; die judenreine Presse würde sonst von den Käufern, die in der Zeitungslektüre kein Schlafmittel, sondern geistige Anregung suchen, nicht so konsequent gemieden werden - Wenn Dr. Czermak meint, daß die gesetzlich ^Einschränkung der jüdischen Berufstätigkeit ein Mittel sei, die christliche Jugend von Exzessen zurückzuhalten, sozeigtihmeinBlick auf Ungarn das Gegenteil. Dort ist der Numerus clausus für jüdische Studenten längst Gesetz, trotzdem waren in den letzten Tagen die ungarischen LEOPOLD HASSCHUHE nur VII. BURSeASSE Ö M Alle Radioapparate modernste Typen, stets lagernd J. HAHN, Wien IX. Wasagasse 12, Tel. A13-5-20 Serie Entsprechende Teilzahluneskonditionen / Kostenlose Vorführung in Ihrem Heim / Günstige Gelegenheitskäufe / 5 Prozent des Kauf wertes sehe ich zugunsten des Hilfskomitees für deutsche Juden Provinz- und Auslandversand Hochschulen Schauplätze wüstester antisemitischerExzesse. Völlig rätselhaft ist es, wie Dr. Czermak zu der merkwürdigen Ansicht kam, daß ein jüdischer Vater fast überall die Möglichkeit habe, seine Kinder in jüdische Schulen zu schicken, während es an katholischen Schiüen in Oesterreich mangle. In Oberhollabrunn dürfte eine solche Hypertrophie des lüdisch-konfessionellen Schulwesens kaum zu beobachten sein. Aber das ist ja das Charakteristische für den Antisemitismus, daß er seine Argumentik nicht auf Beobachtungen des realen Lebens stützt, sondern auf hanebüchene Behauptungen. Wer mit Juden und Judentum in lebendiger Berührung steht, sieht keinen Anlaß zu ihrer prinzipiellen Bekämpfung. Die Goebbels-Mark rollt. . . Die folgenden Nachrichten über antisemitische Exzesse in fast aller Welt wird nur verständlich, wenn man die Hintergründe dieser Ausschreitungen kennt. Diese Hintergründe, bezw. die Männer, die dort arbeiten, sind heute überall sehr leicht zu finden. Dr. Goebbels und sein Propagandaministerium arbeiten mit Volldampf____ Der Prager sozialdemokratische „Neue Vorwärts" erfährt aus ganz zuverlässiger Quelle, daß Dr. Goebbels sich vor einigen Tagen im vertrautesten Kreise gerühmt hat, er verfüge allein für die Presse-Propaganda und für den Meinungskauf im Auslande über einen Fonds von 30 Millionen Mark. Nach zuverlässigsten Informationen des „Neuen Vorwärts", die aus dem Propagandaministerium selbst stammen, hat die Hitler-Regierung für Propagandaarbeit im Auslände bisher folgende Summen ausgegeben: Oesterreich: 5,000.000 Mark; Tschechoslowakei: 5,000.000 Mark: Schweiz: 750.000 Mark; Schweden: 500.000 Mark: Belgien: 700.000 Mark; Baltische Staaten: 500.000 Mark; Dänemark: 200.000 Mark; Finn- ' fand: 200.000 Mark; Rumänien: 500.000 Mark; Holland: 1,500.000 Mark; Nordamerika: 4,000.000 Mark; Südamerika: 2,000.000 Mark. ' Zusammen ergibt das also bereits weit über 20 Millionen Mark. Und dabei stammen diese Ziffern ans der zweiten Oktoberhälfte. -£-S Ist es da ein Wunder, wenn diese reiche Saat allerorts blutige Früchte trägt? Ungarn. . :.Der akademische Senat der Budapest er Universität befaßte sich am 29. November mit:.einem Memorandum der drei kameradschaftlichen Vereinigungen der Studenten, irr 'dem gefordert wird, daß die jüdischen Hörer yLd.enHörsälen gesondert an bestimmten i*|ä;tzen sitzen, und daß bei der Aufnahme der indischen Hörer ein Ausschuß in Aktion trete, Iri^dem auch Vertrauensmänner der christ- .liJ:Ü,en Studenten Sitz und Stimme haben sollen. Im Falle der Erfüllung dieser Wünsche werden «eikameradschaftlichen Vereinigungen die Aufrecht-, erhaltung der Ordnung übernehmen und für diese garantieren. Der Universitätssenat hat die Erfüllung aller dieser Wünsche mit der Begründung abgelehnt, daß er die Grundlage der Rechtsordnung nicht verlassen dürfe und es schon im Interesse der Wahrung von Disziplin und Ordnung für unmöglich halte, daß die Hochschuljugend in der gesetzlichen Aufnahmekommission durch Vertrauensmänner vertreten sei; dies würde an die revolutionären Zeiten , erinnern, und die Wiederkehr des Sowjetsystems bedeuten, Der Senat stellte in seiner einstimmig angenommenen Entschließung fest, daß ausschließlich die Universitätsjugend und ihre Aufhetzer Schuld daran tragen, daß die Universität geschlossen, und daß zur Herstellung der Ordnung polizeiliche Hille in Anspruch genommen werden mußte. Deswegen lehne der Senat das Angebot der Studenten, für die Wahrung der Ordnung einzustehen, ab und wolle hierfür selbst gemäß seiner gesetzlichen Pflicht Sorge tragen. Die über diese Antwort des Senats enttäuschten christlichen Studenten versammelten sich in den Abendstunden des 29. November in den hauptsächlich von Juden bewohnten Gegenden, wie Trommel- und Romhachgasse, belästigten die jüdischen Passanten und blockierten die jüdischen Geschäfte, um den Geschäftsgang zu stören. Es kam wiederholt zu Zusammenstößen zwischen den Studenten und der jüdischen Einwohnerschaft Gegen die anmarschierende Polizei schleuderten die Studenten Petarden, gaben Schüsse in die Luft ab und warfen Eisenkabel. Schließlich gelang es der Polizei, die Studenten abzudrängen. Auch am Tage der Wiedereröffnung der Hochschulen kam es in Budapest zu wüsten Krawallen, denen die energischen Behörden durch kraftvolles Eingreifen ein Ende zu bereiten wußten. Die Debreziner Polizei hat in einer Druckerei Flugschriften beschlagnahmt, die von Studenten der jüngeren Semester in den Straßen verteilt wurden. Die Flugzettel, von denen etwa 15000 in die Oeffentlichkeit gelangten, beginnen mit den Worten: „Brudermord begeht jeder, der bei Juden kauft oder mit Juden Umgang pflegt." Des weiteren wird! in -ihnen behauptet, ixt Ungarn befinde sich-der größte Teil der Industrie in den Händen des jüdischen Großkapitals, deshalb sei die christliche Jugend dem Elend preisgegeben. Der Umstand, daß junge Studenten den Boden der akademischen Belange verlassen und den wirtschaftlichen Juden-Boykott propagieren, wird als Beweis dafür angesehen, daß in diesem Falle außerakademische, offenbar deutsche, Einflüsse wirksam sind. Es ist in Ungarn überhaupt ein offenes Geheimnis, daß die neue Unruhewelle an den Universitäten von der deutschen a us 1 ä.nd isehen Propaganda genährt wird, die auf den Ministerpräsidenten Gömbös einen Druck in dem Sinne ausüben will, daß er die Juden von der von ihm angestrebten Arbeitsgemeinschaft ausschließt und eine Politik des antisemitischen Faschismus befolgt. Der Rektor der Universität Peez (Fünfkirchen) teilte dem Kultusminister mit, daß die Studenten ihm erklärten, von ihrer- Seite läge kein Hindernis vor, daß die jüdischen Hörer die Vorlesungen weiter besuchen, sie seien aber nicht Herren der Lage, da außerhalb der Studentenschaft stehende Elemente die Hörer sehr stark beeinflussen. Rektor Doktor P a z m a n y fügte hinzu, er selbst habe sich davon überzeugen können, daß die Vorfälle nicht von der ungarischen Universitätsjugend, sondern „von ganz wo anders" ausgegangen seiea Rumänien. Zelea Codreanu, der Gründer und Führer der terroristisch-antisemitischen „Eisernen Garde", hat seine an die> Adresse der Regierung Duca gerichtete Drohung, er werde den Terrorismus seiner Garde zum äußersten entfesseln, falls die Behörden versuchen sollten, diese zu unterdrücken, schnell wahr gemacht. In Jassy kam es am 28. November zu einer regelrechten Schlacht zwischen der„Eisernen Garde" und der durchMilitär verstärkten Polizei, die vor dem christlichen Studentenheim, dem Hauptquartier der „Eisernen Garde", begann und im jüdischen Wohnviertel von Jassy fortgesetzt wurde, wobei es Tote und Verwundete gab. Die Polizei, die in Erfahrung gebracht hat, daß die im Studentenheim versammelten Codreanu-Leute terroristische Akte planen, zog eine dichte Kette um das Studentenheim und ließ niemanden heraus. Dabei kam es zu Zusammenstößen; aus dem Studentenheim wurde auf die Polizei geschossen. Von außen her versuchten 2000 Codreanu-Leute, der Polizei in den Rücken zu fallen und die belagerten Studenten zu befreien. Jetzt griff das Militär ein und zerstreute die Demonstranten. 2000 Mitglieder der „Eisernen Garde zogen nun in das jüdische Viertel von Jassy und verübten dort einen beispiellosen Terror. In kurzer Zeit waren 200 jüdische Häuser und zahlreiche Kaufläden geplündert und zu einem großen Teil demoliert. Mehrere jüdische Einwohner wurden mißhandelt und zum Teil verletzt. In dem von Juden bewohnten Stadtviertel Kusku bildeten die Bewohner einen Selbstschutz, der den vordringenden Codreauu-Leuten stärksten Widerstand entgegensetzte. Nach einem Kampf, bei dem es auf beiden Seiten Verletzte gab, wurden die Codrcanistcn schließlich abgedrängt, so daß es in diesem Stadtteil nicht zu Plünderungen kam. In den übrigen von Juden bewohnten Stadtteilen aber wurden sehr viele jüdische Wohnungen und Läden geplündert und demoliert. In den Straßen liegen zertrümmerte Möbel und zerstörte Waren in Haufen herum. Die Exzedenten griffen eine jüdische Mädchenschule an und bombardierten das Haus längere Zeit hindurch mit Steinen. Eine Schülerin wurde getroffen und verletzt, einige andere erlitten infolge der Aufregung Ohnmachtsanfälle. Während die Plünderungen und Mißhandlungen noch andauerten, zog Militär in das jüdische Viertel ein, um die Exzedenten zu zerstreuen. Da die Exzedenten, die zu einem großen Teil bewaffnet waren, dem Militär Widerstand entgegensetzten, machten die Soldaten von der Schußwaffe Gebrauch. Drei Mitglieder der „Eisernen Garde" wurden erschossen, mehrere andere erlitten Schußverletzungen. Die Wut der Exzedenten richtete sich nun gegen die Behörden. Ein größerer Trupp der „Eisernen Garde" zcg vor das Haus des Innenministers Incu- 1 e t z, plünderte und zertrümmerte die Inneneinrichtung. Das Töchterchen des Innenministers wurde verletzt. Auch das Haus des Universitätsrektors Bratu wurde bombardiert, und zum Teil zerstört. Der Oberstaatsanwalt Pogona wurde von Exzedenten in seinem Auto überfallen, schwer mißhandelt und verletzt: das Auto wurde vollkommen zertrümmert. Erst am späten Nachmittag trat Ruhe ein. Polizei und Militär verhafteten etwa 150 Mitglieder der ..Eisernen Garde". Große Sensation erregt es, daß die Regierung sich endlich auch an die Person des Führers der „Eisernen Garde". Zela Codreanu herangewagt hat und ihn verhaften ließ. Man sieht darin ein Zeichen,, daß nunmehr gegen die antista.itlichen Elemente energisch durchgegriffen werden soll. Die Leitung der Jüdischen Gemeinde von Jassy hat photographische Aufnahmen der Zerstömngen in den jüdischen Vierteln von Jassy herstellen lassen und wird die Photos einem Memorandum beilegen, das der Regierung zugehen wird. In dem Memorandum wird Schutz der jüdischen Bevölkerung und Ersatz für erlittene Schäden gefordert. Die folgende Episode hat in Jassy starken Eindruck gemacht: Als die „Eiserne Garde" gegen die jüdische Mädchenschule vorging, sie mit Steinen bombardierte und sich anschickte, in die Schule

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