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Die Wahrheit · 1933-12-01 · Heft 48 (1.12.1933) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 48 (1.12.1933)
Date
1933-12-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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meldet habe, zum Offizier ernannt 4ind mit beiden Eisernen Kreuzen ausgezeichnet worden sei. Rechtsanwalt Tietz beantragte die Freisprechung beider Angeklagten. Dr. Rechnitz erklärte in seinem Schlußwort: Meine Väter, sitzen nach den vorhandenen Urkunden seit mindestens 200 Jahren auf deutschem Boden, auf «berschlesischer Erde, Ich kenne kein anderes Vaterland als Deutschland. Ich habe diesem Vaterlande nach meiner Ueberzeugung im Krieg und Frieden sogar über meine Pflicht hinaus treu gedient. Der mir jffMM^rfft Vorwurf, daB ich mir vorsätzlich Handlungen hätte zuschulden kommen lassen, welche die Interessen dieses Landes schwer zu schädigen geeignet seien, ist für mich untragbar und berührt aufs tiefste meine Ehre. Wenn Sie mich durch ein Urteil ins Gefängnis schicken, nehmen Sie mir meine Ehre." Das Gericht verurteilte jeden der beiden Angeklagten zu einem Jahre und drei Monaten Gefängnis. Es rechnete ihnen die Untersuchungshaft erst seit dem 12. Oktober an; eine Anrechnung der zweieinhalb Monate, welche die Angeklagten in Schutzhaft im Konzentrationslager verbracht hatten, war nach dem Gesetze nicht möglich. Die Begründung des Vorsitzenden schloß sich den Ausführungen des Staatsanwalts in allen Punkten an. Palästinas Pforten gesperrt. Eine Abordnung, bestehend aus fünf Mitgliedern der Palästina-Exekutive der Jewish Agency nnd sechs Repräsentanten der gesamten jüdischen Bevölkerung Palästinas, einschließlich der Agudas Jisxoel. erschien beim fti*h Commissioner General Sir Arthur Wanchope aod unterbreitete ihm ein Memorandum, in dem die Regierung ersucht wird, von ihrer jetzigen Politik der Einschränkung der jüdischen Einwanderung und der Deponierung derjenigen Touristen, die sich dauernd im Lande niedergelassen haben, abzugehen und den Bedürfn'ssen Palästinas, dessen Aufbau unter dem Mangel an jüdischen Arbeiterhänden außerordentlich leidet durch eine möglichst liberale Handhabung der Einwanflerungsvorschriften entgegenzukommen. In dem Memorandum wird nochmals die Bewährung der Methode der Jewish Agency bei der Berechnung der Aufnahmefähigkeit des Landes gegenüber der sich wiederholt als irrig erwiesenen Methode des Einwanderungsdepartements der Regierune ins Treffen geführt und auf die in dem Schreiben des Premiers MacDonald an Dr. Weizmann niedergelegten Prinzipien betreffend jüdische Einwanderung und Aufnahmefäh'Ekeit hingewiesen Der Präsident des Waad Leumi. der Arbeiterführer Ben Zwi, gab eine mündl'che Ergänzung zu dem Inhalt des Memorandums und wies insbesondere auf den herrschenden Mangel an geschulten Arbeitern hin. der auf die unzureichende Schedule für Chaluzim zurückzuführen ist. Die drakonischen Ausweisungen von Touristen seien eine allzu grausame Strafe für Menschen, die nichts anderes getan haben, als daß sie ihre Aufenthaltserlaubnis überschritten haben, weil es ihnen gelungen war, ohne irgend jemand zu schaden, sich indieArbeits-und Wirtschaftsfront des Landes einzugliedern. Ben Zwi ersuchte den High Commissioner, die Position der sogenannten illegalen Einwanderer endgültig zu regeln und wies insbesondere darauf hin, daß eine illegale Einwanderung von Arabern, •und zwar nicht allein aus Transjordanien, sondern auch über die anderen Grenzen und die Häfen ununterbrochen vor sich seht Der Vizebürgermeister von Tel Aviv, Herr; Rokach, erklärte dem High Commissioner. in Tel Aviv bestände ein schon krisenhaft wirkender Mangel an Arbeiterhänden. Gebäude, die mit einem Kostenaufwand von über einer Mill'on Pfund errichtet werden, bleiben unvollendet weil es an Bauarbeitern fehlt Auf diese We'se kann der Ueberfüllung Tel Avivs nicht begegnet werden und die W o h n u n g snot wird stabilisiert Rokach machte den Vorschlag, daß ein ständiges jüdisches Einwanderungskomitee gegründet werden solle, das den zustand gen Stellen über die Lage am Arbeitsmarkt und die wirtschaftliche AbsorpFonsfähifcke't des Landes berichten soll; namentlich auch darüber, wie weit die sogenannte illegale E'nwanderung dem Lande wirtschaftlich nützt oder schadet. Der Vertreter der Agudas Jisroel Rabbi Blau gab eine eindrucksvolle Schilderung der Not der ausgewiesenen oder von der Ausweisung bedrohten „Touristen". Diese Massenausweisungen, rief Dr. Blau, bringen das Leben in Palästina aus den Angeln; zahlreiche Familien sind dem Ruin preisgegeben. Der Führer der jüd'schen Kolonisten Jochowitzki wies nach, daß die jüdische Arbeit in der Sharon-Ebene zur Bereicherung der benachbarten arab'schen Siedlungen geführt hat Löwin, der Vorsteher 4er jüdischen Gemeinde Haifas, sagte dem High Commissioner. er selbst sei vor 40 Jahren als Tourist nach Paläst'na gekommen und habe sich dann seßhaft gemacht Es sei dies fast ein normaler Weg für Juden, sich in Palästina seßhaft zu machen, indem sie .zuerst als Touristen das Land und seine Möglichkeiten kennenlernen. Die Erwiderung Wauchopes. General Sir Arthur Wauchope, auf den die Auslührungen der jüdischen Repräsentanten der JTA. zufolge sichtlich Eindruck gemacht haben, erwiderte: flagefs Selchwaren-Restaurant Selcltire« im dar Fabrik Elsen & Hönlgsber Srreng orth. "BD (Unter Anfutbt der Adu-Jioroel-ScWf&chnl) Wmn II., PraterstraBe 33, Telephon R-47-4-49 Menü von 8 2.— aufwärts. Hochzeiten und Banketts werden bestens arrangiert Die Regierung sei sich dessen wohl bewußt daß die Juden in manchen Ländern grausamen Härten unterworfen sind: dennoch aber könne für die Palästina-Einwanderung kein anderes Prinzip maßgebend sein als das der Aufnahmefähigkeit des Landes. Der High Commissioner wies darauf hin, daß nicht nur Judensondern auch Araber, de keine Aufenthaltserlaubnis haben, deportiert werden. Zum Schluß sprach der High Commissioner die Hoffnung aus, daß die Mitglieder der Deputation und d'e Jewish Agency mit der Regierung zusammenarbeiten werden, dam't eine ungesetzliche Einwanderung in Zukunftunterbleibt * Die „Touristen-Jagd". Fünf aus dem Irak stammende Juden, von denen vier seit mehreren Jahren legal in Palästina wohnen und der fünfte sogar in Jerusalem geboren wurde, erschienen in der Jerusalemer Redaktion der Jüdischen Telegraphen-Agentur und berichteten, daß sie als „illegale Einwanderer" von Polizisten zur Wache gebracht wurden, wo sie sich durch Vorzeigen der Pässe legitimeren mußten. Danach wurden sie entlassen, wobei sich der Chef der Wache bei ihnen entschuldigte. Einer der Irak-Juden besitzt einen Laden direkt neben der Wache, die anderen waren seine Kunden. Dieser Moderna KQchen- Vor zlmmer- Wohnzimmer- MÖBEL BRIGITTENAUER ISRAELIT. TEMPEL VEREIN Wien XXn Kluckygasse 11___ *?es*gotftes€lienstf anläßlich des 80. Geburtstages des Obmannes Josef Kobn. am 10. Dezember 1933, 3.45 Uhr. Mitwirkend: Oberkantor J. Mann aus Brünn, verstärkter Chor der Israelitischen Kultusgemeinde unter Leitung des Herrn Kurt Fuchsgelb. Karten in der Tempelkanzlel täglich von 4 bis 6 Uhr erhältlich. Das Reinerträgnis ließt den Vereinen zur Ausspeisung armer Kinoer und Erwachsener des 20. Bezirkes zu. F.K OHM, Wien II TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen — Angeschlossen der „Schomra* Vorfall ist einer von den vielen, die sich angeschts der andauernden Jagd nach Touristen täglich in den Straßen Jerusalems ereignen. So wurde der Sekretär der Kulturkommission der jüdischen Arbeiterföderation (Histadruth Haowd'm), Johuda Schimoni, der seit 12 Jahren in Palästina wohnt, verhaftet und erst nach längerem Verhörfreigelassen.. Wie der Jüdischen Telegraphen-Agentur von der Palästina-Executive der Jewish Agency mitgete'lt wirdist die Verordnung der Regierung, durch die die Zahl der Schiffspassagiere, die in palästinensischen Häfen landen dürfen, begrenzt wird, nur als vorübergehende Maßnahme gedacht. Der Verordnung zufolge können die Schiffe 400 Einwanderer, Touristen nicht eingerechnet, an Bord haben, von denen je 200 in Haifa und in Jaffa an Land gehen können. Diese Maßnahme kann nicht als Einschränkung der Einwanderung aufgefaßt werden; die Zahl der der Agency zur Verfügung gestellten Zertifikate läßt die Indienststellung von Schiffen größeren Fassungsraumes nicht zu. Antienglische Demonstrationen in Warschau. Mehrere hundert Mitglieder der Jabotinsky-Fronten Brith Hechajal und Brith Trumpeldor demonstrierten dieser Tage vor dem englischen Konsulat in Warschau gegen die Einwanderungspolitik der Palästinaregierung Polizei zerstieute die Demonstranten und verhaftete enige von ihnen. In Warschau hat sich auch aus den gleichen Gruppen eine Gesellschaft gebildet die für die Uebernahme des Palästinamandats durch Polen nach Ablauf des jetzigen englischen Mandates über Palästina eintritt . * * Die unversöhnlichen Araber. Die Palästina-Regierung hat eine Kommission zur Untersuchung der Ursachen und Hintergründe der jüngsten Araber-Unruhen in Palästina, die zum Protest gegen eine angeblich zu hohe jüdische Einwanderung organisiert worden waren, •eingesetzt Leiter der Kommission ist Sir William Muri s o n, der seit 1925 bis vor kurzem Oberstrichter der Straits Settlements und vorher Richter am Appellationsgericht von Ostafrika gewesen war. Die arabische Exekutive hat beschlossen, die Murison-Kommission zu boykottieren und am 9. Dezember eine Gedächtnisfeier für dte bei den letzten Unruhen getöteten Araber zu veranstalten. (Bekanntlich hat die arabische Exekutive auch die nach den Unruhen des Jahres 1929 eingesetzte Kommission unter Sir Walter Shaw nicht anerkannt Später jedoch gingen die Araber von diesem ihrem Standpunkt ab und beauftragten den Anwalt W. H. Stoker mit ihrer Vertretung vor der Shaw-Kommission.) Die arabische Zeitung „Fa last in" veröffentlicht ein Interview mit dem wegen Teilnahme an den Jaffaer Exzessen verurteilten und gegen Kaution auf freiem Ful gesetzten Mitglied der arabischen Exekutive Jamal el Hussein i, in dem dieser erklärt die arabisShe Exekutive berate über einen Plan zur Fortführung ihres Kämpfes gegen jüdische Einwanderung. Die Einstellung des Streiks sei nicht etwa auf Versöhnungsabsicht oder auf Schwäche zurückzuführen, sondern sollte ledigen eine Kampfpause einleiten, um dem High Commissioner die Möglichkeit zu geben, die an ihn gelangten Petitionen zu lesen und zu prüfen. (An den beiden Verhandlungstagen gegen die der Teilnahme an den. Unruhen beschuldigten Araber hat auch tatsächlich wieder ein arabischer Streik stattgefunden. Es ist vorläufig noch nicht abzusehen, wie weit dieser neuen Streikparole gefolgt wurde. Die Red.). Zum Schlüsse stellte Husseini die Forderung nach lückenlosem Boykott der Juden und ihrer Produkte durch alle Mohammedaner und eingeborenen Christen auf: durch einen solchen Boykott warde dem Kampf um Einstellung! der jüdischen Einwanderung größerer Nachdruck verliehen werden. # Fromme Wünsche. „Osservatore Romana", das offizielle Organ des Vatikans, knüpft an einen längeren Bericht über die letzten Ereignisse in Palästina den Wunsch, daß die beiden semitischen Völker. Araber und Juden, sich vereinen mögen auf einer Plattform der Arbeit, damit endlich einmal „der Friede herrsche auf den Bergen Zions". * * * Der gesetzgebende Rat kommt. In der Abendsitzung des englischen Unterhauses vom 23. November fragte Coionel Josiah Wedgwood den Minister für die Kolonien. SirPhilipCunliffe- L i s t e r, welche besonderen Versprechungen seinem Vorschlag, in Palästina eine verantwortliche oder repräsentative Regierung zu schaffen, zugrunde lägen und ob er dessen sicher sei, daß der Wegfall der Kontrolle durch das englische Parlament von allen Teilen der palästinensischen Bevölkerung gewünscht wird. In Beantwortung dieser Anfrage erklärte der M i n i s t e r, die Annahme des Abgeordneten Wedgwood; es sei irgendein Vorschlag gemacht worden, in Palästina eine sedbsjtäSnd.äge Regierung 'zu1 bilden, sei irrig. Die Absicht der Regierung Seiner Majestät, in Palästina einen Legislative Council einzusetzen, sei bereits in dem Statement of policy vom Oktober 1930 (Passfield'sches Weißbuch) angekündigt worden. Dieser Absicht entsprechend habe der High Commissioner im November 1932 der ständigen Mandatskommission des Völkeibundes mitgeteilt, daß Schritte zur Verwirklichung des Gedankens des Legislative Council gemacht werden sollen, sobald die neue Gemeindeordnung der PaIästina-Regierung in Kraft gesetzt sein wird. „Darf ich fragen," wandte sich Coionel Wedgwood nochmals an Sir Philip, „warum wir in Palästina nicht die in Cypern so erfolgreich befolgte ßolitik anwenden können, sondern statt dessen uns die Praxis des Indien-Amtes zu eigen machen, indem wir uns der Verantwortung gegenüber unseren Freunden entziehen und unsere Feinde zu besänftigen versuchen?" Sir Philip Cunliffe-Lister antwortete: „Ich glaube nicht, jemals einen unrichtigeren Vorschlag in einer Ergänzungsfrage gehört zu haben, als den soeben gemachten. Wir entziehen uns keiner unserer Verpflichtungen. Unsere Pflichten und unsere Verantwortung in Palästina werden unverändert weiterbestehen, ob nun ©in Legislative Council eingesetzt wird oder nicht." .„Welcher Zweck wird damit verfolgt," fr?gte Coionel Wedgwood weiter, „daß ein repräsentativer Rat eingesetzt wird, wenn wir weiterhin die gleiche Verantwortung tragen?" ' ' Das zeitgemäße Chanukageschenk: Die Sicherung eines Studien- oder Ausstattungsbeärages für Söhne und Töchter am S 1.— bis S 10.— monatlich durch den ..tfamiUenscftutz" gemeinnützige Vereinigung für Familienfürsorge Der „FAMILIENSCHUTZ'- stellt die Leistung bei der Lebensversicherungsgesellschaft J>hönix?- s eher Der „FAMILIFNSCHUTZ" wird von der Wiener Kultusgemeinde befürwortet Ein Anruf der Nummer R 43-500 genügt! Adresse: „PamHIansckafs", It.. AspernbrBckengatxet 2

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