Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1933-12-01 · Heft 48 (1.12.1933) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 48 (1.12.1933)
Date
1933-12-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3064350-3064396--19546-3084695
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Menschenliebe und Brüderlichkeit nur den angeblichen Zielen der jüdischen Weltverschwörung diente, einen Widerspruch mit den christlichen Lehren erblickt. Indes ist es nicht unsere Aufgabe, die Würdenträger der katholischen Kirche auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die weniger unserer, als ihrer Religion von einer allzu hemmungslosen Judenhetze drohen. ..Eine genug deutliche Warnung ist ja das, was jetzt im Schöße der protestantischen Kirche Deutschlands vorgeht, wo die logische Konsequenz des Antisemitismus bereits zu einem mächtigen Abfäll von dem „verjudeten" Fundament aller christlichen Religionen geführt hat. Denn schließlich ist das ganze Neue Testament auch nur ein Protokoll von Weisen aus Zion ... Dr. Hugo S p i e g 1 e r. GoldpUrii Maimonides über die Protokolle derWeisenvon Zion. Von Chajim Bloch. Die gegenwärtig gegen Personen, welche de ■•Protokolle der Weisen von Zion" verbreiteten, vor dem Strafgericht in Bern stattfindenden Verhandlungen halten weite judische und auch nichcjfidische Kreise in Spannung. Nach diesen „Protokollen" hatten die Delegierten des ersten Zionistenkongfesses in Basel im Jahre 1897 unter dem V.o.rsitze Theodor Herzls einstimmig beschlossen, durch die Niederzwingung der europäischen Staaten-die Herrschaft der Welt an sich zu. reißen. Die ^Protokolle" sind bis nun in 23 Sprachen — auch in arabischer, koptischer und türkischer — in unzähligen Auflagen verb.ertet und Judenfeinde schwören auf ihre Echtheit wie auf die Bibel oder den Koran. ,.; Zum erstenmal wird nun auf Anordnung des Berner. ■ Gerichtspräsidenten eine gerichtliche Untersuchung über die Echtheit dieser Schrift stattfinden. EsrsoIIen Sachverständige ihre Gutachten abgeben und noch lebende Delegierte des ersten Z onistenkongresses als. Zeugen einvernommen werden. Ob durch das Ergebnis der Untersuchung der Wahrheit Geltung verschafft werden wird, ist noch sehr fraglich. Judenfeinde werden sich auf die Befangenheit der Sachverständigen u. dgl. auszureden wissen... i Indessen ist in dem aus dem Mittelalter stammenden rabbinischen Werke ..Mi sehn ah Thor ah" eine Stelle zu finden, die eindeutig beweist, daß die „Protokolle" von Juden nicht stammen können, einfach weil ihr'Inhalt mit der in der betreffenden Stelle zum Ausdruck kommenden Auffassung des Judentums in krassem Widerspruche steht. Das genannte Werk „Mischnah Thorah" (auch „Jäd hachasakah" betitelt) hat den bekannten jüdischen Rel'gionsphiiosophen Moses ben Maimon (Näheres über ihn in jedem deutschen Lexikon) zum Verfasser. Er lebte im 12. Jahrhundert und legte im gedachten Gesetzbuch, das auf Bibel und Talmudtradition begründet ist, in mehreren Abschnitten das Leben der Juden nach Ankunft des von ihnen erwarteten Messias, bzw. nach ihrer Erlösung aus der Diaspora und Neueinordnung in fiirer relig'ös-staatlichen Heimstätte in Palästina, zurecht Der letzte Abschnitt befaßt sich ausschließlich mit den „Gesetzen für die Könige". Schon diese Tatsache allein beweist, daß im echten religiös-bewußten Judentum eine Staatsform, wie sie in den .Protokollen" angestrebt wird, ausgeschlossen ist. Der sechste Absatz beginnt mit den Worten: „Man fange mit keinem Menschen in der Welt einen Krieg an. ehe man ihn zum Frieden aufgefordert hat". Im zwölften Absatz gibt aber Maimonides ganz am Ende e:ne Erklärung, wozu das Judentum seine Erlösung anstrebt Die Stelle ist höchst interessant und lautet in deutscher Uebersetzung: „Es sehnten sich die Weisen and Propheten (Israels) nach dem Messias, nicht am die Kauze Welt zn beherrschen, nicht um die götzendienerischen Völker zu bedrücken, auch nicht, damit die Nationen der Welt Israel erheben, auch nicht am zu essen and zn trinken und sich der Freude hinzugeben, sondern einzig und allein, um sich der Lehre und der Weisheit zuwenden zu können, ohne von Jemandem bedrängt und behindert zu werden. Und In iener Zelt wird es keinen Hungen keinen Krieg, keine Mißgunst und keinen Streit geben, denn das Gute wird in Fülle vorhanden sein." War dieser hervorragende Lehrer des Judentums, der auch bei den modernen Juden größte Verehrung genießt, dessen Entscheidungen noch heute volle Kraft besitzen, ein Hellseher? Woher wußte er im Mittelalter, daß acht Jahrhunderte nach seinem Tode diese „Protokolle" entstehen werden, d e er durch seine Erklärung im vorhinein widerlegt? Oder ist das einer besonderen göttlichen Fügung zuzuschreiben? : >.; Es ist zu bedauern, daß den Forschern — und ailen voran unserem verstorbenen Freund B. Segel —die in langen wissenschaftlichen Abhandlungen die Ünechtheit der ..Protokolle" nachwiesen, diese Maimoajdes-Stelle entgangen ist. Hätte jemand gleich nach <Jem Bekanntwerden der „Protokolle" auf diese Stelle fängew'esen, dann wäre vielleicht den verschiedenen Herausgebern, von Gottfried zur Beek bis Theodor Gritsch, die Lust vergangen, sich mit der Verbreitung deser gefälschten Schrift zu beschäftigen, und sie wären längst in Vergessenheit geraten. fi In Verfolg dieser falschen „Protokolle" wurde später ein ..Brief" des Rabbiner Chamor von Arles aus dem-Jahre 1489 ..entdeckt", in welchem er von der jüdischen Gemeinde in Konstantinopel darüber Rat erbat, wre;die Juden sich in Fällen, wo ihnen der Uebertritt zum Christentum oder Landesverlassen aufgetragen wird, zu verhalten haben. Die angebliche Antwort des ..Fürsten der. Verbannung" in Konstantinopel vom 21. „Carlin" (?) 1489, an seine „vielgeliebte Brüder in Mose" ist " der beste Beweis, welche Kraft der Ueberzeugung gerade e'ne Fälschung haben kann — wenn es sich darum handfelti'gegen eine verhaßte Menschengruppe Feindschaft zji;.stiften! Brief und Antwort wurden unzähligemal in antisemitischen Hetzblättern ganz abgedruckt oder auf sie'Bezug genommen. iftj y ..... Kein geringerer als Hans Blüher. der deutschvölkische Philosoph, nahm diese ..Antwort" zum Anlaß, um e'n ganzes Buch. „Die Erhebung Israels gegen die christlichen Güter". zu schreiben! Der „Fürst der Verbannung" erteilt den Juden in Frankreich im Namen der großen Rabbiner den „Rat" — „das Christentum anzunehmen"! Sie sollen aber ihre Kinder Kaufleute werden lassen, auf daß sie nach und nach die Christen der Güter berauben: ihre Kinder Aerzte werden lassen, damit sie den Christen das Leben nehmen: ihre Kinder Domherren werden lassen, damit sie die Kirchen zerstören: ihre Kinder Advokaten und Notare werden lassen, daß sie sich immer in die Staatsgeschäfte mischen und die Christen unterjochend, die Welt beherrschen können. „Weichet nicht ab", warnt der „Fürst der Verbannung", „von diesem Befehl, den wir Euch geben, denn die Erfahrung wird Euch lehren, daß durch Unterjochung Ihr zur höchsten Spitze der Macht gelangen werdet" Nun ist die Fälschung offenbar. Einen Rabbiner namens .-Chamor" hat es nie gegeben. Das Wort, das heutzutage vielen Deutschen geläuf g ist heißt zu deutsch „Esel", und jeder vernünftige Mensch wird es verstehen, daß die Juden sich diese Namen nicht beigelegt haben, schon aus dem Grunde n'cht weil jener heidnische Fürst, der ihn zuerst trug, sich an der Tochter des Erzvaters Jakob vergangen hat Ein Rat des „Fürsten der Verbannung", das Christentum anzuneh- Alie Radioapparate modernste Typen, stets lagernd J. HAHN, Wien IX. Wasagasse 12, Tel. A13-5-20 Serie Entsprechende Teilzahluneskondltionen / Kostenlose Vorführung in Ihrem Heim / Günstige Gelegenheitskäufe / 5 Prozent des kaufwertes gebe ich zugunsten des Hilfskomitees für deutsche Juden Provinz- und Auslandversand men, ist unmögl'ch, denn alle Welt kennt die Antwort, welche die Juden in Spanien. Portugal und in anderen Ländern auf eine solche Aufforderung gaben: sie beauch deutsche, kulant gesucht unter ,,Schillingwährung" an die Administration des Blattes. st:egen den Scheiterhaufen und ließen sieb verbrennen. Konstantinopel war nie der Sitz eines „Fürsten der Verbannung", überdies ist aus jedem Geschichtswerk zu ersehen, daß bereits im Jahre 940 christlicher Zeitrechnung die Würde eines „Fürsten der Verbannung" aufgehoben wurde. (Vgl. ..Geschichte des jüdischen Volkes seit der Zerstörung Jerusalems" von Prof. F. Heman, einen verbissenen Judenfeindes. Stuttgart 1908, Seite 118.) Hans Biüher behauptet u. a., daß nach „jüdischhohenpriesterlicher Auffassung" es nur ein Volk gibt, in Wahrheit Volk ist, nämlich das jüdische, und stützt seine Behauptung auf einen Ausspruch: „Alle Völker werden vergehen, Israel aber wird ew'g leben". Die Wiedergabe dieses rabbinischen Spruches ist gefälscht Die Stelle f'ndet sich Kohelet r. Abschn. I und lautet richtig: „Ein Königreich kommt ein Kön'greich geht, Israel aber wird ew'g bestehen." Von Völkern ist hier keine Rede. Der Ausspruch birgt Worte des Trostes an das vom Königreich Rom verfolgte Israel« stammt von einem harmlosen Rabbi Jizchak und hat mit der „hohepriesterlichen Auffassung" nichts zu tun. Blüher ist es entgangen, daß die Auserwählthe't des jüdischen Volkes an eine Bedingung gebunden ist nämlich „daß Israel den Willen Gottes tut". Denn so heißt es im Talmud: „Wenn Israel nach oben schaut, sie ihr Herz ihrem Vater im Himmel unterwerfen. — s'e siegen. Wenn aber nicht — sie unterliegen. Wenn Israel nach oben schaut, sie ihr Herz ihrem Vater im Himmel unterwerfen, so genesen sie. Wenn aber nicht — sie siechen dahin!" (Rosch Haschana 29a.) Blüher führt den „ausgezeichneten Kenner des Judentums", Gustav Meyrink. den Verfasser des „Golem"-Romanes als Zeuge über die Oualität des ..jüdischen Blutes" und zitiert eine Stelle aus dem genannten Roman zur Bekiäft'gung der Blutbeschuldigung. Die Stelle lautet: „Diese Stämme hegen einen heimlichen Ekel und Abscheu voreinander, der sogar die Schranken der engen Blutsverwandtschaft durchbricht, aber s'e verstehen ihn geheimzuhalten vor der Außenweit wie man ein gefährliches Geheimnis hütet." (Sperrung von Blüher.) Die Folgerungen, die Blüher aus dieser Stelle z'eht sind sehr kompliziert Eigentümlicherweise verschweigt er. daß Gustav Meyrink selbst dieses „ekelhafte verfluchte Blut" in sich trägt, denn er ist bekanntlich selber jüdischer Abstammung. Er konnte zwar kein Wort Hebräisch lesen, es glückte ihm aber mit Hilfe einiger polnischer Stammes* brüder, e'n paar Brocken „jüdischer Weisheit" autzutreiben, und es schmeichelte ihm. als ausgezeichneter Kenner des Judentums und der hebräischen Mystik gefeiert zu werden. Ein ungeheuerliches Urteil! Motto: Relchsiusdzmlnlster Doktor Frank auf einem Generalappell der deutschen Rechtsfront: „Wir deutschen Juristen bekennen uns zum Antisemitismus nicht aus Haß gegen die Juden, sondern aus Liebe zum deutschen Volk." Vor dem Breslauer Sondergericht hatten sich der Verwaltungsdirektor der Breslauer Judischen Gemeinde, Amtsgerichtsrat a. D. Dr. Ernst Rechnitz, und der Handlungsgehilfe Albert Rosenthal wegen „Verbreitung von Greuelnachrichten" zu verantworten. Rosenthal hatte Dr. Rechnitz als verantwortlichem Schriftleiter des Qemeindeblattes einen Artikel „Ich suche meine Brüder" eingereicht. Der Zweck seiner Ausführungen sei, so betonte er vor Gericht, gewesen, das Gewissen der jüdischen Arbeitgeber zu schärfen. Er, der durch mehr als zweijährige Erwerbslosigkeit die Schrecken dieses Zustandes am eigenen Leibe genügend kennen gelernt, habe mit Grauen gesehen, wie nach der „nationalen Revolution" die Möglichkeit für jüdische Angestellte, einen Arbeitsplatz zu finden, immer mehr geschwunden sei und wie sich insbesondere auch jüdische Arbeitgeber ihrer Pflicht, Juden einzustellen, entzogen hätten. Dr. Rechnitz erklärte, er habe in dem Artikel gleichfalls nur die ihm von Rosenthal im April einmal mündlich auseinandergesetzte Tendenz gesehen, jüdischen Arbeitgebern ins Gewissen zu reden. Die Anklage erblickte das „schwere Vergehen" der Angeklagten vor allem in zwei Stellen des Aufsatzes. An der einen hatte Rosenthal ausgeführt, daß der deutsche Jude durch seine wirtschaftlichen und kulturell en Erfolge bei seinen deutschen Volksgenossen vielfach Haß erregt habe, an der anderen, daß er jetzt nicht nur Kämpfer, sondern weit mehr Märtyrer geworden sei, der s c h u t zu n d wehrlos allenAnfeindungen preisgegeben sei. Der Vertreter der Anklage führte aus, es sei wirklich eine falsche Darstellung, wein* behauptet werde, daß bei dem Vorgehen der NSDAP, auf welche der Artikel doch offenbar gemünzt sei, Mißgunst und Haß eine R 011 e s p i e 11 e n; die NSDAP wende sich gegen die Juden nicht wegen ihrer Erfolge, sondern wegen ihrer Rasse (!). Ganz besonders verwerflich sei die Behauptung, daß der deutsche Jude irgendwelchen Anfeindungen und Ehrverletzungen schütz- und wehrlos preisgegeben gewesen sei: damit werde eine Pflichtverletzung der Regierung und der Justiz behauptet. Der Staatsanwalt forderte die Verurteilung der beiden Angeklagten zu je einem Jahre und sechs Monaten Gefängnis. Rechtsanwalt Walter Tietz wies darauf hin. daß sein einstiger Regimentskamerad Dr. Rechnitz 1914 freiwilliginsFeldgegangen sei, nach sehr schwerer Verwundung sich freiwillig wieder ins Feld ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.