Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 48 (1.12.1933)
- Date
- 1933-12-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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UEOPOLO. nur VII. &UR.6ÖASSE x5 aber, daß hier nicht allein Jakob gegen Esau kämpft und im nächtlichen Kampfe mit Esaus Dämon ringt. Es scheint, daß die gesittete, kultivierte Menschheit an einer Weltwehde stünde im Kampfe mit allen bösen Gewalten des Hasses und der Ausrottung aller Begriffe von Gerechtigkeit. Glauben, .Wahrheil und Tugend. An Stelle der großen Erzieher und Lehrer sind Verführer getreten, erfüllt von Machtgelüsten und wahnwitziger Selbstüberhebung. Wir wollen uns gemäß unserer wahrhaft heiligen Ueberlieierung in die Reihen der Erzieher und Lehrer stellen und das jüdische Volk in seiner festgeprägten Eigenart erhalten, uns, wie bisnun immer in der Weltgeschichte, den Kulturvölkern anschließen, welche zu ihrer welthistorischen Aufgabe nicht allein die Besorgung der materiellen und politischen Geschäfte gemacht haben, sondern die Erziehung der treuen Kinder des Vaterlandes und der Heimat zu wahrhaft edlen, guten, gerechten, liebevollen, gläubigen Menschen. FERROCART Ein Kirchenlicht im Schatten. Endlich ist es uns Juden geglückt, mit der Ueberprüfung der berüchtigten „Protokolle der Weisen von Zion", dieses Evangeliums des modernen Antisemitismus, einen ordentlichen Gerichtshof zu befassen, so daß die Entlarvung dieses Machwerkes als das, als was es sich jedem einsichtigen Menschen von selbst deklariert, nämlich als plumpe Fälschung, mir noch eine Frage weniger Wochen ist Es hat an jüdischen Versuchen, ein solches für die ganze Welt autoritatives Urteil über das Werk, das die angebliche Verschwörung der Judenheit zur Erlangung der Weltherrschaft aufdecken soll, vom. ersten Auftauchen der Schrift an Jiiemals gefehlt Wiederholt wurden von jüdischer Seite Prozesse gegen die Verbreiter und Nutznießer dieses Pamphlets angestrengt, es hat auch an mehr oder minder harten Urteilssprüchen gegen die jeweils Angeklagten nicht gefehlt, aber eine Verurteilung des Buches selbst, eine klare Feststellung, daß es sich um eine Unterschiebung von Plänen und Gedanken handelt, die weder im allgemeinen jüdischen Köpfen noch im besonderen den Teilnehmern am ersten Zionistenkongreß, um dessen Protokolle es sich angeblich handelt, irgendwann in den Sinn gekommen sind, scheiterte bisher immer wieder an formalistischen Gründen, .die die Gerichte hinderten, auf das Buch selbst näher einzugehen. Das Bezeichnendste dabei ist, daß die Einwendungen gegen eine gerichtliche Untersuchung des Buches nie von selten der Juden erfolgte, die eine öffentliche Diskussion ihrer „Geheimnisse" nicht joi scheuen. haben,. sondern merkwürdigerweise immer von -Seiten der anderen, die doch das größte Interesse: daran gehabt hätten* die Glaubwürdigkeit ihrer Itiform'äßorisquelle einwandfrei überprüfen zu lassen. Auch diesmal würde von"nationalsozialistischer Seite Versuche unternommen, dem ordentlichen gerichtlichen Verfahren, das den wahren Charakter der geistigen Grundlage des Nationalsozialismus eruieren soll, Schwierigkeiten in den Weg zu legen. Doch sind diese Versuche an der Objektivität des Gerichtes gescheitert, das Berner Gerichtverfahren nimmt seinen ordnungsgemäßen Verlauf und wird hoffentlich die wünschenswerte Klarheit über die „Protokolle der Weisen von Zion", die mit Zion genau so wenig zu tun haben wie mit Weisheit, bringen. In diesem Prozeßstadium verlangt das einfachste Anstandsgefühl eine Zurückhaltung subjektiver Parteinahme bis zur objektiven gerichtlichen Entscheidung, die ja nicht mehr allzulange auf sich warten lassen wird. In allen Kulturstaaten der Welt gilt es als unzulässig, daß Außenstehende in ein schwebendes Gerichtsverfahren kritisch einzugreifen versuchen. Wer dies trotzdem unternimmt, lädt schon durch diese Tatsache den Verdacht der Unfairneß auf sich. Und deshalb greift man nur mit tiefstem Mißtrauen nach dem eben jetzt im Grazer Styria-Verlag erschienenen Buche des Pfarrers Gaston Ritter „Das Judentum und die Schatten des Anti-Christ", das einen „Blick hinter die Kulissen der politischen We 11bü h n e" gerade in dem Moment verheißt, in dem ein hiezu in ungleich höherem Maße befugter Schweizer Gerichtshof den Vorhang von derselben Bühne heben und die Kulissenschieber dem verräterischen Rampenlichte preisgeben will. Und schon ein flüchtiges Durchblättern des Buches zeigt die Berechtigung des Mißtrauens. Denn der Autor verrät ganz unzweideutig seine Absicht, dem Prozeß in Bern vorzugreifen und das zu erwartende Urteil im voraus ad absurdum zu führen: „Ganz und gar müßige Arbeit ist der Streit um die Echtheit der Protokolle, von den Juden schlau entfacht, leider (!) nicht ohne Erfolg . . . Die Frage ist nicht mehr, ob echt oder unecht, sondern einzig nur mehr, ob es noch eine Rettung gibt aus Ahasvers Händen" (Seite 11). So wie hier dem Berner Urteil präjudiziert wird, versagt der Autor der Bekehrung Henry Fords im nachhinein seine Anerkennung: „Die Juden haben Henry Ford auf die Knie gezwungen. (Einen der reichsten und mächtigsten Bürger Amerikas! Anm. der Redaktion.) Er hat widerrufen und abgebeten. Tatsachen bleiben und die jüdische Macht hat sich auch hier gezeigt" (Fußnote zu Seite 23.) Der Autor gibt durch diese Kommentierung zu erkennen, daß ihm die Feststellung der objektiven Wahrheit weniger wichtig erscheint als die Erhaltung eines von ihm für wertvoll gehaltenen Propagandamaterials. Wofür will er Propaganda machen? Er sagt es im Vorwort: „Bei einer Priesterkonferenz hat ein Geistlicher zu mir halb im Ernst, halb im Spaß gesagt: „Das Zeug vom Anti-Christ ist am Ende doch nur eine Fabel. Ich kann mir nicht vorstellen, wie der einmal auf der ganzen Welt die Christen soll verfolgen können." Diese Stimme der Vernunft hat Herrn Ritter veranlaßt, seine damals schon vollendete Schritt dem Drucke zu übergeben. Häuseradifijnistration Adolf Krall IV., Schleifmühlgasse 11 Beste Empfehlungen von in- und ausländischen Hausbesitzern Denn „leider sind die „Protokolle der Weisen von Zion" unter dem Klerus und der katholischen Intelligenz viel zu wenig bekannt." Also um die aus der Apokalypse stammende Prophezeiung vom Kommen des Anti-Christs lebendig zu erhalten, hat der Autor diese aus der Gehässigkeit geborene und der Gehässigkeit dienende Fälschung der ersten Zionistenkongreß-Protokolle aufgegriffen! Pfarrer Gaston Ritter erblickt den Beweis für das Nahen des Anti-Christ in den „Protokollen der Weisen von Zion", wobei es ihm, wie wir gesehen haben, merkwürdigerweise gleichgültig ist, ob diese Protokolle echt sind oder nicht. Er liefert Kostproben daraus und würzt sie durch Zugaben seines eigenen Geistes. Dieser Geist ist aber nicht, wie man von einem christlichen Priester erwarten möchte, der der Liebe. Denn die Predigt der Liebe, der Völkerbeglückung durch eine allgemeine Verbrüderung, Solidarität und Gleichheit ist ihm als ein Propaganda-Mittel der Weisen von Zion zwecks Schädigung des Staates verdächtig (Seite 27). Aber auch der Haß erscheint ihm demselben Zweck dienstbar, sogar der — Judenhaß! Ja die Weisen von Zion bedienen sich seiner nicht nur, sondern züchten ihn geradezu, wenn er durch das Fehlen eines Pfarrers Ritter irgendwo nicht vorhanden sein sollte. Er zitiert aus den famosen „Protokollen": „Gerade den „Antisemitismus" brauchen wir, um die unteren Schichten unserer Brüder in Ordnung zu halten" (Seite 37). So werden nicht bloß die Geheimnisse der jüdischen Verschwörer, sondern auch die der naiven Welt verborgenen Motive der Antisemiten von Lueger bis Hitler ans Tageslicht gezerrt! Was tut denn auch schon Hitler den Juden? Er verschließt ihnen wohl die weltlichen i Berufe, aber er kann nicht verhindern, daß demnächst ein Jude — Papst wird. Jawohl^ Papst: „So gründlich will Juda die Welt beherrschen, daß es dann kein Ausland mehr geben soll, und sie fühle« sich schon an der Schwelle des Weltkaiserpalastes] der auch den Vatikan ersetzen soll; denn der neue! König will auch Papst sein . . ." (Seite 13)? Hoffentlich schützt sich die katholische Kirche vor dieser Gefahr durch Einführung des Arierparafj graphen für ihre Funktionäre, wie es die protestantische Kirche schon getan hat, obwohl diese nur einen Bischofsstuhl, aber keinen päpstlichen Thron zu vergeben hat . . . Aber ist denn überhaupt noch ein Schutz gegen die intrigante Weisheit von Zion möglich? Bundeskanzler DollfjjB versichert alle Tage, daß er ein christliches, ein katholisches Oesterreich will. Wem aber dient er in Wirklichkeit? Er hat bekanntlich eine Auslands^ anleine heimgebracht. Hätte er vorher das Buch des Herrn Ritter gelesen, dann hätte er gewußt: „Was ist eine Staatsanleihe, und schon gar einte äußere Staatsanleihe anderes als ein Blutegel?" Und wer hat ein Interesse daran, den Staaten Blut-? egel anzusetzen? Natürlich nur die Weisen yöji Zion! (Seite 21). Das Köstlichste ist aber die. Unterstellung, daß ausgerechnet das Protokoll des; ersten Zionistenkongresses die Auffäsi sung zum Ausdruck bringt, die Diaspora bedeute keine Schwächung der Juden, sondern ihre'."''-^ Stärke. Das behauptet, wie Herr Ritter feststellt^ ein Weiser von Zion. Wir möchten gar zu gern wissen, welche geistige Qualifikation Herr Ritter jenem Leitartikler der „Reichspost" zubilligt, de*' jüngst die Zerstreung der Juden als Folge eines auf: ihnen lastenden Fluches deklarierte . . .!'« .........■■ .!i Wir müssen uns damit begnügen, unseren. Lesern diese wenigen Rosinen aus dem Buchendes Pfarrers Ritter zum Genüsse vorzusetzen. H^jrr, Oberrabbiner Dr. Feuchtwang hat das;'jE$£ scheinen dieses Pamphlets zum Anlaß genommen^ unter feierlichem Eide auf der Kanzel die Falsch* heit der „Protokolle der Weisen von Zion" zu :bjfe| schwören. Ob das auf den Autor, der, wie gesagt das voraussichtlich mit dem Eide unseres Ohen-j rabbiners konforme Urteil des Genfer Gerichts im voraus um seine Wirkung-zü .bringen sucht, Eindruck machen wird? Schon Goethe hat gesagt, daß man nur den überzeugen kann, der sich überzeugen lassen will... Unser Mitarbeiter Chajim B l och richtete an den Fürstbischof von Graz Dr. P a w- 1 i k o w s k i ein Schreiben, worin er seinem Erstaunen Ausdruck gab, daß eine hohe KinAenbehörde einer Schrift, die zu einer Hetze gegen die Juden eine Handhabe bietet, Druckerlaubnis verliehen hat. Durch Hinweise auf verschiedene Stellen aus dem altrabbinischen Schrifttum gelang es ihm, die abwegigen Auffassungen des Pfarrers Rit-j ter zu entkräften. Vor einigen Tagen ging Chajim Bloch vom Sekretär des Fürstbischofs folgendes Antwortschreiben zu: Euer Wohlgeboren! Mit Beziehung auf Ihr Schreiben vom 8. November 1933, das Sie an Seine Exzellenz, den Höctiwürdigsten Herrn Fürstbischof von Graz «erteiltet haben, teile ich Ihnen in Höcüstdessen Auftrag toU gendes mit: Die kirchliche Druckerlaubnis, welche der Broschüre „Das Judentum und die Schatten des Antichrist" von Pfarrer Gaston Ritter erteilt wurdei besagt nach den kirchenrechtlichen Bestimmungen! daß diese Schrift nichts enthält, was gegen den katholischen Glauben oder die christlichen Sitten ver» stößt. Das kirchliche Imprimatur bedeutet demnach noch nicht daß sich die kirchliche Behörde mit dem Inhalt der Schrift einverstanden erklärt beziehungsweise die Richtigkeit des Inhaltes bestätigt. Aus diesem Grunde wäre es sehr bedauerlich, wenn die gedachte Broschüre zu einer ungerechten Metze mißbraucht werden sollte. Mit größter Hoch« achtung zeichne Ich mich ergebenst Geidel, Sekretär. Graz, am 20. November 1933. Diese Aufklärung bekundet einen beachtHchpn Geist großer Milde. Ein strengerer Richter hätte vielleicht doch in der Auffassung des Pfarrer» Gaston Ritter, daß jede in der Weltgeschichte irgendeinmal zur Geltung gebrachte Propaganda für