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Die Wahrheit · 1933-11-24 · Heft 47 (24.11.1933) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 47 (24.11.1933)
Date
1933-11-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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"^BKiBBBSSä; DIE WAHRHEIT Seifte J> STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: Hl.. Rennweg 112, Tel. U 15-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentralfriedhof, 3. Tor, Tel. U10-4-53 düng zu treten, wobei er besonders mit der Unterstützung seitens der auf der Londoner j ü d ischenKonferenz vertreten gewesenen Organisationen rechnen zu können glaubt. Wegen Erlaubnis zur Einwanderung und Seßhaftmachung der Flüchtlinge wird MacDonald mit den in Betracht kommenden Regierungen verhandeln und sie dahin zu beeinflussen suchen, daß sie ihre Territorien den Emigranten öffnen. Er hofft dabei auf die Unterstützung Seitensder Völkerbundsinstanzen. Es steht noch nicht fest, ob MacDonald sein Büro, das einen nur kleinen Beamtenstab haben wird, in Genf oder in Lausanne einrichten wird. Zu spät. Der „Pester Lloyd" veröffentlichte kürzlich ein Schreiben aus Berlin, dessen Inhalt ungemein sensationeli ist und die derzeitigen Verhältnisse und Stimmungen im „Dritten Reich" in einer Weise beleuchten, die wohl als Auftakt zu einer Umwälzung anzuseilen ist, welche gewiß noch vor einigen Tagen kein Mensch geahnt hätte und durch ihre Plötzlichkeit selbst für Nazibegriffe geradezu als eine Ungeheuerlichkeit zu bezeichnen ist. Wie das Berliner Schreiben besagt, haben in den Kreisen der deutschen Gelehrten die letzten Entlassungen berühmter deutscher Professoren große Verstimmung erregt und maßgebende Persönlichkeiten veranlaßt, auch dem Leiter des Unterrichtswesens die Bedenken prominenter Männer der deutschen Wissenschaft zur Kenntnis zu bringen. Die Wirkung war die, daß einer der entlassenen Professoren — der Name w ird leider nicht genannt, doch dürfte es sich um einen berühmten Krebsforscher handeln — bereits ersucht wurde, seine Stelle an der Universität wieder anzutreten und die Entlassung als ungeschehen zu betrachten. Der betreffende Gelehrte — selbstredend ein Jude — hat sich jedoch, wie die Mitteilung besagt, Bedenkzeit vorbehalten und es ist mehr als ungewiß, ob er dem an ihn ergangenen Ersuchen Folge leisten wird. Dieses Moment bekräftigt die vorerwähnten deutschen Professoren in ihrer Aktion, den Entlassungen vorzubeugen, soweit sie erprobte Männer der Wissenschaft betrifft, bezw. anerkannten Koryphäen des wissenschaftlichen Lebens, welche von den deutschen Universitäten lediglich aus dem einzigen Grunde entfernt wurden, weil sie entweder Juden oder jüdischer Abstammung sind, wieder die Rückkehr in ihr Amt zu erleichtern. Nun, man muß schon sagen, daß die Absicht der noch menschlich denkenden Männer im Reiche des Hakenkreuzes zweifellos eine löbliche ist und gewiß nicht allein egoistischen Motiven entsprungen sein dürfte. Doch glaube ich, daß auch in diesem Falle der Entschluß zu retten, was noch zu retten ist, reichlich spät gefaßt wurde und kaum von Erfolg gekrönt sein wird. Es ist noch gar nicht allzu lange her, daß man in Deutschland mit einer Brutalität, die ihresgleichen in der ganzen Welt sucht, Leuchten der Wissenschaft, Männer, die sich durch ihre Verdienste für die Menschheit unsterblich gemacht luaben, Träger von Namen, deren Wirken unvergänglich bleiben wird, auf das Pflaster geworfen und ihr Vermögen enteignet hat. Und das nur aus dem Grunde, weil sie Juden sind. Und wie viele Professoren und Wissenschaftler gibt es, die, weil sie sich früher nicht nach dem Geschmack der neuen Herren politisch betätigten, heute in den Konzentrationslagern von den braunen Landsknechten gefoltert und gepeinigt werden? Ihre Zahl ist Legion; Und nun, da die Berufungen der aus ihrem Lande verstoßenen Gelehrten an fast sämtlichen Universitäten und Lehrstätten der ganzen Welt eingesetzt haben und kein Ende nehmen, nun dämmert es den Herrschaften plötzlich auf, was Deutschland an jenen Menschen verloren hat? Jetzt auf einmal macht sich diese „Unterbilanz"" auf wissenschaftlichem Gebiete fühlbar? Etwas zu spät, ihr Herren! Der Konkurs ist auch iiier nicht mehr aufzuhalten! Man hat deutlich gesehen, daß es auch noch andere, noch angesehenere Universitäten außerhalb Deutschlands gibt, die es sich als hohe Ehre anrechnen und sich damit rühmen. Gelehrte, wenn diese auch Juden sind, aufzunehmen, und ihnen jede Würdigung und Wertschätzung zuteil werden lassen, die diesen Männern in ihrem Heimatlande versagt geblieben ist. Man wird ja hören, wie sich die Petition der Jeutschen Persönlichkeiten bezüglich der Einstellung der Professorenentlassungen auswirken wird. Es darf aber kein Zweifel darüber bestehen, daß die damit im Zusammenhang stehenden jüdischen Gelehrten Mut und Ehrgefühl genug besitzen müssen, für diese Reengagements der Verlegenheit bestens zu danken und als unter ihrer Würde betrachtend abzulehnen. Es wird diese Antwort mehr als jede andere den Naziführern zu erkennen geben, daß wir Juden nicht jenes würdeloses Volk sind, als das diese Herrschaften uns so gerne bezeichnen. S u I f u r. Glossen. Eines der bemerkenswertesten Ereignisse der vergangenen Woche ist wohl die scharfe Rede des Bischofs Dr. W a i t z gegen die nationalsozialistische Bewegung. Die Ausführungen des Tiroler Bischofs fanden in einer Versammlung katholischer Lehrer in Dornbirn stürmische Zustimmung, weshalb daran erinnert werden, muß. daß es in Wien einen prominenten katholischen Hochschullehrer xibt, der anderer Ansicht zu sein scheint als Dr. Waitz und die Teilnehmer der Dornbirner Versammlung. Wir meinen den Herrn Univ.-Prof. In. Hans F. i b I. der noch heute alter Herr einer katholischen Studentenverbindung ist und trotzdem an einer in Wien erscheinenden Zeitschritt mitarbeitet, deren Herausgeber der Herr — Frauenfeld ist. Herr Prof Dr. Eibl ist aber auch Mitarbeiter der führenden katholischen Zeitschrift ..Schönere Z u k u n f t". die dem Dritten Reich Sie müssen Efeefle halten. wenn die Wäsche s.iuber und rein, und noch dazu für billiges Geld geliefert wird von der relnwaschansloit ALOEDT KLARER xii., smöBDr. schioostr. 21, Tel. n 31-001 s<j objektiv gegenübersteht, daß sich ihr Herausgeber kürzlich den Lesern gegenüber deswegen in längeren Ausführungen zu verteidigen veranlaßt sah. Man sieht demnach, daß entgegen Dr. Waitz ünd anderen führenden Katholiken, die von der Hitlerei nichts wissen wollen, der furor teutonicus trotz der protestantischen Vorherrschaft im Dritten Reich und trotz der charakteristischen Rede, die Herr Dr. S t ö c k 1 bei der Luther-Feier in Wien hielt, auch die Reihen des österreichischen Katholizismus infiziert hat. o In diesen Blättern wurde wiederholt auf die Zweideutigkeit des Landbundes und der Nationalständischen Front der Nazibewegung gegenüber hingewiesen. Es muß daran erinnert werden, daß es der hakenkreuzlerische Deutsche Turnerbund nur den Landbundführern zu verdanken hat, wenn er noch nicht aufgelöst wurde und daß der landbündlerische Landeshauptmann von Kärnten schon einigemale seinen Sympathien für das Dritte Reich Ausdruck gab. Nun erscheint seit kurzem eine neue Tageszeitung der Nationalständischen Front „D i e Z e i t", die dieser Zweideutigkeit ihrer Herausgeber entspricht. Sie druckt beispielsweise aus dem in Deutschland erscheinenden antisemitischen Hetzblatt „Der Stürmer" (in Wien erscheint seit einigen Wochen bekanntlich ein gleich betiteltes Blatt mit selber Tendenz und ähnlichem Niveau) kommentarlos antisemitische Glossen ab, z. B. in der Nummer vom 15. November, in einer Weise, die nur dahin aufgefaßt werden kann, daß sich das Blatt mit den Ordinärheiten der deutschen Zeitschrift identifiziert. Ebensowenig wie der Landbund und seine Front trotz der Farben schwarzrot-gold als freisinnig anzusehen ist, darf man daher der „Zeit" über den Weg trauen. Große Vorsicht ist notwendig! Spectator. GROSSFLEISCHHAUEREI SIEGM. KORNMEHl WttM UL, RIROOASSR NR. 1» MUAUi XVIII., WAHRINGRRSVRASSB 99 Telephon Nr. A 17-3-09 and A IM-34 iMiihI für HsltaMMtaHw» AbteilungeitffirKoscherffeisch Mater Aufsieht des mhrm top. Kultu*g«raeiB«f* Wt Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreises „Bet ha Midrasch." Eine Betrachtung von Rudolf Kraus. Je schwieriger sich die Zeitverhältnisse gestalten, in denen wir leben, je mehr wir durch Politik und Wirtschaft zu leiden haben, desto mehr bedürfen wir zur Ablenkung der Sorgen einer Zerstreuung, die uns für kurze Zeit in eine andere Sphäre hinüberführt, vergessen lassen soll, welche Schwierigkeiten und Widerwärtigkeiten, Angst und Schrecken in unserer Nähe und in der Ferne den Menschen ihr Dasein verbittern. So verschiedenarti.c und mannigfaltig wie der Charakter, die Naturanlage, die Eigenart der einzelnen Menschen, ist ihr Verlangen nach und ihre Einstellung zu Vergnügungen und Zerstreuungen. Der Gebildete und Studierende, der rechnende Kaufmann, der sich abmühende Arbeiter, der noch im werktätigen Leben stehende Beamte und der oft schon früh zur Ruhe verurteilte Pensionist, jeder findet, setner Individualität gemäß, in einer anderen Form die Ablenkung von der Zeit seiner Betätigung in die der Ruhe und Erholung. Wer nicht einer gewissen Leidenschaft folgt, die allerdings manchmal auch zu den absurdesten Einfällen führen kann, findet als ernst den kender Mensch unter anderem eine ihn befriedigende Zerstreuung im Anhören wissenschaftlicher Vorträge. O.iu er in Wien überall, seiner (iwlaiikeurichnuiy: nach, auf allen Gebieten des Wissens finden kann. Einer dieser vielen Zweige der Wissenschaft, gleichzeitig einer der ältesten, fruchtbarsten und immer mehr anregenden ist das Studium der Thora und des Talmud mit ihrem vielfachen Schrifttum, ihren Kommentaren, ich meine beispielsweise die Vorträge in einem Bet ha M i d ra sch. Dort verkünden Gelehrte die herrlichen Satzungen der Thora. erläutern die (ie- und Verbote derselben, erzählen die wundersamen geschichtlichen Begebenheiten unserer Patriarchen und Voreltern, enträtseln die Visionen der Propheten, führen ihre Zuhörer in die verschiedenen Zeitalter, in denen unsere Glaubenshelden nicht nur unendlich viele Leiden erlitten, sondern in den schwersten Zeiten den Lebensmut Fanden, wenn sie sich mit dem Studium der heiligen Schrift befaßten. Ein Beweis dafür, wie erhaben groß das Festhalten an unserer heiligen Religion ist, das Erfassen und Bekennen des einigen, einzigen Gottes Israels. Zu allen Zeiten war es iromm-jüdischeu Männern und Frauen ein Herzensbedürfnis, sich zu einer Gemeinde und der Ausübung ihrer Angelegenheiten zusammenzuschließen, in welcher sie, und wenn es auch nur wenige Familien waren, aus denen die Gemeinde bestand, oft unter den schwersten Verhältnissen sich bemühten, die drei Grundsäuien des Judentums in der Führung von Bet-, Lehr- und Wohlfahrtshäusern zu erhalten. In erster Linie war es das Studium der Thora nach dem Grundsätze ..Lilmaud ulelamed", selbst lernend und — was als heiligste Pflicht beobachtet wurde — das Gelernte an Jung und Alt lehrend weiterzugeben. Sie sorgten für die „Awaudo", d. i. die Abhaltung des täglichen gemeinsamen Gottesdienstes und bemühten sich, denselben mit Rede und Gesang feierlich zu gestalten. Sie übten in Herzlichkeit „Gemilus chassodim", gute Werke an einheimischen und iremden Armen, an Kranken und Siechen, hielten in Ehren die althergebrachten Vor schritten für die Bestattung der Toten, wie die Fürsorge für Witwen und Waisen; all dies in würdigster Weise, mit teilnahmsvollem Herzen. Bis vor etwa 60 Jahren war es, wie Herr Oberrabbiner Dr. T a g I i c h t jüngst in seiner Festrede bei der Eröffnung des Wintersemesters des Wiener Bet ha Midrasch ausführte, selbst in kleinen jüdischen Gemeinden mit kaum 50 Familien eine Selbstverständlich- Das zeitgemäße Cfianukageschenk: Die Sicherung eines Studien- oder Ausstattungsbeitrages für Söhne und Töchter um S I — bis S 10.— monatlich durch den ..Samilfenscfiiff*" gemeinnützige Vereinigung für Familienfürsorge Der „FAMILIENSCHUTZstellt die Leistung bei der Lebensversicherungsgesellschaft 0Phönix" sicher Der „FAMILIENSCHUTZ" wird von der Wiener Kultusgemeinde befürwortet Ein Anruf der Nummer R 43-500 genügt! Adresse: nFmmlllaasekmW, II., A*pmrnbrütkmngm»Mm 9

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