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Die Wahrheit · 1933-11-24 · Heft 47 (24.11.1933) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 47 (24.11.1933)
Date
1933-11-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Das sind Eure Filmlieblinge! Die Lieblinse dvr Leinwand, die im Dritten Reich krau ihrer arischen Großmutter verbleiben durften, wetteifern heute miteinander, es den SA- und SS-Gewaltigen gleich zu tun. Da zeigen wir Ihnen den „Unheimlichen" Harry Piel. Er ist der erste gewesen, der sich geweigert hatte, jüdische Staösten in seinen Filmen zu beschäftigen. Außerdem scheute er sich nicht. Hans Albers zu schneiden, weil er mit der Jüdin Hansi Burger verheiratet ist. Mit Fritz Ka uip e r s, einem engeren Landsmann Goerings, bildet er die Garde der nationalsozialistischen Filmschaffenden. Oder wir stellen Ihnen Herrn üskar Sima vor. Er war eüi wackerer Mann im ehemaligen Deutschland. Hielt feste zu den Leuten, die ihn bei sich filmen ließen, obwohl es hauptsächlich Juden waren, und tat sehr kameradschaftlich zu den Kollegen. Heute ist Sima einer der wütendsten Hetzer in der nationalsozialistischen Partei, ein Mann, der seine ehemaligen Freunde und Kollegen denunziert, der ihnen den letzten Verdienst stiehlt und der dafür arbeitet, daß die unangenehme Konkurrenz restlos Deutschland verlassen muß. Dutzende Schauspieler haben Verfolgungen und Arbeitslosigkeit Herrn Sima zu verdanken. Zu der Sorte Sima gehören eine ganze Anzahl von Filmprominenten, von denen aber Johannes Riemann und Harry Go ndi die schlimmsten sind. Mit riesigen Hakenkreuzen geschmückt laufen sie in Berlin herum und beteiligen sich eifrig an der Ausmerzung der wenigen guten Schauspieler, die noch in Deutschland verblieben sind. Ja, sie sind sogar Spezialisten für Rasseforschung geworden. Denn sie beschäftigen sich vornehmlich damit, festzustehen, wer von den Filmkünstlern eine nichtarische Großmutter gehabt hat. Werner Krau s. der bedeutendste deutsche Schauspieler, ist ein Kapitel für sich. Es war ja keine Ueberraschung. daß Kraus sich sofort zu den Nazis bekannte. Schon lange Jahre sympathisierte er mit der Bewegung und machte aus seiner antisemitischen Gesinnung im engen Freundeskreise kein Hehl. Nach außenhin ließ er das allerdings nicht erkennen, sonst hätten seine Einkünfte diarunter leiden können. Da diese Sorge heute ausfällt, braucht Herr Kraus nur noch bei gelegentlichen Gastspielen im Ausland seine wahre Gesinnung zu verleugnen. Sonst ist er ein tapferer preußischer Staatsrat und Vizepräsident des Kulturamtes für Theater und Film. Fanatischer noch :als die männlichen Stars sind die weiblichen. Da gibt es eine Käthe Dorsch. Sie war in ihrer .lugend in Nürnberg, als es dort noch keinen Streicher gab. fast ausschließlich in jüdischen Kreisen zu Hause. Heute sehen wir die Dorsch an der Seite des preußischen Ministerpräsidenten Goering. Man weiß, daß sie unzählige kleine und große Schauspielerinnen um ihr Brot gebracht hat, man weiß, daß sie in schäbigster Weise gegen ihre Kollegen und Kolleginnen vorgegangen ist. Ebenso wie K ä t Ii e H a a c k, die sogar zu falschen Anzeigen griff, auf Grund deren Künstlerinnen verhaftet wurden. Auch Toni van E y c k hat vergessen, daß sie einmal von einem Herrn namens Felix Bressart vom Hungertod errettet wurde. Obwohl sie einmal gleichzeitig mit der Geburt ihres Kindes ihre Verehelichung anzeigte, was eigentlich einer deutschen Frau gar nicht würdig ist, gilt sie heute als der Typ der nationalsozialistischen Frau. Heil! Oder nehmen wir die „Privatsekretärin" Renate Müller. Sie bewohnte eine, dem ehemaligen Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß gehörige Villa in Berlin-Dahlem. Nachdem Dr. Weiß flüchten mußte, fühlte sich der bekannte Filmstar bemüßigt, Herrn Dr. Weiß nur noch die Hälfte der Miete zu senden. Sie ließ es an erpresserischen Andeutungen nicht fehlen, falls Weiß mit dieser Zahlung nicht einverstanden wäre, und stellte, nachdem sie eine Ablehnung erfahren hatte, die Mietzahlungen ganz MÖBEL Moderna KOchen- Vorzlmmcr- Wohnzlmmer- F.KOHN, Wien II ,T ABORS TR ASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen — Angeschlossen der „Schomra" ein. Wahrscheinlich hat ihr der Preußische Staat nun die Herrn Weiß gestohlene Villa geschenkt. Herr Goering ist ja groß im Verschenken von Gütern und Grundstücken, die ihm nicht gehören. Das Protektionskind des „Führers", Leni R i e f e n s t a h 1. nimmt natürlich heute eine Sonderstellung ein. Sie konnte dank der großen Protektion unter die Filmproduzenten gelten, und da sie das Filmmonopol für alle großen Veranstaltungen bekam, geht ihre Firma nicht schlecht. Auch K ä t h e v o'n^N« g y ist der SA-Fimmel in den Kopf gestiegen. Als sie vor kurzem ein in Berlin weilender Ungar daran erinnerte, daß sie doch eine Ungarin sei, erklärte sie stolz, daß sie sich ganz als Deutsche fühle, besonders da ihr Gatte ein fescher SS-Führer sei, der bei der Säuberung Deutschlands von den Juden und Marxisten tapfer mitgeholfen habe. Filmbesucher in aller Welt! Das sind Deine Fiimlieblinge — hoffentlich gewesen! Curt Haas. Der neue Kurs in Rumänien. Der Uebergang der Staatsmacht an die Liberalen bedeutet eine durchgreifende Aenderung des gesamten politischen Systems in Rumänien, die sich auch in der Behandlung der Juden frage entschieden geltend machen wird. Der neue Ministerpräsident Duca und die übrigen liberalen Führer werden keinesfalls gegenüber den antisemitischen Gruppen im Lande jene Politik der Duldung und des Kornproin i s s e s anwenden, mit der Ministerpräsident Vaida Voevod nicht nur in den letzten Monaten, sondern auch schon als Innenminister vor einigen Jahren die Leidenschaften dämpfen zu können glaubte. Schon vor längerer Zeit hat die Liberale Partei mit einer energischen Gegenpropaganda gegen den Antisemitismus eingesetzt. Vor kurzem wurde im Zentralklub der Partei eine öffentliche Diskussion über Antisemitismus veranstaltet, an der sich eine Reihe führender Männer der Partei beteiligten. Alle Redner verurteilten in schärfsten Worten die gegen- Hägers SElchwarcn-Restaurant Selchwaren an« der Fabrik Eisen ft tfönigsber streng orth. teo (Unter Antriebt der Ada* Jlsroel - SchÜ&clml) Wlan II., PraterstraBa 33, Telephon R-47-4-49 »ob 6 2.— autwSrts. _Hochzeiten und Banketts werden bestens arrangiert wärtig in Rumänien getriebene antisemitische Hetze. Die neue Regierung hat schon in ihrer ersten Sitzung einen Beschluß von großer Tragweite angenommen, der für die Richtung der neuen Regierung bestimmend sein wird: Der Ministerrat beschloß im Prinzip, die von Professor Cuza geführte LigafürnationaleVerteidigung und die von Zelea Codreanu geführte „Eiserne Garde" aufzulösen. Der Auflösungsbeschluß wird Anfang nächster Woche zur praktischen Durchführung gelangen, so daß die beiden aufgelösten Verbände, die sich auch als politische Wahlparteien etablierten und im Parlament Fraktionen bildeten, bei den kommenden Parlamentswahlen nicht mehr in Erscheinung treten werden. Cuzas Christliche Liga und Codreanus Eiserne Garde führten seit ihrem Bestehen eine Politik des Radauantisemitismus, der sich namentlich in früheren Jahren oft in wüsten antisemitischen Exzessen in Stadt und Land, sowie auf den Eisenbahnen Luft machte. Durch die Erfolge des Hitlertums in Deutschland ermuntert und durch dieses moralisch und materiell gestützt, entfalteten diese Parteien in den letzten Monaten eine sehr rege Tätigkeit, die sich sowohlgegen die Juden als auchgegen den Staat richtete. Die Duldung dieser vom deutschen Nationalsozialismus direkt inspirierten Parteien seitens der bisherigen nationalzaranistischen Regierung Vaida Voevod war ein Hauptgrund für die moralische Schwäche dieser Regierung und ihrem nunmehrigen Rücktritt. Cuza, der Gründer der aufgelösten Christlichen Liga, ist der Theoretiker des rumänischen Antisemitismus, der sich sein propagandistisches HILFSKOMITEE FÜR JESCHIWA-BACHURIM. Vorsitzender: Kommerzialrat Moritz Leitner Sekretariat: II. Leopoldsg. 16 Tel. A 48-4-15 Samstag, den 25. November d. J., um 8 Uhr abends, findet im Festsaale des Hotel „Post", 1.. Fleischmarkt 24 (Eingang Drachengasse), zum Andenken an den weltberühmten Meister des Gesanges eine große JasselBRosenblatt-GBdenkfeier statt. ■•!.!!• Es wirken mit: Die Herren Oberkantoren Fränkel, Löwit, Margulies, Müller und Weiss, und Herr Kurt Fuchsgelb (Violine) sowie eine Reihe weiterer namhafter Künstler. Gedenkrede: Oberkantor I. Löwit. Karten zum Preise von S 1-— bis S 5.— sind im Sekretariat, Wien IL. Leopoldsgasse 16. erhältlich. Restliche Karten eventuell an der Abendkasse." Das Reinerträgnis dieser Veranstaltung fließt der _Unterstützung armer Thorajünger zu. Rüstzeus aus der deutschen antisemitischen Literatur eines Theodor Fritsch u. a. m. holt. Sein Antisemitismus datiert von dem Zeitpunkt her, als jüdische Gelehrte ein philosophisches Buch von ihm ais Plagiat entlarvten. — Zelea Codreanu, das Oberhaupt der Eisernen Garde, begann sein politische Karriere damit, daß er den Präfckten Manciu, der sich an der Universität Jassy der von Cuzisten geschlagenen jüdischen Studenten annahm, durch Revolverschüsse ermordete. Er wurde vom Gericht freigesprochen und ist seither der N a t i onalheld der rumänischen Antisemiten. Das offizielle liberale Parteiorgan „V i i t o r u 1" veröffentlicht einen Artikel, in dem der bisherigen Regierung Vaida Voevod der Vorwurf gemacht wird, sie habe die antisemitische Bewegung gefördert. „Die Duldung und die Unterstützung", heißt es in dem Artikel, „die die Regierung den Extremisten gewährte, ging so weit, daß ein ehemaliger .Minister Z e h n t a u s e n d e von Uniformen für die antisemitischen Sturmabteilungen bestellt hat. Gleichzeitig wurden im Zentrum der Hauptstadt nächtliche Umzüge militärischen Charakters veranstaltet und die Polizei hatte Befeh! erhalten, nicht einzuschreiten. In der Provinz wurden ununterbrochen solche Gruppen gebildet und die Behörden trafen keinerlei Maßnahmen dagegen. In einigen Gegenden hatten die lokalen Behörden ein Rundschreiben erhalten, in dem sie angewiesen wurden, der antisemitischen Bewegung keine Hindernisse in den Weg zu legen. Der Staat muß sofort alle notwendigen Maßnahmen gegen den Antisemitismus treffen und die öffentliche Meinung muß ihre ganze Kraft gegen ihn vereinigen." Die internationale Emigran* tenfürsorge. Dr. Chaim W e i z m a n n traf mach seinen Genfer Beratungen mit dem Hochkommissar für die deutschen Flüchtlinge James MacDonald und dem Generalsekretär des " Völkerbundes A v e n o 1 auch noch mit dem Präsidenten der Abrüstungskonferenz Arthur Henderson und den noch in Genf weilenden Mitgliedern der Mandatskommission des Völkerbundes zusammen. Wie der JTA-Vertreter erfährt, hat sich James MacDonald damit einverstanden erklärt, daß acht jüdische Organisationen mit je einem Vertreter im Verwaltungsausschuß für die deutschenFlüchtlinge repräsentiert sein sollen, u. zw. mit beratender Stimme Man erwartet bestimmt, daß die Vertreter der Regierungen im Verwaltungsausschuß diesem von der Londoner Weltkonferenz für Hilfe an die deutschen Juden geäußerten Wunsch keinen Widerstand entgegensetzen werden. James MacDonald hat ein endgültiges Programm seiner Arbeit noch nicht aufgestellt; er wird ein solches dem Verwaltungsrat nach dessen Zusammentritt vorlegen. Im großen und ganzen besteht sein Programm darin, mit großen jüdischen und nichtjüdischen Organisationen und Persönlichkeiten wegen Schaffung beträchtlicher Fonds zwecks Seßhaftmachung der deutschen Flüchtlinge in verschiedenen Ländern in Verbin- KUB- UND BAID 13 ANSTALT WIEN IX.,,CLUS1USGASSE NR. 12 an der Friedensbrficke gelegen Original RUSSlSdies DomplbOd mit "_' Buschenbehandlung gegen Rheuma etc. *y_Gegen Vorweisung dieses Inserates S 1.30

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