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Die Wahrheit · 1933-11-24 · Heft 47 (24.11.1933) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 47 (24.11.1933)
Date
1933-11-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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mm «fw ME WAHRHEIT Seite c GoldplandöriBle auch deutsdie> kulant gesucht unter ,,SchillingwälirungM an die Administration des Blattes. kling jüdischer Einwanderung nach Palästina geplant. Zunächst wurde beschlossen, nicht mehr als 250 Einwanderer je Schiff an Land gehen zu lassen. Dtese Maßnahme trägt zwar zeitweiligen Charakter, in jüdischen Kreisen befürchtet man aber, daß sich aus ihr ein ständiges Prinzip entwickeln wird. Die neue Einschränkungsbestimmung trifft die nach Palästina strebende Judenheit nicht nur moralisch aufs schwerste, sondern dürfte sich auch auf den Umfang der tatsächlichen jüdischen Einwanderung stark auswirken. Die Zahl der palästinensische Häfen anlaufende Schiffe ist an sich schon nichtsehr bedeutend. Kommt nun noch die Bestimmung hinzu, daß nicht mehr als 250 Einwanderer an Bord sein dürfen, so werden die Schiffahrtsgesellschaften genötigt sein, die Intervalle des Palästinaverkehrs zu vergrößern, da sie jedesmal vor Abfahrt eines Schiffes werden warten müssen, bis eine genügende Anzahl Passagiere mit anderem Reiseziel vorgemerkt ist. Für mancheLinien scheint die Rentabilität infolge der neuen Bestimmung überhauptgefährdet. So erwägt heute die Leitung der erst vor kurzem geschaffenen Polen — Palästina- Linie die Einstellung der weiteren Fahrten des Dampfers „Polonia" zwischen Konsfianza und Haifa. Die arabischen Bürgermeister werden beruhigt. Ein soeben herausgegebenes Regierungs- Communique gibt ein Gespräch zwischen dem High Comissioner Sir Arthur Wauchope und sechs ihn besuchenden arabischen Bürgermeistern, die gegen „unerlaubte jüdische Einwanderung" Beschwerde führten, wieder. Darnach behauptete der Bürgermeister von Jerusalem Ragheb Bey Nashashibi, daß zahlreiche Juden als „Kapitalisten" ins Land kommen, ohne die vorgeschriebene Summe von 1000 Pfund wirklich zu besitzen; diese Einwanderer geben das Geld einer dem anderen weiter und erschleichen sich auf diese betrügerische Weise die Zertifikate. Es sei auch nicht wahr, daß es keine jüdische Arbeitslosigkeit gibt; es herrschen im Gegenteil unter den Juden ArbeitslosigkeitundNot. Nashashibi forderte eine das Volk repräsentierende Regierung, die die Einwanderung stoppen wird. In gleichem Sinne sprachen die Bürgermeister von Nablus, Haifa und Ramleh. Sir Arthur Wauchope erwiderte, die Regierung erstrebe die allmähliche Eliminierung unerlaubter Einwanderung und habe schon Maßnahmen in dieser Richtung ergriffen, insbesondere erlaube sie Zulassung nur solcher Immigranten der Kapitalistenklasse, die Bestätigungen bestimmter Banken vorzeigen, daß sie wirklich im Besitze von 1000 Pfund sind. Die Mitglieder der Jewish Agency-Executive Moses Shertok und Ben Gurion besuchten den High Commissioner und erklärten ihm, die jetzige Einwanderungspolitk der Regierung bedeute ein direktes Abweichen vom Inhalt des Briefes des Premiers MacDonald an Dr. Weizmann vom Februar 1931, in dem festgelegt wurde, daß erstens die Aussicht auf nur vorübergehende Beschäftigung die Einwanderer nicht disqualifiziere und zweitens anabische Arbeitslosigkeit auf die Festsetzung der Höhe der jüdischen Einwanderung keinen Einfluß haben dürfe. Setzt die Regierung ihre jetzige Politik fort, so kann das Resultat nur sein, entweder die Juden in ihrer Aufbauarbeit zu behindern oder sie zu zwingen, Araberzu beschäftigen; beides aber spreche den Grundsätzen des Jüdischen Nationalheims Hohn. Die Jewish Agehcy erklärt in einem Communique, die neue rapide und gesunde Entwicklung in Palästina habe, soll sie von Dauer sein, ein intensive Einwanderung zur Voraussetzung. Die Einwanderungsbeschränkung hat Arbeitermangel zur Folge, der nicht mehr, wie in der Vergangenheit, durch illegale Einwanderer behoben werden kann, Wenn Sir Arthur Wauchope seine Vorsicht bei der Festsetzung der Einwandererzahlen damit erklärt, daß ein Rückschlag Tausende aus ihrer Arbeit werfen könne, so hat demgegenüber die Erfahrung der letzten drei Jahre gezeigt, daß die Berechnungen der Jewish Agency keineswegs radikal, sondern konservativ waren, indem bisher mehr Menschen absorbiert werden konnten, als die von der Jewish Agency beanspruchte Zahl Zertifikate. Resolution des Wiener Kultusvorstandes. Die Judennot in aller Welt, besonders das fürchterliche Schicksal der Juden Deutschlands, rechtfertigt die aus dem Palästinamandat fließende Forderung, eine möglichst große Zahl von Juden in entsprechend kurzer Zeit nach Palästina zu bringen und dort zu verankern. Die von der Regierung Sr. Majestät und der britischen Mandatsverwaltung Palästinas jüngst getroffenen Maßnahmen stehen weder mit dem Geiste und der Absicht LEOPOLD MASSCHUHE nur VI). BUH6öAjiE ö B des Mandatsvertrages im Einklang, noch entsprechen sie den durch die ungeheure jüdische Not gebotenen Rücksichten, die vor allem vom britischen Weltreich zu erwarten waren. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien als der zweitgrößten Judengemeinde Europas gewärtigt in tiefster Sorge um das Schicksal der jüdischen Massen Ost- und Westeuropas, daß die Regierung Sr. Majestät im Sinne des Palästinamandates zur Normalisierung des Lebens der Juden durch Errichtung eines nationalen jüdischen Heimes in Palästina alle widersprechenden Anordnungen widerruien und die Einwanderung jüdischer Kapitalisten. Mittelständler und Arbeiter auch mit Rücksicht auf die dringenden wirtschaftlichen Bedürfnisse des Landes in ausgedehntestem Maße zulassen wird. Amerika, du hast es besser . .. Nachdem der Schatzsekretär William Woodin einen Urlaub auf unbestimmte Zeit angetreten hat, ist Henry Morgenthau jun. zu seinem Vertreter als Schatzsekretär der Regierung der Vereinigten Staaten ernannt worden. Allgemein wird angenommen, daß der Urlaub Woodins die Einleitung zu seinem endgültigen Rücktritt bedeutet und daß die Ernennung Morgenthaus eine definitive sei und eine neue Richtung in der Währungspolitik ankündigt. Henry Morgenthau jun. ist 42 Jahre alt und ein Sohn des hervorragenden amerikanischen Wirtschaftsführers und Staatsmannes Henry Morgenthau, der von 1913 bis 1916 Botschafter der Vereinigten Staaten in der Türkei als Nachfolger Oskar Alle Radioapparate modernste Typen, stets lagernd J. HAHN,Wien IX. WasagckSSe 12., Tel. A 13-5-20 Serie Entsprechende Teilzahhmstskondrtionen / Kostenlose Vorführung in Ihrem Heim / Günstige Gelegenheitskäufe / 5 Prozent des Kaufwertes gebe ich zugunsten des Hilfskomitees für deutsche Juden Provinz- und Auslandversand Straus' gewesen war und 1919 die Staaten auf der Friedenskonferenz in Versailles vertrat. Er war ein intimer Freund des verstorbenen Präsidenten Wilson, ebenso wie sein Sohn jetzt zum engeren Freundeskreis des Präsidenten Roosevelt gehört. Vater und Sohn Henry Morgenthau haben an öffentlichen jüdischen Aufgaben stets regen Anteil genommen. * Der Kongreß der Vereinigten Staaten hat am 15. November offiziell die Untersuchung über die geheimen Umtriebe nationalsozialistischer Agenten in Nordamerika eröffnet. Die Anregung zu dieser Untersuchung gab bekanntlich das jüdische Mitglied des Kongresses Samuel D i c k s t e i n, der als Vorsitzender der Einwanderungskommission des amerikanischen Senats Gelegenheit hatte, festzustellen, daß nicht weniger als 300 nationalsozialistische Agitatoren, als diplomatische und Konsular-Attaches getarnt, in Amerika eingetroffen sind, um nicht allein die Deutschen Amerikas für die rassenantisemitischen Ideen Hitlers zu gewinnen, sondern auch eine Wühlarbeit zur Beunruhigung der gesamten öffentlichen Meinung durchzuführen. Dickstein konnte weiter feststellen, daß die verkappten Agitatoren vom Reichspropagandaminister Dr. Goebbels mit in die Millionen Mark gehenden Summen zur Betreibung der antisemitischen Propaganda ausgestattet worden sind. Der deutsche Botschafter Dr. Hans Luther bestritt zwar entschieden, daß die 300 neuen Attaches propagandistische Ziele verfolgen, er war aber nicht in der Lage, die plötzliche Invasion von Hunderten neuer deutscher Attaches zu erklären. Auch stand die von den Behörden ermittelte wirkliche Tätigkeit dieser meist in noch jungem Alter stehenden Attaches in einem allzu krassen Widerspruch zu Luthers Beteuerung. In der Eröffnungssitzung der Untersuchungskommission des Kongresses legte D i c k s t e i n Dokumenteüber die Nazitätigkeitin den Vereinigter: Staaten vor, die sensationell wirkten. Augenzeugen bekundeten vor der Kommission, daß zahlreiche Nationalsozialisten mit gefälschten Naturalisationsdokumenten in verschiedenen Betrieben der amerikanischen Länder Fuß fassen konnten und dort eingeschmuggelte Propagandaschriften verbreiteten. Am Tage vor Beginn der Arbeit der Unter- .suchungskommisstün lud Präsident Roosevelt Dickstein zu sich ins Weiße Haus und ließ sich durch ihn über das von der Voruntersuchung zutage geförderte Material ßericht erstatten. Dickstein informierte dann die Presse über das Ergebnis seiner Unterredung mit dem Präsidenten und erklärte, die Untersuchung werde rücksichtslos vonstatten gehen und das Ergebnis haben, daß zahlreicheNation a 1 s o z i a 1 i s t e n, die illegal und mit gefälschten Papieren ins Land kommen, um hier eine ruchlose Propaganda zu betreiben, aus dem Lande gewiesen werden. * Der neue amerikanische Gesandte in Wien George E a r 1 e, der sich sehr stark für Hebung des Fremdenverkehrs in Oesterreich, insbesondere für Heranziehung des amerikanischen Touristenstroms, einsetzt, gab in einer Pressekonferenz eine Schilderung der Naturschönheiten Oesterreichs, das er vor kurzem durchreist hat, und schloß hieran eine Warnungandieösterreichische Bevölkerung, antisemitische Umtriebe nicht zu dulden. Die Amerikaner, sagte Earle, werden niemals Völkern ihre Sympathien schenken, bei denen der Antisemitismus heimisch ist, und sie werden sich auch vom Besuch von Ländern fernhalten, in denen Antisemitismus herrscht. Es liege daher im Interesse Oesterreichs, sich in puncto Antisemitismus so zu verhalten, daß es die amerikanischen Sympathien nicht verliert. Zum Schlüsse betonte der Gesandte George Earle, er vermag in der Frage des Antisemitismus ein vollkommen objektives Urteil abzugeben, er selbst stamme von nach Amerika eingewanderten Preußen ab, gehöre der nordischen Rasse an und haben keinen Tropfen jüdischen Bluts in seinen Adern. Die Erklärungen Mr. Earles, der seitdem mit Drohbriefen überschüttet wird, haben in Oesterreich einen starken Eindruck gemacht. Die gesamte Presse, auch die „Reichspost" und die amtlich; „Wiener Zeitung", brachte seine Erklärungen ausführlich. Es ist nicht das erste Mal, daß sich ein ausländischer Diplomat in der österreichischen Oeffentlichkeit so eindrucksvoll gegen Juden- und Rassenhaß ausgesprochen hat wie Mr. Earle. der zudem eine sehr taktvolle Form wählte, so daß seine Worte in keiner Weise als eine Einmischung in die inneren Verhältnisse Oesterreichs gedeutet werden können. Shemert Palästiaa Olivenöl und Toiletteselien sind in jedem Hause unentbehrlich! Verlangt sie in euren Einkaufsquellen! Zu beziehen durch: Gen.-Repr. S. Rabin o w i t s c h, Wien FL, Zirkusgasse 10. Tel. R 48-7-38. Als Gesellschafterin, Stütze der Hausfrau oder zu Kindern sucht junge, alleinstehende Frau unterzukommen Wien oder auswärts, auch für halbe Tage. Unier „BESCHEIDENE ANSPRÜCHE" an die Papierhandlung Neumann, II., Fugbachgasse 10

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