Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 45 (10.11.1933)
- Date
- 1933-11-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 3 auch deutsche, kulant gesucht unter ,,Sdbillingwährung" an die Administration des Blattes. TH ^» Q ITU. EAT ER DER KO WIEN 1., ANN AGASSE 3 TELEPHON R 21-202 MIK 8 Uhr Ab Montag, 13. November Armin Berg Berta Türk Prolog im Himmel * Wog vom Goldstandard ER « m,, aal ^aJ Arthur Gaines Neues Programm 8 Uhr Sandor Rott Armin Springer FamllieaidyII * Folgen eiaer Rarambala«« Conference: Alexander Strahal Sonn- und Feiertag, 4 Uhr: Nachmittags-Vorstellung zu e r m ä Ii i g1 e n Preisen sammelt worden sind; hiervon wurden auigebracht m England 195.000 Pfund, in den Vereinigten btaaten 150 000 Pfund, in Südafrika 40.000 Pfund, in der Tschechoslowakei 28.000 Pfund, in Holland 25.000, in Aegypten 18.000, in den übrigen Ländern 69.000 Pfund. Der Vorsitzende entwickelte ein Arbeitsprogramm tur die Zukunft und betonte, daß insbesondere die völlig mittellosen Auswanderer untergebracht werden müssen, daß die Auswanderung in geregelte Bahnen zu lenken sei und daß die jüdischen Gemeinden in Deutschland der Hilfe bedürften. " . Der ehemalige Präsident der Jewish Agency und Leiter der Aktion der Agency zur Ansiedlung deutscher Juden in Palästina Dr. Chaim Weizmann kam im Verlauf seiner Ansprache auch auf die letzten Ereignisse in Palästina zu sprechen. Wir müssen, erklärte Dr. Weizmann, unsere tiefe Trauer darüber aussprechen, daß die ruhige Entwicklung des Landes durch die gegenwärtigen Demonstrationen unterbrochen wird, die keine Rechtfertigung in der Wirklichkeit des palästinensischen Lebens haben. Die Regierung hat die Immigration überaus vorsichtig behandelt. Palästina wird nicht von unerwünschten Einwanderern „überschwemmt", sondern es hat sich unter dem Einfluß der Immigration entwickelt und einen wirtschaftlichen Aufschwung genommen, der Juden und Arabern in gleicher Weise zugute kam. Wir müssen hoffen, daß Araber und Juden zu einer Verständigung gelangen mögen, um ein geineinsames Land (common country) durch gemeinsame Arbeit (Cooperation) aufzubauen. Der bekannte englisch-jüdische Führer, O. E. d'Avigdor Goldsmid, führte als der Vorsitzende der Verteilungskommission des englischen Zentralfonds für die deutschen Juden unter anderem aus: Die Lage in Deutschland hat sich nicht gebessert, im Gegenteil, mit dem einbrechenden Winter hat sie sich wesentlich verschlechtert Man wird die erstbeste Möglichkeit ergreifen müssen, um eine Zusammenarbeit mit dem vom Völkerbund ernannten Flüchtlingshochkommissar herbeizuführen. Das deutsch-jüdische Problem ist zu einem Weltproblem geworden und der Völkerbund hat recht getan, daß er eingeschritten ist. Nun ist es höchste Zeit, daß auch die Weltjudenheit sich zur Hilfe zusammentut. Dr. S. M a r g o s h e s führte als der Vertreter des American Jewish Congress aus: In dieser bösesten Stunde in der jüdischen Geschichte wenden sich die Herzen der amerikanischen Juden der Tagung hier zu. Wir in Amerika wissen es: Nicht allein das Schicksal der 600.000 deutschen Juden steht auf dem Spiel, es geht um das Schicksal der 16 Millionen Juden in der ganzen Welt. Die Arbeit der Nationalsozialisten macht vor den deutschen Grenzen nicht halt. Hitler hat uns allen den Fehdehandschuh hingeworfen, wir nehmen ihn auf — nehmen ihn auf als ein stolzes und sich selbst achtendes Volk. Unser Kampf wird entschlossen und unnachgiebig sein, alle ehrenhaften Waffen werden in diesem Kampfe nicht nur erlaubt, ihr Gebrauch wird, uns Pflicht sein. Das Gewissen der Menschheit ist auf unserer Seite. Es wird, es muß uns gelingen! Der Repräsentant des American Jewish Committee Lewis St raus sagte: Obwohl vom deutschen Schauplatz weit entfernt, empfinden wir amerikanischen Juden das gleiche tiefe Mitgefühl wie alle mit den Opfern verletzten Rechtes und vergewaltigter Ideale. Wir hegen keineswegs Zorn oder Haß gegenüber dem deutschen Volke, denn wir wissen, daß Millionen Bürger dieses Volkes entsetzt sind darüber, daß eine Handvoll Misanthropen das deutsche Volk in eine solche geschichtliche Rolle gedrängt haben. Es geht nicht allein um unsere jüdischen Brüder, es geht um die Zivilisation, um die Freiheit; um die freie Meinungsäußerung, um eine freie Presse, um frfiie Religionsübung, um das Recht aller Menschen auf ein glückliches Dasein. Ich zweifle nicht, daß das Recht siegen wird. Silvain Levi, Präsident der Alliance Israelite Universelle, sagte: Ich habe über die tragische Lage der deutschen Juden mit den Mitgliedern der französischen Regierung, mit dem eben verstorbenen großen Gelehrten und Staatsmann Painleve und mit vielen anderen führenden Persönlichkeiten Frankreichs beraten. Bei allen stieß ich auf tiefstes Mitgefühl und Verstehen, besonders fühlen mit uns die christlichen Kirchen mit. Juden leiden heute wie nie zuvor in der Geschichte. Nicht Worte, sondern Taten fordert die Zeit von uns. Der Chiei Rabbi des britischen Reiches Dr. J. H. Hertz sagte: Friede, Friede dem Fernen und dem Nahen! Gemeinsam gehen wir an die Aufgabe heran, die Not unserer jüdischen Brüder in Deutschland zu lindern. Unsere Brüder in Deutschland leiden ebenso kulturell wie materiell. Indem wir ihnen materiell helfen, dürfen wir keineswegs für ihre Kulturnot blind sein; dies würde moralischen Ruin bedeuten. Wer diese tödliche Gefahr erkennt, wird nicht zögern, Hilfe zu bringen. Die Beschlüsse. Nach Schluß der öffentlichen Sitzung trat die Konferenz in ihre tagelangen vertraulichen Beratungen ein, die von besonderem Ernst getragen waren. Das Ergebnis dieser Verhandlungen in den verschiedenen Kommissionen der Konierenz wurde in der ieierlichen Schlußsitzung der Tagung am 1. November mitgeteilt und einstimmig zum Beschluß erhoben. Ein ganz wichtiger Beschluß ist die Einsetzung eines aus Vertretern der "15 Organisationen, die die Konferenz beschickt haben, zu bildenden Großen Ratsjür Hilfe und Aufbau. Außerdem wird ein Vollzugsausschuß eingesetzt, dem Vertreter der Jewish Agency, sowie der Organisationen angehören werden, die die Konferenz einberufen haben. In London wird ein Hauptbüro eröffnet, das die Aufgabe haben soll, alle zur Besserung der Lage der deutschen Juden ausgearbeiteten Pläne zu prüien und eigene Vorschläge für Hilfe und Autbau auszuarbeiten. Ferner hat die Londoner Hilfskonferenz die Schaffung eines .Verbindungsamtes beschlossen, das einen dauernden Kontakt zwischen den einzelnen Organisationen ermöglichen soll. Dieses Verbindungsamt, in dem Dr. Chaim Weizmann eine führende Rolle spielen soll, wird auch die Aufgabe haben, den Kontakt mit dem vom Völkerbund eingesetzten Emigrantenhochkommissar und seinem Beirat aufrechtzuerhalten. Es wurde beschlossen, an das Völkerbundssekretariat mit dem Vorschlag heranzutreten, acht jüdische Delegierte zum Eintritt in den Verwaltungsrat des Emigrantenhilfswerks einzuladen. Die jüdische Vertretung soll aus je einem Repräsentanten des American Jewish Congress, des American Jewish Committee, der Judenheit Polens, der Jewish Agency, des Joint Foreign Committee, der Alliance. Israelite Universelle, der JCA und des Comite des Delegations Juives bestehen. Profesor Norman Bentwich und Doktor Nahum Goldmann haben sich nach Genf begeben, um diese Frage mit dem Völkerbundssekretariat zu besprechen. In einer besonderen Resolution gab die Londoner Hiliskonferenz ihrer Bewunderung für die mutige Haltung, die die Judenheit Deutschlands angesichts der über sie gekommenen Prüfung bewiesen habe, sowie für die großen Leistungen Ausdruck, die ihre Organisationen unter so schweren Umständen vollbracht hätten. Die hervorragende Rolle, die P a 1 ä s t i n a im gesamten Hilfswerk für die deutschen Juden zu spielen berufen ist, wurde von der Konferenz besonders betont. Die bezügliche Resolution lautet u, a.: Die Konferenz gibt ihrer Ansicht dahin Ausdruck, daß Palästina unter den Ländern, die von jüdischen Auswanderern aus Deutschland für die Möglichkeit dauernder Niederlassung und Absorption in Betracht gezogen werden können, einen hervorragenden Platz einnimmt. Die Konferenz bedauert die betrübenden Ereignisse, die jüngst den Frieden Palästinas gestört und Verluste an Menschenleben im Gefolge hatten, und hofft, daß die Fortsetzung der sich gegenwärtig in _Palästina ..vollziehenden bemerkenswerten Entwicklung im Interesse von Juden und Arabern liegen wird. Die Konferenz erwartet, daß die Mandatarmacht alles tun wird, um einer größtmöglichen Zahl von Juden aus Deutschland die Niederlassung in Palästina zu ermöglichen. Aui der Konierenz wurde die Zahl der aus Deutschland ausgewanderten Juden auf 65.000 geschätzt. Von den Ausgewanderten sind 33.000 Kaufleute und Angehörige intellektueller Beruie, 30.000 nicht berufstätige Frauen und Kinder und 2000 Studenten. Von ihen befinden sich 25.000 in Frankreich, 6500 in Palästina, 5400 in Polen, 4000 in der Tschechoslowakei. 2500 in Holland, 2500 in England, 2000 in Belgien und 20QO in der Schweiz. Der Rest lebt überall in der Welt zerstreut. Mehrere Tausend sind vollständig mittellos und werden von den verschiedenen Hilfskomitees unterstützt. Der Wiener Kultuspräsident in London. In den in der Schlußsitzung der Konferenz gehaltenen Ansprachen kam Befriedigung über die Ergebnisse der Konferenz und ein starker Optimismus hinsichtlich der potentiellen Möglichkeiten der auf der Konferenz erreichten jüdischen Kooperation, die iast ohne Beispiel in der jüdischen Geschichte dasteht, zum Ausdruck. Diese Befriedigung und diesen Optimismus bekundete auch der Präsident der Wiener Kultusgemeinde Dr. D. Friedmann, der in Vertretung derselben an der Londoner Konierenz teilgenommen hat, in einem Gespräch mit unserem Chefredakteur. Dr. Friedmann sprach mit Bewunderung von dem einheitlichen Geiste, der die Tagung beseelte, obwohl an ihr so viele innerjüdisch verschieden eingestellte und aus aller Herren Länder kommende Vertreter teilgenommen haben. Alle beherrschte der Wille, den deutschen Juden so weit als nur möglich zu helfen. Dieser Wille, führte Dr. Friedmann unter anderem aus. kommt auch in den verschiedenen Beschlüssen der Konferenz zum Ausdruck, von denen er dem auf Schaffung eines Verbindungsamtes, das den Kontakt zwischen den verschiedenen Hillsorganisation und mit dem Emigranten-Hochkommissär auirecht erhalten soll, besondere Wichtigkeit beimißt. Die Bedeutung der Londoner Tagung konnte im Rahmen dieses Berichtes nicht voll gewürdigt werden, es wird noch manches über sie zu sagen sein. Shemen Palästina Olivenöl und Toiletteseifen sind in jedem Hause unentbehrlich! Verlangt sie in euren Einkaufsquellen! Zu beziehen durch: Gen.-Repr. S. Rabinowitsch. Wien II.. Zirkusgasse 10. Tel. R 48-7-38. Die englischen Juden beschließen antideutschen Boykott. Am Sonntag, den 5. November, wurde in London die vom Jewish Representative Council einberuiene Konferenz zur Durchführung des antideutschen Boykotts bei Anwesenheit von mehr als 500 Delegierten, die 150.000 Juden aus allen Teilen Englands vertreten, abgehalten. Nach Ansprachen von Ratsherr Davis, Sir Philip Guedalla, Chaclmtn Dr. Moses Gaster. Sir Robert Mond, P. Horowitz und anderen iiihrenden Persönlichkeiten, die alle betonten, daß der Boykott sich nicht gegen Deutschland und das deutsche Volk, sondern gegen die von der jetzigen deutschen Regierung geübte Entrechtung und Unterdrückung der Juden richtet, wurde e i n s t i in m i g e i n e E n t s c h 1 i e ß u n g zum offiziellen Boykott deutscher Waren gefaßt. Die Entschließung forciert die Juden in allen Teilen des britischen Reiches aui. keine deutschen Waren zu kaufen und keine deutschen Dienste zu benützen, „so lange den Juden in Deutschland die volle bürgerliche Rechtsgleichheit vorenthalten wird'-. Der Verlauf der Beratung und die Ansprachen der Führer machten auf alle Anwesenden, auch auf die Vertreter der Presse, einen tiefen Eindruck. Bestien In Menschengestalt, vandalische Grab- Schänder haben den Hohenau er jüdischen Friedhol zerstört. Es ist eine heilige Pflicht der österreichischen Judenschaft, die Mittel zur Wiederherstellung der Gräber beizustellen. Wir rufen hiemit die jüdische Öffentlichkeit auf, diese Mittel durch Spenden raschest aufzubringen, und stellen uns selbst mit einem Betrage von S 100.— an die Spitze dieser Aktion. Wir bitten alle jüdischen Korporationen. Vereine und Einzelpersonen, ihre Spenden an uns zu leiten (Postsparkassenkonto B 157.631) und werden wir diese Spenden öffentlich ausweisen. Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreich» Wien 11., Aspernbriickengasse 2. Die deutschen Juden stimmen mit Ja f Der Reichsinnenminister Dr. Prick hat eine Verordnung erlassen, derzufolge die reichsangehörigen deutschen Juden wahlberechtigt sind und anläßlich der am Sonntag, den 12. November, stattfindenden Reichstagswahlen nebst Volksabstimmung über die Außenpolitik der Regierung nicht belästigt werden dürfen. Wie von maßgebender Regierungsseite verlautet, darf die Verordnung der Regierung über Teilnahme der Juden an den Wahlen vom 12. November nicht als Vorwegnahme für die Zukunft betrachtet werden; bald nach den Wahlen, so heißt es, wird die Regierung ein Gesetz erlassen, das die Position der Juden im neuen Staat endgültig festlegen wird. Es verlautet ferner, daß die Regierung besonders auf dem flachen Lande, wo die jüdische Bevölkerung vielfach Angriffen ausgesetzt ist, besondere Vorkehrungen zum Schutze der an der Wahlurne erscheinenden Juden getroffen hat. Die Reichsvertretung der deutschen Juden erklärt: „Zum 12. November: Mit dem ganzen deutschen Volke sind auch wir Juden als Staatsbürger aufgerufen, zu der auswärtigen Politik der Reichsregierung unsere Stimme abzugeben. Sie wird gefordert für die Gleichberechtigung Deutschlands unter den Völkern, die Versöhnung der Nationen und die Befriedung der Welt. Trotz allem, was wir erfahren mußten: Die Stimme der deutschen Juden „FAMILIENSCHUTZ" Gemeinnützige Vereinigung für Familienfiirsorge Wien II.. Aspernbr'ckennaaae 2_Tel. R 43-500 Duich Mona'sheiträge von S I bis lü kann man bei tu» sicherstellen: Studienbeiträge für Töchter und Sanne Ausstattungsbeiträqe für Tochter Vorsorge für das Alter und fOr dl» Hinterbliebenen Unsere Vorteile: 1. Geringe Beiträge. 2. Hohe Versicherungssummen. <. Keine Wartezeit, >laher sofortige Wirksamkeit. 4. Volle Garantie der Lebensversicberungsgesellschaft „Phönix". 5. Keine Nebengebühren. 6. Keine ärztliche Untersuchung. 7. Unverfallbarkeit nach zweijähriger Beitragszahlung. 8. Keine Aufnahmegebühr. Der „FAM1L1ENSCHPTZ" wird von der Wiener Kait^sgemaind» befürwortet