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Die Wahrheit · 1933-11-03 · Heft 44 (3.11.1933) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 44 (3.11.1933)
Date
1933-11-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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msBmfmmsBsmmm^ DIE WAHRHEIT Seite 5 frftMUfctti Wien I., Seitenstettengasse 2, Tel. U 28-1-28 XI.» Zentralfriedhot, im im!■ I«, Tel. U 18-0-85 Die Ausführungen des Vorsitzenden des Centrai-Vereins, Dr. Julius B r o d n i t z, und des Vorsitzenden-Stellvertreters Dr. Bruno Weil sind in folgende Formulierung zu fassen: ... Bejahung der deutschen Gesinnung, Erhaltung und Mehrung des Gefühls für jüdische Werte und Arbeit. Wenn stärker als früher Palästina vor allem als Lebensraum für jüdische .lugend in den Vordergrund der Betrachtungen gestellt wurde, so wurde damit der alte Centrai- Vereinsgrundsatz abgewandelt, der Palästina als die Zufluchtsstätte aller Juden begrüßte, die aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen heimatlos seien oder sein würden. Palästina ist heute keine Ideologie, sondern eine Tatsache. Genau so ist für den deutschen Juden, der seit Generationen in Deutschland beheimatet und mit ihm verwurzelt ist, Deutschland keine Ideologie, sondern tatsächliche Heimat... Dr. Weil sprach dem Vorsitzenden, Justizj-at Dr. B r o d n i t z, den Dank für seine heroische Haltung aus, die in* den ereignisreichen letzten Monaten eine moralische Stütze für seine Freunde Und Mitarbeiter gewesen sei. James MacDonald — Völkerbundshochkommissar für die deutschen Flüchtlinge. Am 27. Oktober hat der Völkerbundrat dem ihm von der Vollversammlung des Völkerbundes erteilten Auftrage zur Schaffung eines autonomen Amtes für Hilfe an die deutschen Flüchtlinge und zur Berufung einer Persönlichkeit als Hochkommissar an die Spitze dieses Amtes gemäß dem Amerikaner James MacDonald dieses Amt übertragen. Lord Robert C e c i 1, der neben MacDonald als aussichtsreichster Kandidat für das Amt des Flüchtlingshochkommissars gegolten hat, hat im letzten Augenblick seine Kandidatur zurückgezogen; wie «s heißt, weil von deutscher Seite gegen die Kandidatur eines Engländers Einwendungen erhoben worden waren. (Wie bekannt, haben die maßgebenden englischen Staatsmänner und Politiker schärfer als andere Staatsmänner gegen die Entrechtung und Verfolgung der Juden in Deutschland Front gemacht.) Voraussichtlich aber wird Cecil Vorsitzender des Verwaltungsrates des Flüchtlingsamtes werden. Man erwartet, daß dieses Amt in kurzer Zeit konstituiert sein wird, nachdem der Völkerbundsrat bereits Einladungen •an die Regierungen Frankreichs, der Niederlande. Polens, der Tschechoslowakei, Belgiens, der Schweiz, Dänemarks, Italiens, Englands, Schwedens, der Vereinigten Statten Amerikas, Argentiniens, Brasilrens und Uruguays hat ergehen lassen Vertreter für den Verwaltungsrat zu nominieren, und die meisten dieser Regierungen bereits der Einladung nachgekommen sind. Nachdem der Verwaltungsrat seine Konstituierung vollzogen haben wird, wird er über die Kooptierung von Vertretern privater Organisationen mit beratender Stimme Beschluß fassen. Dann erst wird die Berufung Dr. Weizmanns, den der Prager ZionistenKongreß bekanntlich mit der Leitung der Aktion der Zionistischen Organisation für die deutschen Flüchtlinge l)eträut hat, aktuell werden. Generalsekretär des Flüchtlingsamtes, der mit James MacDonald intim zusammenarbeiten wird, wird der Tschechoslowake K r n o sein, der gegenwärtig ein höheres Amt im Vöikerbundsekretariat bekleidet. Der Völkerbundrat sandte den Regierungen der interessierten Staaten einen Fragebogen über die Tätigkeit der Behörden zum Schutz der Flüchtlinge. Nach Elintreffen der Antworten wird das Flüchtlingsamt seine Tätigkeit offiziell aufnehmen. Professor James Grover MacDonald ist eine international sehr bekannte Persönlichkeit. Seit einer Reihe von Jahren ist er Vorsitzender der Foreign Policy Association (Vereinigung für Außenpolitik), die in den Vereinigten Staaten großes Ansehen genießt. Er steht im 48. Lebensjahr und ist Professor für Geschichte und Politik. Seine Berufung und die von den Vereinigten Staaten telegraphisch erteilte Zustimmung zur Teilnahme an dein Flüchtlingswerk wurden in Genf mit hoher Befriedigung aufgenommen. In diesem Telegramm wird unter anderem darauf hingewiesen, daß sich das amerikanische Volk stets für die Linderung der Lage jener Unglücklichen eingesetzt habe, die durch nicht von ihrem Willen abhängige Umstände ins Elend geraten seien. Eine Proklamation. Die folgende Proklamation des Bürgermeisters ven Ncw-York zum „Jüdischen Tag" ist — schon angesichts des Umstandes. daß derselbe Mann den hakenkreuzlerischen ..Deutschen Tag" verboten hat — bemerkens- AN DIE EINWOHNER DER STADT NEW-YORK! DA Bürger unserer Stadt am 14. September ein Schaustück zur Aufführung bringen mit dem Namen: „Der Roman eines Volkes", das die viertausendjährige Geschichte des jüdischen Volkes wiedergibt und symbolisch die Ideale und das Streben der Rasse darstellt und DA der Erlös dieses Schaustücks zur Ansiedhing von Juden in Paliistina verwandt werden v/ird, SO BESTIMME ICH, John P. OBrien, Bürgermeister der Stadt New-York, und erkläre Donnerstag, den 14. September 1933, als „Jüdischen Tag'4, zum Zeichen meiner Wertschätzung für eine Gruppe unserer Mitbürger, die in hohem Grad zum kulturellen und materiellen Fortschritt unserer Stadt beigetragen hat; und ich rufe alle Bürger, gleich -welchefl^Giaubens» - auf, diesem Schaustück"ihre Umersrülzung zu gewähren, zum Zeichen für die ganze Welt, daß in dieser der größten Stadt der Welt Freundschaft die Religionen und Rassen verbindet; und ich schlage weiter vor, daß alle Organisationen diesen „Jüdischer: Tag'" als Gelegenheit betrachten mögen, um in ihren Programmen öffentlich zum Ausdruck zu bringen, daß in unserer Mitte zwischen Juden und C h r i s t e u E i n t r a c ht und Hilfsbereitschaft herrscht, so d::!J jedermann sehe, der Geist der Brüderlichkeit an den Grenzen der Rasse und des Glaubens nicht Halt machv. ZUM ZEUGNIS DESSEN ich meine Unterschritt gebe und das Siegel der Stadt New-York setzen lasse heute, den 31. August 1933. JOHN P. O'BRIEN, Bürgermeister. nggienisdies Hönigsilcht Seit vielen Jahren das anerkannt beste KONKURS Im Prater Bethausvereine Tetilath Jeschurun gelangt die Stelle eines Oberkantors zugleich Baal- Koreh ehestens zur Besetzung. Bewerber mit klangvoller Stimme (Bariton bevorzugt), die den Nachweis der österreichischen Staatsbürgerschaft, sowie Kenntnis der hebräischen Liturgie erbringen müssen, wollen ihre schriftliche Offerte mit den Ausweisen ihrer bisherigen Tätigkeit, mit genauer Angabe des Alters, Familienstandes und Gehaltsansprüche an den genannten Vena'nsvorstand IL. Sebastian Kneippgasse 14, bis 15 November richten. lullt w^now Man achte auf die ges. gesch. Mark« „Hyglcn. Könlg»llcht" und Name Schulz Fabrik und Büro: Ollen XIV., Braunhlrschengassstt 3 Telephon R 3-1-87 GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM. KORNMEHL WIEtt HC, BBROOASSS NR. 19 HUAUi XVIII., WÄMRINQARSTRASSft 97 Telephon Nf. A l7-3-9»nnd A lS-9-34 Ltoterant für Hallanstalta» AbteilungenffrKoscherfiefscf) •urtap Aufsieht da« «hin«. Rabbinatos dar l«r. Kultusa««*ei«d« Wi«a. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Vorlesung ernst Lissauers in der „Union". In einem von der ..Union österreichischer Juden'" im Festsaal des flandelsmusiums, IX.. Berggasse Nr. 16. veranstalteten Vortragsabend liest Lissauer Donnerstag, den 23. November drei Moses-Gedichte aus „Flammen und Winde", die in Buchform noch nicht veröffentlichte Legende „Das Gericht Noahs" und Teile aus dem Drama „Das Weib des Jephta". Ueber dieses Drama, das mit großem Erfolge 1929 in Halle, Karlsruhe und anderen deutschen Städten aufgeführt wurde, schrieb z. B. die „Neue Badische Landeszeitung", Mannheim: „Der einstige Dichter des Haßgesanges ist, wohl aus tief aufwühlendem Erlebnis heraus, ein Streiter gegen den Krieg geworden. ,Das Weib des Jephta' wird zur Tendenzdichtung, zwar in das Gewand des Alttestamentarischen gehüllt, doch erfüllt von Zeitinhalt und Erlebnis. Bei glänzendem dramatischen Aufbau der Schlußszenen und einer Rede, die zur Bibelsprache anschwoll, griff er tief in die Herzen." Oder die „B. Z. am Mittag": „Ein Werk, das hoch aufragt aus den Niederungen der heutigen Zeit, ein mächtiger harter Mahner an ewige Gesetze, zugleich ein Werk voll höchster Kunst in der Größe und Feinheit der Charakter- und Szenenbildung, durchdrungen von echter dramatischer Leidenschaft." Ueber Lissauer als Vorleser schrieb der Wiener „Tag", er sei „ein vorzüglicher Interpret seiner Werke". Schaffung von jüdischen Siedlungen in Österreich. Aus einem Vortrage des Obmannes des Bezirksausschusses Vl/VIl der Union österreichischer Juden Herrn Nathan P o 11 a k, gehalten am 26. Oktober 1933. Das Thema meines Vortrages „Schutz und Vorbeugung für jüdische Arbeltslose" ist ein sehr trauriges, vielleicht das traurigste Kapitel in der Wiener Judenschait. Arbeitslos sein ist ein großes Unglück, ein jüdischer Arbeitsloser zu sein, ist ein hoffnungsloses Unglück. Sie alle wissen, was es heute für einen jüdischen jungen Mann oder iür ein jüdisches Mädchen bedeutet, einen Posten zu finden. Tausende junge Leute sind arbeitslos und immer größer wird das Meer derselben; alljährlich wird eine groGc Anzahl Schüler und Schülerinnen mit ihren Studien fertig und es besteht keine Möglichkeit, dieselben irgend welchem Berufe zuzuführen. Ich srage mich: können wir warten, bis di~ österreichische Wirtschaft sich so weit gehoben haben wird, daß sie unsere tausende jüdischen jungen Männer und Frauen wieder wird aufnehmen können und wenn es so weit sein wird, wird sie die jüdischen Kräfte nehmen? Wir aber können nicht warten, weil die Not des täglichen Lebens schon zu groß ist. Auswandern können die Arbeitslosen auch nicht, weil sich jeder Staat absperrt und strenge Verbote für d e Beschäftigung von Ausländern bestehen. Das Tempo der Einwanderung nach Palästina ist — wie Sie alle wissen — sehr gedrosselt worden. Hier muß Hilfe von anderer Seite kommen und dazu erlaube ich mir, Ihnen einen Vorschlag zu machen, der, wie ich hoffe, auch in weiteren Kreisen Unterstützung finden wird, und zwar: Schaffung von jüdischen Siedlungen in Oesterreich! Ja, ich rege die Errichtung von mehreren großen Siedlungen in Oesterreich für jüdische Erwerbslose als einzige brauchbare Hilfe — insbesondere für unsere Jugend — an. Ich schicke voraus, ich will die zionistische und unser aller Hoffnung, die Juden in Palästina anzusiedeln, nicht schmälern; im Gegenteil, ich will die Jugend durch die österreichische Siedlung auf die Möglichkeit, sich in Palästina anzusiedeln, vorbereiten; ich will junge Leute, Männer und Frauen, umschulen von ihrer bisherigen geistigen und industriellen Tätigkeit auf solche manueller, insbesondere der Bearbeitung von Grund und Boden. Ich will auch kein jüdisches Ghetto schaffen, ich habe nur die wirtschaftliche Seite im Auge, der Not abzuhelfen, die Möglichkeit zu schaffen, jüd'sche Familien zu gründen, die Jugend umzuschulen und womöglich durch die Innnenkolontsation eine soziale Arbeitsgemeinschaft zu schaffen. Hierbei K'mnien 'ins

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