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Die Wahrheit · 1933-11-03 · Heft 44 (3.11.1933) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 44 (3.11.1933)
Date
1933-11-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE WAHRHEIT LEOPOLO CTASSCHUHE nur VH.BURSöASSE 5 M selben Ziele und die staunende Welt bekommt ein Buch vorgesetzt, in dem antisemitische Forderungen und jüdischnationale Belange eine groteske Kongruenz aufweisen... : Die letzten Nachrichten besagen, daß die Lage in Palästina noch immer eine sehr ernste ist. Wie weit es den Engländern gelungen ist, den blutigen Aufstand der Araber niederzuschlagen, ist zur Stunde, da diese Zeilen geschrieben werden, nicht bekannt. Hoffen wir, daß die diesmal bewiesene Energie der Mandatarmacht durchgreifen und das Land, dessen wirtschaftliche Lage zu schönen Erwartungen berechtigte, wieder in den Friedenszustand versetzt werden wird, dessen es zu seiner segensreichen Entwicklung bedarf. Die Judenheit der ganzen Welt — ohne Unterschied der innerjüdischen Parteistellung — blickt mit Unruhe ins Heilige Land, das jetzt Schauplatz so grauenhafter Kämpfe geworden ist. Sie erhofft sehnsüchtig einen baldigen Abschluß dieser blutigen Ereignisse, aus denen bei Wiederkehr normaler Verhältnisse die richtigen Lehren gezogen werden müssen. Wie es zum Aufstand kam. Bekanntlich hat bereits am 13. Oktober ein arabischer Proteststreik gegen jüdische Einwanderung und jüdischen Bodenkauf stattgefunden, der aber den Erwartungen der arabischen Führer niclit ganz entsprach. Die arabische Exekutive hatte deshalb für den 27. Oktober einen neuerlichen Streik angesetzt, der so wie der erste von den Behörden verboten wurde. Die Mitglieder der arabischen Exekutive begaben sich daraufhin zum High Commissioner Sir Arthur Wauchope nach Jerusalem und ersuchten ihn um Aufhebung des Verbotes. Der High Commissioner lehnte aber dieses Ersuchen strikte ab und schärfte den arabischen Führern ein, daß sie die arabische Jugend, deren Führer erklärt hatten, trotz des Verbotes den Streik und die Kundgebung durchführen zu wollen, vor unbedachten Schritten warnen müssen, da die Polizei in voller Bereitschaft sei und Instruktionen habe, gegen jeden Versuch einer Ruhestörung mit aller Schärfe vorzugehen. Im übrigen hänge die Einwanderung von der wirtschaftlichen Absorptionsfähigkeit des Landes ab. Trotz dieser strikten Warnung haben sicii dennoch in den Vormittagsstunden des vergangenen Freitag an vielen Stellen des Stadtzentrums von Jaffa, namentlich vor dem Regierungsgebäude, tausende Araber angesammelt, die den Befehlen der Polizei, ruhig auseinanderzugehen, nicht gehorchten. Gegen mittags waren vor dem Regierungsgebäude etwa 10.000 arabische Demonstranten versammelt Die Lage wurde bedrohlich, doch machte die Polizei zunächst von der Waffe nicht Gebrauch. Plötzlich begannen Teile der Demonstranten gegen das Regierungsgebäude vorzudringen, nachdem sie die vor dem Gebäude aufgestellten Stacheldrahtverhaue durchschnitten hatten. Aus der Mitte der Demonstranten fielen Schüsse, durch die ein arabischer Polizist getötet und einige andere Polizisten verletzt wurden. In diesem Augenblick wurde vom Kommando der Polizei Befehl zum Feuern gegeben. Die Menge stieb auseinander, eine Anzahl Tote und zahlreiche Verletzte blieben auf dem Platze. Bald aber versuchten die Demonstranten, sich wieder zu sammeln und gegen die Polizei: vorzustürmen. Bei diesen Zusammenstößen gab es wiederum einige Tote und mehrere Verwundete. ENOBME AUSWAHL BILLIGSTE PBEISE E pPF 0 1* TEPPICHE VORHÄNGE PlODELSTOrrE. DECHEN MVR 1., BAUERNMARKT 12-14 Der erste halbamtliche Bericht lautet dahin, daß während der Zusammenstöße drei Demonstranten und vier Polizisten, zwei englische und zwei arabische und zehn englische Polizisten mehr oder weniger schwer verletzt wurden. (Es sind aber im ganzen Lande Gerüchte verbreitet, daß mehr als 20 Tote auf beiden Seiten gezählt wurden.) In dem Berichte wird ausdrücklich hervorgehoben, daß die Polizei erst dann von der Waffe Gebrauch machte, als aus der Mitte der Demonstranten auf sie geschossen wurde ■und arabische Polizisten getötet oder verletzt wurden. In Tel Awiw herrschte während des ganzen Tages vollkommene Ruhe, die Bevölkerung ging FERROCART SUPER 193*t UOPWVPHÖM ihrer normalen Beschäftigung nach. Deshalb überraschte es, als in den Nachmittagsstunden verkündet wurde, daß, ebenso wie über Jaffa, auch über TelAwiw der Belagerungszustand verhängt wurde, der im weiteren Verlauf der Ereignisse über das ganze Land ausgedehnt wurde. Seit diesem beklagenswerten Vorfall ist Palästina bis zur Stunde nicht mehr zur Ruhe gekommen. Ausführliche Nachrichten liegen im Momente wohl nicht vor. Zeitungsmeldungen zufolge wurde am Samstag nach einem Angriff auf den Bahnhof das Gefängnis in Nablus von der Menge gestürmt, die Gefangeneu wurden von den Aufrührern befreit: Am Sonntag ist es, während in den übrigen Teilen Palästinas Ruhe herrschte, in Jerusalem selbst wieder zu schweren Zusammenstößen gekommen. An der Stadtmauer, beim Damaskustor, feuerten die Polizisten eine Salve auf die dort angesammelten Araber ab, aus deren Mitte auf einen ägyptischen Polizeioffizier geschossen worden sein soll. Ein Araber wurde schwer verletzt. In der Nähe einer Moschee versuchten mehrere üundert Araber nach dem Gottesdienst einen Demonstrationszug durch eine von Juden bewohnte Straße. Ein englischer Unteroffizier versuchte vergeblich, die Menge von ihrem Vorhaben abzubringen und gab schließlich den Befehl zum Feuern. Bei diesen Zusammenstößen wurden sieben Araber verletzt, darunter drei so schwer, daß sie ihren Verwundungen erjagen. Die Lage ist im ganzen Lande auch weiter sehr gespannt, ein Beweis dafür ist die Tatsache, daß mehrere ausländische Dampfer, die jüdische Auswanderer nach Palästina bringen sollten, die Weisung erhielten, zunächst nicht zu landen und in auswärtigen Häfen die Klärung der Situation abzuwarten. Der Generalstreik der Araber wird im ganzen Lande streng befolgt. Kriegsgerichte wurden eingesetzt und den Aufständischen Deportation angedroht. Nach einer Reutermeldung sollen die Unruhen auch nach Transjordanien und dem Irak übergegriffen haben. In dieser Fieberstimmung hat merkwürdigerweise die Eröffnung des neuen Hafens von Haffa stattgefunden. tfeuittetom Von Juden und jüdischer Wesenheit Von Max Z o d y k o w. Am Hammer erkennst Du erst, was für ein unverwüstlicher Amboß Du bist, Jude, Volk Israel. Bleibe nur immer so, doch schaffe von Zeit zu Zeit Dir selber einen Hammer, auf daß Du allein Deine ewigen Werte herausschmiedest. Stets noch mußte dies durch Fremde und Fremdes geschehen. * Jeder echte jüdische Mensch ist in der Grundtiefe seiner Seele ein Jakob, doch nicht jeder ist stark genug, die lange, schwere Nacht durchzuringen und den großen Gottessieg zu ertrotzen. Traurigkeit ist ein geschichtlich bedingtes Erbteil des Juden, daher soviel beißender Witz und Komödiantentum auch. * Der leidet um des Leidens willen, jener um seiner Seligkeit willen — der Jude leidet einzig um des Lebens willen. _ Die Juden sind das Salz des Lebens. Dies Salz wird aber oftmals in Pulver umgefälscht und als schadenstiftendes Weltübel gebrandmarkt. sj: Man mag dem Juden alles nehmen, dreierlei wird man ihm nie nehmen können: seinen Glauben, seine Intelligenz, seine Schmiegsamkeit — sie sind ihm als Abwehrwaffen von der Natur mitgegeben. Nicht das ist das Bedeutende, daß einer Jude ist, sondern, daß er es immer und in allem, wie Schicksal und Geschichte es auch fügen, bleibt und voll Stolzbewußtsein bekennt. * Das Zufällige am Juden ist sein Auffälligstes — daher diese wunderliche Lage ringsum ihn alle die Jahrtausende hindurch. * * Die Hütten der Väter werden den Söhnen zu Palästen, wenn sie gern darin wohnen und an ihrem Fortbestand bauen. * Es genügt nicht, daß man sein Erbe antritt und es dann wie einen unberührbaren Schatz still und ehrfurchtgebunden bewahrt, man muß es auch ausbreiten, weitergeben, in verzinsbare Münze, sozusagen, umprägen, daß der weite innere Wertemarkt davon widerhallt. Weil Du nicht schwimmen kannst, soll auch ich nicht aufs Wasser? — Beschämenswerter Standpunkt . . . ❖ Die Macht der Juden liegt hauptsächlich in ihrer Ohnmächtigkeit — das mag vielleicht paradox klingen, aber man denke nur einmal zwei Minuten lang darüber nach ... * Die Judenschaft ist die ewige Jugend der Erde ... Der Jude bildet weder die stets so gefürchtete Konkurrenz noch die allseits verpönte Ausnahme im großen Völkerkreis. Er stellt lediglich eine naturgewollte und durch die Zeitengeschichte geförderte Einmaligkeit dar, das ist sein Vergehen, das will und kann man ihm nicht verzeihen. * Wo Juden wohnen, weilt Gottes geschäftiger Allgeist. Die Nationen sind gesegnet und ei starken am strebensgesättigten Wetteif er. * An der Geschichte Israels erkennt man seine Mission und tiefere Berufung der Welt gegenüber. — Lobsinge darum, Israel, in allen hundertfünfzig Psalmen! Die Palme der Erde ist Dein, wenn Du sie nicht vorher schon durch Ungeschick oder Ungestüm selber zerknickst.

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