Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1933-10-27 · Heft 43 (27.10.1933) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 43 (27.10.1933)
Date
1933-10-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3064350-3064391--19504-3084648
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Der Orden B11 e B r i s s in Palästina hat in seiner soeben in Jerusalem abgehaltenen Jahresberatung eine Resolution gefaßt, in der die Ab haitun jt eines Weltkongresses des Ordens Bne Briss in Tel Awiw anläßlich der im Frühjahr 1934 dort abzuhaltenden Levante-Messe verlangt wird. Im Verlauf der Beratung wurden die Lage der Juden in der ganzen Welt, besonders die der deutschen Juden, der Stand der Palästihaeinwanderun» und das Arbeitsgebiet des Ordens Bne Briss erörtert Der Bürgermeister von Tel Awiw Mayer Dizengoff sprach vor den Mitgliedern des Ordens und dem Schwesternbund über die Idee des Weltkongresses der Bne Briss. Nach einer Aussprache wurde eine Kommission eingesetzt, die unter der Leitung von Dizengoff für die Idee des Weltkongresses in der Diaspora werben soll. * Auf Veranlassung der allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas (Histadruth Haowdim). in deren Auftrag der Delegierte Aba Houchi im August d. J. Saloniki besucht hat. um dia Verhältnisse der dortigen jüdischen Arbeiterschaft zu studieren, hat die Jewish Agency dem Palästina-Amt von Saloniki hundert Einwanderungszertifikate zugewiesen, um die Uebersiedlung jüdischer Hafenarbeiter aus Saloniki nach Haifa, wo dringende Nachfrage nach Hafenarbeitern besteht zu ermöglichen. Saloniki ist außer Odessa woiil die einzige Stadt in der eine erhebliche Zahl von Juden als Hafenarbeiter, Verlader, Karrenführer, Lastträger usw. ihr Brot verdienen. Es sind bereits 60 jüdische Hafenarbeiter-Familien in zwei Gruppen von Saloniki nach Palästina abgereist „Gleichgeschaltet .. Wenn man früher einmal ins Kaffeehaus ging und bereits sämtliche Tages- und Abendblätter gelesen hatte, empfand man es als eine angenehme Zerstreuung, wenn man sich die neuesten illustrierten Zeitschriften, die ja so eigentlich eine gedruckte Wochenschau-Reportage bildeten, zu Gemüte führen konnte. Da war es natürlich keine Frage, daß die deutschen Zeitschriften, angefangen von der weltbekannten „Woche", „Jugend" usw. bis zum kleinsten illustrierten Provinzblättchen überall und immer dominierten. Und wahrlich, es war wirklich ein Vergnügen, diese Zeitschriften, ob diese jetzt der ernsten Muse oder dem Humor dienten, zu lesen. Was in der deutschen Literatur- und Gelehrtenwelt Rang und Namen hatte, konnte man in den Zeitschriften als Autoren vertreten finden, abgesehen von den wohl auf der ganzen Welt bekannten und berühmten Karikaturisten, die geradezu den einzelnen Blättern erst die richtige Note verliehen. Ein Kapitel für sich bildeten die Illustrationen. Da gab es kein Geschehnis auf der weiten Welt, das nicht in Wort und Bild festgehalten wurde, denn auch in dieser Hinsicht konnten sich die deutschen Zeitschriften rühmen, stets führend zu sein. Mit einer staunenswerten Pünktlichkeit konnte man schon nach einigen Tagen die neuesten Ereignisse und Sensationen, ob es nun ein Erdbeben in Japan oder ein Pferderennen in Australien war. in einem vollendeten Photo in einer dieser „Illustrierten" finden. Wie sehen nun diese Zeitschriften heute aus? Man kann ruhig sagen, daß einzig und allein bei allen diesen einst so beliebten Blättern nur mehr Druck und Papier das gleiche geblieben sind. Denn der Inhalt, ob nun Roman, Erzählung usw. oder Bild, ist gleichgeschaltet und die Autoren sind gänzlich unbekannt. Eine traurige, aber wahre Tatsache! Lauter unbekannte „Größen1', die nur den „Segnungen" im „Dritten Reich" es zu verdanken haben, gedruckt zu werden, gleich den Karikaturisten; deren öde und billige Skizzen in früheren Tagen selbst das letzte Ortsblättchen abgelehnt hätte. Nicht zu sprechen von dem Inhalt dieser durch die Bank gleichgeschalteten Zeitschriften. Von Kopf bis Fuß auf Nazitum eingestellt triefen die diversen Feuilletons und Betrachtungen naturgemäß von Verherrlichungen des „Dritten Reiches". Im gleichen Maße ist es mit den Karikaturen bestellt. Kitschig und schlecht verunglimpfen sie alles, was außerhalb der Nazisphäre steht, und versuchen vergeblich, ihre frühere Sympathie zurückzugewinnen. Sind nun die literarischen Beiträge und Karikaturen der gleichgeschalteten Zeitschriften ihrem Inhalt nach wahre Mißgeburten von geistigen Produkten, so setzen wohl die Photos allem Kitsch die Krone auf. Paraden, Feste und Sportveranstaltungen, alles im Zeichen des Hakenkreuzes und dann wieder Aufnahmen eines UNION OESTERREICHISCHER JUDEN. Wien, IX.. Berggasse 4. Telephon A 19-2-77. Montag, den 30. d. M„ 8 Uhr abends, spricht im Kliibsaal des ..Cafe Excelsior". L. RotenturmstraQe 24, Herr Regierungsrat Dr. Emil Weinberg über -DIE JUDEN IN DER DEUTSCHEN SPRACH¬ GEMEINSCHAFT." Seinem Vortrage wird das knapp vor Beginn der Haler-Herrschaft erschienene Buch „Die Sprache als Bildnerin der Völker" von Georg Schmidt-Rohr zugrundegelegt sein. Dieses Werk ist für unseren Kampf von besonderer Bedeutung. Sein Verfasser — ein Arier, der im Felde gestanden ist — nimmt mit unerhörtem Mute für die Juden Partei und zerstört die sogenannte Rassentheorie. Er setzt sich mit allen gegen die Juden namentlich in jüngster Zeit in Deutschland erhobenen Vorwürfen auseinander. Seine Ausführungen sind eine der besten Waffen der Juden bei der Abwehr ihrer Gegner: es ist daher im Interesse aller unserer Mitglieder und Freunde gelegen, dieses Buch mit Hilfe der sicherlich sehr Interessanten Interpretation des Vortragenden kennenzulernen. Wir reebnen deshalb mit zahlreichem Erscheinen. Führers bei irgend einer „welterschütternden" Handlung zum Wohle Nazi-Deutschlands. Und der Erfolg der Gleichschaltung? Rapid sinkende Auflageziffern und Zusammenbruch. Denn es ist keine Frage, daß selbst dem enragiertesten braunen Parteigänger früher oder später ja doch vor dieser geistigen Kost schlecht wird und er sich, wenn auch noch lautlos, nach einer Zeitschrift sehnt, die ihm das bietet, was er sich vorläufig nur im stillen -wünschen darf. Wie gesagt, nur mehr das Papier und der Druck dieser gleichgeschalteten Zeitschriften erinnern an „einstige Pracht" und lassen den Wunsch auf baldige Aenderung des Zustandes dieser Zeitschriften offen, die der Leser derzeit nur mit einem mitleidsvollen Lächeln zur Seite legt. S u 1 f u r. Die Bruderhand. Wie der Vorsitzende des Hilfskomitees für deutsche Juden beim American Joint Distribution C o m m i 11 e e. Rabbi Jonah B. W i s e, bekanntgibt, wurden bisher vom J. D. C. in den Vereinigten Staaten 1.200.000 Dollar für Hilfe an die deutschen Juden gesammelt. * 200 hervorragende schwedische Persönlichkeiten, mit dem Kronprinzen Wilhelm, Prinzen Eugen, Selma Lagerlöf und zahlreichen U n iversitätsprofessoren und Schriftstellern an der Spitze, haben sich zu einem Komitee für Hilfe an die aus Deutschland vertriebenen Intelektuellen vereinigt und erlassen einen Aufruf an die schwedische Oeffentlichkeit zu werktätiger Mitarbeit an dem Hilfswerk für diese Flüchtlinge, denen es im Interesse der europäischen Kultur ermöglicht werden müsse, ihr Lebenswerk fortzusetzen. * Die Leitung des jüdischen An ti- Hitler- Komitees in Polen hat gemeinsam mit dem Komitee zur Durchführung des antideutschen wirtschaftlichen Boykotts beschlossen, für den Beginn des November eine Anti-Hitler-Woche zu proklamieren. In der Woche sollen Gelder für die notleidenden deutsch-jüdischen Flüchtlinge gesammelt und eine straffere Organisierung des Boykotts durchgeführt werden. * Die Londoner „T i m e s" berichten, daß von den schätzungsweise 30.000 jüdischen Flüchtlingen in Frankreich rund 10.000 ohne Mittel und auf Hilfe angewiesen sind. „Times" geben einen Ueberblick über die Lage der Flüchtlinge in allen Ländern, die überall trostlos ist und fordern einei Regelung der jüdischen Wanderung und Verteilung der Flüchtlinge auf die verschiedenen Länder, wo sie wegen ihrer Qualitäten ein Gewinn für die betreffenden Länder sein können. Zimmermaler Kohn empfiehlt sich zur Ausführung von Malerarbeiten jeder Art II., Rotenkreuzgasse 3 Tel. A 45-5-37 Interkonfessionelles Hilfswerk für die Hungerleidenden Sowjetrußlands. Unter dem Vorsitz des Kardinalerzbischofs Dr. Innitzer fand, wie in den Tagesblättern berichtet, im Wiener erzbischöflichen Palais eine Beratung der Führer aller Konfessionen in Oesterreich statt, in der die Schaffung eines interkonfessionellen Hilfswerkes für die Hungerleidenden Sowjetrußlands beschlossen wurde. Der Beratung wohnten u. a. der evangelische Oberkirchenrat Dr. S t ö c k 1, der Wiener Oberrabbiner Dr. Feuchtwang, der Domherr der Unitarischen Kirche Dr. Horynkewitsch und Archimandrit Xiruchakis bei. Die geistlichen Führer unterzeichneten einen Aufruf an die gesamte Welt, den Hungerleidenden in Sowjetrußland sofort zu Hilfe zu kommen. In der Aussprache betonte Kardinal Innitzer, daß dieses Hilfswerk unpolitisch und von der reinen Nächstenliebe geleitet sei. Nach ihm gab der Oberrabbiner Dr. F e u c h t w a n g seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß diese interkonfessionelle Hilfsarbeit unter der Patronanz eines so humanen katholischen Kirchenfürsten wie Kardinal Innitzer steht. Oesterreichische Trefferanleihe 1933. Zeichnung der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien hat beschlossen, „Oesterreichische Trefferanleihe" im Betrage von S 140.000.— für die Israelitische Kultusgemeinde Wien zu zeichnen. Ueberdies wurden die unter Aufsicht der Israelitfschen Kultusgemeinde stehenden konfessionellen Vereine und Institutionen aufgefordert, in größtmöglichem Umfange sich an der Anleihezeichnung für die einzelnen Institutionen zu beteiligen, und es wurde im Kreise der Gemeindemitglieder für die Anleihezeichnung in weitestgehendem Maße Propaganda gemacht. Spczialhaus Mr Wolle und Strickgarne Moritz Nagel Wien, 2. Bez., TaborstraJOe Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmodea Telephon A 45-8-69 Ernst Lissauer-Abend. Donnerstag, den 19. d. M., las der Dichter Ernst L i s s a u e r im Kreise jüdischer Akademiker. Eingeführt von Dr. Max Mark, der auf die Synthese zwischen Deutschen und Juden im Leben 'des Dichters hinwies: Deutschen der Kultur, Juden der tiefen Verbundenheit mit der Bibel und ihren gewaltigen Themen nach, brachte der Dichter einige Szenen aus seinem Drama „Das Weib des J e p h t a" mit meisterlichem Geschick zum Vortrag. Ein wahrhaftes Drama, gewaltig im Aufbau und tief in seiner symbolischen Gestaltung — dies der Eindruck. Im Mittelpunkt des Dramas steht jener ewige tragische Konflikt zwischen männlichem und weiblichem Prinzip, Gefühl und Verstand, instinkthafter Liebe und unerbittlichem Gesetz, dargestellt an Jephta und seiner Frau, jenem biblischen Helden, der gelobt, im Falle des Sieges das erste ihm ent-r gegenkommende Wesen als Dank dem Ewigen zu opfern. Das Opfer ist seine Tochter, der die Mutter in den Tod folgt. Zurückbleibt Jephta in seiner leiblichen Gestalt, doch seine Seele ist nicht mehr auf dieser Welt. Mit tiefer Ergriffenheit dankten die Zuhörer dem Dichter. * Am 15. November veranstaltet die „Union" einen großen Vortragsabend, an dem Ernst Lissauer einen Teil seines „Jephta" und seiner biblischen Legenden lesen wird. i JUGEND-UNION Wien IX., Berggasse 4 Telephon A 19-2-77 Einladung zu dein am Samstag, den 28. d. M., *A9 Uhr abends, im Goldsaal des Cafe Silier, I., Schwedenplatz, stattfindenden OEtElUOEN ABEND ranr TANZ Programm: Anny Rosthal, Klavier; Dr. Karl Ritter, ehem. Dramaturg im oberschlesischen Landestheater Breslau; Sascha Fiederer, Jüdische Songs; ErichKecakoff, der preisgekrönte Jazzsänger; Meiler und Wagner, die unerreichten Komiker. Beginn der Akademie präzise 9 Uhr abends. Tanzmusik: Zulu-Band. Vorverkauiskarten bei allen Leitungsmitgliedern und im Sekretariat der „Union", IX., Berggasse 4, Tel. A 19-2-77, zum Preise von S 1.20 erhältlich. Karten an der Abendkassa S 1.50. Um zahlreichen Besuch bei diesem Unterhaltungsabend, der besonders stimmungsvoll zu werden verspricht, bittet Die Leitung der Jugend-Union. Spenden für Deutschland-Flüchtlinge. In jüngster Zeit mehren sich die Fälle, daß Geschäftsinhaber und Privatpersonen von einzelnen Leuten, die sich als Deutschland-Flüchtlinge bezeichnen, um Unterstützung angegangen werden. Da sich unter diesen Bittstellern, wie erhoben, Personen befinden, die niemals Deutschland-Flüchtlinge waren und die nur das begreifliche Mitleid mißbrauchen, ist bei der Erteilung von Spenden größte Vorsicht am Platze. Es empfiehlt sich überhaupt, etwaige Spenden entweder direkt dem „Oesterr. Hilfskomitee für deutsche Jude n", 1., Seitenstettengasse 2 (Postsparkassen- Konto B-29.659) zuzuweisen oder zumindest sich vor Erteilung von Spenden an einzelne Personen zur Vermeidung von Mißbräuchen mit dem genannten Komitee (Tel. U 25-5-85 Serie) ins Einvernehmen zu setzen. Hochwertiger englischer und französischer Unterrichtf einzeln und in Gruppen, spezialisiert für Auswanderer. Auch Obersetzung von Offerten etc. in beide Sprachen. VIII., Kochgasse 22/15, zu sprechen Dienstag und Freitag. 6—8 Uhr abends.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.