Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1933-10-27 · Heft 43 (27.10.1933) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 43 (27.10.1933)
Date
1933-10-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3064350-3064391--19502-3084646
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Kflnsflcr-AKadcmle zugunsten der jüdischen Eraieranten aus Deutschland EinilDendderProminentcn Die beliebtesten Wiener Künstler baben ihre Mitwirkung zugesagt, u. a.: Grete Dierkens, Hedi Eisler. Armin Springer, Joachim Stutschesky. Fritz Wiesenthal. Professor Josei Zirabler. Sonntag, 29. Ohlober, präzise § Uhr, im resttaal des noteis Conttncnloi, Wien II., TaborslraOe 4 Eintritt: 2 bis 6 Schillint Vorverkauf in den Buchhandlungen Moses Rath, II.. TaborstraBe 20. Hirschler & Co.. I.. Rabensteig, und in der Administration der „Wahrheit". 11.. HeinestraBe 13. Bei telephonischer Bestellung " (R 46-2-16) werden die Karten auf Wunsch zugesandt. Mit der bitteren Erkenntnis, daß Berge gekreißt und ein Mäuschen geboren wurde, mögen sich jene naiven Kreise abfinden, die von dieser Koalition das Heil erwarteten. Für uns bewußte Juden ist eine andere, sehr alte, sich immer erneuernde Erkenntnislehre aus dieser Geschichte zu schöpfen: der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen . . . Ob Liebermann e tutti quanti diese nötige Lehre ziehen werde? Es ist nicht ... zu „befürchten". Die Sozialdemokratie gehört zu jenen großen Parteien, die nichts gelernt und nichts vergessen haben als die . . . Unbelehrbarkeit. Daß die Juden unter ihnen noch verstockter sind den Lehren des Lebens gegenüber, daß sie päpstlicher sind als der Papst, das ist eine alte, traurige Erfahrung, die nur durch ihre Komik einigermaßen versöhnend wirkt ... Schuldig aber bleibt hier wie in allen Fällen darr .lud ... Lemberg, im Oktober 1933. O. Preminger. Faschisten, die ursprünglich Front „gegen Deutsche und Juden" machten, sind unter dem Einfluß der mit reichen Mitteln arbeitenden nationalsozialistischen Auslandspropaganda in ein ausschließlich antisemitisches Fahrwasser geraten. Glossen. Stefan Q roßmann, der als Emigrant in seine Vaterstadt Wien zurückkehrte, ist den Journalisten der Waldheim-Eberle-Blätter begreiflicherweise nicht genehm. Kürzlich schrieb er in einer Wiener Tageszeitung über Johann Orth und erzählte in einem hier unwichtigen Zusammenhang, wie er einmal im Ausland einen Fremden kennen lernte, der ihn, erfreut einen Wiener zu treffen, fragte, aus welchem Bezirke er stamme, ob aus Währing oder von der Wieden. Die Teutonen der „Wiener Neuesten Nachrichten" griffen die Sache auf und meinten wegwerfend, sie wüßten nicht, wie Großmann geantwortet habe, jedenfalls hätte er sagen müssen, weder aus Währing noch von der Wieden, sondern aus der L e o p o 1 d s t a d t. r Die reinrassigen Herren meinen demnach, daß es beschämend ist, ein Leopoldstädter zu sein, weshalb in Erinnerung gebracht werden muß, daß dem heutigen 2. Wiener Gemeindebezirk, um nur zwei Namen zu nennen, Johann Strauß Vater (Floßgasse) und Johann Strauß Sohn (Hirschenhaus, Sperlgasse-Taborstraße) entstammten, Künstler, die ebensowenig reinrassig waren als Herr Großmann und für Wien doch mehr bedeuten als die antisemitischen Köter, die es schon zu ihrer Zeit gab. Es ist auch bestimmt ehrenvoller, seine Leopoldstädter Herkunft zu bekennen, als sich seiner tschechischen Abstammung zu schämen, wie es die meisten Wiener Hitlerbuben und ihre Zeitungsleute halten... » * i£ Bei Waldheim-Eberle — wo denn sons^t — wird auch eine „Wochen-Rundschau" gedruckt, die sich im Untertitel „Unpolitische Wochenendzeitung" nennt, aber, wie aus dem Namen ihres verantwortlichen Redakteurs, den Inseraten und einigen Ankündigungen hervorgeht, deutsch-völkisch-antisemitischen Charakter trägt. Mitte Oktober veröffentlichte nun dieses Blatt eine Wein-Nummer, in der viel über Wien und den Wein stand. Es ist nun notwendig, die Redaktion des Wochenblattes darauf aufmerksam zu machen, daß das „unsterbliche Fiakerlied" von einem Juden namens Pick stammt, ebenso wie das heute überall gesungene Lied „Ich möchte wieder einmal in Grinzing sein" von einem gewissen Ralph Benatz k i stammt, der bestimmt kein Arier ist. Es wäre sehr erfreulich, wenn die Redaktion der „Wochen-Rundschau" ihre Leser auf diese Tatsachen aufmerksam machen würde; es geht doch nicht an, daß sich bodenständige Bürger beim Heurigen an solchen fremdrassigen Melodien erfreuen ... Spectator. CJLUSITOIBAJD KUR- UND BABB ANSTALT WIEN IX., CLUSIUSGASSE NR. 12 an der Friedensbrücke gelegen js±. Original BOSSlSdKS Dampfbad mit '^a—- Buschenbehandlung gegen Rheuma etc. V Gegen Vorweisung dieses Inserates S 1.30 Nazi-Propaganda in aller Welt. Das Mitglied des amerikanischen Kongresses, Samuel Dickstein, Vorsitzender der Einwanderuncskommission des Repräsentantenhauses, macht die amerikanische Oeffentlichkeit darauf aufmerksam.1 daß eine Invasion deutscher diplomatischer und anderer Attaches nach den Vereinigten Staaten eingesetzt hat, die man sich nur dadurch erklären kann, daß der deutsche Reichspropagandaminister Dr. Goebbels in dieser Tarnung seine Agitatoren nach den Vereinigten Staaten schickt Nicht weniger als 300 nationalsozialistische Agitatoren, erklärt Dickstein, sind auf diese Weise in der letzten Zeit nach den. Vereinigten Staaten gekommen, wo sie eine wohiorganisierte und umfassende Propaganda für Hitlertum und Antisemitismus betreiben. Dickstein fordert vom Kongreß eine Untersuchung dieser Angelegenheit mit dein Ziele, diejenigen Nationalsozialisten, die getarnt, also illegal, nach den Vereinigten Staaten gekommen sind, auszuweisen. Zum Schluß bemerkt Dickstein noch, daß Dr. Goebbels mehrere Millionen Mark für die Propaganda in Amerika bereitgestellt hat. Der „Völkische Beobachter" ergeht sich in wüsten Beschimpfungen gegen Dickstein und hofft, daß „der Kongreß der Vereinigten Staaten bei der Behandlung des Antrages des Juden Dickstein die gebotene Würde zeigen und diesem Juden klar machen wird, was er von solchen Umtrieben denkt". Mehrere Kongreßmitglieder forderten Dickstein als den Vorsitzenden der Einwanderungskommission auf, beschleunigt eine Untersuchung über den Umfang der Nazipropaganda anzustellen und dem Kongreß zu berichten. Sollte sich seine Vermutung als richtig erweisen, dann werde der Kongreß in seiner Dezember-Tagung ein Gesetz annehmen, durch welches die Einreise nationalsozialistischer Agitatoren und die antisemitisch deutsche Propaganda verboten wird. Der deutsche Botschafter und ehemalige Reichskanzler Luther bestreitet in einer Erklärung, daß 300 Agitatoren als Konsularattaches aus Deutschland nach Amerika gesandt worden seien; er versucht aber nicht, die plötzliche Invasion von Attaches zu erklären Die Polizei von Philadelphia hob das Lokal einer Organisation der Khakihemden, einer antisemitischfaschistischen Gruppe, die behauptet, der Hitlerorganisation angegliedert zu sein, aus, und verhaftete 21 Mitglieder der Gruppe unter der Beschuldigung, sich Waffen durch Teilnahme an einem räuberischen Anschlag auf das Arsenal beschafft zu haben. Bei der Aushebung wurden viele Waffen gefunden. « Am 29. Oktober sollte in New York unter der Führung der Nationalsozialisten ein sogenannter „Deutscher Tag" stattfinden. Da die Nationalsozialisten für diese Veranstaltung rassenantisemitische Parolen ausgegeben haben, ersuchten die maßgebenden jüdischen Organisationen die New Yorker Polizei, die Erlaubnis zur Abhaltung der Kundgebung zurückzuziehen. Diese jüdischen Bemühungen blieben zunächst ergebnislos. Der „Deutsche Tag" wird zur Erinnerung an die 250. Wiederkehr des Tages, an dem zum erstenmal deutsche Siedler nach Amerika kamen, abgehalten. Früher war dieser Tag als eine Kundgebung der Deutschen schlechthin gedacht; da sich nun aber die Nationalsozialisten gemäß dem Willen der offiziellen deutschen Stellen der Sache bemächtigten, wollten die demokratisch gesinnten Deutschen und auch der Bund deutsch-jüdischer Vereine in den USA. von diesen Kundgebungen nichts wissen. Der Bürgermeister von New York J. P. O' B r i e n hat schließlich die Abhaltung des „Deutschen Tages" verboten. Der Bürgermeister von Brüssel untersagte den belgischen Nationalsozialisten die Eröffnung eines Nazi- Heims in einer der Hauptstraßen der Stadt, wo die Nationalsozialisten ein Palais käuflich erworben und für ihre Zwecke ausgestattet hatten. Das Verbot erfolgte auf Ersuchen der Kaufleute dieser Gegend, die befürchten, ihre Geschäfte könnten durch die Nachbarschaft des Nazi-Palais leiden. * Die Spuren der antijüdischen Propaganda des Reichspropagandaministeriums, durch die Minister Dr. Goebbels für die „deutsche Idee" in der Welt werben will, lassen sich auf Schritt und Tritt verfolgen. Dieselben Sendlinge des Reichspropagandaministeriums, die in zahlreichen Ländern die antisemitischen Gruppen mit Hilfe reichlich fließender Hägers Selchwaren-RratauFant Selchwaren an« der Fabrik SS®!1, £ Streng orth. HW (Unter Aufsicht der aftM-Jiiroel-Schiflschul) Wim II., RraterstraM SS, Telephon R-47-4-49 «ob 8 •■ffwlrte. Hochzeiten und Banketts werden bestens arrangiert Geldmittel zu organisieren suchen, senden als Sonderkorrespondenten den antisemitischen und gleichgeschalteten deutschen Zeitungen Berichte Ober die Fortschritte der antisemitischen Bewegung überall. Der „Völkische Beobachter" und zahlreiche andere Zeitungen bringen in den letzten Tagen solche Sonderkorrespondenzen aus Ungarn, Dänemark, Polen, Holland, der Schweiz, Litauen, Jugoslawien usw., in denen. über die Ausbreitung des Antisemitismus berichtet wird und oft nicht verschwiegen wird, daß die Arbeit deutscher Personen hier mit im Spieie sei. In den Berichten wird festgestellt, daß überall der Bevölkerung die Augen aufgehen über die Gefährlichkeit der jüdischen kapitalistischen Ausbeutung und der jüdischen kommunistischen Propaganda. * Im Ministerratspräsidium fand eine Beratung des rumänischen Ministerpräsidenten Vaida- Voevod mit den Unterstaatssekretären Armand Calinescu und J. Pop, sowie mit den höheren Beamten der politischen Polizei Jonescu und Parizianu statt, in der Maßnahmen zur Zurückdrängung der nationalsozialistischen Propaganda erwogen wurden. Die Regierung ist entschlossen, mit allen ihr gesetzmäßig zur Verfügung stehenden Mitteln gegen diese Strömungen anzukämpfen; sollten sich diese Mittel als nicht wirksam genug erweisen, beabsichtigt die Regierung sogar den Belagerungszustand wieder einzuführen. Mit Sorge wird die Verbrüderung der radikalen antisemitischen Parteien Rumäniens mit dem deutschen Nationalsozialismus betrachtet. Das offizielle Regierun gsorgan „Draptatea" schreibt, die Extremisten wollen Rumänien in Abenteuer stürzen. Der Entschluß der Regierung, diese 'Strömungen zu unterdrücken, ist fest und kategorisch. Modarn« Küch«n- Vorslmarar- Wohiulmmar- "' F.KOHN, Wien II TA BOR ST RASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen — Angeschlossen der „Schomra* Aus Paris wird gemeldet, daß auch die französischen Regierungskreise über die Propaganda des Nationalsozialismus in Rumänien beunruhigt sind. „Paris Midi" veröffentlicht einen Leitartikel mit der Ueberschrift „Der braune Fleck über Rumänien", in dem darauf hingewiesen wird, daß die „Christliche Liga" des Antisemiten Cuza und die „Eiserne Garde" des Terroristen Celea Codreanu sich dem Hitlertum unterordnen, und schließt: „Der braune Fleck breitet sich überall aus. Es entsteht die Frage: Was wird Frankreich dagegen unternehmen?" Die von Cuza geführte christliche Liga entfaltet eine verstärkte antisemitische Agitation im Zusammenhang mit dem am 18. November beginnenden Prozeß gegen den Bauern Emil Siancu, der den jüdischen Kaufmann Moritz Tischler, der Siancu wegen widerrechtlichen Betretens seiner Felder verklagte, vor Gericht durch einen Revolverschuß tötete. Die Cuzisten vereinigten 200 antisemitische Anwälte zu' einem Verteidigungskomitee für Siancu, und sie stellen die Sachlage so dar, als wenn Siancus Tat durch jüdische Provokationen ausgelöst worden sei. Die antisemitische Presse verherrlicht Siancu als Helden und als Opfer jüdischer Ausbeutung. Im Hinblick auf die wachsende antisemitische Propaganda in Rumänien sprach der Präsident der Union rumänischer Juden, Dr. W. Filde rmann, beim Innenminister G. G. Mironescu vor, um ihn über die Lage der durch diese Propaganda gefährdeten jüdischen Bevölkerung zu unterrichten. In einer laugen Unterredung mit dem Minister wies Doktor Fildermann an Hand eines reichen dokumentarischen Materials auf die Folgen hin, die die ungehemmte antisemitische Agitation durch ihren anarchischen Charakter und ihre gesetzwidrigen Methoden bereits gezeitigt hat Er schilderte die schwierigen Verhältnisse, unter denen die Juden in vielen Teilen des Landes infolge der künstlich geschaffenen Hetzatmosphäre und der unausgesetzten antisemitischen Drohungen leben, und zeigte die Gefahren auf, die für die öffentliche Ordnung und Sicherheit bei weiterer Duldung der judenfeindlichen Propaganda bestehen. * Die Rigaer Stadtrepräsentanz hat einen von den faschistischen Repräsentanten eingebrachten Antrag auf Beschlagnahme des jüdischen Eigentums zugunsten des Winterhilfswerks für die Arbeitslosen zurückgewiesen. Die lettischen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.