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Die Wahrheit · 1933-10-20 · Heft 42 (20.10.1933) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 42 (20.10.1933)
Date
1933-10-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Wien I., Seitenstettengasse 2, Tel. U 28-1-28 XI., Zentralfriedhof, iti» dta I. tor, Tel. U 18-0-85 Arabersireik in Jerusalem. Ungeachtet dessen, daß die Regierung den von der arabischen Exekutive für den 13. Oktober als Protest gegen jüdische Einwanderung und Bodenkauf durch Juden proklamierten Streik verboten hat, forderten die Mitglieder der Exekutive die arabische Bevölkerung auf, den Streik doch durchzuführen und sich zu Massenkundgebungen in Jerusalem zu versammeln. Die Exekutive rechnete offenbar mit der wohlwollenden Neutralität der britischen Behörden. Der Verlauf des Streiktages hat den Erwartungen der arabischen Führer nach beiden Seiten hin nicht ganz entsprochen; denn erstens wurde die Streikparole nur von einem Teil der arabischen Bevölkerung befolgt, auch war die Beteiligung an den Demonstrationen nicht so überwältigend, wie die Führer es erwartet hatten, und zweitens hatte die Regierung viel Polizei aufgeboten, um die Demonstration zu verhindern und die Ruhe aufrechtzuerhalten. Man schätzt die in Jerusalem aus dem ganzen Lande zusammengeströmte Menge zusammen mit den in Jerusalem wohnhaften Demonstranten auf etwa 6000. Infolge Einschreitens der Pclizei kam eine einheitliche Demonstration nicht zustande, sondern es marschierten einzelne Trupps durch verschiedene Straßen, die immer wieder von der Polizei aufgelöst wurden. Die Jaffa-Straße war durch berittene Polizei, Polizei zu Fuß und Militär abgeriegelt. Etwa 1000 Demonstranten, die durch das Neue Tor iogen, wobei verschleierte Frauen ihnen voranschritten, wurden von der Polizei auseinandergetrieben. Nur einem kleinen Teil Moslems unter Führung einiger Mitglieder der arabischen Exekutive gelang es, zum Regierungsgebäude zu kommen. Die Regierung aber weigerte sich, die Mitglieder der Exekutive, Führer einer verbotenen Kundgebung, zu empfangen. Die Polizei zerstreute schnell die vor dem Gebäude Versammelten. Der greise Präsident der arabischen Exekutive, Muza Kazim Pascha, brach vor dem Regierungsgebäude ohnraächtigzusammen, konnte sich aber bald wieder erholen. Obwohl die jüdischen Einwohner sich durchaus frei in allen Teilen der Stadt bewegten, kam es an keiner Stelle zu ernsteren Zusammenstößen; an verschiedenen Stellen der Stadt kam es zu kleinen Plänkeleien, bei denen mehrere Personen geringfügige Verletzungen davontrugea Aber nur bei wenigen dieser Plänkeleien waren Juden beteiligt. Veröffentlichungen her „Union" Die Union österreichischer Juden (Wien IX., Berggasse 4, Tel. A 19-2-77) hat, um den Zeichnungen für die Trefferanleihe unter der Wiener Judenschaft einen entsprechenden Nachdruck zu verleihen, an sämtliche Wiener Kultussteuerzahler folgende Aufforderung gerichtet: Jüdische Mitbürger! Die Regierung DoliiuB kämpft mit bewunderungswürdiger Energie gegen die besonders uns Juden bedrohende -nationalsozialistische Gefahr. Sie kann nur siegen, wenn ihr politischer Kampf von wirtschaftlichen Erfolgen begleitet ist Den Weg zu diesen soll die neue Innen-Anleihe ebnen. Erfüllt daher Euere Pflicht als Bürger und Juden Oesterreichs und zeichnet — jeder nach seinen Kräften und Möglichkeiten — die 4%ige Oesterreichische Trefferanleihe 1933. Diese Pflichterfüllung ist um so leichter, als mit dieser absolut wertbeständigen Anleihe für den Zeichner ganz außerordentliche Vorteile verbunden sind. Der Gedanke, unter den gegenwärtigen Verhältnissen den Anteil der Juden an den Gesamtzeichnungen möglichst groß und eindrucksvoll zu gestalten, führte zur Einrichtung einer SELBSTÄNDIGEN ZEICHNUNGSTELLE der „UNION ÖSTERREICHISCHER JUDEN". Bedient Euch daher, um diesen Zweck zu erreichen, der Vermittlung unserer Zeichnungsstelle. Zeichnungsstelle der „Union österreichischer Juden" Wien I., Goldschmiedgasse 6. Hochwertiger englischer und franzö- Sedier Unterricht, einzeln und in Gruppen, «pezialisiert für Auswanderer. Audi Obersetzung von Offerten etc. in beide Spradien. VIII., Kodigasse 22/15, zu sprechen Dienstag und Freitag, 6—8 Uhr. abends.. Glossen* Die selige „Dötz" brachte beinahe alltäglich mit „Mungo" unterzeichnete Feuilletons, die vor Gemeinheit und analphabetischer Dummheit strotzten. Die übelsten antisemitischen Märchen wurden da in geistreich sein wollender Form aufgetischt, dumm „ordinäre" Geschichten von der Rolle jüdischer Frauen im Altertum wurden mit einem Mäntelchen geschichtlicher Gelahrtheit verbrämt in die Massen geschleudert. Zu den Lesern der deutschvölkischen Blätter gehörten bekanntlich Universitätsprofessoren, Akademiker und Intellektuelle. Keiner dieser sich zur Blüte der Nation zählenden Männer fühlte sich bemüßigt, gegen diese blöden, gemeinen und dreisten Feuilletons seines Blattes zu protestieren. Aber auch die Blätter der anderen Richtungen fanden keinen Anlaß, darauf hinzuweisen, daß derartige Beiträge einer großen Tageszeitung dem moralischen und geistigen Niveau der bodenständigen Bevölkerung nicht zuträglich sein können. Nun hat vor kurzem die „R e i c h s p o s t" das Geheimnis dieses „M u n g o" gelüftet. Dieser Feuilletonist, Valentin Schuster mit Namen, ist der Typus des deklassierten Halbintellektuellen, wie er in den Reihen der nationalsozialistischen Bewegung überwiegt, war als Kokainist am Steinhof. dann bei der Fremdenlegion und ist wegen verschiedener Delikte mit vier Jahren schweren Kerkers vorbestraft. Heute ist der Mann dort, wo er hinpaßt, bei einem Presseunternehmen des „Dritten Reiches" in München. Es ist wohl die Frage berechtigt: wie konnte sich ein derartiges Subjekt Monate hindurch als Feuilletonist betätigen, ohne daß Staatsanwaltschaft und Journalistenorganisation aufmerksam wurden? Wenn sich journalistische Gemeinheiten gegen Juden richten, dann versagt eben meistens das Auge der maßgebenden Stellea Wäre die „Dötz" nicht aus politischen Gründen unmöglich geworden, wir wetten, Herr Schuster könnte noch heute als „Mungo" seinen Unflat verspritzen! * Die „Ostmark" ist trotz der hier kürzlich beleuchteten antisemitisch-bübischen Agilität der besser fundierten offiziellen Tarn-Nazipresse unterlegen. Die „W iener Neuesten Nachrichte n", die „Neue Z e i t u n e". das „12-U h r-B 1 a 11" und die „Depeschen", die in Wien die Belange des Dritten Reiches vertreten, werden bei der Wald he im E b e r 1 e A.- G. gedruckt. Diese große Druckerei gehört bekanntlich seit einiger Zeit der gleichgeschalteten Firma Ullstein in Berlin. Derartige Dinge sollen der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten werden. Schließlich sollen es auch die jüdischen Frauen wissen, wem „Ullsteins Blatt der Hausfrau" gehört und wo es gedruckt wird. * In der heutigen furchtbaren Zeit ist eiserne Konsequenz jedes Juden erforderlich. Es genügt nicht, mit viel Worten und großer Erregung gegen die aus Deutschland kommende Barbarei zu protestieren. Man darf nicht die Hände in den Schoß legen und auf irgendein Wunder warten. Man muß auch handeln. Einige Fragen: Ist es denn wirklich notwendig, daß noch immer tausende Juden deutsche Kinofilme ansehen, deren Hauptdarsteller, wie Renate Müller, Oskar Sima, Willy Fritsch, Harry Piel Obernazis sind? Muß man denn wirklich Ufa-Tonkinos besuchen, die ihre jüdischen Angestellten aufs Pflaster warfen? Müssen die vielen tausenden jüdischen Photoamateure noch immer reichsdeutsche Filme, wie Perutz, Voigtländer und Agfa benützen? Geht es nicht beispielsweise ebenso gut mit Kodak? Muß man Aspirin und Pyramidon nehmen, sind nicht die weit billigeren Präparate der Oesterreichischen Heilmittelstelle ebenso wirksam? Muß man Theateraufführungen mit Werner Krauß und Konrad Veidt besuchen? Oder noch heute Bücher jenes Gerhart Hauptmanns kaufen, der sich nun mit diesem Deutschland der Hitler und Konsorten identifiziert? Spectator. UijgleiiKdics KOnigsiicht GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGH. KORNMEHI UHHHHIM^BMHMMH^HHHHHBBHHHHBi WIEN IX., BERGOASSE NR. 19 FILIALE» XVIII., WÄHRINOMSTRASSE 9t Telephon Nr. A 17-349 and A IS-9-34 Lieferant für Heilanstalten AbteilungenfflrKoscherfleisch unter Aufsieht «hrwr. Rabbinate* «ai> Imr. Kultusgamaind» Wlajt. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlieh Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Flachschädel. Hans F. K. Gunther hat an Dr. Arthur Polzer-Hoditz einen Offenen Brief gerichtet, der verdient, über den Kreis der „Reichspost"- Leser hinaus überall dort verbreitet zu werden, wo man sich noch eines herzhaften Lachens erfreut. Hören wir, wie sich Dr. Polzer-Hoditz mit dem Meister der Rassenkunde auseinandersetzt. Er schreibt: Daß wir armen Oesterreicher, die wir immer glaubten, eine deutsche Stammbevölkerung zu haben, „h e t i t i s c h - h e b r ä i s c h e" Urahnen haben, ist ebenso interessant und neu wie politisch — wertvoll; denn das, was an dieser Feststellung für uns Oesterreicher beschämend sein soll und für die österreichischen Nationalsozialisten gewiß auch recht beschämend ist, wird durch die nunmehr klare, erlösende Erkenntnis des Unwerts aller Oesterreicher, in das Reich des Hakenkreuzes aufgenommen zu werden, vollends aufgewogen. Und noch in einer anderen Hinsicht erbringen Sie den Nachweis unvoreingenommener, herzerquickender Aufrichtigkeit: Nach Ihrer Theorie scheiden wir Oesterreicher als „Kurzschädel" aus der Reihe der „vollwertigen" Menschen aus. Wenn nun dem so ist, so teilt auch Ihr Führer, Reichskanzler Adolf Hitler, unser beschämendes Los, da er kein „Lang"- und kein „Blond"-, sondern — ich schäme mich fast, es niederzuschreiben, wenn ich mich auch auf das Urteil eines deutschen Professors der „Rassenkunde" berufen kann — als Oesterreicher ein ganz gewöhnlicher „Kurzschädel" hetitisch-hebräischen Ursprungs ist. Diese Schicksalsgemeinschaft hilft uns, unser eigenes Los leichter zu tragen. Einen Mangel aber weist Ihre „Rassenkunde" dennoch auf: Sie unterscheiden zwischen „Langschädeln" und „Kurzschädeln"; doch sie vergessen eine dritte Kategorie: das große Reich der Flachschädel. Das Verbot des Horst-Wessel- Films, Man weiß sehr genau, daß das Verbot der Vorführung des Horst-Wessel-Films nicht so sehr aus ästhetischen Gründen, sondern mit Rücksicht auf das Ausland erfolgt war, die es wenig opportun erscheinen ließ, gerade während der Genfer Debatten ein Filmwerk herauszubringen, dessen Hauptwirkung in seiner antisemitischen Tendenz liegt. Das Auswärtige Amt sei vom Ausland darauf aufmerksam gemacht worden, daß die Vorführung zu judenfeindlichen Ausschreitungen Veranlassung geben könnte, für die dann; die deutschen Behörden, die den Film zuließen, verantwortlich gemacht würden. Die Hersteller des Films wurden daraufhin zu einer Umarbeitung veranlaßt; da aber das antisemitische Moment der Hauptgesichtspunkt bei der Herstellung des Films gewesen war, so wurde die beabsichtigte Wirkung wesentlich beeinträchtigt. Obwohl der künstlerische Oberleiter des Films Ernst Hanfstängl, Hitlers intimer Freund, war, der gemeinsam mit dem Manuskriptverfasser Hans Heinz Ewers die Entstehung des Films überwacht hatte, entschloß man sich doch im letzten Augenblick, den Film zurückzuziehen. Die Aufnahmen zu dem Horst-Wessel-Film kamen, wie wir vor einiger Zeit berichteten, auf folgende Art zustande: Als Darsteller der Kommunistenhorden wurden in der Grenadier- und Dragonerstraße zu Berlin wohnende Ostjuden zwangsweise verwendet. Sie wurden auf Dächer

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