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Die Wahrheit · 1933-09-20 · Heft 38-39 (20.9.1933) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 38-39 (20.9.1933)
Date
1933-09-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE .WAHRHEIT S«fte 7 Sind die deutsehen Juden Gäste"t f J_In . einem ostdeutschen Lyzeum sagte eine Iftäienassessorin zu einer auf die „Extrabank'4 gejätetenjüdischen Tertianerin:' „Nimm dich mehr Zusammen .und denke immer daran, daß du hier äur das Gastrecht hast"'. | Die Schülerin erwiderte: „Fräulein Doktor^ bei uns kommen Gäste auf Ehrenplätze, aber nicht auf Sie Strafbank". Die Lehrerin war über diese schlagfertige Antwort so, erstaunt, daß sie nichts entgegnete und die Angelegenheit nie mehr berührte. Wahrscheinlich erkannte sie die bezwingende Logik in der Antwort des dreizehnjährigen Mädchens und gewann die Ueberzeugung, daß der Vergleich der deutschen Juden mit deutschen „Gästen'4 unmöglich sei. Denn nirgends hat ein Gast nur Pflichten. Ueberau räumt der Wirt seinen Gästen mehr fechte ein als sich selber. Folglich muß man — nach lückenlos konsequentem, streng logischen Denken — zu dem Ergebnis kommen, daß der Ausdruck „Gastrecht'4 mit Beziehung auf die schlechter als der Wirt behandelten Juden unhaltbar ist. ■ Am Tage des Boykotts wurde — wie eine deutschnationale Tageszeitung in Berlin feststellte — ein nicht eingebürgerter polnischer Jude geschont, weil man ihn als Polen und nicht als Juden behandelt wissen wollte. Dagegen wurde der Laden eines alteingesessenen deutschen Juden boykottiert, weil man den Inhaber nicht als Deutschen, sondern als Juden betrachtete. Man behandelte ihn also nicht wie einen Gast und behauptete dennoch, daß er das „Gastrecht" habe. Ein Gast pflegt ein Empfangender zu sein; er empfängt Gunstbebeweise, Anregungen und Bevorzugung. Unter den deutschen Juden befinden sich aber viele, von denen die „Gastgeber44 fruchtbare Anregungen und geistige Bewirtung erhalten haben. Das auch von Judengegnern sehr gern benutzte Radio ist die Verwirklichung der von dem nicht arischen Physiker 'Hertz aufgestellten „Wellentheorie4'. Hertz; beschränkte sich nicht nur auf den angeblich immer nur „unfruchtbaren Intellektualismus der Juden44, sondern er trug zur Schaffung einer mechanischen Weltmacht bei. Der Jude Haber hat durch seine chemisch-experimentellen Leistungen deutscher Ernährung während des Krieges die größten Dienste erwiesen, dem Juden Ehrlich verdankt man das Salvarsan gegen die Syphilis und der semitische Professor M i n k o w s k i hat sich durch sein Insulin, das wirksamste Heilmittel gegen die Zuckerkrankheit, um die ganze Menschheit verdient gemacht. Sein Rassen- und Amtsgenosse Hirsch in Wien entfernt Gehirntumore durch einen von ihm erfundenen Eingriff in die Nase und rettet mit seinem .Jüdischen Intellektualismus" das Leben manches arischen Patienten. Nicht als Gast, sondern als deutscher Reichsangehöriger hat der jüdische Tennis-Weltmeister P r e n n den „völkischen Belangen" Deutschlands im Sport hervorragende Dienste geleistet. Jetzt ist er bei der Gleichschaltung im deutschen Sport ausgeschaltet worden, zum Nachteil der nationalen Interessen und der auf Rekorderfolge hinwirkenden Bestrebungen. Wenn er an Turnieren im Ausland teilnimmt, wird er gastlich geehrt; da ist er ein Gast aus Deutschland, doch er ist kein Gast in Deutschland. Im Inland, in dem er angeblich das Gastrecht hat, spürt er nichts mehr davon, jedoch im Ausland, in dem er es tatsächlich hat, empfängt er alle Beweise von Gastlichkeit. Die Behauptung, daß die deutschen Juden Gäste in Deutschland seien, wird also von denen widerlegt, die sie aufstellen. Dr. Fritz E r b e c k. Römische und mongolische Wanderung. Der „American Jcwish Congress" hat vor kurzem einen „Offenen Brief" an Präsident Hinden- .- ^buig. gerichtet, in dem er . ihm in Angelegenheit der "(jnden seine verfassungsmäßigen "Pflichten verhielt und auch historische Argumente hinzufügte. Hindenoburg hat eine Antwort nicht gegeben; und selbst : wenn er noch eine gäbe, wäre sie belanglos. Im folgenden veröffentlichen wir in deutscher Ueber- " 'setzung ein Schreiben, das ein gelehrter Amerikaner ■ Tti New York an den Vorsitzenden des „American . -Jewish Congress" richtete und dessen Wortlaut er ... ,iins zusandte. Sehr geehrter Herr. Ich habe sorgfältig den Text des Briefes gelesen, den der „American Jewish Congress" an den alten Mann Hindenburg gerichtet hat. In Anbeträcht der Bedeutung Ihrer Aeußerungen über die Sache möchte ich den „Offenen Brief" in verschiedenen wichtigen Punkten korrigieren. ■Erstens protestiere ich dagegen, daß man erklärt, die Anwesenheit von Juden in Deutschland datiere 1300. Jahre zurück. Nichts deutet darauf hin» daß gerade vor 1300 Jahren — wenigstens in größerem Maßstab — irgendwelche Einwanderung stattgefunden hat. Dagegen gibt es historische Beweise dafür, daß jüdische Gemeinden schon mehrere Jahrhunderte vor dieser Zeit in Deutschland bestanden haben; und zwingende logische Folgerungen führen zu dem Ergebnis, daß Mitglieder jener jüdischen Gemeinden, die in Italien schon mindestens ein Jahrhundert vor Christi Geburt bestanden, der Spur der römischen Armeen folgten und schon vor 1900 bis 2000 Jahren in verschiedenen Teilen des heutigen Deutschen Reiches Handelsniederlassungen gründeten. Das heißt also: noch einige Jahrhunderte früher als der Hauptstrom der Vorfahren der heutigen deutschen Bevölkerung das Land erreichte und sich dort seßhaft machte. (Wir möchten hinzufügen: viele der Juden, die so aus Rom nach Deutschland kamen, waren gar keine Semiten, sondern einfach konvertierte Römer. Der Uebertritt zu monotheistischen Religionen war damals in Rom an der Tagesordnung. Auch die Christengemeinde enstand so. D. Red.) Das ist ein sehr wichtiger Punkt, und wir haben keinen Grund, auf diesem Gebiet etwas abzuschwächen. Die heutige jüdische Bevölkerung Deutschlands stammt von Juden ab, die sich bei der Aus- Sbung ihres Handels und Gewerbes zur Zeit Julius Caesars und der ersten römischen Kaiser dort niederließen. Der Gebetsritus der deutschen Juden, der dem italienischen eng verwandt ist, ist ein unumstößlicher Beweis dafür. Im Gegensatz dazu hat der sogenannte „sepfyaflci^he" Ritus„ den die aus Spanien und Portugal nach dem nördlicheren Westeuropa vordringenden, Juden nach dort mitbrachten, einen anderen Ursprung; er stammt aus dem Ritus in Babylon und dem asiatischen Osten, wo nach der Einnahme von Jerusalem für mindestens 500 Jahre das asiatische Zentrum des religiösen Lebens lag und von wo aus die Einwanderung nach Spanien stattfand, mehrere Jahrhunderte, nachdem die Juden„sich in den Grenzprovin- MÖBEL Moderne KOchen- Vorzimmcr- Wohnzlmmer- F.'KOHN, Wien II TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen — Angeschlossen der „Schomra" zen des römischen Reiches, die heute Deutschland sind, bereits niedergelassen hatten. In diesen ersten fünf Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung war die jüdische Bevölkerung Deutschlands die einzig stabile in diesem Land. Denn die heidnische — oder, wie sie damals genannt wurde, barbarische — war in ständiger Wanderung nach Westen und Süden: die Burgunder und Franken eroberten das heutige Frankreich, das ursprünglich -von Kelten oder „Galliern44 bewohnt gewesen war; die Vandalen und Westgoten überrannten Spanien und Afrika; die Ostgoten und Langobarden besiedelten Italien. Deutschland seinerseits dagegen wurde von Hunnen und Mongolen überrannt, — gewiß keinen Teutonen und sonstwie nordischen Stämmen! — dies sind in Wirklichkeit die Ahnen des größeren Teiles der heutigen deutschen Bevölkerung und sie kamen erst um etwa 350 n. Chr. in Deutschland an. Wir kennen den Erlaß eines römischen Kaisers, der die jüdische Gemeinde in Köln betrifft (das schon weit nördlich liegt). Er ist aus dem Jahre 321 datiert! Es ergibt sich also als Punkt von Bedeutung: die Behauptung, daß die Juden Fremde und Eindringlinge in Deutschland seien, ist eine absolute, waschechte Lüge. Wahr, ist das genaue Gegenteil: die relativ ältesten der heutigen Einwohner sind die. Juden; verglichen mit ihnen sind. Eindringlinge, die anderen. Ein zweiter Punkt von Bedeutung ist, daß der „Offene Brief" seine Argumentationen nur auf die Weimarer Verfassung stützt Das ist eine unnötige und unangebrachte Beschränkung. Schon lange vor der Weimarer Konstitution hatten die Juden; das Recht, in Deutschland zu leben und zu arbeiten. Es ist wahr, daß ihnen in der Praxis nicht absoluteste Gleichheit gewährt wurde. Theoretisch aber: standen ihnen alle Rechte zu. Diese Rechte waren» gesetzlich festgelegt, und wenn die Weimarer Verfassung nicht aufrechterhalten wird, so bleiben noch immer jene älteren Rechtsquellen. Denn viele Städte in Deutschland haben zu der einen oder anderen Zeit den Juden besondere Angebote gemacht, um sie zur Ansiedlung zu bewegen; sie haben ihnen das Recht verliehen, gewisse Gewerbezweige auszuüben und unbehelligt-dort zu wohnen. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an Karlsruhe und Mannheim, beides Städte in Baden, die erst in neuerer Zeit gegründet wurden. Als Mannheim gegründet wurde, wurden die Juden aufgefordert, dorthin zu ziehen, und es wurden ihnen ewig unkündbare Rechte verliehen auf die einzige Bedingung hin. daß sie sich in der Stadt Steinhäuser bauen müßten. In der Stadt Frankfurt am Main usurpierten zu Beginn des 17. Jahrhunderts ein gewisser Vincent Fettmilch — ein Gesinnungsgenosse Hitlers — und sein Anhang die Regierungsgewalt über die Stadt und vertrieben die gesamte jüdische Einwohnerschaft. Der Kaiser griff jedoch ein und die Juden wurden unter militärischer Bedeckung zurückgebracht, durch kaiserliches rTclikt in ihre alten Rechte wieder eingesetzt, für alle Verluste entschädigt und Herr Fettmilch und einige seiner Unterführer wurden gehängt. Da es zweifellos notwendig w eiden wird, den Völkerbund anzurufen, sollte ein solcher Appell auf. die Gesamtheit der Tatsachen gegründet werden, nicht auf halbe Argumente. Neue antireligiöse Kampagne in Sowjetrußland. Der oberste Rat der Handwerker-Kooperative für die Sowjetunion hat beschlossen, anläßlich der hohen jüdischen Feiertage eine umfangreiche antireligiöse Kampagne durchzuführen. Es sollen in diesen Tagen Uberall Handwerkerversammlungen veranstaltet werden, in denen Fragen der Verbesserung der technischen Produktion und der gewerblichen Kooperative besprochen sowie der Kampf gegen das „religiöse und chauvinistische Gift" proklamiert werden sollen. Am ersten Tag des jüdischen Neujahrsfestes sollen die Versammlungen in den einzelnen Ortschaften beginnen, ihnen sollen Kreisversammlungen und Delegiertenversammlungen für ganze Republiken folgen. Diese sind für den Versöhnungstag angesetzt. Die Tageszeitung . „E m e s s" bemerkt hiezu, daß sich die ehemaligen jüdischen religiösen Funktionäre mehr als jemals unter die Handwerker und Mitglieder der Produktivgenossenschaften mengen. Man müsse daher die Zehntausende jüdischer Handwerker und Genossenschaftsmitglieder über das wahre Wesen dieser Leute aufklären. In Moskau steht die Durchführung der antireligiösen Kampagne anläßlich der jüdischen Feiertage unter der unmittelbaren Leitung des. städtischen Komites der kommunistischen Partei. Es würde ein Programm aufgestellt, demzufolge in allen Betrieben mit einer größeren Zahl jüdischer Arbeiter antireligiöse Vorträge und Diskussionen zunächst für jede Belegschaft besonders und sodann in allgemeinen Betriebsversammlungen abgehalten werden soilen. Gleichzeitig wird eine großzügige antireligiöse Propaganda von Mann zu Mann durchgeführt An den Tagen der hohen jüdischen Feste werden Exkursionen im antireligiösen Museum veranstaltet In sämtlichen zehn Bezirken der Stadt werden Massenfeiern mit antireligiösem Programm abgehalten. Zu Kol Nidre sind Massenversammlungen in den beiden größten Sälen der Stadt vorgesehen. Ferner soll für die massenhafte Verbreitung einer besonderen antireligiösen Proklamation und antireligiöser Literatur gesorgt werden. Besonders scharfe Maßnahmen hat das weißrussische Zentralkontrollkomitee gegen die jüdische Gemeinde Neu-Belize ergriffen. Das herkömmliche Erheben von Beerdigungsgebühren durch die Chewra Kadischa wurde vom Zentralkomitee dahin interpretiert, daß man von den Arbeitern Geld erpresse und die Angehörigen Verstorbener zwinge, ihre Toten nach den religiösen Vorschriften beerdigen zu lassen Auf Anordnung des Zentralkomitees wurden drei Vorstandsmitglieder der Chewra Kadischa verhaftet und sollen vor Gericht zur Veranrwortung gezogen werden. Der jüdische Friedhof wurde enteignet und der Stadtverwaltung übergeben.

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