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Die Wahrheit · 1933-09-15 · Heft 37 (15.9.1933) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 37 (15.9.1933)
Date
1933-09-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT HOBEL Hoden» Kflchen- Vorximmsr- Wohnxlmmer- F.KOHtf, Wien il TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen — Angeschlossen der „Schomra" 7)'6(tQi SPEZIALHAUS FEINER H ER RE NWAS C H E UND MODEARTIKEL WIEN II., TABORSTRASSE 11 b vls-ä-vls der Produktenbörse TELEPHON A 48-1-56 Auch ein Epilog- Eindringlicher und besser als alle kritischen Betrachtungen, die, wenn sie von unserer Seite erfolgen, von Seite der Zionisten selbstverständlich als „parteiisch" abgelehnt werden, geben jene Darstellungen ein anschauliches, ungemein trauriges Bild über den völligen Bankrott des XVIII, Zionistenkongresses, die von führenden zionistischen Männern in führenden zionistischen Blättern veröffentlicht wurden. In der Vorwoche sind in Wien gleichzeitig zwei solche Artikel erschienen, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten möchten. Dr. Oskar Griinbauni. Präsident des Zionistischen Laudeskomitees Oesterreichs. Obmann der Allgemeinen Zionisten Oesterreichs, in der „Stimme" vom 7. September 1933: Verlustbilanz des Kongresses. Vor dem Kongreß gab es gewichtige Stimmen, die für eine Verschiebung des Kongresses plaidierten. Die Arbeiterschaft bestand auf der Einberufung des Kongresses. Der Verlauf des Kongresses hat aber bewiesen, daß es besser gewesen wäre, ihn zu verschieben . . . Seine Ergebnisse sind mehr als mager. Als einziges Aktivum ist der Beschluß des Plenums zu nennen, wonach disziplinlose Einzelpersonen und Gruppen nach einem bestimmten Verfahren aus der Organisation ausgeschlossen werden können. Sonst wurde nichts Nennenwertes erzielt Nicht einmal die Aenderung des Statuts der Jewish Agency. Die Zionisten müssen sich weiter damit abfinden, daß die Nichtzionisten. hinter denen keine oifeandsierten Massen -stehen, einen entscheidenden Einfluß in die Führung der Geschäfte besitzen. Daß die Nichtzionisten auch nicht die erwarteten Geldmittel beigesteuert haben, ist leider eine bekannte Tatsache. In der Frage der Aenderung des Statuts der Jewish Agency kann das Organisationsdepartement der zionistischen Exekutive in London von Schuld nicht freigesprochen werden. Es hätte rechtzeitig an die Nichtzionisten wegen Aenderung des Statuts herantreten müssen und es ging wohl nicht an, erst bei der Tagung des Councils der Jewish Agency den Nichtzionisten mit diesem Vorschlag zu kommen, der natürlich abgelehnt wurde. Diese Frage darf aber nicht mehr von der Tagesordnung verschwinden und ihre Lösung muß in freundschaftlicher Weise angestrebt •erden. Die Tagung des Councils der Jewish gency war se.hr schwach beschickt und oot dadurch einen wenig erfreulichen Eindruck. Die Nichtzionisten werden selbst einsehen müssen, daß hier Remedur geschaffen werden muß. Das Organisationsdepartement der Zionistischen Exekutive hat es auch unterlassen, dem Kongreß mit der nötigen Entschiedenheit Vorschläge wegen Aenderung des Schekelwahl rechtes zu machen... Die ganze Generaldebatte war ziemlich unfruchtbar, weil die meisten Redner für ihre Wähler zu Hause sprachen und Propagandareden für ihre Parteien hielten. An dieses Rezept hielt sich auch der Arbeiterführer Ben Gurion. In jedem anderen Parlament der Welt ist es aber so, daß die größte Partei, die Regierungspartei, ein konstruktives Programm vorbringt. Unsere Regierungspartei, die Linke, hat sich aber bloß damit beschäftigt, die nach ihrer Ansicht alleinseligmachende Politik zu dozieren. Ich habe der Linken in der Generaldebatte darob einen Vorwurf gemacht und Berl Katzenelson entgegnete darauf ausweichend, indem er sagte, seine Partei hätte sich gegen verschiedene Lügen und Verleumdungen wehren müssen; weiters antwortete er überheblich, seine Partei sei nicht in der Lage gewesen, ein konstruktives Programm vorzutragen, weil sie es notwendig gehabt hätte, den anderen, ideologisch offenbar so ungebildeten Zionisten, einen Vortrag über das Abc des Zionismus zu halten. Und Berl Katzenelson sprach dann noch eine Stunde lang weiter, ohne daß vom konstruktiven Programm etwas zu hören war. Unsere Linke begeht den Fehler, den auch die sozialdemokratischen Parteien in verschiedenen Parlamenten der Welt gemacht haben. Sie vertritt starr und dogmatisch ihr Programm und andere Parteien •existieren für sie nicht. Vielleicht wird auch unsere Linke zu soät erkennen, daß sie einen Weg geht der sozialistische Parteien in anderen Ländern um die Macht gebracht hat . . . Es zeigt sich aber auch, daß der Widerstand Englands gegen gerechtfertigte Forderungen unserer Exekutive wächst Die zionistischen Massen müssen begreifen, daß es notwendig ist insbesondere in der Frage des Gesetzgebenden Rates, mit einem starren Nein zu antworten. Dieses Nein wird auch von der Exekutive vertreten und findet ein ungeteiltes Echo im ganzen Zionismus. Ueberblickt man die Tagung des Kongresses, dann muß man es schon als Verdienst anerkennen, daß die Tagung zu Ende geführt werden konnte. Mentorisch hat aber dieser Kongreß kaum Nennenswertes geleistet. Und nun kommt eine neue Exekutive, die sich nur auf einen Teil des Kongresses stützt. Sie wurde nur von den Linken, von den wenigen Radikalen und einem Teil der Allgemeinen Zionisten gewählt. Die übrigen Parteien, soweit sie aufgefordert wurden. Mitglieder in die Exekutive zu entsenden, haben ablehnend geantwortet Diel Öffentlichkeit muß verstehen, daß diese Ablehnung ihren guten Gründe hat. Der größte Teil der Allgemeinen Zionisten wollte nicht eine Politik unterstützen, die einseitig links orientiert ist und den Fragen des Mittelstandes nicht gebührend entgegenkommt. Diese Allgemeinen Zionisten wollten nicht in eine Exekutive gehen, in der sie dasselbe erlebten wie auf dem Kongreß, daß sie nämlich immer von der Linken überstimmt worden wären . . . Auf dem letzten Kongreß wurde die Dem okratie mit ihren eigenen Mitteln zu Tode gehetzt. Auch das soll eine Lehre für die Zukunft sein. Wir müssen uns Klarheit darüber schaffen, daß uns nichts so lehr schadet wie Assimilation an fremde Methoden. Wir wollen bei künftigen Kongressen auch keine braunen Hemden mehr sehen und keine roten Nelken... *■ Ing. Robert Stricker. Präsident der „Jüdischen Volkspartei Oesterreichs", Obmann der Judenstaatszionisten Oesterreichs, in der „Neuen Welt" vom 8. September 1933: Die schlimmsten Erwartungen übertroffen. Ein Kongreß des Niederganges. Während der XVIII. Zionistenkongreß in Prag tagte, hielt der Hitler-Minister Dr. Goebbels, einer der gefährlichsten antisemitischen Führer, eine große Rede über das Judentum. Er kam auch auf den Kongreß zu sprechen. Er verwies auf seinen Verlauf und bezeichnete ihn als Beweis für den Niedergang des Welt- Tapezterermelsler lERKOWlfl SPEZIALIST in Tapetenarbeiten Werknütte für moderne Möbel. — Übernahme aller Reparaturen. I., Neutorgasse ja . Telephon U 33-8'Ä8 Werkstätie: I., Seitenstettengasse 2 Telephon U 82-7-31 Judentums und den Sieg des allweltlichen Hakenkreuz- Antisemitismus. Triumphierend stellte Goebbels fest, daß diese von der ganzen Welt spannungsvoll und vom jüdischen Volke hoffnungsvoll erwartete Tagung des Judenparlamentes kläglich verläuft... Die grausamen Augen des Hitler-Ministers haben scharf gesehen. Dieser Zionistenkongreß hat die schlimmsten aller Erwartungen übertroffen. Enttäuscht Jiaben sich hunderttausende Freunde der zionistischen Bewegung von ihm abgewendet. Verbittert und verzweifelt haben ihn treue Zionisten verlassen. Pai ieihetze als Zentralproblem des Kongresses. Nicht die deutsche .Judenfrage, nicht die Not der jüdischen Welt, nicht der Aufbau Palästinas standen ün Mittelpunkt der Verhandlungen des Kongresses. Eine wilde, zügellose Hetze um den Mord. am Führer der Linken, Dr. Ariosoroff. bildete das zentrale Problem. Was der übermächtige linke Flügel angekündigt hatte, das geschah. „Der Hauptzweck des Kongresses ist Abrechnung mit der revisionistischen Opposition und ihre Vernichtung." Das waT die Parole, mit welcher die Poale-Zion in den Wahlkampf zog, und sie hat sie getreulich befolgt. Unter rücksichtsloser Ausbeutung des Umstandes. daß in Palästina Revisionisten als des Mordes verdächtig in Untersuchung stehen, wurde der Kongreß vergewaltigt. Die Linke ließ ihn nicht zu sachlicher Arbeit kommen. Immer und immer wieder warf sie die Frage auf den Tisch. Dutzende von Kommissionssitzungen waren bis tief in die Nacht in die Frage verstrickt dutzendse Male mußten die KcngreBvuriiundluiigen abgebrochen werden, weil die nach den Köpfen der revisionistischen Opposition schreienden Linken es wollten. Und draußen stand das jüdische Volk und wartete und wartete. Erst in den letzten Tagen brachte der in raffinierter Art zermürbte Kongreß die Angelegenheit zum Abschlüsse. Und das in einer Form, die für seine geistige Verfassung bezeichnend ist 'Er hat in der Frage, die jetzt vor den palästinensischen Gerichten in Verhandlung steht, eine „Untersuchungs-Kommission4' eingesetzt, er hat damit — gegen alle Gebote menschlichen und vor allem jüdischen Gerechtigkeitsgefühles verstoßend — in ein Gerichtsverfahren eingegriffen und angeklagte Mentf.cfien gefährdet. Daß aus dieser „Lösung" nur neues 'Unheil entstehen und die unselige Parteienhetze in Palästina nur gesteigert werden wird, ist klar. Die deutsche Frage. Alle Welt hat auf die Antwort gewartet, welche der Zionistenkongreß auf die erschütternden Vorfälle in Deutschland geben "wird.' Nicht nur Zionisten, auch Nichtzionisten und Nichtjuden waren vom festen Glauben beseelt, daß j*txt die Antwort des sequilten, in seiner Würde unsagbar verletzten, in würgende Not Lederhandschuhfabrik Josef Tjasfinger Gründungsjahr 1896 II ., Hollandstraße 11 Telephon A 47-2-40 ♦ L, Rotenturmstraße 23 Telephon II 25-5-29 versetzten jüdischen Volkes ertönen wird. Statt dessen verlegenes Stammeln, würdeloses Ausweichen, mutlose Zurückhaltung, nutzloses Vertuschen ... Mit einer nichtssagenden, jedes entschlossenen Wortes entbehrenden „Erklärung" hat er die Sache abgetan. Statt den unglücklichen Juden Mut einzuflößen, hat er ihre Seelen verzagter gemacht... Hohnlachend hat der Hitler-Minister auf die Feigheit des Kongresses hingewiesen. Immer und immer wurde auf diesem Kongresse gefragt: Was werden die Hakenkreuzler sagen? Aber was die Welt sagen wird, danach wurde nicht gefragt! Die Welt wird sagen: Warum sollen wir für ein Volk kämpfen, das für seine eigene Sache nicht kämpfen will? WaTum sollen wir entrüstet sein und schreien für ein Volk, das schweigt? Der Kongreß hat um die deutsche Frage das größte Unheil gestiftet Er hat die Judenhetzer Deutschlands und aller anderen Länder ermutigt und die Kulturwelt an der Judenfrage desinteressiert... Die politischen Fragen. Ueber politische Fragen zu sprechen fand der durch die Parteihetze um den Arlosoroff-Mord und den traurigen Eiertanz um die deutsche Frage in Atem gehaltene Kongreß keine Zeit. Dabei ist die politische Lage der Behandlung bedürftiger als je. Drosselung der Einwanderung nach Palästina in einem Zeitpunkte, da der Aufbau des jüdischen Nationalheimes eine Masseneinwanderung gestattet (?) und benötigt. Bodengesetze in Palästina, welche den Ankauf von Boden durch Juden fast unmöglich machen. Wiederaufnahme des totgeglaubten Freiich-Berichtes, welcher die weitere Entwicklung des jüdischen Palästina verhindern will. Ankündigung der Einsetzung eines Parlamentes mit arabischer Majorität in Palästina. Sperre Transjordaniens für jüdische Einwanderung. Das sind nur einige der politischen. Fragen, die zu beantworten das Lebensinteresse des Zionismus erfordert Der . Zionistenkongreß hat für die gründliche Behandlung dieser Probleme keine Zeit gefunden . . . Die Zusammensetzung des Kongresses. Der Kongreß tagte unter der absoluten Herrschaft der zionistischen Klassenkämpfer. Sie verfügten über 42 Prozent aller Mandate und den ganzen Beamtenapparat. Es war symbolisch für diesen Kongreß, daß der am Podium thronende Vertreter der Exekutive ständig die rote Nelke trug. (Zur Eröffnung waren alle Linken rot geschmückt erschienen.) So ist es gekommen, daß der Kongreß ein Spielball in den Händen einer Partei, der Linken, wurde. In der nächsten Zeit wird diese Partei in der zionistischen Organisation regieren, und sie wird schlecht regieren. Sie hat bereits auf dem Kongresse bewiesen, daß sie für Alleinherrschaft nicht taugt. Denn der von ihr geleitete Kongreß war der weitaus schlechteste in der zionistisch e n G e s c h i c h t e. Die neue Leitung. Vcn den neuen Männern, welche — abgesehen vom Präsidenten — die neue Leitung bilden, gehören nicht weniger als fünf der Internationale des Klassenkampfes an und werden überdies, das steht heute schon fest, die wichtigsten Ressorts unter sich verteilen. Die anderen vier sind als blinde Mitgänger der Linken bekannt. Zwei von ihnen hatten auf dem Kongresse vier oder fünf Mann hinter sich, zwei sind färblos. Ausgeschaltet von der Leitung sind die Allgemeinen, die Misrachisten, die Revisionisten und die Judenstaatspartei, d. h. die Vertreter der großen Majorität im Zionismus... Die Wähl einer Exekutive, die auf das Vertrauen der zionistischen Majorität keinen Anspruch erheben kann, schließt die traurige Bilanz des Prager Zionistenkongresses. Man kann die Augen nicht vor der Erkenntnis verschließen, daß der Verlauf dieses Kongresses auf die zionistischen Reihen verheerend gewirkt hat. In verzweifelter Stimmung sind die Delegierten und Besucher von diesem Kongreß geschieden, viele so. als wollten sie nicht wiederkehren, viele zur Resignation entschlossen. Mit einer Flut von Anklagen und Vorwürfen sind die Heimkehrer vom Kongreß zu Haus« empfangen worden... * Wissen Sie sthon, daß der Repräsentant des jüdischen Kultus im rumänischen Senat und Großpräsident der rumänischen Großloge des Ordens Bne Briss Oberrabbiner Dr. I. Niemirower aus dem Kurort Dornavatra an den Zionistenkongreß folgendes Telegramm richtete: Hoch Führer Sokolow — Jubilar Ussischkin — Präsident Motzkin — Epochaler Kengl reJJ. — Chefrabbiner Dr. Niemirower.

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