Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 37 (15.9.1933)
- Date
- 1933-09-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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ME WAHRHEIT Seite 3 Die Genfer jüdische Weltkonferenz. Wie auch in den Tageszeitungen, die diese Tagung mit großem Interesse verfolgten, gemeldet, fand vom 5. bis 8. September in Genf die zweite jüdische Weltkonferenz statt, die als Vorkonferenz zum geplanten jüdischen Weltkongreß gedacht war. Hundert Delegierte aus 24 Ländern nahmen an ihr teil, darunter prominente Vertreter jüdischer Organisationen der ganzen Welt. Wir nennen hier nur den bekannten Ehrenvorsitzenden des American Jewish Congress Dr. Stephen S. Wise, von dem bekanntlich die Initiative zum Weltkongreß ausgeht, den Führer der französischen Delegation, Leonce Bernheim, den Präsidenten des Pariser Verbandes jüdischer Hilfsgesellschaften, Jefroikin. den Präsidenten des Verbandes der Synagogengemeinden in London, Morris H. Davis, den Oberrabbiner von Rom und Vorsitzenden des jüdischen Gemeindeverbandes Italiens, Dr. Angelo Sacerdoti, den Großrabbiner von Alexandrien, Prof. David Prato, den Delegierten Südafrikas I. Ochberg, den Präsidenten der vereinigten Hilfskomitees Polens, Abg. Dr. M. Gottlieb, den Vorsitzenden des jüdischen Handwerkerverbandes Polens, Rassner, den lettischen Oberrabbiner und Abgeordneten Nurok, den Präsidenten des Zentralkonsistoriums der bulgarischen Juden, Farchi. den Delegierten des Verbandes der jüdischen Gemeinden Jugoslawiens. Doktor Tscherikower. Die somit recht stattlich beschickte Konferenz faßte einstimmig folgende drei Resolutionen: Für die Verteidigung der Lebensrechte. Die erste Resolution hat folgenden Wortlaut: Die zweite Internationale Jüdische Konferenz bestätigt in allen Teilen die von der Genfer Konferenz des vergangenen Jahres gefaßte Resolution betreffend die Einberufung eines jüdischen Weltkongresses und gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß die außerordentliche Verschlimmerung der allgemeinen Lage des jüdischen Volkes und ganz besonders die in Deutschland eingetretene Katastrophe die Notwendigkeit erhöhen, vermittels eines Jüdischen Weltkongresses eine rechtmäßige Vertretung des Jüdischen Volkes zu schaffen. Der Kampf um die Verteidigung der vitalen Rechte der Juden in den Ländern der Diaspora wird leden Tag notwendiger und dringender, aber auch schwieriger. Der deutsche Nationalsozialismus hat dem jüdischen Volk einen Kampf auf Leben und Tod angesagt. Die Desorganisation im Schöße des jüdischen Volkes ist heute gefährlicher als je. Die Stunde gebietet die Vereinigung aller Gruppen und Parteien des jüdischen Volkes, die Pflichtbewußtsein haben und zum Kampfe bereit sind, sowie die Verstärkung aller politischen und wirtschaftlichen Aktionen. Aus allen diesen Gründen ist die zweite Genfer Konferenz der Auffassung, daß es unbedingt notwendig ist, die Einberufung eines jüdischen Weitkongresses zu beschleunigen, und sie beauftragt den Vollzugsausschuß für den ludischen Weltkongreß, diesen für den Monat März 1934 einzuberufen. Die Wahlen in den jüdischen Weltkongreß, die gemäß dem Wortlaut der Resolution der Genfer Konferenz vom vergangenen Jahr die demokratische Grundlage des jüdischen Weltkongresses bilden sollen, müssen spätestens vor Ende Jänner erfolgen. Die Wahl des Tagungsortes wird dem Vollzugsausschuß überlassen. Die Konferenz erteilt dem Vollzugsausschuß den Auftrag, unverzüglich die energischesten Maßnahmen zu ergreifen, um die Wahlen in den verschiedenen Ländern zu organisieren. Die Konferenz hofft, daß die weitesten Kreise des jüdischen Volkes an den Wahlen teilnehmen und dadurch ihren Willen zum Ausdruck bringen werden, für die Verteidigung der jüdischen Rechte und für die Zukunft des jüdischen Volkes zu kämpfen. Wirtschaftlicher und moralischer Boykott Deutschlands. Die zweite Resolution lautet: Die Internationale Jüdische Konferenz stellt fest, daß das jüdische Volk seit dem Beginn des nationalsozialistischen Regimes und seit der Einführung der nationalsozialistischen Gesetzgebung sowie der antisemitischen Handlungen von sich aus und instinktiv zum wirksamsten Verteidigungsmittel gegriffen hat: Zum wirtschaftlichen und moralischen Boykott. Das jüdische Volk hat dadurch zu verstehen gegeben, daß kein Jude mit der nationalsozialistischen Regierung irgendwelche wirtschaftliche oder andere Beziehungen unterhalten soll, und es glaubt, das Recht zu haben, zu erwarten, daß Millionen von NichtJuden aller Länder, die die Entrüstung der Juden gegen die antisemitische Doktrin und Praxis der nationalsozialistischen Re- : gierung teilen, das jüdische Volk in seinem Kampf : unterstützen werden. Es hängt nicht von dem jüdischen Volk, sondern von der deutschen Regierung ab. wann der jüdische Boykott Deutschlands ein Ende finden soll. Die Juden haben nur notgedrungen und nach einigem Zögern zu diesem Kampfmittel des moralischen und wirtschaftlichen Drucks gegriffen. Sie werden jedoch nicht darauf verzichten, so lange die gegenüber den deutschen Juden begangene große Ungerechtigkeit nicht wieder gutgemacht wird und solange die deutschen Juden nicht wieder in ihre Rechte und in die vor dem nationalsozialistischen Regime eingenommenen Stellungen eingesetzt werden. Die Konferenz erwartet vom jüdischen Volk, daß es diese berechtigte, würdige und friedliche Verteidigung gegen den Kampf fortsetzt, den die Nationalsozialisten den deutschen Juden und den Juden im allgemeinen angesagt haben. Die Konferenz hat den Vorstand der jüdischen Delegationen in Paris mit der Ausführung der von der Konferenz gefaßten Beschlüsse und Maßnahmen beauftragt. Sie hat ferner die Schaffung eines Zentralkomitees für die Koordinierung und Verstärkung des Boykotts deutscher Waren beschlossen, welcher Boykott unverzüglich nach dem Eintritt der jüdischen Verfolgungen in Deutschland begonnen hat. Iu der dritten Entschließung ferenz der Hoffnung des jüdischen daß der Völkerbund mit allen Mitteln die Auswanderung der deutschen Juden nach Palästina erleichtern und gemeinsam mit dem internationalen Arbeitsamt die notwendigen Maßnahmen zur Unterbringung der geflüchteten Juden in anderen Lärrdern ergreift, in denen ihre Ansiedlung möglich ist. * Diese drei Beschlüsse der Weltkonferenz können von ziemlicher Tragweite sein. Was zunächst den ersten Beschluß auf Einberufung einer jüdischen Weltkonferenz anbelangt, so ist tatsächlich seit August 1932, da auf der damals ebenfalls in Genf stattgehabten ersten jüdischen Weltkonferenz dieser Gedanke propagiert wurde, eine gewisse Wandlung in den Ansichten der Weltjudenheit über die Zweckmäßigkeit eines solchen Kongresses eingetreten. Zu viel ist seit damals geschehen, das die Zulässigkeit einer solchen Zusammenfassung erhärten würde. Und deshalb sind auch anscheinend jene Kreise, die im Vorjahr noch skeptisch dem Projekte gegenüberstanden, in der gegenwärtigen Situation dem Gedanken eines jüdischen Weltkongresses nähergerückt, ohne damit die Priorität ihrer eigenen gibt die Kon- Volkes Ausdruck, STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: »I.. Rennweg 112, Tel. U 15-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentraffr?edhof, 3. Tor, Tel. U10-4-53 Lebensveisidierangs-GeseUsdtaft PHÖNIX Aus dem Jahresbericht Versicherungsbestand . . Prämienu. Zinsen-Einnahmen . Garantiemittel . . Auszahlungen an . die Versicherten 1932: S 2.728,000.000 — S S 179,000.00».— 527,000.000 — 60,000.000.— Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Fürstentum Liechtenstein, Ungarn, Polen, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Tunis und Aegypten. LI Man kann skeptisch sein, ob die Einberufung des Weltkongresses, die in einem so kurzen Zeiträume erfolgen soll, bis dahin durchführbar sein wird. Man kann auch geteilter Meinung darüber sein, ob es zweckmäßig ist, im gegenwärtigen Momente die Judenheit durch Wahlen aufzuregen und ob nicht, wie ein Redner der Konferenz meinte, durch solche Wahlen die Einigkeit in den zentralen Hilfskomitees beeinträchtigt werden würde. Aber Nein sagen sollte man doch nicht auf jeden Fall, vielleicht hat der Weltkongreß, dessen Zusammentreten in der Völkerbundstadt Genf geplant ist, heute doch auch sein Gutes. Schwieriger zu behandeln ist die zweite Resolution, die etwas ausspricht, was ohnehin schon geschieht. Und für jene, die sich an dieser Art Abwehr aus persönlichen Gründen nicht beteiligen, ist die in alle Welt hinausposaunte Resolution zwecklos, zumal man ja auch skeptisch sein muß über die Möglichkeit der Schaffung einer Exekutive für diese Abwehr. Es ist doch bezeichnend, daß kürzlich erst LordMelchett. dessen Name in diesem Zusammenhange viel genannt wurde, die Nachricht deutscher Zeitungen, daß er mit der Vorbereitung eines neuen Wirtschaftsboykotts gegen Deutschland befaßt sei, als unzutreffend zurückwies. Daß die Weltkonferenz, die in der Völkerbundstadt Genf tagte, es verabsäumte, Stellung zu nehmen zu den neuerlichen furchtbaren Angriffen gegen das Judentum, die in Nürnberg unter Anwesenheit so vieler Gesandter der Weltmächte vorgebracht wurden, ist ein unverzeihlicher Fehler dieser Konfrenz, von der man ja überhaupt die Empfindung hat, daß die von ihr propagierten Ideen noch in den ersten Anfängen stecken. Aber eine Entwicklung ist möglich, man wird gut tun, diese Entwicklung mit nüchternem Verstände zu beobachten. Hogers SBlctiwaren-Hßstaurant Selchwaren aas der Fabrik Elsen & Hönigsber streng orth. "wö (Unter Aufsicht der Adas -Jisroel - Schiffschul) Wien I»., PraterstraBe 33, Telephon R-47-4-49 MenQ von S 2.— aufwärts. Hochzeiten und Banketts werden bestens arrangiert innerjüdischen Einstellung aufgegeben zu haben. Denn es bleibt nach wie vor allein gültig, daß die Abwehr des Antisemitismus vor allem nach den Erfordernissen und Prinzipien jener Länder erfolgen muß, in denen die Juden beheimatet sind. Diese unumstößliche Tendenz scheint aber heute vereinbarlich mit dem Gedanken der Abwehr auf breiterer Basis, insbesondere in jenen Fällen, da, wie in Deutschland, von bisher bestandenen demokratischen Prinzipien eines Staates zum Schaden der Judenheit desselben radikal abgegangen wird. Wenn in solchen Fällen die ansonsten so zersplitterte Judenheit zu internationaler Abwehr greift, so kann aus diesem naheliegenden Beginnen nur antisemitische Böswilligkeit Schlußfolgerungen gegen die Juden ziehen. So naheliegend also dieser Gedanke ist. so findet er doch neuestens merkwürdigerweise Ablehnung in Kreisen, von denen man eine solche Negierung nicht erwartet hätte. Die Zionisten. die bisher immer das Schlagwort von der JE i n i g k e i t d e s Judentums" gepredigt haben, empfinden auf einmal seit einiger Zeit den Weltkongreß als höchst unangenehm, ohne Zweifel deshalb, weil sie in ihm eine Art Konkurrenz für ihren Zionistenkongreß erblicken. Und wie jeder Kaufmann, der schlechtere Ware hat, sich gegen jenen Konkurrenten, der bessere Ware zu bieten verspricht, wehrt, so findet auch der Weltkongreß bei den Zionisten. die noch unter dem Eindrucke ihres verkrachten Prager Kongresses stehen, sehr geteilte Freude. Dabei ist. wie der Zionist Dr. Nahum Goldmann, der Organisator des Weltkongresses, in seinem Referate ausführte, der Weltkongreß auch vom zionistischen Standpunkte aus zweckmäßig. Er sagte u. a.: „Wenn auch Palästina das wichtigste Land für die jüdische Emigration aus Deutschland und anderen Ländern ist und bleiben wird, so kann doch Palästina jedenfalls in den nächsten Jahren nicht die gesamte Zahl der Juden aufnehmen, die aus Deutschland auswandern müssen, so daß andere Einwanderungsländer gesucht werden müssen. Auch vom Standpunkt eines Zionisten gesehen, kann der Zionistenkongreß nicht die Aufgaben des Weltkongresses erfüllen. Die zionistische Organisation und die Jewish Agency werden sich immer mehr auf die Bewältigung der sehr komplizierten Palästina-Probleme beschränken müssen, so daß für die Unzahl der anderen aktuellen Fragen des jüdischen Lebens in den verschiedenen Ländern eine andere Instanz geschaffen werden muß. die nur der Weitkongreß sein kann. Es kommt hinzu, daß die Richtlinien der zionistischen Politik, die sich naturgemäß um die Stellung der verschiedenen Faktoren der Welt zum Palästinaproblem in erster Reihe konzentrieren muß, in vielen Fällen verschieden sein müssen von den Direktiven einer Politik, die in erster Reihe auf die Sicherung der jüdischen Lebensrechte in den verschiedenen Ländern ausgeht." Zu Rosch-Haschonoh gratulieren Sie allen Ihren Verwandten, Freunden, Bekannten, Kunden und Gasten in der Neujahrsfestnummei der Sie ff ersparen WAHRHEIT fi damit Mühe, Porto und Zeitaufwand 1 Bis längstens Montag, den 18-Seplerab«r müssen die Aufträge eingelangt sein. Ein Teil des Erträgnisses fließt dem „Hilfskomitee für deutsche Juden" zu Muster: Anläßlich des Rosch-Haschonoh-Festea entbieten hiermit ihren Verwandten und Freunden die herzlichsten Glückwünsche (Einfaches Feld) ■ugen Rottmann und Familie III., Marxergasse 6 Um allen jenen, die durch „Die Wahrheit" gratulieren, die Gewißheit zu geben, daß Ihre Gratulation auch alte Jene Familien oder Personen erreicht, denen sie zu gratulieren beabsichtigen, werden wir an alle Adressen, die uns mit der Gratulationsbestellung aufgegeben werden, je ein Exemplar der Festnummer kostenfrei zusenden. ----Ausschneiden!--------- Bestellschein An die Administration „DIB WAHRHMT", Wien IL, Heinestraße 13 Ich bestelle hiermit einen Rosch-Haschonoh-Glück wünsch •) Einfaches Feld zum Preise von S 6 — *) Doppelfeld zum Preise von S 11 — welchen Betrag ich Ihnen gleichzeitig übersende •) Nichtzutreffendes bitte streichen. Textangabe: