Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 37 (15.9.1933)
- Date
- 1933-09-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 5 CliUSIUSBAJ» EVI* UM© lABDMSfAIiT WIEN IX., CLUSIUSGASSE NR. 12 an der Frledensbriicke gelegen-- A Original RUSSlStSCS DdDipID&d mit Buschenbehandlung gegen Rueuma etc. 'rf Gegen Vorweisung dieses Inserates S 1.30 Das große Goldene Ehrenzeichen für Reinhardt Der österreichische Bundespräsident hat Max Reinhardt anläßlich seines 60. Geburtstages und wohl auch als Anerkennung für die Verdienste um die Salzburger Festspiele das große Goldene Ehrenzeichen verliehen. Diese hohe Auszeichnung wurde Reinhardt durch einen Vertreter der Regierung im Theater in der Josefstadt in der Direktion überreicht. Das Goldene Ehrenzeichen ist die höchste Auszeichnung, die die österreichische Bundesrepublik zu vergeben hat. Gömbös beschämt Hitler. Der ungarische Ministerpräsident und Kriegsminister Julius von Gömbös hat eine Verordnung erlassen, durch die ein w e i tgehender religiöser Schutz für jüdische Soldaten des ungarischen Heeres gewährleistet wird. In der Einleitung zu der - Verordnung erklärt der Ministerpräsident, er beabsichtige, der Militärmannschaft jüdischer Konfession die Beobachtung ihrer religiösen Vorschriften zu ermöglichen. Zu diesem Zwecke wurde angeordnet, daß die Mannschaften jüdischer Konfession geschlossen zum Gottesdienst am Freitagabend geführt werden. Zwecks Erleichterung der rituellen Verköstigung wird den jüdischen Soldaten das Menagegeld bar ausgezahlt. Die jüdischen Soldaten werden an den jüdischen Feiertagen vom Dienste befreit, außerdem wird gewissen Kategorien (Zöglingen von Rabbinerschulen, Religionslehrern, Kantoren, Schächtern usw.) auch an Sabbattagen die Dienstfreiheit gewährt. Die neue Verordnung wurde vom gesamten ungaris.chen .Judentum mit besonderer Genugtuungbegrüßt. Coty sagt sich vom Antisemitismus los. Der bekannte französische Parfümerie-Fabrikant und Zeitungsherausgeber Frangois Coty, in dessen Blättern seit Jahren eine intensive judeinifeindliche Propaganda getrieben wird, hat an die Jüdische Gemeinde Genf ein aufsehenerregendes Telegramm gerichtet, in dem er erklärt, daß er sich vom Antisemitismus lossage. Coty verlangte, daß sein Telegramm von der Tribüne der jüdischen Weltkonferenz verlesen werde. Der Schritt Cotys erinnert an die Erklärung Henry Fords im Juli 1927, in der er mitteilte, daß er seinen Antisemitismus aufgegeben habe und fürdasdenJudenangetane Unrecht vor aller Welt Abbitte leiste. Dank an die Tschechen. Der frühere Berliner Polizeivizepräsident Dr. Weiß, der eine Berufung zur Reorganisierung der chinesischen Polizei erhielt, verläßt Prag. Aus diesem Anlaß richtet er an die „Prager Presse" einen Brief, in dem er feststellt, daß das tschechischeVolk demokratisch und menschlich fühlt, hilfsbereit und zuvorkommend ist, besonders zu jedem Bedrückten und Bedürftigen. „Das haben wir Emigranten", schreibt Dr. Weiß, „zur Genüge erfahren. Heute, wo ich von Prag scheide, kann ich meine Dankesworte, die eigentlich nur der Prager Polizei gelten sollten, ummünzen in einen Abschiedsgruß und einen aufrichtigen Abschiedsdank für das tschechische Volk, Nachhilfestunden für Haupt- und Mittelschüler SUChl bewährte Lehrkraft. Unter „Billig" an die Administration d. Blattes. in dessen Mitte ich fünf sorgenschwere Monate verbracht habe und dem ich mich menschlich für immer eng verbunden und verpflichtet fühle." Der Hammer-Fritsch gestorben. Aus Leipzig wird gemeldet, daß dort am 8. d. M. der bekannte radau-antisemitische Schriftsteller Theodor Fritsch an den Folgen eines Schlaganfalles im 81. Lebensjahr gestorben ist Theodor Fritsch, der am 28. Oktober 1852 in Wiesenau geboren wurde, betätigte sich seinerzeit mit dem bekannten Pastor Stöcker als wüster Vorkämpfer des Antisemitismus. Als in Oesterreich die von Georg Ritter von Schönerer ins Leben gerufene radikal-nationalistische Bewegung ihren Höhepunkt erreichte, war auch Fritsch ein eifriger Mitarbeiter Schönerers. Er war einer der Gründer der deutsch-sozialen Partei, aus deren Programm Herr Hitler sehr vieles für seinen Nationalsozialismus schöpfte. Man kann ruhig behaupten, daß Theodor Fritsch einer der geistigen Väter des Hitlerismus ist. Fritsch gab jahrelang in Leipzig in seinem Hammer-Verlag die Zeitschrift „H lamm er" heraus, die sich in den wüstesten Beschimpfungen der Juden und des Kapitals sowie der Banken erging. Er hat außerdem eine große Zahl antisemitischer Schriften, von denen sein „Handbuch der J u d e n f r a g e" die bekannteste ist, herausgegeben. Im Hammer-Verlag sind auch die sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion" erschienen, die bekanntlich längst als Fälschung erwiesen wurden. Auch Fords von ihm selbst später zurückgezogenes Buch „Der internationale Jude" hatte der Hammer- Verlag mit gewissen Abänderungen in deutscher Uebersetzung herausgebracht. Fritsch war auch ein großer Rassenpolitiker und in seinen. Büchern gab er die verstiegensten Theorien in dieser Richtung zum besten. In den letzten Jahren seines Lebens wurde er immer erbitterter und griff nicht nur die Juden, sondern auch seine einstigen Partei- Zimmermaler Kohn ämpfiehlt sich zur Ausführung vonMalerarbeiten jeder Art II., Rotenkreuzgasse 3 TeJ. A45-5-37 genossen, die Deutschnationalen, an. Zuletzt wurde er wegen einer Beleidigung des Reichsbankpräsidenten Schacht verurteilt Es gilt als sicher, daß das Dritte Reich Theodor Fritsch als seinem geistigen Nährvater ein würdiges Denkmal setzen wird. Zum Tode König Feisals. König Feisal von Irak, der in Bern einem Herzschlag erlegen ist war ein Sohn des ehemaligen Königs Hussein von Hedschas und Bruder Emir Abdullas von Transjordanien. Er harte auf der Pariser Friedenskonferenz das Königreich Hedschas vertreten und zunächst eine freundschaftliche Kooperation mit den Zionisten angestrebt. Unter dem Druck der extrem nationalistischen arabischen Kreise nahm er jedoch bald eine gegnerische Stellung zum Zionismus ein. 1920 ließ er sich in Damaskus zum König von Syrien und Palästina ausrufen, mußte jedoch, als die Franzosen unter General Gouraud intervenierten, nach Haifa fliehen. Er erklärte, die antizionistische Haltung seiner Anhänger habe wesentlich zu seinem Sturz beigetragen. 1921 wurde er zum König von Irak ausgerufen. Ein heißer Boden. Der holländische Generalkonsul in Jerusalem Sigfrid A. van Vrieslawd wurde bei einem Autoausflug zum Toten Meer von fünf bewaffneten Beduinen angegriffen und durch einen Schuß leicht an der Schulter verletzt Van Vriesüland konnte ungeachtet seiner Verletzung die Autofahrt fortsetzen. Es steht noch nicht fest, ob es sich bei dem Ueberfall auf van Vriesland, der 1919 als Mitglied der nach Verkündigung der Balfour- Deklaration gebildeten Zionist Commission nach Palästina ging, 1923 bis 1925 Leiter der Finanzabteilung der Palästina-Exekutive war und seit 1929 Geschäftsführer der Gesellschaft zur Ausbeutung der Mineralschätze des Toten Meeres ist, ISpezialhaus für Volle und Strickgarne Moritz Nagel Wien, 2. Bez., Taborsirafie Nr. t7 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden Telephon A 45-8-69 bloß um eine Angriff räuberischer Beduinen oder um ein politisches Attent a t handelt. Die beiden neuen Oberrabbiner, Dr. David Feuch t wang und Dr. Israel Taglicht verabschiedeten sich am vergangenen Freitag von ihren bisherigen Gemeinden. Der Feier im Währinger Tempel wohnten das gesamte Kultuspräsidium, der Bethausvorstand unter Führung des Obmannes Medizinalrat Dr. I. Winter, Vertreter aller Währinger jüdischen Organisationen, der Obmann des Tempelvereines IX., Börserat I. Glück, Regierungsrat G. Fuchsgelb und viele andere bei. Das Fest war auch der Installierung des neuen Währinger Rabbiners Doktor A. Z. Schwarz gewidmet, der bekanntlich dort die Funktionen alternierend mit seinem bisherigen Wirkungskreise in der Müllnergasse ausüben wird. Oberrabbiner Dr. D. F e u c h t w a n g, der in einer gehaltvollen Rede sichtlich tief ergriffen von seiner Gemeinde, in der er so viele Jahre ersprießlich gewirkt, Abschied nahm, führte seinen Nachfolger mit herzlichen Worten ein, der von dem prächtigen Chor mit einem Halleluja empfangen wurde. Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz hielt hierauf eine schöne Antrittsrede, in der er den Frieden als der Güter höchstes verherrlichte. Die kantorale Funktion bei dieser erhebenden Feier, in der die Beliebtheit des scheidenden Rabbiners wieder so recht zum Ausdrucke kam, versah in erstklassiger Weise Oberkantor D. Groß. An der Feier im Fünfhauser Tempel nahm der gesamte Bethausvorstand unter Führung des Obmannes Kommerzialrat S. Bernhardt teil. Auch Die nächste!foiedaQs:£onpeimmmec' erscheint bereits Mittwoch, 4m 20. Septemie? in verstärktem Umfange Aus diesem Grande ist die heutige Nummer nur 6 Seiten stark hier bewies die stattliche Gemeinde, die gekommer war, wie schwer ihren Mitgliedern der Abschied, von dem geschätzten geistigen Oberhaupte fällt dessen Rede ein wahres Meisterwerk war. Doktor I. Tag Ii cht skizzierte seinen bisherigen Weg und wünschte seiner Gemeinde weiteres Blühen und Gedeihen. In deren Namen verdolmetschte Kommerzialrat S. Bernhardt die sie bewegenden herzlichen Gefühle, die den Oberrabbiner in seine neue Leopoldstädter Wirkungsstätte begleiten. Beim Sabbath-Gottesdienst wurde Doktor I. T a g 1 i c h t feierlich aufgerufen und von Oberr kantor Leo Funke, dessen Wirken im Fünfhauser Tempel viel Gefallen findet, mit einem eigens für diesen Zweck verfaßten herrlichen Mischeberach begrüßt Wie bereits mitgeteilt finden diesen Schabbes die Installierungen der beiden neuen Oberrabbiner statt und zwar die des Herrn Dr. D. Feuchtwang im Seitenstettentempel am Freitag um 6 Uhr abends und die des Herrn Dr. I. T a g 1 i c h t inv großen Leopoldstädter Tempel im Rahmen des Sabbath-Gottesdienstes. (Beginn 'A9 Uhr vorm.)! I Jüdische Mädchen vor der Berufswahl! I Zweijährige Fachschule für Kleidermachen und Wäscheerzeugung mit öffentlichkeitsrecht — StaatsgQltige Zeugnisse. Einjährige Koch- und Haushaltungsschule. Moderne Kochkurse. Streng rituell. Viele sonstige Ausbildungsmöglichkeiten. 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