Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 36 (8.9.1933)
- Date
- 1933-09-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE WAHRHgO ..,t ■ a= , ■■■tS3i Spezialhaus für Volle und Strickgarne Moritz Nagel 'Wien» 2. Bez.» Tatoorsiraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden Telephon A 45-8-69 Wissen Sie schon, daß bei der Ausstellung neuer Pässe für jüdische Staatsbürger von der deutschen Polizei seit einiger Zeit der Name des jüdischen Paßinhabers doppelt unterstrichen wird, womit der Inhaber den deutschen diplomatischen Auslandsvertretungen gegenüber als Jude charakterisiert wird, und daß in manchen deutschen Aemtern Akten, die eine jüdische Person betreffen, mit einem dicken Stampiglienaufdruck „Jude" versehen werden? * daß in den Berliner Schulen bei den nun in Mode gekommenen Gasschutzübungen die jüdischen Schüler nicht mit einbezogen werden; mache sich jeder selbst den Reim darauf! * daß im Interesse der Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung auf der Michaelis-Messe, die im ganzen Untermainbezirk einen hervorragenden Ruf genießt, jüdische Händler und Geschäfte nicht zugelassen wurden? * daß der Schloßpark von Rothenburg, der durch einstimmige Beschlüsse der städtischen Körperschaften in „Adolf-Hitier-PIatz" umbenannt worden ist, „im Interesse der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung" nicht durch Nichtarier betreten werden darf? « daß die weltberühmte kulturgeschichtliche Bibliothek Warburg, eine Gründung von Professor E. Warburg, die von der gesamten Familie Warburg unterhalten wird und jedermann zugänglich ist, demnächst von Hamburg nach England verlegt werden soll? * daß der große jüdische Historiker Professor Simon Dubnow, der lange Zeit in Berlin lebte, kürzlich im 73. Lebensjahre zu dauernder Niederlassung nach Riga übersiedelt ist? daß Dr. Max Marcus, Privatdozent an der Berliner Universität, der zuletzt als leitender Chirurg am Berliner Krankenhaus am Friedrichshain tätig war, als chirurgischer Chefarzt an das Krankenhaus der Hadassah in Tel Awiw berufen wurde? daß der Jude Hermann Bernstein, der mehrere Jahre hindurch die Vereinigten Staaten in Albanien vertreten hat, dem amerikanischen Außenamt seine Demission als Gesandter unterbreitet hat? daß die Gemeindeverwaltung von Tel Awiw im Begriff steht, mit Unterstützung der Palästinaregierung eine Anleihe von 350.000 Pfund zum Ausbau der Stadt und zur Verbesserung der öffentlichen Einrichtungen aufzunehmen? Tempelsitze. Im Gotteshause. VIII.. Neudeggetgasse 12. sind anläßlich der hohen Feiertage noch schöne, preiswerte Herren- und Damensitze zu vermieten. Kanzleistunden täglich von 9 bis I Uhr und von 3 bis 7 Uhr. Telephon A 21-7-65. Wie alljährlich findet auch heuer in der Isr. Kinderbe wabranst alt, IL. Schiff am tscasse 15, anläßlich der hohen Feiertage ein feierlicher Gottesdienst unter Mitwirkung vorzüglicher Kantoren statt. Kartenausgabe täglich von 9 bis 15 Uhr, Sonntag von 9 bis 12 Uhr im Sekretariat Bethaus in der Mensa academica iudaica. Der Verein zur Erhaltung und Förderung) der Mensa academica iudaica veranstaltet auch heuer anläßlich der hohen Feiertage im Lokale der Mensa. IX.. Zimmermanplatz 8. ein Bethaus (Minjan). Für gute Vorbetcr wurde gesorgt Das Reinerträgnis wird zur Gänze für Freitische an arme Studenten verwendet werden. Der Kartenverkauf findet täglich von 9 bis 5 Uhr im Sekretariat der Mensa. IX.. Zimmermann- Platz 8. Telephon B 47-4-66. statt Lord Melehett in Wien. In der Vorwoche weilte Lord Melehett in Wien und war hier Gegenstand zahlreicher Ehningen, die man als verdient bezeichnen darf. Denn der illustre Gast steht nicht nur in der englischen Wirtschaft an besonders hervorragende- Stelle, er üst auch in mannigfaltiger Weise für die jüdische Sache mit Eifer tätig. Wohl ist Lord Melehett Zionist, aber man hat. wenn man ihn spricht oder ihn sprechen hört, nicht die Empfindung, einen gewöhnlichen iüdischnationalen Parteimann vor sich zu haben, sondern für ihn ist Zionismus eine Bewegung, die über dem Parteigezänke steht Deshalb hat auch das nichtzionistische Wiener Judentum an den dem Gaste gewordenen Ehrungen Anteil genommen, der unionisüsche Vizepräsident der Wiener Kultusgemeinde Dr. Jakob Ornstein war es. der Lord Melehett beim Festbankett in einer gehaltvollen Rede herzlichst begrüßte und ihn am nächsten Tage in den Räumen der Gemeinde an der Spitze der Repräsentanten empfing. Montag nachmittags war Lord Melehett aus Prag mit einem Sonderflugzeug in Wien angekommen. Er hatte in Prag, wie gemeldet, an dem großen Kongreß der Makkabi teilgenommen und wurde auf dem Asperner Flugfelde von einem in Wien für diesen Zweck gebildeten Empfangskomitee, den Herren Doktor Felix. Dr. Körner. Robert Glücksmann und einer Abordnung der jüdischen Frontkämpfer mit Hauptmann Friedmann an der Spitzel begrüßt. Abends fand im Festsaal des Hotel Bristol der große Empfang statt an dem zahlreiche prominente Persönlichkeiten der Wirtschaft der Kunst und Wissenschaft und des Sportiebens teilnahmen. Auch der englische Gesandte S e 1 b y und Ministerialrat W a 11 p a c h — in Vertretung des Handelsministers Stockinger — wohnten der Veranstaltung bei. Dr. Eugen Felix, als Präsident des Empfangskomitees, begrüßte die erschienenen Gäste. Präsident Dr. Jakob Ornstein führte u. a. aus, welchen großen Wert dieser Abend für das österreichiche Judentum habe, über dessen Vergangenheit und Gegenwart er sehr interessant sprach. Unter Hinweis auf die derzeitigen Strömungen sprach er die Hoffnung aus. daß es der Jugend gelingen möge, alle Gegensätze zu überbrücken. Ministerialrat Wallpach begrüßte in Vertretung des Herrn Handelsministers Stockinger Lord Melehett und gab seiner Hoffnung Ausdruck, daß die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Großbritannien und Oesterreich sich vertiefen mögen. Ferner sprachen: tannnni^iiiiiniBninniisiiniBiniiioiuiK. Zimmermaler Kohn empfiehlt sich zur Ausführung von Malerarbeiten jeder Art II., Rotankreuzgaste 3 . Tel. A 45-5-37 ^wnmHiffiiifflinniMiwmii^ Präsident Leopold Langer namens des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft Kommerzialrat Karl K1 e m p erer namens der Bnei Brith, Präsident J o 11 e s vom Verband jüdischer Kaufleute und Dr. Paul Berger namens der Zionistischen Landesorganisation. Bundesführer-Stellvertreter S t i a s s n y vom Bund jüdischer Frontsoldaten übermittelte die Grüße des Bundes und überreichte im weiteren Verlaufe des Bankettes dem Gaste zur Erinnerung an den Abend eine Ehrennadel. Hierauf ergriff Lord Melehett das Wort, um zunächst füm die ihm gewordene Ehrung herzlichst zu danken. In höchst interessanter Weise gab Lord Melehett einen Ueberblick über die wirtschaftliche Situation in allen Ländern, aus der auf eine baldige Besserung der Verhältnisse zu schließen ist. Auch in Oesterreich dürfte diese Besserung! bald Platz greifen, insbesondere dann, wenn der nun beschrittene Weg der Selbsthilfe weiter gegangen wird. Mit besonderer Befriedigung stellte Lord Melehett fest, daß der österreichische Bundeskanzler Dr. D o 11 f u ß in der ganzen Welt, vornehmlich in England, große Sympathien genießt und seine Persönlichkeit viel dazu beigetragen hat. daß Bande der Freundschaft Oesterreich und England verbinden. Der Gast sprach schließlich von den Schönheiten Palästinas und forderte die Versammlung auf, am Aufbauwerke mitzuhelfen und die Makkabi-Idee zu unterstützen. Sodann wurde dem Ehrengaste im Namen des Makkabikreises Oesternefich eine auf tbenholz montierte silberne Plakette. mit einer Erinnerungswidmung überreicht Als Abschluß des offiziellen TeSes brachte Hauptmann (Edler von) Friedmann einen Toast auf die österreichische Regierung, besonders auf den Präsidenten Miklas und Bundeskanzler Dollfuß aus. versicherte! die unwandelbare Anhänglichkeit und Treue der Juden zu ihrem Vaterland für die Zukunft so wie sie sie in der Vargangenheiit mit ihrem Blute bekundet haben. Dann folgten künstlerische Darbietungen. Altmeister Komponist Edmund E y s 1 e r brachte persönlich auf dem Klavier einige Blüten aus seinem Operettenkranz zum Vortrag, die die Versammlung mit viel Applaus lohnte. Ihm folgten Opernsänger Herbert Weiß, der zwei Arien mit wundervollem Timbre zum Vortrag brachte, in meisterhafter Weise begleitet von Kapellmeister Rose. Stürmischen Beifall errang der Violinvirtuose Kurt Fuchsgelb, begleitet von Kapellmeister Dr. B c r L Pension HIRSCH, Fürstenhof, Verbringet die Hohen Feiertage auf dem Semmering! Vollpension von S 12.— aufw. Zu den jüdischen Felertasen nach Polen mit unserem Sonderzug. Abreise 18. Sept. 1933, für2 und 4 Wochen, sehr b-Ilige Pieise. Teilnehmer unserer Reise genießen 50% RrinaUignng nach allen Richtungen Polens. Nähere Auskünfte: Büro E. Ferstel, Wien I., KSrntnerring 12 Telephon U 40-301 Lederhandschuhfabrik Josef Tjasfinger Gximdungsjahr 1896 II., Hollandstraße 11 Telephon A 47-2-40 ♦ L, Rotenturmstraße 23 Telephon U 25-5-29 Nacli Schluß des Bankettes unterhielt sich Lord Melehett in ungezwungener Weise mit einer Reihe von Wirtscliaftsführern und ließ sich über die Zusammenarbeit im österreichischen und englischen Handel berichten. Er knüpfte bei dieser Gelegenheit wertvolle Beziehungen an, die dem österreichischen Handel in naher Zukunft sicher Früchte tragen werden. Empfang in der Kultusgemeinde. Dienstag vormittags besuchte Lord Melehett die Kultusgemeinde, wo ein Empfang durch alle in Wien anwesenden Kultusvorsteher, Gemeinderabbiner und Vertreter der Kultusbeamten stattfand. Vizepräsident Dr. Ornstein begrüßte den Gast aufs herzlichste, wies auf die schweren Aufgaben der Kultusgemeinde hin und erwähnte, welche Bedeutung die Männer für die Kultusgemeinde gehabt haben, deren Bilder an den Wänden des Festsaales hängen. Darunter gibt es viele Männer, die insbesondere für die österreichische Industrie von großer Bedeutung waren. Zum Schlüsse seiner Ausführungen überreichte Dr. Ornstein dem Gaste das anläßlich der Zentenarfeier des Tempels herausgegebene erste Statut der Wiener Kultusgemeinde, ferner eine Geschichte der Juden in Wien und ein Exemplar des derzeit gültigen Statuts. Hierauf hielt Herr Oberrabbiner Dr. Feuchtwang in englischer Sprache eine kurze Anrede an den Gast Lord Melehett gab seiner besonderen Freude Ausdruck, das historische Gebäude in der Seitenstettengasse besuchen zu können. Den Schluß des hohen Besuches bildete eine Besichtigung des Tempels. Lord Melehett bei Bundeskanzler Dollfuß. Dienstag Mittags wurde Lord Melehett von Bundeskanzler Dr. Dollfuß empfangen. In längerem Gespräch wurden Fragen der engbsch-österreichischen und der österreichisch-palästinensischen Wirtschaftsbeziehungen erörtert. Zu Ros ch- Hai chonoh gratulieren Sie allen Ihren Verwandten, Freunden, Bekannten, Kunden und Gästen in der Neujahrsrestnummer der „WAHRHEIT" Sie ersparen damit Mühe, Porto und Zeitaurwand 1 Nur bis Freitag, den 15. September können Aufträge berücksichtigt werden. Ein Teil des Erträgnisses fließt dem „Hilfskomitee für deutsche Juden* zu Muster: Anläßlich des Rosch-Haschonoh-Festes entbieten hiermit ihren Verwandten und Freunden die herzlichsten Glückwünsche (Einfaches Feld) Eugen Rottinann und Familie III., Marxergasse 6 Um allen jenen, die durch „Die Wahrheit" gratulieren, die Gewißheit zu geben, daß Ihre Gratulation aueb alle Jene Familien oder Personenerreicht, denen sie zu gratulieren beabsichtigen, werden wir an alle Adressen, die uns mit der Gratulationsbesteilung aufgegeben werden, Je efh Exemplar der Festnununer kostenfrei zusendem -Ausschneiden!-- An die Administration „DIE WAHRHEIT", Wien IL, Heinestraße 13 Ich bestelle hiermit einen Rosch-Haschonoh-Glückwunsch •) Einfaches Feld zum Preise von S 6"— *) Doppelfeld zum Preise von S II-— «eichen Betrag ich Ihnen gleichzeitig übersende ») Nichtzutreffendes bitte streichen. Textangabe:..........................................'..................... Unterschrift: