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Die Wahrheit · 1933-08-25 · Heft 34 (25.8.1933) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 34 (25.8.1933)
Date
1933-08-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 7 Wien I., Seitenstettengasse 2, Tel. U 28-1-28 XI., Zentralfriedhof, nia im I. Cor, Tel. V 18-0-85 Lord Melchet kommt nach Wien. Lord Melchet, der Präsident des Makkabi- Weltverbandes, beabsichtigt, nach Schluß der Makktabiade in Prag nach Wien zu kommen, um die hiesigen Sportorganisationen, soweit sie dem Makkabi-Weltverband angehören, zu inspizieren. Der vornehme Gast, der bekanntlich sowohl in der englischen als auch in der palästinensischen chemischen Industrie die bedeutendste Rolle spielt, will aber seinen Aufenthalt in Wien nicht bloß sportlichen Interessen widmen, sondern auch zum Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Oesterreich und England sowie zwischen Oesterreich und Palästina benutzen. Zu diesem Zweck will Lord Melchet mit führenden Persönlichkeiten der Wiener Gesellschaft Fühlung nehmen. Ein für den 28. August vorgesehenes Bankett soll der Anbahnung dieser Bestrebungen dienen, denen hoffentlich der gewünschte Erfolg beschieden sein wird. Wie der Arierparagraph entstand. Der Arierparagraph, der jetzt in Deutschland auf allen Gebieten durchgeführt wird, ist jetzt 46 Jahre alt. Er wurde am 3. April 1887 geschaffen, sein Geburtsort ist, worauf wir uns nicht viel einzubilden brauchen, Wien. Sein Vater heißt Franz K i e s 1 i n g, der ihn damals in die Satzungen des „Ersten Wiener Männerturnvereins'' mit dem Wortlaut einführte, daß künftig nur Deutsche arischer Abkunft Angehörige des Vereines sein dürften. Diese Satzungsänderung bewirkte seinerzeit den Ausschluß von etwa 500 Juden. Ursprünglich hatte Kiesling versucht, die turnerische Betätigung der Juden auf einen der sechs Vereinsturnplätze zu beschränken. Später wurden dann die Juden nur von der Teilnahme am Fünfkampf ausgeschlossen. Dem Beispiel des Wiener Männerturnvereines folgten dann zahlreiche andere österreichische Vereine, so der Skiverband, die Bergsteigervereine; große Kämpfe entstanden bekanntlich später um die Stellungnahme des Deutsch - Oesterreichischen Alpenvereins. Die Reichsdeutsche Studentenschaft und die Deutsche Turnerschaft verhielten sich in dieser Frage ursprünglich stets ablehnend. Im Gegensatz zur „Deutschen Turnerschaft" setzte sich der „Deutsche T u r n e r b u n d" immer mit aller Energie für den Arierparagraphen ein, und als es sich 1927 um die Beschickung des Turnfestes in Köln handelte, wurde von der Leitung erklärt: „Leitung und Angehörige des Deutschen Turnerbundes lehnen seit Jahren jede Gemeinsamkeit mit Verbänden ab, die sich nicht zum Arierparagraphen bekennen. Veranstaltungen, an denen Juden oder andere Fremdrassige teilnehmen, werden vom Deutschen Turnerbunde streng gemieden. Der Deutsche Turnerbund lehnt jede fremdrassige Bindung ab und bekämpft internationale Verbrüderungen." Die weitere Entwicklung ist bekannt. Spekulationsorgien in Palästina, Die jüdische Arbeiterzeitung Palästinas, der „Dawar", schreibt: „Das Wort Spekulation genügt gar nicht, um die Vorkommnisse auf dem Bodenmarkt in Tel-Awiw und Umgebung richtig zu kennzeichnen. Eine Bande von Spekulanten ohne jedes menschliche Gewissen und ohne jeden Funken Geübter vorbefer, Thoraforleser, SChOlQFU&SCr mit langjährigen Zeugnissen, SOCW Stelle auch Provinz. S. HAU US. XX.. WALLENSTEINSTRASSE 28/5 nationaler Verantwortlichkeit setzt ihren Teutelstanz ungehindert fort. Die Gemeinheit hat ihren Höhepunkt erreicht; für einen Dunam Boden zahlt man in der Vorstadt von Tel-Awiw bereits 1200 Pfund. Die Folge dieser wahnsinnigen Preise ist, daß sich die palästinensischen Hitleristen für einen an jüdische Spekulanten verkauften Dunam hunderte Dunams in anderen Gegenden knuicii. Wohin wird uns diese Spekulationsorgie führen, wenn wir sie ungestört ihr unheilvolles Werk weiter treiben lassen werden?" War es wert, für Deutsehland zu sterben? Vor Kriegsausbruch betrug die Zahl der Juden in Deutschland (ohne Ausländer) 550.000, also nicht ganz 1 Prozent. Die Zahl der jüdischen Kriegsteilnehmer betrug 96.000, also 17.3 Prozent der Juden. Davon hatten sich 10.000 Mann als Kriegsfreiwillige gemeldet. 12.000 Juden, das sind 12 Prozent der jüdischen Kriegsteilnehmer, fielen auf den Schlachtfeldern, 29.874 Juden wurden dekoriert. 19.545 ausgezeichnet und 2022 erlangten den Offiziersgrad. Der jüngste Kriegsfreiwillige in der deutschen Armee war der dreizehnjährige Josef Zippes, der beide Beine verlor. Das erste Todesopfer des Weltkrieges war der jüdische Abgeordnete Ludwig Frank. General v. Deimling äußert sich in seinen Erinnerungen „Tausende von Juden sind zu den Fahnen geeilt. Tausende gefallen, Tausende zu Krüppeln geworden." Aus aller Welt Zagreb. Hier wurde eine „Zentralstelle für jüdische produktive soziale Hilfe" gegründet, die die Aufgabe hat, die soziale Arbeit der verschiedenen jüdischen Vereinigungen und Institutionen in Jugoslawien zu vereinheitlichen und zu systematisieren. Die Zentralstelle, deren Statuten bereits behördlich genehmigt wurden, erstrebt insbesondere die Ueberführung von Juden in produktive Berufe und die Förderung der darauf gerichteten Bestrebungen bei der Jugend. Neben ihrer koordinierenden Tätigkeit wird sie auch unmittelbar soziale Hüte auf allen Gebieten leisten. Gründer und provisorischer Leiter der neuen Zentralstelle ist der Zagreber Bankdirektor Dr. David Fuhrmann. New York. Im Alter von 02 Jahren verstarb hier der bekannte Philanthrop und Palästina-Freund Israel R o k e a c h. der sich an alten jüdischen Wohliahrtsaktionen mit großen Summen beteiligt hat. Zu seinen Ehren wurde eine Palästina-Kolonie Klar Rokeach genannt. Der Verstorbene, der aus Litauen in die Vereinigten Staaten eingewandert war, hat in Amerika eine groGe Industrie, die sich mit der Herstellung von Koscher-Seife befaßt, geschalten. Warschau. Senator Ascher Mendelssohn, ein Vertreter der orthodoxen Judenheit im polnischen Oberhaus, feierte dieser Tage seinen 60. Geburtstag. Senator Mendelssohn vertritt die orthodoxen Juden in den gesetzgebenden Körperschaften Polens seit dem Jahre 1920. Er war zunächst Abgeordneter im konstituierenden Sejm und sodann bis auf den heutigen Tag Mitglied des Senats, dessen Präsidium er derzeit angehört. Senator Mendelssohn ist auch Mitglied des Zentralrates der Agudas Jisroel und Vorsitzender des Revisionsverbandes der jüdischen Kooperativen in Polen. Anläßlich seines Jubiläums hat die Agudas Jisroel eine Festschrift veröffentlicht. DQgtenlsdics KOnlgslicht Frankfurt a. M. im Frankfurter Bude-Altersheim starb im Alter von 75 Jahren die jüdische Dichterin Leonie Meyerhoi-Hildeck. In Hildesheim geboren, kam sie 1900 nach Frankiurt a. M. Hier entstand eine Unzahl von Erzählungen, Novellen usw., die meist unter dem Pseudonym Leo Hildeck erschienen. Ihr erster Roman „Töchter der Zeit" erhielt den ersten Preis eines großen Verlages bei einem Preisausschreiben. Neben einer Gabriele Reuter, Anselma Heim und Sophie Hoechstetter stand sie unter den schreibenden Frauen in den Neunzigerjahren und um die Jahrhundertwende mit in erster Reihe. Als sie 70 Jahre alt wurde, zog sich Leonie Meyerhoi-Hildeck in das damals gegründete Bude-Altersheim zurück, übte jedoch ihre schriftstellerische Tätigkeit bis zu ihrer schweren Erkrankung vor wenigen Monaten weiter aus. In den Frankfurter Tageszeitungen vertrat sie besonders die Interessen der jüdischen Institutionen. Ihre sozialen Reportagen ianden beim lesenden Publikum stets großen Anklang. Haag. Hier verstarb im Alter von 89 Jahren der Präsident des sephardischen Gemeindebundes Hollands und der sephardischen Gemeinde Haag Ang. B e I i nf a n t e. Der Verstorbene bekleidete über 50 Jahre lang ein hohes Amt im holländischen Innenministerium. Er spielte auch eine hervorragende Rolle in der sozialen und jüdischen Gemeindearbeit. Amsterdam. Dieser Tage feiert der ehemalige Bibliothekar J. M. H i 11 e s u m, einer der hervorragendsten jüdischen Gelehrten Hollands, seinen 70. Geburtstag. Hillesum hat insbesondere die Geschichte der holländischen Juden bearbeitet und eine Reihe von Artikeln und Broschüren über Menasse ben Israel veröffentlicht. Todesfall. Am 20. d. M. verstarb nach langem schweren Leiden im 72. Lebensjahre Frau Therese S t i a ß n y, die Gattin des in der Leopoldstadt sehr bekannten Buchdruckereibesitzers Alois S t i a ß n y. Mit ihr ist eine brave Frau dahingegangen, deren ganze Sorge nur ihrer Familie und deren emsige Tüchtigkeit dem altrenommierten Geschäfte, in dem sie selbst arbeitete, gewidmet war. In mehr als fünfzigjähriger glücklicher Ehe mit ihrem Mann verbunden, war sie von mütterlicher Liebe für ihre einzige Tochter, Frau Gisela Löwy, die Witwe nach dem unvergeßlichen Vizepräsidenten der „Union"', Hotrat Ing. Josei Löwy, erfüllt und ging insbesondere ganz in der Erziehung ihres einzigen Enkelkindes, des im Unternehmen tüchtig mittätigen Kurt Wilhelm auf. Die Beerdigung fand am 22. d. M. unter sehr starker Beteiligung statt. Neben den vielen Bekannten und Freunden der allseits geschätzten Familie sah man Abordnungen der „Union", namentlich der Bezirksgruppe II. und des Union-Frauenklubs, des Vorstandes des Polnischen Tempels, zu dessen treuen Anhängern Herr Alois Stiaßny seit vielen Jahrzehnten gehört, und des Vorstandes des Pazmanitentempels, sowie der Jugendgruppe desselben, in deren Leitung Herr Kurt Wilhelm mitarbeitet. Rabbiner Doktor Z. Taubes schilderte die schönen Eigenschaften der Heimgegangenen in glänzender Rede. Die kantorale Funktion versah Oberkantor Fränkel mit Chor in sehr ergreifender Weise. Zu den jüdischen Feiertagen nach Polen fährt der Souderzug am 18. September 1933 nach Krakau. Lemberg usw. Pullmannwagen, reservierte Plätze. Wir bieten den Teilnehmern wie bei unseren Sommerreisen alle Bequemlichkeiten und verschicken auf Verlangen gratis unser Prospekt. Näheres durch Schenker & Co., I.. Schottenring 9. Tel. R 50-510, Büro E. Ferstel, I.. Kärntnerring 12. Tel. U 40-301. Ttmffidfe Verfautßarungen der Jsraefitisdfen TCuftusgemeinöe Wien L. D. Königsberg-Stiftung. Lele Condi-Heim, 2. Bez., Böcklinstraße 39. Telephon B 53-0-16. Im obgeniannten Heim werden zu Beginn des Schuljahres 1933/34 Mädchen des jüdischen Mittelstandes im Alter von 9—14 Jahren aufgenommen. Abgesehen von Inhaberinnen von Freiplätzen ist ein Verpflegsbeitrag von S 150.— pro Monat zu bezahlen. Die Plätze werden für das ganze Schuljahr vergeben. Gesuche an die Amtsdirektion der Isr. Kultusgemeinde, Wien I.. Seitenstettengasse 4. oder an obgenanntes Heim. Kundmachung. Der Kultusvorstand lütt mit Rücksicht auf die durch Sommerurlaube und Vakanz mehrerer Gemeinderabbinerstcllen bedingten Schwierigkeiten bei der Heranziehung von Gemeinderabbinern zu Funktionen für die Zeit bis 30. September 1933 Herrn Professor Rabbiner Dr. Moriz L e w i n, Wien XIII., Penziugerstraße 97, damit betraut, im Bedarfsfalle in Stellvertretung von Gemeinderabbinern, bzw. Vereins-Gemeinderabbinern staatlich rechtswirksame Funktionen zu vollziehen. Diese Verfügung wurde vom Wiener Magistrat im staatlichen Wirkungskreis mit Erlaß vom 21. August 1933. Zahl M.-Abt. 49/6452/33 genehmigt. Beziehet uodveFbpeitet DieHahrheit!

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