Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 33 (18.8.1933)
- Date
- 1933-08-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 5 Vom Zionistenkongreß. In einem von der Zionistischen Exekutive an die Mitglieder des Zionistischen Aktions-Komitees gerichteten Rundschreiben wird auf die Bedeutung und die Aufgaben der Aktions-Komitee-Tagung, die vor dem nächsten Zionistenkongreß am 15. August in Prag eröffnet werden wird, hingewiesen, in dem Schreiben der Exekutive heißt es u. a.: Es kann nicht Aufgabe der Aktions-Komitee-Tagung sein, durch ihre Beschlüsse den Kongreß in irgendwelcher Form zu binden. Das Ziel der in diesem Augenblick einer äußerst schwierigen inneren und äußeren Lage einberufenen Tagung soll sein, den Kongreß durch eine möglichst erschöpfende Aussprache zwischen den Parteien innerlich vorzubereiten. Es soll eine möglichst weitgehende Uebereinstimmung betreffend die Behandlung gewisser hefkler Fragen erzielt werden. Selbstverständlich beabsichtigt niemand, die Kräfteverteilung auf dem Kongreß zu ignorieren, wie sie auf Grund der letzten Kongreßwahlen ersichtlich geworden ist. Die vom Aktions-Komitee gefaßten Resolutionen werden in den Kommissionen, die dem Kongreßschlüssel entsprechend zusammengestellt sein werden, zur Behandlung kommen. * Chief RabbiKook fordert in einer Botschaft, die auf dem bevorstehenden Zionistenkongreß in Prag verlesen werden soll, die Delegierten des Kongresses auf. den inneren Frieden zwischen den einzelnen Parteien zustande zu bringen, um so eine Konsolidierung der Kräfte herbeizuführen. Ferner verlangt Rabbi Kook, daß ebenso wie für die deutsche auch für die sowjetrussische Judenheit praktische Hilfsmaßnahmen ergriffen werden. Der Kongreß möge sich bemühen, die in Rußland wirtschaftlich und religiös bedrängten Juden nach Palästina überzuführen. Der Weltverband Allgemeiner Zionisten hat für den 17. August eine Konferenz von Vertretern aller zionistischen Richtungen nach Prag zu dem Zwecke einberufen. Vereinbarungen zu treffen, die einen ruhigen Verlauf des 18. Zionistenkcngresses sichern sollen. Aebinldche Binigungskonferenzen wurden auch vom Zentralkomitee der Zionistischen Organisation Polens und vom Mitglied der Zionistischen Exekutive H. Farbstein einberufen. * Auf Grund der bisher eingegp-.igenen Meldungen stellt sich das Gesamtergebnis der Wahlen zum 18. Zionistenkongreß vorläufig folgendermaßen dar; Von den etwa 300 Mandaten, die für den bevorstehenden Kongreß vergeben werden, hat die Arbeitergruppe 137 errungen. Außerdem wurden 2 unabhängige Arbeitcrdelegierte gewählt. Die Allgemeinen Zionisten haben einschließlich der 11 Delegierten, die auf die Grünbaum- Liste (Zentralkomitee der Zionistischen Organisation Polens) gewählt wurden. 76 Mandate erhalten. Außerhalb Polens haben die radikalen Zionisten ie 1 Mandat in Palästina und in der Tschechoslowakei bekommen. Die Jabotinsky-Revisionisten erhielten 43. die Großman-Stricker-Revisionisten 4 (!). der Misrachi 32 Mandate. Geringere Aenderungen dieses Resultates sind noch anläßlich der Ueberprüfung der Mandate durch den Legitimationsausschuß des Kongresses möglich. Eine wesentliche Aenderung der Zusammensetzjnt des Kongresses kann jedoch hierdurch nicht herbeigeführt werden. 15 Mandate werden noch aui Grund der Reststimmen vergeben werden. die transjordanischen Araber bedürften keines Passes; um nach Palästina zu kommen. Ferner wurde vom Vertreter der Mandatarmacht Aufklärung darüber verlangt, in welcher Stärke die Juden in der Polizei und im transjordanischen Grenzwachkorps vertreten seien, und ob der derzeitige Zustand die Juden befriedige. Hierzu wiederholte Young die Erklärung, die der Kommission von den britischen Vertretern in der Regel zu dieser Frage gegeben wird, nämlich, daß für das Grenzwachkcrps Personen ausgesucht werden müssen, die das Arabische vollkommen beherrschen, und daß es nicht teücht sei. in ieder Beziehung geeignete Menschen für dieses Korps zu finden. Auf die Frage, ob nicht die Gefahr bestehe, daß nach Beendigung der gegenwärtigen Konjunktur, insbesondere nach Beendigung der gegenwärtig starken Baubewegung, im Lande Krisis und Arbeitslosigkeit ausbrechen werden, antwortete Young! in optimistischem Sinne. Er betonte, es werde in Palästina nicht mehr gebaut, als dem tatsächlichen Bedarf an Wohngelegenheiten entspreche. Schließlich wurden an Young Fragen betreffend die .Regierungssubventionen für das jüdische Schulwesen und den Gesundheitsdienst gerichtet. Der Vertreter der Mandatarmächte erklärte, die Regierung verfolge die Tendenz, diese Subventionen im Rahmen der Möglichkeiten zu erhöhen. * Das wirklich Wertvolle an dieser Debatte, deren ersten Teil wir in unserer letzten Nummer veröffentlichten, ist. daß sie unmittelbar vor dem Zionistenkongreß erfolgte. Vielleicht werden die unfreüwilligen und freiwilligen Enthüllungen der britischen Palästina-Politik durch Herrn Young verhindern, daß sich der Zionistenkongreß weiterhin gefährlichen Illusionen hingibt. Aus den Verhandlungen der Mandatskommisson. Ueber die Verhandlungen auf der letzten Tagung der Mandatskommission des Völkerbundes, deren offizielles Protokoll erst Ende September veröffentlicht werden wird, erfährt der Genfer JTA-Vertreter noch gewisse Einzelheiten, die sich auf die Einwanderung von Juden aus Deutschland und von Arabern aus Transjordanien sowie auf die Vertretung von Juden in der Polizei und im transjordanischen Grenzkorps und auf die Regierungssubventionen für das jüdische Schulwerk und das öffentliche Gesundheitswesen beziehen. Auf eine Frage betreffend die Einwanderung deutscher Juden nach Palästina erklärte der britische Vertreter Young, die Zahl der zur Einwanderung zuzulassenden Personen werde nicht erhöht werden, doch werde ein größerer Teil der Einwanderungserlaubnisscheine Juden aus Deutschland überlassen werden. Ein Mitglied der Kommission fragte, ob sich die britische Regierung nicht mit der deutschen Regierung darüber verständigt habe, daß den Juden, die nach Palästina auswandern wollen, die Mitnahme ihres Vermögens gestattet werde. Der Vertreter der Mandatarmacht Young erklärte, es sei der britischen Regierung bekannt, daß die deutsche Reichsregierung in solchen Fällen die Ausfuhr von 1000 Pfund gestattet. Auf die Frage Dr. Ruppels. wie es möglich sei, daß im Jahre 1932 bloß 212 Mohammedaner nach Palästina eingewandert seien, und ob sich die Aniührung einer so kleinen Zahl nicht dadurch erkläre, daß die Regierung keine Kontrolle betreffend die Zahl der Araber, die aus Transjordanien nach Palästina kommen, ausüben könne, antwortete Young. dies treife zu; Der Bürgerkrieg in Kuba und die iUdische Bevölkerung, In New York sind Meldungen eingetroffen, denen zufolge die jüdische Bevölkerung in Havanna und anderen kubanischen Städten durch den dort herrschenden Bürgerkrieg schwer betroffen wurde. Die genaue Zahl der im Lauf der Ereignisse verwundeten oder verhafteten Juden steht noch nicht fest. Etwa 600 jüdische Familien leben in kubanischen Provinzortschaften, ihr Schicksal gibt Anlaß zu schwerer Beunruhigung. In Havanna sind Nachrichten eingetroffen, aus denen hervorgeht, daß in der Provinz vielfach Wohnungen und Geschäfte von Juden erbrochen und geplündert wurden. Die jüdischen Institutionen in Kuba sind außerstande, den Notleidenden Hilfe zu leisten, da sie selbst aller Mittel entblößt sind. Sie haben deshalb an die Juden in den Vereinigten Staaten den dringenden Appell gerichtet, Mittel zur Unterstützung der bittersten Mangel leidenden jüdischen Opfer der Unruhen nach Kuba zu senden. Heise und Vcrhchr Palästina-Nachrichten. Die Palästina-Regierung hat die sofortige Ausgabe von 1000 Arbeiter-Einwanderungszertifikaten auf die nächste Halbjahresquote bewilligt. Die Jewish Agency hatte 3500 Zertifikate angefordert. Von den neu ausgegebenen Zertifikaten werden 275 für Angehörige in Palästina ansässiger Juden reserviert, die übrigen sind für Arbeiter im Alter von 18 bis 35 Jahren bestimmt. Aus Verzweiflung darüber, daß es kein Palästina-Einwanderungszertifikat erlangen konnte, hat ein junges Mädchen namens Scheindel Helfmann in Bukarest Selbstmord verübt. Die Selbstmörderin hatte drei Monate lang auf die Zuteilung eines Zertifikats gewartet und hatte, als ihr Gesuch abschlägig beschieden wurde, um Erteilung eines Touristen-Visums gebeten. Aber auch dieses wurde ihr verweigert. In ihrer Erregung sprang sie, als ihr diese Mitteilung gemacht wurde, im Gebäude der Bukarester Zionistischen Organisation aus dem Fenster und blieb schwer verletzt liegen. Sie verstarb auf dem Transport zum Spital. *~ Am 6. August fand in Amman eine von Majed Pascha Edwan einberufene Konferenz statt, an der etwa 1800 Personen aus allen Gebieten Transjordaniens teilnahmen. Sämtliche Redner sprachen sich gegen den Zionismus aus. In den gefaßten Resolutionen wurde dem Emir von Transjordanien das Vertrauen ausgesprochen, die Forderung nach Absetzung der gegenwärtigen und Einsetzung einer nationalen Regierung sowie nach Abänderung des anglotransiordanischen Vertrages aufgestellt, die Bekämpfung des Zionismus zum Programm erhoben und der Regierung eine Liste von Forderungen auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet vorgelegt. Die Einberufer der Konferenz hatten insbesondere im Auge, die transjordanische arabische Exekutive zu bekämpfen und den Einfluß der Istiklalisten im Lande zu brechen. Vor Eröffnung der Tagung hatte Majed Pascha Edwan folgenden Aufruf erlassen: Ich erkläre öffentlich, daß die Scheiks und Notabein Transjordaniens an der bevorsteherden Tagung teilnehmen werden. Diese wird eine Konferenz der Treue und Selbstaufopferung sein, die den Zionismus ablehnen und seine Propaganda hemmen wird. Einberufung der dritten Knessio Gedaulo. Wie aus führenden agudistischen Kreisen mitgeteilt wird, soll im kommenden Jahre die dritte Knessio Gedaulo einberufen wurden. Die Tagesordnung des Kongresses wird vor allem Fragen, die mit Palästina und dem Schicksal der deutschen Juden zusammenhängen, umfassen. Reiset Iii Oes feit eich! Unsere Abteilung für Fremdenverkehr erteilt und besorgt im Inlande und in 20 Ländern Europas und des Orients Auskünfte für Reisen und Aufenthalt in Osterreich und steht Gemeindeämtern und Vermietern von Sommerwohnungen sowie Sommerfrischlern und Touristen völlig kostenlos zur Verfügung. Zuschriften erbeten an: LebensverslcherungsgesellMhaft .PbOaii* Wien I. Wallnerstrafle 6, lt., Aspembrückengasse 2, Grat, Jakominiplatx S, Lim, Land* •traue 63, Klagen fort, Paulitschgasse 15, Innsbruck, MeranerstraHe 7, Salibnrg, Kapitelguse9 Bisenstadt, Germajerstraße 356. I HOTEL ELISABETHHOT Zeitgemäße Preise. Kein Mahlzeitenzwang >? Sonderzug zu den Jüdischen Feiertagen nach Polen Abreise am 18. 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