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Die Wahrheit · 1933-08-04 · Heft 31 (4.8.1933) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 31 (4.8.1933)
Date
1933-08-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 7 Zahlen, die beweisen. Unter dieser Ueberschrift nimmt die Berliner „C. V.-Zeitung" in ihrer letzten Nummer Bezug auf die große Reichstagsrede Hitlers, in der als Merkmal der deutschen Not die hohe Zahl der Selbstmorde in den letzten anderthalb Jahrzehnten hervorgehoben wurde. Die „C. V.-Zeitung" hat den jüdischen Anteil an den Selbstmorden der Gesamtbevölkerung der Freistaaten Preußen und Bayern für die Jahre 1921—1928 ermittelt und macht darüber folgende Angaben: In Preußen beträgt die Zahl der Personen, deren Tod durch Selbstentleibung eintrat, in den acht Jahren von 1921—1928 69.944. Davon waren 49.212 Männer und 20.732 Frauen. Innerhalb dieser Gesamtzahl sind die Juden mit 1390 Personen enthalten, darunter 860 Männer und 530 Jüdinnen. Setzt man die Gesamtzahlen derer, die in Preußen in den Freitod gegangen sind, mit den darin enthaltenen Zahlen der Juden in Beziehung, so ergibt sich, daß unter 100 Selbstmördern 2 Juden waren. Bei den Männern liegt der Prozentsatz unter dieser Ziffer, bei den Frauen noch darüber. Da innerhalb der Bevölkerung Preußens der Anteil der Juden 1,1 Prozent beträgt, so bedeutet dies, daß die seelischen und wirtschaftlichen Gründe, die zum Freitod geführt haben, bei den Juden im Verhältnis fast doppelt so stark gewirkt haben als bei den nichtjüdischen Bevölkerungskreisen Preußens. Aehnlich ist das Ergebnis in Bayern. In diesem Land betrug in den acht Jahren von 1921 bis 1928 die Gesamtzahl der Selbstmorde 9596, darunter waren 6832 Selbstmorde von Männern und 2773 von Frauen. Die entsprechenden Zahlen der Juden sind 147, bzw. 101 und 46. Errechnet man wiederum den Anteil der Selbstmorde von Juden innerhalb der Gesamtzahl derer, die den Freitod gewählt haben, so ergibt sich daraus ein Anteil von 1,53 Prozent jüdischer Selbstmorde, der ebenso wie in Preußen bei den Männern etwas niedriger, bei den Frauen etwas höher ist. Da innerhalb der Bevölkerung Bayerns der Anteil der Juden 0,7 Prozent beträgt, so ergibt sich für Bayern noch stärker als für Preußen, um wieviel mehr Not und Elend dazu geführt haben, jüdischen Bewohnern Bayerns den Mut zum Leben zu nehmen. Wenn es eines erneuten Beweises für die Verbundenheit der Juden mit dem Land, das ihre Heimat ist und in dem sie ihr Brot suchen, bedarf, so geben ihn die vorstehenden erschütternden Anteilszahlen. Palästina-Nachrichten. Neue Verhaftungen in Palästina. Dem Warschauer „Hajnt" wird aus Tel-Awiw telegraphiert, daß am 23. v. M. die Polizei etwa 20 Revisionisten im Zusammenhang mit der Mordaitäre Arlosoroü verhaftet hat. Es heißt, daß neue wichtige Spuren entdeckt worden sind, die der Polizei Grund zur Annahme gaben, daß eine revisionistische Terrorgruppe besteht, die zusammen mit Stawsky an der Vorbereitung des Mordes beteiligt war. Unter den Verhafteten befinden sich: Aba Achi-Meir, Jewin, Dr. Har-Ewen (Steinberg), Lichter. Die Verhaftung hat im ganzen Jischuw einen sehr starken Eindruck gemacht. * In Hebron fand die feierliche Grundsteinlegung zu einer neuen Jeschiwa in Anwesenheit von Vertretern der Palästinaregierung und der jüdischen Institutionen statt. Die früher in Hebron bestandene Jeschiwa wurde bekanntlich während der Unruhen des Jahres 1929 zerstört. Anläßlich der Grundsteinlegung hielten der ehemalige Deputierte H. Farbstein, Mitglied der Palästina-Exekutive der Jewish Agency, und der Oberrabbiner von Tel Awiw. Uziel, Ansprachen. Ferner wohnten der Zeremonie der leitende Beamte der Verwaltung des Distrikts Hebron, Abdullah Kaidous, bei. Er betonte in seiner Ansprache, daß die Leistungen jeder Gemeinschaft in Palästina auch den übrigen im Lande lebenden Gemeinschaften zugute kämen, und sprach die Hoffnung aus. daß die Beziehungen zwischen Juden und Arabern in Palästina nunmehr bessere werden würden. Schon im Dezember 1930 beschlossen 30 sephardische Familien, die nach dem Massaker des Jahres 1929 nach Jerusalem geflohen waren, nach Hebron zurückzukehren. Die meisten der Heimkehrer waren Handwerker, es befanden sich aber auch einige Hörer der Jeschiwa unter ihnen, und diese beschlossen schon damals, wieder eine Jeschiwa in Hebron zu errichten. Während des Massakers von 1929 gewährten einige Araber den bedrängten Juden in ihren Häusern Zuflucht und setzten damit ihr eigenes Leben aufs Spiel. Trotz dieser vereinzelten Freundschaftsbeweise von Arabern gegenüber Juden erschienen diesen die Verhältnisse in Hebron nach den Augustunruhen zu unsicher, um eine Wiederansiedlung in Hebron in Betracht zu ziehen. Wiederholte Aufforderungen der Regierung an die Juden, nach Hebron zurückzukehren, blieben unberücksichtigt. Erst 16 Monate nach dem Massaker trafen die ersten Rückwanderer ein. Auch in Beer Tuvia, einer der jüdischen Siedlungen, die 192!) zerstört wurden, seht der Wiederaufbau in raschem Tempo vor sich. Am 10. Juli hat sich der High Commissioner Sir Arthur Wauchope in Begleitung des Mitgliedes der Palästina-Exekutive der Jewish Agency Dr. Maurice B. Hexter im Flugzeug nach Beer Tuvia begeben, um sich vom Stand der Wiederaufbauarbeit zu überzeugen. Der High Commissioner unterhielt sich eingehend mit den Leitern der Kolonie, besuchte eine Reihe von landwirtschaftlichen Betrieben, besichtigte verschiedene Einrichtungen der Kolonie und brachte zum Schluß seine Befriedigung über den erzielten Fortichritt zum Ausdruck. Gedenktafelenthüllung. Sonntag, den 23. v. M., wurde auf dem Zentralfriedhof am Grabe des durch ruchlose Mörderhand dahingerafften Norbert Futter weit eine über Initiative der B. O. G. II des „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" errichtete und dem Andenken an Norbert Futterweit gewidmete Gedenktafel mit einer religiösen Zeremonie enthüllt. Die Tafel, auf der das Bundesabzeichen angebracht ist, trägt auf der dazugehörigen Marmortafel die Inschrift; Unserem braven Kameraden NORBERT FUTTERWEIT in treuem Gedenken gewidmet. Bund jüd. Frontsoldaten Oesterreichs. Punkt 10 Uhr begann die Feier mit einem meisterhaften Vortrag des Trauerpsalms S c h e w i s s i durch Kamerad Oberkantor Simon Weiß, begleitet von einem Chor, den das Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde zur Verfügung gestellt hat. Nach Beendigung des rituellen Gesanges begrüßte der Bezirksleiter, Herr Kamerad Ludwig Eisner, die zu der Gedenkfeier Erschienenen; unter anderen konnte er begrüßen, den in Vertretung des Kultuspräsidiums und des Kultusvorstandes erschienenen Kameraden. Herrn Dr. Ernst reldsberg, ferner den Bundesführer Generalmajor bommer und die in Wien weilenden Bundesvorstandsrnitgheder, weiters die gesamte Familie des Verstorbenen mit Kultusvorsteher Komm.-Rat A1 b e r s an der Spitze, Amtschef Freistadt und eine Delegation der Uiewra Kadischa sowie eine stattliche Trauerversammlung. Hierauf trat der Bezirksführer, Hauptmann a.D. M a y, an das Grab, um eine tiefergreifende Gedenkrede zu halten: - i. "Vo!,,.ti?fstf,r Trauer umstehen wir, werte Trauergaste und hebe Kameraden, diesen frischen Grabeshüeel, unter dessen Rasen ein Kodausch, ein jüdischer Märtyrer, den ewigen Schlaf hält. Norbert Futterweit, GROSSFLEISCHHAUEREI tIEGM. KORNMEHl uHMMHinaaataBnMMHMM* WIEN IX., BERQOASSE NR. 1» FILIALE i XVIII., WAHRINQBRSTRASSE *T Telephon Nr. A 17-3-99 ja 1 A 16-9-34 Uaforant HJr Hallaratalton AbteilungenfQrKoscherfieisch unter Aufsteht des ehrw. Rabbtaatae dar lar. Kuituaaemcinda «flau« Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen ■ wenn einst die Geschichte der Wiener Juden geschrieben werden wird, wird Dein Name als der eines schuldlosere Opfers feiger, heimtückischer Mordlust aufleuchten. In der jüdischen Martyrologie wirst Du leider im Reigen unserer unzählbaren Hekatomben erscheinen. Ein gemeines Verbrechen hat Dich von der Mittagshöhe Deines sonnigen Lebens in das dunkle Tal der Nimmerwiederkehr hinabgeschleudert. Sinnlos bist Du hingeschlachtet worden, einzig und aHein, weil Du der Gemeinschaft angehörst, die bereits in grauer Vorzeit im Zehngebot der Welt die Worte: Lo tirzoch, „Du «ollst nicht morden" zugerufen. Du, der in treuer Erfüllung seiner Staatsbürgerpflicht so oft dem Tode ins Auge geschaut, geschaut als jüdischer Frontsoldat, bist in der Heimat an der jüdischen Front gefallen." Der Bundesführer, Generalmajor Sommer, übergab die Gedenktafel in die Obhut der israelitischen Kultusgemeinde mit einer überaus prägnanten Rede, in welcher er unter anderem ausführte: „In sturmbewegter Zeit hat unser Nachbarland, das uns immer als ein Hort der Humanität und der Kultur gegolten hat, sich soweit vergessen, daß es in mittelalterliche Barbarei zurückgefallen ist; es bleibt für ewige Zeiten ein Schandfleck der deutschen Kultur, sich mit solchen Verbrechen identifiziert oder sie selbst veranlaßt zu haben. Die eben enthüllte Gedenktafel soll ein lebendiges Zeugnis dafür geben, daß wie schon so oft in fernen Bibeltagen auch heute unsere Glaubensbrüder von roher Gewalt bedrängt werden, von einer Gewalt, die wohl Märtyrer unseres Glaubens gefordert hat, die aber niemals imstande war, die Lebenskraft unseres Volkes zu brechen. Ich übergebe die Gedenktafel hiermit in die Obhut der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, möge sie Spezialhaus für Wolle und Strickgarne Moritz Nagel Wien, 2. Bez., TanorsfraOe Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden Telephon A 45-8-69 An unsere Leser in Deutschland! Um unsere Abonnenten in Deutschland nicht den schwersten Gefahren auszusetzen (siehe jüngsten Erlaß Qoerings), Untertassen wir bis auf weiteres die Expedition unseres Blattes nach Deutschland. Die Administration. uns ein Symbol dafür sein, daß trotz Unterdrückung und verbrecherischer Gewalttat unsere Glaubensbrüder sich ihrer Aufgabe als Träger wahrer Kultur und Ethik bewußt sind." Im Namen der israelitischen Kultusgemeinde übernahm der Obmann der Friedhofkommission, Kultusvorsteher Kamerad Dr. Ernst F e 1 d s b e r g, die Gedenktafel in die Obhut der Kultusgemeinde und hielt bei dieser Gelegenheit nachstehende Rede: „Die Gedenktafel, die hier errichtet wurde, soll dem Juden, der an diesem Grabe einige Minuten stillen Gedenkens weilt, nicht nur das Schicksal unseres armen Glaubensbruders erzählen, sondern sie soll jeden Juden aufs Neue daran erinnern, was es heißt, Jude zu sein. Jeder Jude soll im Bewußtsein gestärkt werden, daß alle Scheiterhaufen und Folterqualen, daß Inquisition und Verfolgungen, politische Verhetzungen und gemeine Morde nicht imstande sind, den Geist des Judentums zu vernichten. Wir haben der Welt die Idee des Friedens gelehrt, wir werden für diese Idee weiterkämpfen und es wird gelingen, über alle politischen Verhetzungen hinweg, der Idee des Friedens den Weg bahnen." Nun dankte namens der Familie des Verstorbenen dessen Schwager, Kultusvorsteher Komm.-Rat Albers, mit tränenerstickter Stimme dem Bunde und der Kultusgemeinde iür die Ehrung, die man dem Helden der jüdischen Front gezollt hat. In einer allen zu Herzen gehenden und zu Tränen rührenden Weise rezitierte Kamerad Oberkantor Weiß das El mole rachamim. Der älteste Schwager Norbert Futterweits, Herr S c h a f f e r, verrichtete nun das Kaddischgebet, womit die würdevolle Feier beendet war. Hakenkreuz in Wiener-Neustadt. Eine neunköpfige Bande halbwüchsiger Burschen, deren Namen bekannt sind, hat monatelang in unregelmäßigen Zeitabständen nachts Auslagen und Fensterscheiben jüdischer Geschäftsleute wie auch Privater eingeschlagen. Nun wurde diese Bande ausfindig gemacht und konnte dem Kreisgerichte Wiener-Neustadt eingeliefert werden. Außer einem, der der elterlichen Züchtigung übergeben wurde, sehen die Eingelieferten ihrer Bestrafung entgegen. Der Arierparagraph bei den Blinden. Nach füniundzwanzigjähriger Tätigkeit als Blindenfürsorger in der Provinz Niederschlesien wurde Dr. Ludwig Cohn, der selbst seit seiner Jugend erblindet ist und sich um seine Leidensgenossen größte Verdienste erworben hat, auf Grund des Arierparagraphen seines Amtes enthoben. * Neue Aktionen gegen jüdische Anwälte. Durch eine Verfügung des Vorsitzenden der Berliner Anwaltskammer, Neubert, wird angeordnet, daß die ausgeschlossenen jüdischen und marxistischen Anwälte auch in keinem Anwaltsbureau mehr als juristische Hilfsarbeiter, Bureau Vorsteher usw. tätig sein dürfen, wie dies in den letzten zwei Monaten in sehr zahlreichen Fällen geschehen war. Damit wird diesen nicht mehr zugelassenen Anwälten die letzte Existenzmöglichkeit geraubt. * Der Oberrabbfaer von Paris gestorben. Aus Paris wird gemeldet: Der Pariser Oberrabbiner J. H. Dreyiuß ist Donnerstag im Alter von 89 Jahren gestorben. Ferienkolonie Vöslau. Der Humanitätsverein für die westlichen Bezirke Wiens eröffnete wie alljährlich eine Ferienkolonie in Vöslau. Florastraße 15. Aufnahme finden schulpflichtige Mädchen und Knaben im Alter

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