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Die Wahrheit · 1933-07-28 · Heft 30 (28.7.1933) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 30 (28.7.1933)
Date
1933-07-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 7 8fiil)^iMwiMtr$w Wien I., Seitenstettengasse 2, Tel. Ü 28-1-28 XI., Zentralfrfedhot, «in in I. I«, Tel. ü 18-0-85 ungeeignet als Grundlage für eine Entwicklungspolitik, an der die Jewish Agency mitwirken könnte. Die Jewish Agency ist bereit, der Regierung Vorschläge iür einen Entwicklungsplan zu unterbreiten. Sie erklärt, sie würde es begrüßen, wenn ihr Gelegenheit geboten werden würde, mit der Regierung die Einzelheiten eines Programms zu besprechen, dessen Hauptpunkte Förderung jüdischer Einwanderung und Siedlung sowie Förderung der allgemeinen Wohlfahrt aller Einwohner des Landes sein würden. Die Jewish Agency verharrt in ihrer Auffassung, daß es keinen Interessenwiderstreit gibt, der eine solche Politik unmöglich machen würde. Sie möchte schließlich ihre in der Vergangenheit bei verschiedenen Gelegenheiten hinreichend erörterte Ueberzeugung betonen, daß jede in Verbindung mit der Landentwicklung in Palästina von der Regierung Seiner Majestät unternommene Arbeit so geleitet werden sollte, daß sie gleiche Vorteile dem Jüdischen Nationalheim einerseits und der arabischen Bevölkerung anderseits bringe und daß diese Vorteile auch zeitlich beiden Teilen der Bevölkerung zugleich erwachsen. -~ Warum die arabische Exekutive den French-Berichl ablehnt. Der Sekretär der Arabischen Exekutive Jamal el Husseini erklärte dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur, die Arabische Exekutive habe den French-Bericht in einem im März d. J. der Palästina-Regierung überreichten Memorandum abgelehnt, erstens, weil er sich auf den Mac Donald-Brief stütze, zweitens, weil in ihm nicht ein absolutes Verbot der jüdischen Einwanderung und des Bodenkaufes durch Juden vorgeschlagen werde. Der Plan einer Palästina- Anleihe schaffe jedoch möglicherweise eine neue Situation. Die Arabische Exekutive werde demnächst zusammentreten, um zu der Angelegenheit Stellung zu , nehmen. Die Exzesse in der jüdischen Versammlung in Lodz. Der im Zusammenhang mit den Vorgängen auf dem revisionistischen Meeting in Lodz, bei denen der 17jährige Poale Zionist Silberstein niedergestochen wurde, verhaftete Revisionist Walfisch wurde freigelassen. Unter dem Verdacht der Täterschaft wurde nunmehr ein gewisser Cytrynowski, der Kommunist sein soll, verhaftet. Sozialistische „Zionisten" zerreißen die blau-weiße Fahne. Bei einer von der revisionistischen Union veranstalteten Herzl-Feier in der Stadt Rozdol wurde von sozialistischen Poale-Zionisten ein Schuß abgegeben und eine blutige Rauferei inszeniert. Der revisionistische Redner namens Feuermann wurde von Poalezionisten in ein unbeleuchtetes Zimmer geschleppt und fürchterlich geschlagen. Der Schwerverwundete wurde ins Spital gebracht. 20 Mitglieder der Poalezion wurden verhaftet. In Lodz und dem benachbarten Städtchen Glowne überfielen linkszionistische Gruppen eine Schar von revisionistischen Betarim; ein Betari in Lodz und mehrere junge Revisionisten, darunter ein 16jähriges Mädchen, in Glowne erhielten Messerstiche. In Kielce wurde ebenfalls eine Herzl-Feier von linken Zionisten gesprengt. Sie scheuten auch nicht davor zurück, die blauweiße Fahne herunterzureißen und zu zerfetzen. Es fällt auf.. .*) Die unsterblichen Verdienste Samuel Oppenheimers um Oesterreich und der Türkenkriege. während der Türkenbelageruns Die Wahlen zum 18. Zionistenkongreß. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, werden zum 18. Zionistenkongreß etwa 300 Delegierte entsandt werden (am 17. Zionistenkongreß nahmen 254 Delegierte teil). Die Beteiligung Amerikas wird bei diesem Kongreß weitaus schwächer sein als beim letzten, 17 Delegierte gegenüber 38. Dagegen werden Polen und Palästina in diesem Jahre stärkere Delegationen zum Kongreß entsenden als 1931. Polen inkl. Galizien wird auf dem Kongreß durch 126 Delegierte gegenüber 67 auf dem 17. Kongreß, Palästina durch 49 gegenüber 39 Delegierten vertreten sein. In Palästina hat die Arbeiterliste einen überwältigenden Erfolg errungen. Von den 65.000 Schekelzahlern Palästinas haben über 50.000 an der Wahl teilgenommen. 70 Prozent der Stimmen sind den Arbeiterparteien, 11 Prozent den Revisionisten, 7 Prozent den Allgemeinen Zionisten, 5JS Prozent dem Hapoel Hamisrachi und 3'A Prozent dem Misrachi zugefallen. Die revisionistischen Stimmen wurden für die Jabotinsky-Liste abgegeben. Auf die Liste der Großmann-Richtung entfielen bloß 319, auf die der Radikalen 529 Stimmen. Keine dieser beiden Gruppen konnte somit ein Mandat erlangen. Nach den in Amerika bisher festgestellten Resultaten haben die Linken einen bedeutenden Erfolg errungen. Von 14.000 bisher gezählten Stimmen hat die Liste der Vereinigten Poale Zion und Zeire Zion 7000 erhalten. Es wird erwartet, daß auch die Gesamtzählung das gleiche Verhältnis ergeben wird. Die parteimäßige Zusammensetzung des Zionistenkongresses läßt sich noch nicht voraussehen, da die Wahlresultate aus einer Reihe von Ländern, insbesondere aus Kongreßpolen, ausständig sind. Nach vorläufigen Berechnungen dürften in Polen der Linken etwa 35 Mandate zufallen, der Jabotinskyuste um 23, für Misrachi und Grünbaum je 10—12, der nitachduth, der Großmann-Liste und Et Liwnoth je e—3 Mandate. Die Wahlen nahmen in ganz Polen im allgemeinen einen ruhigen Verlauf, bloß in einigen Städten, namentucti in Bialystok, in Zambrow und in einigen Nachbargemeuiden gab es blutige Zusammenstöße zwischen den i umsehen Sozialisten und den zionistischen Revisionisten, wobei es Schwer- und Leichtverletzte gegeben hat Die Polizei hat zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Mit weitschallender Stimme ruft man alle Oesterreicher in die „Vaterländische Front"; der Herr Bundesminister für Heerwesen hat offenbar Tausende meiner Glaubensgenossen mit einer von ihm verfaßten Broschüre beehrt, deren ganzer Zweck zugegebenermaßen die Werbung für die „Vaterländische Front" bildet. Um so mehr dürfen wir Juden bei solchen Aufforderungen einen gerechten Anspruch darauf erheben, daß unserer Verdienste um Oesterreich in Vergangenheit und Gegenwart in gebührender Weise gedacht werde. Wieso kommt es, daß bei allen offiziellen Türken- und Prinz Eugen-Feiern, in allen Festartikeln und Besprechung^! von Frischauer's Eugen-Buche der Mann vergessen wird, (bis auf eine unerhebliche Erwähnung in der „Dötz" vom 16. Juli), der durch sein „kaufmännisches Genie, sein unglaubliches Organisationstalent" (Paul Frischauer in seinem ,,Eugen"-Buche) allein die Siege des edlen Ritters ermöglicht hat. Das Buch Frischauers, das dem Herrn Bundespräsidenten und Bundeskanzler überreicht wurde, schildert auf drei Seiten diese unvergleichlichen Verdienste Samuel Oppenheimers, seines Sohnes und seines Neffen Wertheimer. Es zitiert auch seine Quellen. Rabbiner Dr. Max Grunwalds „Samuel Oppenheimer und sein Kreis", und desselben Verfassers „Geschichte der Wiener Jude n'\ im Auftrag der Wiener Kultusgemeinde herausgegeben. Es bringt auch ein treffliches Bild Oppenheimers, das das interessante Gesicht des Gelehrten zeigt, dessen durch viele Geschenke des Prinzen Eugen aus dem Orient vervollständigte Bibiothek noch heute einen Grundstock der berühmten Bodleiana in Oxford bildet. Das zeitgenössische Bild ist in der kunstvollen Dekorationsweise des Barock nicht etwa mit Attributen eines Finanzmannes geziert, sondern mit Kriegsemblemen, von Kanonen bis herab zu Tornistern. Hat es doch nicht ein Kriegsgerät gegeben, vom größten bis zum kleinsten, das bei dem völligen, nicht unverschuldeten Geldmangel der Kaiser ohne Hilfe Oppenheimers aufzutreiben gewesen wäre. Warum bringt die Prinz Eugen-Ausstellung nicht dieses Bild, warum schildert ihr Katalog wohl mit Eugens eigenen Worten die verzweifelte, durch die Finanznot hervorgerufene Lage des nggienlsdics KöniösliclH Seit vieienjahren dasa..erkannt beste •>■• ört-now Man achte auf die gas. gesell. Mark« „Hyglcn. KSnlgsllcht" und Name Schute Fabrik und Büro: Milan XIV.» Braunhlrsciiangasssa 3 Telephon R 33-1-87 Heeres, warum nennt er aber nicht „den einzigen Anker, der mir geblieben ist" (vide Brief Eugens an Oppenheimer bei Grunwald). Frischauer schreibt, daß Eugen gleichzeitig nach den Armeelisten und dem Sohne Oppenheimers rief, als er den kühnen Plan faßte, Belgrad zu erstürmen und daß er ehrlich zu Oppenheimer junior sagte, er könne nur ans Werk gehen, falls ihm dieser zur Seite stehe. Trotzdem betont selbst Frischauer zu wenig Oppenheimers Verdienste; deswegen lese jeder Jude, der auf die Vergangenheit seines Volkes stolz ist, drum lese jeder Oesterreicher, der die Wahrheit in der Geschichte seines Vaterlandes kennen lernen will, Grunwalds Buch, das sich ausschließlich auf die noch vorhandenen Akten stützt. Ich will in den Jubel der Prinz Eugen-Feier nicht den Wermutstropfen senken, zu sagen, in welcher Weise Oppenheimer „der Dank vom Hause Oesterreich" zuteil wurde, aber der Tote sollte wenigstens nicht in einer Ausstellung übergangen werden, die letzten Endes ein jüdischer Freiherr veranlaßt hat, der, ohne mit Samuel verwandt zu sein, doch seinen Namen trägt. Auch dürfte sein Name nicht bei den Tiirkenbefreiungsfeiern von Wien fehlen; sind doch vier Fünftel jener für damals riesigen Summe, durch die Pupst Innozenz die Befreiung Wiens ermöglichte, noch am selben Tage Oppenheim eingehändigt worden, der Wien mit Kriegsmaterial versorgte, und schließlich seinen Lohn nicht in klingendem Gold, sondern im Kerker, in Schuldenhaft fand. Es sei übrigens anerkannt, daß die große katholische Dichterin Enrika Handel-Mazzetti in ihrem Erstlingsroman diese Verhältnisse gestreift hat, in einer Episode, die deutlich an die Rettung Rechas durch den Tempelherrn im Nathan erinnert. Wußte sie, daß Grunwald und manche Forscher in Oppenheimer das Urbild „Nathan des Weisen" sehen wollen? Ich würde es für eine Ehrenpflicht des heutigen Kultus Vorstandes halten, der in vielen Dingen kulturell so aktiv ist, dem toten Oppenheimer zu seinem Recht zu verhelfen, wenn schon Prinz Eugen es nicht für den lebenden konnte. Es kann nur den jetzt lebenden Juden nützen, zu zeigen, was Juden schon im 17. Jahrhundert in der größten Lehensgefahr und Selbstaufopferung für Oesterreich geleistet haben. Clothilde Benedikt. *) Siehe den in unserer letzten Nummer unter dem gleichen Titel veröffentlichten Aufsatz. (Die Red.) Deutscher Flüchtling in Belgien, tüchtiger Kaufmann mit guten Beziehungen zu Großabnehmern, sucht Vertretungen leistungsfähiger Häuser aller Branchen, besonders: Krawatten, Krawattenstoffe, Herrenu. Damenartikel, ferseykleider, Strickwaren, Neuheiten, Leder- und Bijouteriewaren, technische Artikel, Neuheiten, Einheitspreisartikel. Büro vorhanden, erstklassige Referenzen. W.LIEBBtiTMAL, AMTWERPBH. Aua dm Mo» ff Tapezlerermelsier ICWKOWiTI SPEZIALIST in Tapetenarbeiten Werksti'tte für moderne Möbel. — Obernahrae aller Reparaturen. I., Neutorgasse 18 Telephon U 23-8"23 Werkstätte: 1., Seitenstettengasse 2 Telephon V 22-7-31 ChorsäiMiei (erstrangiges Männerquartett) werden aufgenommen. 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