Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 30 (28.7.1933)
- Date
- 1933-07-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE WAHRHEIT Wo bleibt die Gleichberechtigung der Juden in Palästina? Für Araber Siedlungshilfe, für Juden aber nur Niederlassungsrecht. Lebensversidierungg-Gesellsdiaft PHÖNIX Aus dem Jahresberichte 1931: Versicherungsbestand . . . S 2.746,000.000.— Prämienu. Zinsen-Einnahmen S 182.000.000.— Garantiemittel . S 472,000.000 — Auszahlung an d. Versicherten . S 42,500.000.— Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutsches Reich.Tschechoslowakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn, Polen, Jugoslawien. Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Tunis und Aegypten. Internationale Nazi-Arbelt. Das „Journal de Geneve" erhält eine Telephonmeldung aus Paris, wonach die Hitler-Regierung in Wien, Innsbruck, Salzburg, Paris, Straßburg, Metz, Prag, Brüssel, Kopenhagen, London, Rom und Moskau geheime Polizeibüros errichtet habe, die unter dem Deckmantel von Botschaften, Gesandtschaften oder Konsulaten arbeiten. Das Blatt findet hier eine Analogie zwischen dem Hitler'schen und dem bolschewistischen System. Schließung der Jüdischen Telegraphen-Agentur. Das deutsche Büro der Jüdischen Telegraphen-Agentur wurde über Auftrag der Staatspolizei geschlossen, die Einrichtung mit Beschlag belegt und das Weitererscheinen der täglichen JTA-Ausgaben in deutscher Sprache bis zum Einlangen neuerlicher Entscheidungen verboten. Darüber hinaus sind keinerlei Maßnahmen gegen die JTA, bzw. gegen das Personal der Redaktion und Administration ergriffen worden. Der Telegraphische Nachrichtendienst der Berliner JTA an die Zentrale in London und an die Filialen der JTA im Ausland wurde dadurch nicht berührt. Die amerikanische Regierung hat sich zu einer energischen Intervention bei den deutschen Behörden entschlossen, da die Berliner JTA mit der JTA-Zentrale in Amerika affiliert ist und mit amerikanischen Finanzeinlagen arbeitet. Nach amerikanischer Ansicht bedeutet dieses Verbot die Behinderung amerikanischer Unternehmungen in Deutschland, wogegen der amerikanische Generalkonsul in Berlin. Mr. Messersmith, nachdrückliche Vorstellungen im deutschen Außenamte erhoben hat. Gleichzeitig wandte sich Mr. Messersmith nach Washington um Weisungen zum Schutze gefährdeter amerikanischer Investitionen in Deutschland. Neuesten Meldungen aus Washington zufolge, hat der amerikanische Generalkonsul in Berlin eine Demarche bei der deutschen Regierung unternommen, um eine erneute Untersuchung des Verbots der JTA einzuleiten. Seinem Bericht an die JTA in New York gemäß haben die zuständigen deutschen Stellen ihm ein diesbezügliches Versprechen abgegeben. Weltkongreß jüdischer Studenten nach London einberufen. Der unter dem Präsidium Professor Albert Einsteins stehende Weltverband jüdischer ' Studenten wird seinen nächsten Weltkongreß auf Einladung der Vereinigung jüdischer Hochschüler Großbritanniens in der Zeit vom 2. bis zum 4. August in London abhalten. Bisher haben die jüdischen Studentenorganisationen Oesterreichs. Dänemarks. Danzigs, Deutschlands. Großbritanniens, Frankreichs. Ungarns, Lettlands. Litauens, Palästinas, Polens. Rumäniens und der Schweiz ihre Teilnahme angemeldet, es wird erwartet, daß auch die jüdischen Studentenschaften Amerikas, Kanadas und Südafrikas Vertreter zum Kongreß entsenden werden. Lord Melchett zum Judentum übergetreten. Am 15. Juli fand in der Liberalen Synasroge von Nord-London die Aufnahme Lord Melchetts in die jüdische Glaubensgemeinschaft durch den Seelsorger der Synagoge Rev. M. L. Perlzweig. Ehrensekretär der English Zionist Federation, statt Nach dem Gottesdienst teilte Rev. Perlzweig Pressevertretern mit, daß Lord Melchett der als Kind getauft und im Bekenntnis der englischen Hochkirche erzogen worden war. seit einigen Jahren keine aktive Verbindung mehr zur Kirche unterhielt Lord Melchetts inniger Kontakt mit Juden und jüdischen Einrichtungen, den er durch seine Arbeit für Palästina gefunden habe, habe ihn zum Studium des Judentums geführt, dessen Lehre ihn immer stärker angezogen habe. * Ein Wink mit dem Zaunpfahl? James Loeb hinterläßt der Münchener Forschungsanstalt für Psychiatrie eine Million Dollar. Wie die Eröffnung des Testamentes des im Msi d.J. in Murnau verstorbenen großen jüdischen Philanthropen und ehemaligen Mitinhabers der Bankfirma Kuhn, Loeb & Co., James Loeb, ergab, hat der Verstorbene der Münchener Forschungsanstalt für Psychiatrie eine Million Dollar vermacht. (Sollte James Loeb sich von der Erwägung haben leiten lassen, daß der im Hitler-Reiche grassierende Irrsinn von München seinen Ausgang genommen hatte?) In letzter Stunde. Die Gleichberechtigung der Juden in Oesterreich. Wien. 27. Juli. Ausländische Blätter veröffentlichen folgende Meldung der Amtlichen Nachrichtenstelle: In der ausländischen Presse sind in den letzten Tagen Tendenzmeldungen erschienen, die dahin gehen, als ob die Lage des Judentums in Oesterreich gefährdet wäre, wobei gewisse Parallelen mit den Vorgängen im Deutschen Reich gezogen wurden. Demgegenüber wird von maßgebender Seite erklärt, daß diese Meldungen in keiner Weise den Tatsachen entsprechen, da die Juden in Oesterreich auf Grund der österreichischen Verfassung auf allen Gebieten sich vollster Gleichberechtigung erfreuen und an eine Aenderung der für die Behandlung konfessioneller Fragen in Oesterreich geltenden Bestimmungen in keiner Weise gedacht ist. Der jüngst veröffentliche Bericht des Landentwicklungsdirektors für Palästina, Lewis French, der, wie in der letzten Nummer unseres Blattes berichtet, in allen zionistischen Kreisen begreifliche Enttäuschung und Erbitterung hervorgerufen hat, schlägt für die Ansiedlung von „Staatspächtern" zweierlei Methoden, je nachdem es sich um „dislozierte" Araber oder um „Juden handelt, vor. Jene müßten als „Söhne des Bodens" auf dem Lande „ihrer Heimat" angesiedelt werden und Haus, Wirtschaft und Inventar erhalten, während es bei jüdischen Einwanderern genüge, ihnen zu angemessenen Bedingungen das Niederlassungsrecht zu verkaufen. (!) Die Siedler mit Wohngelegenheiten und Wirtschaftsmitteln zu versorgen, solle wie bisher den jüdischen Organisationen überlassen bleiben. Der einzige Unterschied, meint French, sei der, daß die Regierung vom Araber nach entsprechender Zeit „sicherlich" alle ihre Auslagen rückerstattet bekommen wird, während sie vom jüdischen Siedler nur den Preis des entwickelten Bodens erhalten wird; den von ihnen vorgestreckten Teil der Ansiedlungskosten müßten die jüdischen Körperschaften eintreiben. (Wenn die englische Regierung fortfährt, in dieser Art die Errichtung einer jüdischen Heimstätte zu „fördern", dann wird es bald nötig sein, für die Juden in Palästina den Schutz des Minoritäten rechtes anzurufen. Auch hier zweierlei Maß! Die Araber müssen „als Söhne des Bodens" in ihrer „Heimat" mit Staatshilfe angesiedelt werden, die jüdischen „Einwanderer" aber dürfen sich das Niederlassungsrecht erkaufen. Und das heißt man in der zionistischen Phraseologie: Rückkehr in die alte Heimat der Juden.) Der Bericht Frenchs lehnt auch mit Rücksicht auf die finanziellen und wirtschaftlichen Verhältnisse die im Jahre 1931 zugesicherte Landesentwicklungsanleihe ab. Dennoch werde aber die Regierung den Bericht des Landentwicklungsdirektors und den sich auf diese beziehenden Vorschlägen des High Commissioner nach Empfang der Bemerkungen der Jewish Agency und der arabischen Exekutive zu diesen Vorschlägen sorgfältige Beachtung schenken, so daß baldigst unter Berücksichtigung der finanziellen Möglichkeiten die Durchführung eines beschränkten Entwicklungsplanes in Angriff genommen werden könne, in dem erstens für die Wiederbesiedlung landloser Araber und zweitens für eine gewisse Unterstützung jüdischer Siedlung Vorsorge getroffen werden solle. Jeder Siedler auf Regierungsboden, heißt es im French-Bericht weiter, solle ..Regierungspächter" bleiben, d. h. nur im Falle bestimmter Verfehlungen gegenüber dem Bodeneigentümer aus seinem Besitz entfernt werden können, und nicht berechtigt sein, seinen Boden zu verkaufen oder dauernd zu übertragen. Die Befolgung des vom Jüdischen Nationalfonds auf seinen Ländereien befolgten Prinzips werde es verhindern, daß jemals ein unter den Auspizien der Regierung angesiedelter Araber oder Jude „landlos" werde. Gegen freien Bodenankauf, Gegen Verkäufe überschüssigen Bodens arabischer Großgrundbesitzer an Juden, Verkäufe, die, wie er zugibt, in manchen arabischen Kreisen nicht ungern gesehen werden, wendet sich French mit der Begründung, daß solche mit der Gefahr der Erstarkung der Großbetriebe auf Kosten der kleinen Besitzer, die vollständig und dauernd von ihrem Boden verdrängt werden würden, verbunden seien. Dieser Gefahr müsse durch ein Grundstücksübertragungsgesetz vorgebeugt werden. Ein solches Gesetz bedeute keineswegs „Unterbindung weiterer Bodenkäufe durch Juden", sondern nur Kontrolle von Bodenverteilung und -Übertragung während der auf mehrere Jahre sich erstreckenden Durchführung eines Siedlungsplanes. Es sei nicht einzusehen, warum unter einem solchen Gesetz, sobald klare Instruktionen darüber erteilt seien, in welcher Weise die Regierung diese Kontrolle durch die Landentwicklungsbehörde zum Vorteil der Araber ebenso wie zu dem der Juden ausgeübt zu sehen wünsche, Schutz der einen Rasse und legitime Ansprüche der anderen nicht gewährleistet sein würden. t Gegen eine jüdische Agrar- und Siediungsbank. Der Frenchsche Bericht unterzieht sodann den von der Jewish Agency unterbreiteten Vorschlag, mit finanzieller Regierungshilfe eine jüdische Agrar- und Siedlungsbank zur Erleichterung der Anlage neuer Siedlungen zu schaffen, einer eingehenden Kritik und kommt zu dem Schlüsse, daß er seine Annahme nicht empfehlen könne. Er erklärt, es stehe außer Zweifel, daß die palästinensische Landwirtschaft nicht die hohen Zinsen würde bezahlen können, die eine solche Bank zur Deckung ihrer Auslagen und Verluste festsetzen müßte. Als Beweis hiefür zieht er das Beispiel der Zentralbank der palästinensischen Kooperativen heran, die trotz günstigster Bedingungen eine Verzinsung von 8 Prozent für ihre Darlehen fordern müsse. Ferner wendet French ein, daß durch dieses System die Lage des Siedlers, dessen Wirtschaft belehnt werden würde, der aber sein Darlehen bis auf einen in gewissen Fällen zwecks Ausgestaltung der Wirtschaft zurückzuhaltenden Betrag der Agency weitergeben müßte, wesentlich verschlechtert werden würde. Ungünstige Jahre, wie sie in Palästina mit betrüblicher Häufigkeit vorkämen, würden von' ihm vermutlich als Entschuldigung für Versäumnisse in der Erfüllung seiner Verpflichtungen angeführt werden; auf die politischen Schwierigkeiten, die entstehen müßten, wenn man in jüdischen Kolonien Exekutionen größeren Maßstabes vornehmen müßte, brauche nicht besonders hingewiesen zu werden. Die Jewish Agency lehnt den French-Bericht ab. Das Memorandum der Jewish Agency erklärt, dieser Bericht stellt das vierte in einer Reihe hauptsächlich denselben Gegenstand behandelnder Dokumente dar, die seit den Unruhen von 1929 erschienen sind; die drei früheren sind der Bericht der Shaw-Kommission, das Weißbuch von 1930 und der Bericht Sir John Hope-Simpsons. Den gemeinsamen Nenner aller dieser Berichte und Erklärungen bildet vollständige Bejahung der Auffassung, daß jüdische Einwanderung und Siedlung zu verstärktem Druck auf die Bodenbestände Palästinas führe, der die Wohlfahrt der nichtjüdischen Landbevölkerung angeblich bedrohenden Gefahren und, als Folge dieser beiden Momente, der sozialen und politischen Krise, mit der Palästina angeblich dauernd zu rechnen habe. Vergeblich ist die Jewish Agency bisher dieser Einstellung entgegengetreten und sie beschränkte sich diesmal darauf, die Leitgedanken des French-Berichtes zu kritisieren. Sie stellt fest: Der French-Bericht entspricht nicht der im Mac- Donald-Brief angekündigten Politik zur Förderung des jüdischen Nationalheims, er beruht auf falschen Voraussetzungen bezüglich der Verdrängung der Araber vom Boden, er trägt der allgemeinen Weltjudennot nicht Rechnung, er mißachtet die Verpflichtung der Mandatarmacht zur Förderung de* Errichtung des Jüdischen Nationalheimes (ein Ausdruck, der im Vokabular Mr. Frenchs nicht vorkomme); er geht von der falschen Annahme eines dauernden Antagonismus zwischen Juden und Arabern aus, er ist in seinen Vorschlägen steril, nebelhaft und praktisch wertlos, enthält im Wesen nur Hemmungen und Bremsungen jüdischlandwirtschaftlichen Fortschrittes, er ist im ganzen Isdiias, Rheuma, AHM 14tägige Ischias - Schnellkuren (Italienische Methode) Fango-, Schlammpackungen, Moor-, Schwefel-, Sool-, Fichten-, Koblensäurebäder, Diathermie Heifiloft, Höhensonne Paraffin-Entfettungskuren und alle sonstigen modernen physikalischen Heilmethoden täglich von 8—6 Uhr BelluBsiaU „Ihermla" L, Franz Josefskai 1 — Telephon R 29-1-37 Leiter: Dr. Wolf Somer