Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 30 (28.7.1933)
- Date
- 1933-07-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIL WAHRHEIT Seite 5 Boykott und Pogrom leben auf. Die Juden-Progrome in Nürnberg. Das Reutersche Büro meldet aus Berlin: Freitag früh wurden etwa 300 jüdische Kaufleute und Gewerbetreibende in Nürnberg von Braunhemden verhaftet und in geschlossenem Trupp, von SA.-Leuten flankiert, durch die Straßen der Stadt geführt. Die verhafteten Juden wurden sodann in die Baerenschanz-Kaserne eingeliefert. lieber das weitere Schicksal der Verhafteten ist seit Freitag nichts Näheres bekannt geworden. Die Zeitungen durften über die Nürnberger Massenverhaftungen von Juden nichts berichten, so daß das große Publikum in Deutschland keine Nachricht davon erhalten hat Es wird angenommen, daß die Verhafteten sich noch in der Kaserne befinden. Nach Informationen aus dem Nürnberger Nazi- Lager sollte die Aktion eine „drastische Kundgebung gegen die jüdische Gesellschaft" sein. Es ist nicht bekannt, ob die Aktion von höheren Stellen gutgeheißen war, oder ob die Nürnberger SA.-Führung auf eigene Faust gehandelt hat. Der Führer der Nürnberger Nazi ist der fanatische Antisemit und Organisator des antijüdischen Boykotts vom 1. April, Julius Streicher. Wie Reuter weiter mitteilt, wurde Freitag nachmittags die Nürnberger Synagoge während des Gottesdienstes von SA.-Truppen umstellt. Alle Gläubigen wurden im Tempel verhaftet und abgeführt. Geruchte, daß ähnliche Aktionen auch in anderen Städten des Reiches durchgeführt worden seien, haben bisher keine Bestätigung gefunden. Amerikaner in Leipzig verprügelt. Der Pelzhändler Philipp Zuckermann, ein amerikanischer Staatsbürger aus New York, wurde vor einigen Tagen in Leipzig, einer Depesche der „Times" zufolge, von Nationalsozialisten überfallen und übel zugerichtet. Zuckermann, der in Leipzig große Einkäufe getätigt hatte, ging mit seiner Frau und mehreren Bekannten durch die „Brühl". Ein nationalsozialistischer Trupp marschierte gleichzeitig durch die Straße zwei Braunhemden traten plötzlich ohne jeden Anlaß aus der Reihe, stürzten sich mit dem Ruf „Dreckiger Jude!" auf Zuckermann und ohrfeigten ihn. Als der Angegriffene sich auf seine amerikanische Staatsbürgerschaft berief, warfen sich etwa 20 uniformerte Nationalsozialisten auf Zuckermann, schlugen ihn zu Boden und traktierten ihn mit Fußtritten in den Kopf. Frau Zuckermann, die ihren Mann schützen wollte, erhielt Hiebe mit dem Gummiknüttel auf den Arm. Zuckermann wurde zuerst in ein Leipziger Spital gebracht und dann nach Berlin überführt, wo er zurzeit in einem Sanatorium liegt. Er hat außer Verletzungen am Kopf und am Auge auch einen schweren Nervenschock erlitten, so daß er kaum sprechen kann. Die Angelegenheit wurde dem amerikanischen Generalkonsulat zur Kenntnis gebracht, das die entsprechenden Schritte bei den deutschen Behörden eingeleitet hat <- Ein mißhandelter deutscher Jude im Basler Spital. Die Basler „Nationalzeitung" berichtet: „Wir sahen letzte Woche in einem hiesigen Spital den blaugeschlagenen Rücken eines deutschen Juden, der den Weltkrieg an drei Fronten als Unteroffizier mitgemacht hat und an dessen guter deutscher Gesinnung nicht zu zweifeln war. Wir zweifeln jedoch stark, daß seine Peiniger bestraft worden sind. Im Gegenteil bat uns der Herr, seinen Namen nicht zu nennen, weil er befürchten muß, daß er oder seine Angehörigen dafür büßen müßten, daß er sich die Freiheit nahm, sich in einem ausländischen Hospital von den Folgen der erlittenen Mißhandlungen kurieren zu lassen. Jude — ein Freiwild. In einer Hauptversammlung der nationalsozialistischen Betriebszellen-Organisation in Dortmund schloß der Propagandaleiter Schröder seinen Vortrag über die Judenfrage mit folgendem Satz ab: „In Zukunft wird der Jude in Deutschland bloß ein Gast ohne Bürgerrechte sein können, der. wenn er nicht freiwillig geht ausgewiesen werden wird, sobald er sich nicht wie es sich für einen Gast geziemt, anständig benehmen wird. Spazialhai» für Wolle und Strickgarne Moritz Nagel Wien, 2. Bez., Tataorstraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden Telephon A 45-8-69 Jetzt ganz besonders ermaBigter Unterricht in der Koch- und Haushaltungsschule von Frau Dr. Urbach, IV., Goldeggasse 7, für Mädchen und Frauen. Auch beste Pension, Familienanschluß, rasche Erlernung der deutschen Sprache. Straßenbahn beim Hause. Löschungen in der Anwaltsliste. „Vossische Zeitung" meldet: Auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums und der neuen Bestimmungen über die Anwaltschaft haben in der letzten Woche etwa 200 preußische Anwälte ihr Notariat verloren, davon 170 auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums, weitere zirka 35 durch ihre Löschung als Anwälte. Von den 170 Notar-Löschungen entfallen über 150 auf die Berliner Gerichte, in der Vorwoche waren es etwa 200. In der Liste der Rechtsanwälte wurden etwa 130 Anwälte neuerdings gelöscht, davon 75 in Berlin. * Justizrat Wronker. der Nestor der Berliner Strafverteidiger. 80 Jahre. Am 22. Juli feierte Justizrat Max Wronker, der Nestor der Berliner Strafverteidiger, seinen 80. Geburtstag. Seine außerordentliche Beredsamkeit kam in zahlreichen großen Prozessen, u. a. im Meineidprozeß des Fürsten Philipp Eulenburg, der eine Sensation für alle europäischen Höfe war. zur Geltung. Bereits 1900 berief ihn der König von Preußen zum Notariat, einer damals für einen jüdischen Anwalt seines Alters fast unerreichbaren Stellung. Anfang April d. J. wurde Justizrat Wronker, der noch jetzt vertraut mit den neuesten Problemen des Strafrechtes und der Rechtspflege als Consilarius tätig ist, als einer der ersten jüdischen Anwälte wieder zur Gerichtspraxis zugelassen. Er genießt als Nestor der Strafjuristen Berlins allgemeines Ansehen. Jüdische Schädlinge. Sind das noch Juden? Zu welcher Groteske verstiegener nationaler Chauvinismus führt, zeigt das JulKJVUtteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden" in Berlin. Dieser „Verband" war zwar niemals von irgendeiner Bedeutung und ist es heute schon gar nicht konnte und kann sich aber nicht genug in anekelnden Anbiederungsversuchen tun. Man traut seinen Augen nicht in einem Aufsatz eines „nationaldeutschen Juden" folgenden Satz zu lesen: „Ich wüßte nicht, warum ein nationaldeutscher Jude sich nicht — abgesehen von der im Grunde nebensächlichen Judenfrage — zur nationalsozialistischen Weltanschauung bekennen könnte." Dieses Bekenntnis einer „schönen" Seele wird aber noch übertroffen durch die selbstbewußte Mitteilung, die nationaldeutschen Juden hätten gelegentlich der Verhandlung der Bentheim-Petition zum Schutze der oberschlesischen Juden „aus eigenem Antrieb die deutschen Unterhändler in Genf unterstützt, und in einem Telegramm an den Völkerbund gegen die Erörterung der Beschwerdeschrift protestiert, ja sie hätten gern noch mehr getan, wenn die Regierung die Bereitschaft zum Zusammenarbeiten mit uns, den jüdischen Deutschen, klarer gezeigt hätte." — Da kann man nur sagen: Pfui Teufel! Zum Glück ist dieser „jüdische" Verband, der vom Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens wegen seiner „teutschen" Einstellung stets aufs heftigste befehdet wurde, nur eine kleine, aber nicht bescheidene Tafelrunde. * Eine schmachvolle Erklärung des Verbandes nationaldeutscher Juden. Berlin. 18. Juli (J. T. A.). Der Verband nationaldeutscher Juden erläßt folgende Erklärung: „Nach Mitteilung holländischer Blätter soll in Amsterdam demnächst in deutscher Sprache eine Wochenschrift „Freie Presse" unter dem Motto „Kampf dem faschistischen Deutschland" erscheinen. Als Mitarbeiter werden Persönlichkeiten genannt die, solange sie sich noch in Deutschland aufhielten, das Deutschtum systematisch zersetzt haben und gegen die deshalb der Verband nationaldeutscher Juden seit zwölf Jahren in schärfstem Kampfe gestanden hat, unter anderem Georg Bernhard, Professor Gumbel, Arnold Zweig, Lion Feuchtwanger, Alfred Döblin, Egon Erwin Kisch, Max Brod. Es ist zu erwarten, daß die holländische Regierung auf Grund der Bestimmungen gegen politische Betätigung Zugewanderter das Erscheinen dieses Hetzblattes unterbinden wird. Die Herausgeber planen deshalb, wie anderweitig verlautet die gleichzeitge Herausgabe ähnlicher Druckschriften in Prag und Wien. Ein Reichsverband nichtarischer Christen. Wie das „Berliner Tageblatt" mitteilt ist ein Reichsverband christlich-deutscher Staatsbürger nicht arischer und nicht rein arischer Abstammung in der Bildung begriffen. Der Reichsverband bezweckt den Zusammenschluß aller national-deutschen christlichen Staatsbürger nicht arischer und nicht rein arischer Abstammung, die sich mit deutschem Wesen, deutscher Art und Kultur unlösbar verbunden fühlen. Er erstrebt ein gemeinsames, verständnisvolles Zusammenwirken aller deutschen Volksgenossen, ohne Unterschied der Kirchenzugehörigkeit auf dem gemeinsamen Boden des sozialistisch-deutschen Nationalgefühles. (Diese Täuflinge seien den Nazis vergönnt sie befinden sich in „guter" Gesellschaft) Heise und ferkehr streng -mn $CCf CM («Do b) das Paradies der Erholung und Gesundung, modernes Schwefelheilbad, Strandbad, Höhensonne, aller Sport, bekannt erstklassige Verpflegung, billige Preise, Pension Voranmeldung erwünscht Geschwister Schmer im Hotet Hochalm, Tel. 28 im&Asmu IHOTEL m ELISABETHHOF Zeitgemäße Preise. Kein Mahlzeitenzwang Der billige Uerjnüjunjszui nach Polen Am 9. August 1933 nach Krakau, Lemberg, Stanislau etc. mit zwei Rüddahrtmöglidikeiten. Am 15. August für 6 Tage und am 6. September für 30 Tage. Keinerlei Pa§- oder Visagebühren. Auskünfte, Prospekte u. Anmeldungen durch: Internationales Reisebüro SCHENKER «U Co., Wien I., Schottenring 9, Telephon R 50-5-10 und Reiseu. Hotel-Auskunftsbüro E. Ferstet Wien I., Kämtnerring 12, Telephon U 40-301 FRANZENSBAP TSCHECHOSLOWAKEI Erstes Moorbad der Weit Hervorragendes Frauen- und Herzheilbad Kohlensäurereiche Mineralquellen Stärkste der bekannten Glaubersalzquellen 450 m über dem Meere Einziges Badener Vegetarisches Restaurant and DiatkBdie (Speisenzubereitung nur mit Butter und reinem öl) ML SÄNGER Baden b. Wien. Vöslauerstraße 18, Tel. 507 Verkehrssektion der Gemeinde Seefeld des Höhenkurortes und Wintersportplatzes. 1200 nt Seeleid, Tirol. Tel Nr. 20. Seefeld, den 15. JuH 4933. Die unterfertigten Aemter, Bürgermeisteramt Seefeld und Verkehrsverein Seefeld erklären hiermit. daB Seefeld nach wie vor ein vollkommen unpolitischer Kurort ist dessen einziges Interesse der Fremdenverkehr bleibt und der weder politische noch religiöse Tendenzen verfolgt Hier ist Jeder Gast, welcher Rasse 'oder Nation immer, herzlich willkommen und garantieren wir, datt die Gäste in voller Ruhe hier ihre Erholung linden können und von ledermann gut aufgenommen werden. Der Bürgermeister: Hiltpolt Adolf m. p. Verkehrsverein Seefeld e. V„ Paul Remter m. p. Stampiglie: Bürgermeisteramt Seefeld in Tirol, pol. Bez. Innsbruck. * Feld am See. Wenige Kilometer von Viltach entfernt, mit dem Postauto leicht erreichbar, liegt in schöner, waldreicher Gebirgsgegend, das herrliche Alpenseebad Feld am See, 743 Meter über dem Meere. 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