Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 29 (21.7.1933)
- Date
- 1933-07-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DOS WAHRHEIT Seite 5 Der Nationalismus tötet Poale Zionlst auf revisionistischem Meeting niedergestochen. Auf einem in L o d z abgehaltenen Meeting der Revisionisten wurde der 17jährige Malergehilfe Silberstein, ein Mitglied der Linken Poale Zion, durch Messerstiche schwer verletzt. Er wurde ins Hospital eingeliefert. Es besteht wenig Hoffnung, ihn am Leben erhalten zu können. Der Attentäter, ein Revisionist namens Waliisch, wurde verhaftet. Literatur-Qlossen. Literaten sind meistens sehr gesirinungstüchtig. Sie fallen leicht von einem Extrem ins andere. Da gibt es zwei Wiener Schriftsteller, die bis zum „Aufbruch der deutschen Nation" Mitarbeiter der Wiener „Arbeiter-Zeitung" waren. Der eine, Josef Weinheber, erhielt sogar dank seiner Strebsamkeit den Literaturpreis der Gemeinde Wien, der andere, Bruno Brehm, wurde auch von .„links" gefördert. Jetzt stehen die beiden Herren der deutsch-österreichischen Literatur schön „rechts" und bekennen sich zum „neuen'' Deutschland. Bruno B r e h m hat sich sogar an die Frackschösse der S t r o b 1 und H o h 1 b a u m, die immer als national galten und dabei von „Judenblättern" Honorare nahmen, angehängt und ist aus dem Penklub ausgetreten. Ueberraschend wirkt die Solidarität Emil Ertls mit dieser Gesellschaft und der Hitlerei. Dieser Dichter hat in seinen Werken des •öfteren judenfreundliche Töne angeschlagen, so im „Blauen Guckuckshaus", in „Freiheit, die ich meine" und zuletzt in einem vor einem dreiviertel Jahre erschienenen Erinnerungsbuch an das Wien seiner Jugend. Es wirkt daher überraschend, wenn sich nun der greise Dichter auch in der Penklubfrage im Sinne der Hakenkreuzler exponiert. * Kürzlich starb der Verleger Staackmann in Leipzig, der die Strobls, Ginzkey, Hohlbaum und ähnliche völkische Schriftsteller aus •Oesterreich verlegte. Wiener Zeitungen berichteten in diesem Zusammenhang, daß sich der Bruder des Verstorbenen, der Musikalienhändler Konsul S t a a c k mla n n aus Wien nach Leipzig begab. Dazu ist zu bemerken, daß dieser Konsul Staackmann Besitzer der Musikalienhandlung „S c h uberthaus'' in der Währingerstraße ist, die ausgesprochen völkisches Gepräge hat und eine Volksausgabe des Horst-Wessel-Liedes herausgab. * Der Verla? Pieper in München, bei dem Herr Brehm daheim ist, hat sich auch gleichgeschaltet. Er hat seinerzeit Christian Mo'rgenstern verlegt und teilte kürzlich der deutschen Oeffentlichkeit mit, daß Morgenstern ein Arier war. Da lachen wirklich die Hühner . . . Spectator. muß, soferne et sich nicht; Jns Private verbirgt und auf öffentliches- Mitredend und Mithandeln verzichtet, Nationalist sein. So lernen wir, nicht ohne Ueberraschung, unter italienischen Juden die Grundanschauung kennen: Der Jude muß auf jüdische Politik verzichten, erkannmoralischnurNationalistdes Volkes sein, unter dem er lebt ... Italien hat seine Judenfrage nach dem Prinzip der Assimilation gelöst. Es sucht die Juden zu „guten Italienern" zu machen. Die unbedingte politische Gefolgschaft genügt als Voraussetzung. Diese Lösung ist in Italien möglich, erstens weil die Zahl und Bedeutung der Juden dort nicht sehr groß ist, zweitens, weil bei dem mediterranen Typ des Italieners die Assimilation der Juden leichter ist als bei dem mehr nordisch bestimmten Typ des Deutschen. Der körperliche und seelische Habitus des Italieners setzt der jüdischen Assimilation im allgemeinen nicht so große Schwierigkeiten entgegen wie der des Deutschen. Während Mussolini die Lösung der Judenfrage in Richtung auf die Assimilation unternehmen konnte, bleibt uns Deutschen (meint Herr Stapel) nur der Weg der völkischen Abgrenzung . . . *■' Griechische Nationalsozialisten gegen antisemitische Agitation. Der Führer der Nationalsozialistischen Partei Griechenlands, George Mercouris, hat an die nationalistische Organisation „Hellas'' in Saloniki, die bisher einen besonders heftigen Kampf gegen die Juden geführt hat, folgendes Telegramm gerichtet: Im Bestreben, den Aufstieg des Vaterlandes durch seelische Einigung des griechischen Volkes und Wiederherstellung von Ruhe und Frieden herbeizuführen, richtet die Nationalsozialistische Partei Griechenlands den Appell an Euch, dafür zu sorgen, daß das traditionelle Prinzip der Achtung gegenüber andersgläubigen Mitbürgern, die ihren Gehorsam gegenüber den Gesetzen stets bewiesen und sich zu unseren nationalen Idealen bekannt haben, nicht verletzt werde. Griechenland, das auf seine Liebe zu Andersartigen stolz ist, lehnt Feindseligkeit gegen Bürger anderen Bekenntnisses ab. Reise und IcrKcur Herr Stapel ist überrascht. .. Aus einem Artikel „Die Juden und das neue Deutschland'' von Dr. Wilhelm Stapel, veröffentlicht im „Deutschen Volkstum" (1. Juni-Heft 1933, Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg) seien hier folgende Abschnitte wiedergegeben: . . . Man sieht in Italien Juden, die das Faschistenzeichen tragen. Juden können, sofern sie bewährte Faschisten und also wirklich italienischnational sind, zu den höchsten Aemtern gelangen. (Balbo ist übrigens getaufter Jude, aber die Taufe ist nicht erforderlich.) Der Jude darf der jüdischen Religion treu bleiben, nur Freimaurer darf er nicht sein. (Die Freimaurerei war eines der wichtigsten politischen Probleme des faschistischen Staates.) Italien hat also die Juden vor die Frage gestellt, ob sie italienische Nationalisten sein wollen oder nicht. Jüdischer Internationalismus sowie Zionismus sind ausgeschlossen aus den faschistischen Reihen. Der Jude, der in Italien leben will, Ein Zadik in Uniform. Ein Bild aus dem holländischen Flüchtlingskomitee. Von Moses K a t z, Amsterdam. Er fiel mir im Flüchtlingskomitee auf, wo ich mit ihm, dem holländischen Schutzmann, bekannt wurde. Er trug seine Adresse in mein Notizbuch ein und bat mich, ihn zu besuchen. Selten habe ich eine Einladung so gerne angenommen. Bei meinem ersten Besuch fand ich bei dem holländisch-jüdischen Polizisten einige Flüchtlinge bei einer reich gedeckten Tafel. Wie ein Vater saß er da und bewirtete uns mit strahlenden Augen. Nicht nur zwei seiner anverwandten Flüchtlinge aus Deutschland, sondern auch eine fremde Dame von dort befreite er von der materiellen Befürsorgung durch das Komitee und brachte sie in seiner bescheidenen Wohnung unter. Außer seinen Dienststunden existierte für ihn nichts anderes als die — Flüchtlinge. Sein Heim verwandelte sich langsam in ein Miniatur-Komitee. Der Mann ging im Eifer für die jüdische Sache auf! Die Frau — eine deutsche Jüdin mit einer teuren Seele — ersetzte manchem Flüchtling die verlassene Mutter. Sie erforschte hintenherum die Wünsche ihrer Zöglinge und machte ihnen Freude durch schmackhafte, heimische Mahlzeiten. Für den Vorrat sorgte der Mann. Selten kam er vom Dienst zurück, ohne etwas zum Auftischen mitzubringen. „Wir müssen sie satt werden lassen'- sagte er zu seiner Frau. Dabei dachte der gute Mann nicht etwa an seine fünf gediegenen Kinder, die glücklicherweise noch keine Not gehabt haben. Reitet in Oeslei t eicht Unsere Abteilung für Fremdenverkehr erteilt und besorgt im blande und in 20 Ländern Europas und des Orients Auskünfte für Reisen und Aufenthalt in Österreich und steht Qemeinde imtern und Vermietern von Sommerwohnungen sowie Sommerfrischlern und Touristen völlig kostenlos zur Verfüguwj. Zuschriften erbeten an: Lebeasvarslcneruassgesellscbait .Phönix, Wien I. Wallnerstraße 6. II., Aspernbr&ckengasse 2, Graz, Jakominiplau 5, Lim, Land- «trade 63, Klagenfart, Paulitscbgisse 15. 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