Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1933
- Issue
- Heft 28 (14.7.1933)
- Date
- 1933-07-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE WAHRHEIT Die Ermordung Dr. Arlosoroffs. Die Untersuchung dieses tragischen Falles, der noch immer die Gemüter der Judenhedt beschäftigt und innerhalb der zionistischen Bewegung zu sehr erbitterten Differenzen geführt hat, wird mit größter Energie unter Beteiligung der besten palästinensischen Polizeikräfte geführt, hat aber merkwürdigerweise noch immer kein Ergebnis gezeitigt Obwohl der Hauptverdacht nach wie vor auf dem Revisionisten S t a v s k y ruht, wird die Untersuchung gleichzeitig noch in anderer Richtung geführt Der High Commissioner interessiert sich persönlich für die restlose Aufklärung der Sache. Drei der hervorragendsten Rechtsanwälte Palästinas, Dr. Eliash, Rechtsanwalt Horowitz und Rechtsanwalt Joseph, werden, wenn es zum Prozeß kommt die Vertretung der Frau Sima Atlosoroff übernehmen, die sich dem Verfahren als Privatbeteiligte anschließt Aus Palästina wird berichtet daß das von Polen aus, u. a. auch von Jabotinsky, verbreitete Gerücht, Arlosoroff hätte auf dem Totenbett erklärt der Mörder sei kein Jude, erfunden sei. Ueber den weiteren Gang der Untersuchung wird von den palästinensischen Sicherheitsbehörden nichts bekanntgegeben. Mit Rücksicht auf das Verhalten der Revisionisten wurde der Presse ein Schweigegebot auferlegt Nur so viel wurde mitgeteilt, daß die aus Warschau stammende Nachricht des Hamburger „Israelitischen Familienblattes", es sei mit einer Haftentlassung Stavskys zu rechnen, erdichtet ist Im Gegenteil. Nach Ablauf der über Abraham Stavsky wegen Verdachtes der Ermordung Arlosoroffs verhängten 14tägigen Untersuchungshaft wurde er Freitag aus dem Jerusalemer Zentralgefängnis nach Jaffa vor dem britischen Richter stellig gemacht, welcher die Untersuchungshaft um weitere 14 Tage verlängerte, da das Material zur Erhebung der formellen Anklage noch, nicht ausreicht Demzufolge sind auch die Meldungen hebräischer Zeitungen, daß die Mordanklage gegen Stavsky bereits fertiggestellt sei, unzutreffend. Da sich jedoch sechs Zeugen beim Untersuchungskommissär gemeldet haben, welche Stavsky kurz vor der Ermordung Arlosoroffs in Tel Awiw gesehen haben, ferner wegen Zusammenbruches des Alibibeweises bezüglich des Aufenthaltes im Hotel Turgemann — die Angaben des übel beleumundeten Hotelbesitzers wurden durch seine eigene Tochter widerlegt — erwartet man die Anklageerhebung in den nachsten Tagen und erhofft sich davon eine gewisse Beruhigung der sehr gespannten Situation, die .täglich zur Entladung führen kann. Der Zionistenkongreß. Von verschiedenen Seiten wurde in letzter Zeit der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation vorgeschlagen, den kürzlich für den 16. August nach Prag einberufenen Zionistenkongreß zu verschieben. Besonders in Palästina beschäftigte die Frage einer eventuellen Vertagung des Zionistenkongresses lebhaft die verschiedenen zionistischen Gruppen. Ferner hat der Sekretär der Weltunion der Zionisten-Revisionisten namens der revisionistischen Mitglieder des Aktionskomitees verlangt, daß der Kongreß vertagt und statt seiner sofort eine außerordentliche Sitzung des zionistischen Aktionskomitees Ischias, Rheuma, Gidif Utägige Ischias - Schnellkuren (Italienische Methode) Fango-, Schlammpackungen, Moor-, Schwefel-, Sool-, Fichten-, Koblensäurebäder, Diathermie Heißluft, Höhensonne Paraffin-Entfettungskuren und alle sonstigen modernen physikalischen Heilmethoden täglich von 8—6 Uhr BellansiaU ..Therm!«" L, Franz Josefskai 1 — Telephon R 29-1-37 Leiter: Dr. Wolf Somer Spezialität» für Wolle und Strickgarne Moritz Nagel Wien, 2- Bez., Taborstraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden. _Telephon A 45-8-69_ einberufen werde. Diese Forderung wurde im Hinblick auf die infolge des tragischen Ereignisses in Tel Awiw entstandenen Spannungen innerhalb der zionistischen Parteien, die katastrophale Lage der deutschen Judenheit und die für manche Delegierte bestehende Unmöglichkeit, dem Kongreß beizuwohnen, erhoben. Die Exekutive hat in einer außerordentlichen Sitzung beschlossen, den Kongreßbeginn aus rein technischen Gründen um fünf Tage bis zum 21. August zu verschieben und das Aktionskomitee für den 15. August einzuberufen. Der Council der Jewisb Agency einberufen. Die Exekutive der Jewish Agency hat beschlossen, die 3. ordentliche Tagung des Council der Jewish Agency für den 31. August und 1. September 1933 nach Prag einzuberufen. Die zionistischen Mitglieder des Council werden im Einklang mit der Verfassung vom Zionistenkongreß bestimmt werden. In bezug auf die Bestellung der Vertreter der Nichtzionisten in den verschiedenen Ländern wird die Exekutive die nötigen Anordnungen treffen. Das Administrative Committee der Jewish Agency wird am 30. August 1933 in "Prag eine ordentliche Tagung abhalten. Die Kongreßwahlen in Oesterreich. Die J. T. A. meldet: Auf Grund vorläufiger Berechnungen wurden bei den am 6. Juli in Oesterreich durchgeführten Wahlen zum 18. Zionistenkongreß zwei Vertreter der Allgemeinen Zionisten und je ein Kandidat der vereinigten Linken und der Revisionisten Großmanscher Richtung (Listenführer Robert Stricker) gewählt Es besteht noch die Möglichkeit daß Oesterreich ein fünftes Mandat zuerkannt werden wird, da bloß 60Schekalim zu der für ein fünftes Mandat notwendigen Schekelzahl fehlen. In diesem Falle würden auch die Revisionisten der Jabotinsky-Richtung ein Mandat erhalten. MÖBEL Moderne KOchen- Vorzlmmer- Wohnzlmmer- F. KOHN, Wien II., TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen — Angeschlossen der „Schomra* Die Wahlbeteiligung war sehr1 stark, etwa 75 Prozent aller Wahlberechtigten haben ihre Stimme abgegeben. Die Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen betrug etwa 9000. von denen auf die Allgemeinen rund 3000, auf das „Arbeitende Palästina" über 1800. auf die Liste der Großmann-Revisionisten rund 1500, auf die Jabotinsky-Liste etwa 1250. auf die Radikalen 700 und auf den Misrachi über 600 Stimmen entfielen. Diel Allgemeinen Zionisten und die Linken, die ihre Listen gekoppelt hatten, haben bei dieser Wahl einen starken Aufschwung! genommen. Auch die beiden revisionistischen Gruppen haben um mehr als ein Drittel mehr Stimmen erzielt als bei der letzten Kongreßwahl. Die Radikalen haben gegenüber 1931 ihre Stimmen verdoppelt auch der Misrachi hat von der stärkeren Wahlbeteiligung profitiert. Das endgültige Wahlergebnis wird erst in einigen Tagen verkündet werden. Vorläufig erscheinen gewählt von den Allgemeinen Dr. .Oskar Grünbaum und Dr. Z. F. Finkelstein. von der Liste für das Arbeitende Palästina Mendel Singer und von der Union der Zionisten-Revisionisten Oesterreichs Robert Stricker. Es ist nicht zu leugnen, daß die in der obigen Jta-Meldung festgestellte Wahlbeteiligung tatsächlich eine sehr starke war und daß auch die Zahl der Schekelbesitzer überhaupt eine recht große ist. Allein diese Feststellung erfährt dadurch Abbruch, daß gleichzeitig bekannt wird, daß im Vorjahre nur 1200 Menschen, also gerade der zehnte Teil des bisherigen Kontingents, Schekel gekauft haben. Dieses bei aller neu entflammten' Begeisterung krasse Mißverhältnis legt die Vermutung nahe, daß beim Schekelverkauf und der Wahlagitation doch nicht alles mit so rechten Dingen zugegangen ist Man hört auch schon von Protesten an die Exekutive und das Kongreßgericht wegen vor und bei den Wahlen geschehlönen Mißbrauchen, Verfälschungen und Behinderungen. Diese neckische Spiel haben wir bisher bei jeder österreichischen Kongreßwahl erlebt, warum sollte es gerade diesmal ausbleiben? Lebensversicherungs-Gesellschaft PHÖNIX Aus dem Jahresberichte 1931: Versicherungsbestand . . . S 2.746,000.000.— Prämienu. Zinsen-Einnahmen S 182.000.000.— Garantiemittel . S 472,000.000.— Auszahlung an d. Versicherten . S 42,500.000.— Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutsches Reich.Tschechoslofwakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn, Polen, Jugoslawien. Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Tunis und Aegypten. Die zionistische Exekutive zu den Kongreßwahlen. Die zionistische Exekutive hat anläßlich der Wahlen zum 18. Zionistenkongreß ein bezeichnendes Rundschreiben erlassen, in dem es u. a. heißt: Nach Berichten, die uns zugekommen sind, hat in einigen Ländern der Wahlkampf derart heftige Formen angenommen, daß von mancher Seite sogar Störungen des Wahlaktes befürchtet werden. Wir richten an alle zionistischen Parteien die dringende Mahnung, in der Hitze des Wahlkampfes die gemeinsamen Ziele und die Interessen der Gesamtbewegung nicht außer acht zu lassen und den Wahlkampf in würdigen Formen, in Achtung vor den Ueberzeugungen Andersdenkender zu führen . . . Wir hoffen aufrichtig, daß diese Mahnung genügen wird und daß die Gesamtheit der Zionisten durch freie, unseren Gesetzen entsprechendej korrekte Durchführung der Wahlen einen Beweis bürgerlicher Reife und natioinialer Disziplin geben wird. Die Exekutive wird ihrerseits gemeinsam mit dem Kongreßgericht und dem Ehrengericht darüber wachen, daß die Rechtmäßigkeit der Wahlen gesichert ist. Im Bewußtsein ihrer Verantwortung für die Sicherung eines legal zusammengesetzten Kongresses sieht sie sich gezwungen, zu erklären, daß sie gegen jeden Versuch eines Wahlmißbrauches, einer Wahlverfälschung oder einer Wahlverhinderung mit allen zulässigen Mitteln auftreten wird. Jeder Einzelne, sowie jede Gruppe muß sich davon Rechenschaft ablegen, daß die Exekutive jeden Akt des Verstoßes gegen die Reinheit und Legalität der Wahlen unnachsichtlich und mit aller Strenge vor den berufenen Instanzen ahnden wird. Die Exekutive wird insbesondere gegen Einzelpersonen und Gruppen, die sich eines derartigen Vergehens schuldig machen, die nötigen Schritte einleiten, um je nach dem Grade des Deliktes neben milderen Disziplinarstrafen den Ausschluß aus der Organisation, die Streichung von abgegebenen Stimmen, die Annullierung von Delegiertenmandaten, die Verweigerung von Palästinaeinreisezertifikaten (!) zu beantragen. Die Bruderhand. Die jüdischen Führer irt Frankreich sind im Hinblick auf die stämldig wachsende Zahl in Frankreich eintreffenden jüdischen Auswanderer aus Deutschland intensiv bemüht, Beschäftigungsmöglichkeiten für die Flüchtlinge zu findietn, deren Lage dadurch von Tag zu Tag bedrohlicher wird, daß die geringen Mittel, die sie aus Deutschland mitbringen konnten, allmählich zu Ende gehen. Die den freien Berufen angehörenden Flüchtlinge dürfen auf Grund ausländischer Diplome ihre Praxis nicht ausüben!, die übrigen können im Hinblick auf die schwierige Lage des Arbeitsmarktes und infolge ihrer Unkenntnis der Landessprache nicht als Angestellte, ja nicht einmal als Handarbeiter, Beschäftigung finden. Es besteht nunmehr der Plan, in Südfrankreich eine jüdische landwirtschaftliche Siedlung zu schaffen, in der die Auswanderer aus Deutschland Beschäftigung finden sollen. Der ORT-Verband, der sich die Ueberführung von Juden) in Handwerk, Industrie und Landwirtschaft zum Ziel gesetzt hat, hat einen solchen Plan ausgearbeitet und bemüht sich,, zu seiner Durchführung die Mitarbeit anderer jüdischer Institutionen, sowie die Unterstützung desfranzösischen Landwirtschaftsministeriums zu gewinnen. Berichtigung. In dem Artikel „Oberrabbiner Dr. David Feuchtwang" in unserer vorigen Nummer ist statt Franz Delitzsch richtig zu lesen: Friedrich; Delitzsch.