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Die Wahrheit · 1933-07-14 · Heft 28 (14.7.1933) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 28 (14.7.1933)
Date
1933-07-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 3 merten Juden Amerikas, sondern auch für jedes jüdische Herz in der Welt ein Trost und eine Ermutigung wäre." In dem Antwortschreiben des State Department heißt es: „Seien Sie bitte versichert, daß von dem Inhalt Ihres Briefes und seiner Beilage sorgsamKenntnisgenommen wurde und daß dieses Amt der gesamten Lage eine höchst sorgfältige und aufmerksame Beachtung schenkt, bereit, in jeder ihm füglich möglichen Art Hilfe zu leisten." Protest im englischen Unternaus. Im englischen Unterhaus kam in seiner am 5. Juli abgehaltenen Sitzung die Lage der Juden in Deutschland neuerlich zur Sprache. Im Verlauf der Debatte über Außenpolitik forderte der Abgeordnete George Landsbury, daß der V ö 1 k e r b u n d gegen die Zurücksetzung bestimmter Bevölkerungskreise in Deutschland einschreite. Auch andere Abgeordnete befaßten sich mit der Behandlung, die den Juden in Deutschland zuteil wird. In längerer Rede nahm auch der ehemalige Außenminister Austen Chamb e r 1 a i n zu dieser Frage Stellung. Er erklärte, er müsse als ehemaliger Außenminister vorsichtig sein bei der Besprechung innerer Angelegenheiten eines anderen Landes. Doch weise er auf die Schwierigkeit hin, die für England darin liege, ein freundschaftliches Verhältnis zu einer Nation aufrecht zu erhalten, die aus ihrer Politik alle für die Einrichtungen Englands grundlegenden Qedankenverbanne. Wie können wir, fragte Chiamberlain, wirkliche Freundschaft mit einer Nation halten, die innerhalb der eigenen Grenzen eine Rasse ächtet und es ablehnt, die eigenen Bürger gleich zu behandeln. Wie kann Deutschland unsere Mitarbeit und Hilfe erwarten, wenn es all jene Gefühle beleidigt, die unseren Herzen während unserer ganzen Geschichte eingepflanzt waren, Gefühle, die alle Parteien teilen, worin immer auch sonst sie sich unterscheiden mögen. Die deutsche Politik, sagte Chamberlain. bedroht alle Völker jenseits der deutschen Grenzen und jede Rasse, über die Deutschland seine Herrschaft auszuüben in die Lage kommen sollte. Schließlich, erklärte Chamberlain, er habe sein Möglichstes getan, um Deutschland der Gemeinschaft der Nationen einzureihen, jetzt aber sehe er, daß seine Hoffnungen infolge des in Deutschland herrschenden neuen Geistes, wenn nicht zerstört, so doch in ihrer Erfüllung hinausgeschoben worden seien. * Ein Rabbiner Delegierter Australiens in der Völkerbundversammlung. Die australische Regierung hat den Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Perth in Westaustralien D. L. Freedman zum Delegierten für die im September zusammentretende Völkerbundsversammlung ernannt. Im Hinblick darauf, daß in der kommenden Völkerbundversammlung damit zu rechnen ist, daß die Judenfrage infolge der Entwicklung in Deutschland zur Sprache kommen wird, legt man der Ernennung eines Juden zum Mitglied der Völkerbundversammlung besondere Bedeutung bei. Während des Krieges war Rabbi Freedman Feldseelsorger bei den australischen Truppen, er ■■■«■■••■•■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■«■■■■■■■■«■■•■■■■■■■■■■•■■■■MaM CliUSIUSRAB KUH- UHD BAJDEAJfSTAI/T WIEN IX.. CLUSIUSQASSE NR. 12 an der Friedensbrflcke (Biegen A, Original BBSSlSdieS DampHHMt mit -aas-' Buschenbehandlung gegen Rheuma etc. ~ Gegen Vorweisung dieses Inserates S 1.30 ist Mitglied des Senats der westaustralischen Universität und war eine Zeitlang Vorsitzender des Kriegsteilnehmerverbandes von Westaustralien. Das britische Volk und die britische Christenheit spricht Die vor kurzem in der Queen's Hall zu London abgehaltene Massenversammlung führender christlicher Persönlichkeiten Englands, auf der eine vom Erzbischof vonCanterbury, dem Oberhaupt der englischen Hochkirche, vorgeschlagene Resolution, die sich unter Betonung des Wunsches nach einem freundschaftlichen Verhältnis zum neuen Deutschland gegen die Zurücksetzung der deutschen Juden wendet, einstimmig angenommen wurde, gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung Zimmermaler Kohn empfiehlt sich zur Ausführung von Malerarbeiten jedtr Art II., Rotenkreuzgasae 3 Tel. A 45-3-37 des englischen Volkes und der englischen Christenheit für die Aufrechterhaltung der Grundsätze der Toleranz gegenüber religiösen und ethnischen Minderheiten und ihres Rechtes auf Lebensmöglichkeit und freie Entfaltung. Den Vorsitz in der Versammlung, die von über 3000 Personen besucht war, führt Lord Buckmaster, ehemaliger Lord Chancellor. In seiner Eröffnungssprache erklärte er. er fühle sich zur Leitung dieser Versammlung um so mehr berufen, als er weder durch Geburt noch durch persönliche Beziehungen in irgendeinem Zusammenhang mit der jüdischen Rasse stehe. Es wäre kaum möglich, irgend jemanden zu finden, der jüdischer Beeinflussung weiter entrückt sei als er. Diese Versammlung sei nicht eine Kundgebung von Menschen, die selbst unter Verfolgung zu leiden hätten, sondern von unabhängigen, von Gerechtigkeitssinn erfüllten Menschen, die Deutschland wohl wollen, aber gegen ein Unrecht, eine Ungerechtigkeit protestieren, für die die Verantwortung zu tragen, sie niemals mit herangezogen werden wollen. Unmittelbar nach Kriegsschluß, fuhr Lord Buckmaster fort versuchte man. mit den Deutschen hier in ähnlicher Art zu verfahren, wie sie es heute mit den Juden tun. Ich habe damals mit all meiner Macht gegen die Einführung solcher Bestimmungen protestiert. Der Vorschlag wurde im Oberhaus unter dem Eindruck der Reden Lord Newtons und des damaligen Erzbischofs von Canterbury abgelehnt Dadurch wurden Tausende von Deutschen in England davor bewahrt, aus ihren Stellungen verjagt und in das hungernde Europa getrieben zu werden. Zweifellos haben wir das Recht, vom deutschen Volk gehört zu werden. Ich glaube, daß unr bedingt unparteiische Handhabung von Recht und Gerechtigkeit nicht nur zwischen Mensch und Mensch, sondern auch zwischen Rasse und Rasse. Nation und Nation das einzige Heilmittel für diese gequälte Welt darstellt Es ist versucht worden. Juden ausschließlich wegen ihrer Rasse aus dem Gerichtssaal, dem Hörsaal und dem Krankenhaus zu entfernen, ein Todesurteil über eine große Zahl harmloser Menschen zu fällen, denn heute wie immer bedeutet es. jemandem das Leben nehmen, wenn man ihm die Lebensmöglichkeit nimmt. Die Ausschaltung der Juden erscheint um so mehr als ein nicht zu rechtfertigender Akt der Grausamkeit, wenn man bedenkt, daß sie Menschen betrifft, die mitgeholfen haben, den Bau des Staates aufzurichten. Ich habe nichts über die Dankesschuld gesagt die gegenüber dem jüdischen Volk besteht. Das Genie von Juden auf dem Gebiet der Musik, der Wissenschaft Kunst und Philosophie war es. das dazu beigetragen hat. die deutsche Nation auf ihren hohen Stand geistiger Bedeutung zu erheben. In einer deutschen Stadt war eine Straße nach einem Juden benannt, der zur Bekämpfung einer schrecklichen zerstörenden Krankheit wesentlich beigetragen hat: glauben die Deutschen, wenn sie den Namen dieses Juden streichen, ihrer Dankesschuld ledig geworden zu sein? Kann man die Augen verschließen vor der Dankesschuld, die die ganze Kulturwelt den Juden gegenüber dafür trägt daß diese ihr eine Literatur geschenkt haben, die ohnegleichen in der Geschichte des Menschengeschlechtes Ist Das deutsche Volk schuldet der Lehre diese* Literatur Treue. Heißt es zu viel verlangen, wenn man es auffordert der Worte eingedenk zu sein: „Drei Dinge fordere ich von Dir. oh Mensch: Gerechtigkeit zu üben. Barmherzigkeit zu lieben und demütig mit Deinem Gott zu wandeln?'* Diese Versammlung, erklärte Lord Buckmaster zum Schluß, ist nicht einberufen worden, um die Regierung aufzufordern, einzugreifen. Es handelt sieb um einen Gegenstand, der internationaler Kontrolle nicht unterliegt Aber wir sind zusammengekommen als Freunde Deutschlands, um auszusprechen, mit welcher Besorgnis wir dem zusehen, was es tut. Man mag sagen. Proteste seien vergeblich: vielleicht ist es so; aber um wie viel mehr wären sie zu einem späteren Zeitpunkte vergeblich, wenn der Wirbelsturm seine Todesernte vollendet hat Die Resolution. Der Erzbischof von Canterbury Dr. Cosmo Gordon Lang verlas sodann folgende Resolution: .Ohne das Recht in Anspruch zu nehmen oder den Wunsch zu hegen, sich in die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes einzumengen, und von dem Wunsche erfüllt, daß die höchst freundschaftwurde. Nur eine einzige Frau von über 70 Jahren konnte damals — um 1850 — noch etwas Hebräisch. Die Synagoge war eine Ruine. Damals waren auch nur mehr 7 Clans von ursprünglich 70 mit 200 Personen in Kai-Fung-Fu, die übrigen waren aus Not und Elend in andere Gegenden ausgewandert Aber selbst dieser kleine Ueberrest der ehemaligen Gemeinschaft, der so gut wie jede Kenntnis vom Inhalt der jüdischen Lehre verloren hat, hält im Herzen doch noch am Glauben der Väter fest 1850 baten sie um Lehrer, die ihnen jüdisches Wissen vermitteln sollten. Die im Laufe des 19. Jahrhunderts in Shanghai ansässig gewordenen Juden aus aller Herren Länder bildeten darauf ein Rettungskomitee und sandten einen Vertreter nach Kai-Fung-Fu. Einige Juden kamen mit diesem nach Shanghai zum Studium und kehrten darauf als Lehrer in ihre Heimat zurück. 1902 erhielt die Gemeinde auch wieder Rechtstitel, 1908 sollen sich etwa 400 Juden in Kai-Fung-Fu befunden haben. Aber große Armut und die Krise der ganzen Welt haben es mit sich gebracht daß die Gemeinde noch immer auf einen Erlöser wartet, der sie zum wahren Glauben zurückführen soll. Diese Haltung einer geringen Zahl innerhalb der Kultur eines Riesenreiches hat viel Wunderbares an sich. Die chinesischen Juden, die immer weitestgehende Gleichberechtigung genossen, sind trotzdem stolz, einem anderen uralten Volke anzugehören. Es zeigt sich hier eine merkwürdige Zweiteilung der Anschauung: einerseits haben sowohl Chinesen wie Juden sich bemüht Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Völkern festzustellen und so ein enges Freundschaftsband zu knüpfen. Auch die Duldsamkeit der Chinesen trug viel dazu bei, die Schranken der Fremdheit zu beseitigen. Anderseits sind sich die Juden ihrer Abstammung stolz bewußt und suchen, durch ihre Glaubensgenossen aus anderen Ländern Unterweisung in der Religion ihrer Väter zu erhalten. Erstaunlich ist vor allem die vollkommene Angleichung der Juden an die gelbe Rasse in Hautfarbe, Aussehen und Gehaben, die so weit ging, daß die Juden in früheren Zeiten einen Zopf trugen, die Frauen ihre Füße banden, um sie zierlicher werden zu lassen, und die Kleidung bei Mann und Frau ganz chinesisch war. Der rein äußerliche Einfluß eines großen Volkes auf eine verschwindende Minorität kann hier nicht allein ausschlaggebend gewesen sein. Wir müssen annehmen, daß zwischen dem Ethos des chinesischen und des jüdischen Volkes weitgehende Aehnlichkeiten, wenn nicht sogar Gleichheiten bestanden, wenn auch der Ritus, unter dem die Dinge in Erscheinung traten, ein verschiedener war. Die Gleichheit chinesischer und jüdischer Kultur besteht, wie ich schon eingangs betonte, in den heiligen Schriften, die beiden Völkern die Grundlage und den Ausgangspunkt allen Wissens und Erkennens bilden. Von diesem Gesichtspunkte aus gesehen, sind Ahnenkult der Chinesen und frommer Glaube an die Vorväter bei den Juden ein und dasselbe. Weiters kann die Ahnenverehrung durch Weihrauch und Opferspeisen mit dem Maskir der Juden m eine Parallele gebracht werden. So können wir verstehen, wie es möglich war. in der Synagoge von Kai- Fung-Fu eine Ahnenhalle und Weihrauchvasen aufzustellen; es war nicht nur ein Akt der Höflichkeit gegen den Kaiser, der diese Vasen gespendet hatte, sondern die Vorstellung, die sich der Chinese vom Ahnenkult macht, ist im wesentlichen derselbe Gedanke, der den Juden mit seinen Vätern verbindet: so konnten fremde Bräuche leicht auf das Ritual der Minorität übertragen werden. Ein weiteres Moment der Aehnlichkeit zwischen den beiden Völkern ist die Unterordnung unter die Naturvorgänge, die den Menschen nicht zum Herrn über die Naturgewalten, sondern nur zum Schützer und Bewahrer der Natur und ihrer Geschöpfe macht Auch die fünf menschlichen Beziehungen waren in der Auffassung von China und Juda die gleichen, d. h. die Traditionsgebundenheit der Juden hatte, wie bei den Chinesen, für die Loyalität des Untertanen gegen seinen Fürsten, für die Pflichten der Kinder den Eltern gegenüber, wie für Geschwister, Gatten und Freunde streng geregelte Formen gefunden. So war es möglich, daß jüdische Gläubigkeit immer mehr von der chinesischen Vorstellungsweise überdeckt wurde, bis schließlich nur mehr einige Aeußerlichkeiten bestehen blieben. In neuester Zeit sind auch viele Juden aus den verschiedensten Gegenden der Welt in China eingewandert und haben versucht ihren alteingesessenen Glaubensgenossen den Wunsch nach Erneuerung des religiösen Lebens zu erfüllen. Vorläufig ist damit noch kein großer Erfolg erzielt worden, denn die eingewanderten Juden selbst sind teilweise der westlichen Kultur zu sehr assimiliert als daß sie die Kraft besäßen, eine religiöse Erneuerung zu bewirken. Doch sind vor allem durch russische Juden Bemühungen im Gange, eine starke jüdische Gemeinschaft in ganz China zu begründen. Wollen wir nun die Frage beantworten, wie es möglich ist daß die jüdischen Chinesen doch Juden bleiben wollen, so können wir nur die Lebenskraft der heiligen Schrift, die ihrem Volke Ewigkeit verleiht, als Ursache dieses Festhaltenwollens angeben. Die Juden in Kai-Fun?-Fu wissen, wie auch ihre chinesische Umgebung sie gelehrt hat daß nur in der Treuean das Althergebrachte, im Glauben an die biblische Ueberlieferung die Gewähr für den Fortbestand eines Volkes gegeben ist Deshalb warten sie sehnsüchtig auf Lehrer in der jüdischen Tradition, die ihnen damit gleichsam ein Lebenselexier einflößen sollen ... In dieser rührenden Treue für einen Glauben, von dem sie kaum mehr als den Namen wissen, besteht aber auch für uns Juden im Mitteleuropa der Judenverfolgungen eine ernste Mahnung: Unsere Zukunft liegt nur im Bewußtsein und im Wissen um das Judentum und seinen geistigen Gehalt, dieses jüdische Wissen, das Wissen der Bibel, muß gestärkt und in der jüdischen Jugend von heute fest verankert werden, damit auch sie sich der ewigen Kraft des Lichtes, das aus grauer Vorzeit noch immer bis in unsere Tage leuchtet, zu ihrem eigenen Wohle und Segen bewußt ist. Die Judenverfolgungen in Deutschland sind eine große Mahnung an das Judentum, sich der Quellen seiner Kraft, der Religion und Tradition der Väter wieder bewußt zu werden. Die Juden in China, düe nie unter Verfolgung oder Mißachtung von Seiten der Chinesen zu leiden hatten, sind das herrlichste Beispiel dafür, wie stark diese vieltausendjährige Kraft sein muß, wenn sie noch in der geringsten Minorität ihrer Gläubigen in der Kultur eines Riesenreiches sich zu behaupten vermag.

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