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Die Wahrheit · 1933-07-07 · Heft 27 (7.7.1933) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 27 (7.7.1933)
Date
1933-07-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DIE WAHRHEIT Juden beglückwünscht Sie und erklärt sich mit Ihrer Aktion zur Hebung des österreichischen Fremdenverkehrs einverstanden." Die Antwort lautete: „Frau H. G. dankt Ihnen für Ihr liebenswürdiges Telegramm und übermittelt Ihnen im Namen der Frauen Oesterreichs den Ausdruck ihrer Freude über Ihre Solidarität mit unserer Werbearbeit zugunsten des österreichischen Fremdenverkehrs." Meierei Tivoli. In einer unserer letzten Nummern hatten wir auf Grund einer uns aus Leserkreisen zugegangenen Darstellung berichtet, daß, dem „Kampfruf" zufolge, das bekannte Etablissement Tivoli in Schönbrunn auf den Besuch jüdischer Gäste keinen Wert lege. Wir haben uns nun überzeugt, daß diese Darstellung nicht den Tatsachen entspricht, und stehen nicht an, den unterlaufenen Irrtum zu bedauern. Die Meierei „Tivoli" wird so geführt, wie jedes erstklassige Unternehmen geführt werden muß, d. h. jeder Besucher ohne Unterschied ist dort herzlichst willkommen. Ueber die Wichtigkeit einer hygienischen Ernährung nach moderner Anschauung besteht wohl kein Zweifel. So mancher Körper ist durch Ernährung überlastet und bedarf zur Gesundung eines Wechsels der Kost. Nierenkranke, Gichtiker und Menschen mit hohem Blutdruck fühlen sich bei lactovegetabilischer (iVUlch- Gemüse) Kost wohler. und Personen, die zur Fettsucht, zur Zuckerkrankheit, zur Migräne neigen, erholen sich bei Rohkost rasch. Im Kurorte Baden. Vöslauerstraße 18. befindet sich zu diesem Zwecke das vorzüglich geleitete, ausschließlich vegetarische und Milchkostrestaurant Sänger. Sehr mäßige Preise. UMBBHMUBMMMBBMMW Nicht Entrüstung, sondern Hilfe!" 99 Das war das Motto, das Herr Fritz Grünbaum, der geistreiche Conferencier, der Veranstaltung ab, die am vergangenen Donnerstag im Großen Musikvereinssaal stattfand. Jüdische Künstler aus Deutschland, die selbst geflüchtet sind aus dieser Hölle, hatten sich zusammengetan, um zugunsten des österreichischen Hilfsfonds für deutsche Juden einen durchaus gelungenen Abend zu veranstalten. Ohne viel Propaganda ging diese Veranstaltung der Fürsorge-Zentrale vor sich und dennoch war der Abend, dem das gesamte Kultuspräsidium sowie zahlreiche Kultusvorsteher und Beamte der Gemeinde beiwohnten, ganz ausgezeichnet besucht. Ein Beweis, wie sehr der Drang nach Hilfe für unsere unglücklichen deutschen Brüder latent im Wiener Judentum ist, das trotz seiner schwachen Kräfte helfen will, insbesondere dann, wenn es dabei auch, seiner Art entsprechend, einen wahren Kunstgenuß vermittelt erhält. Und deshalb hat Fritz G r ü n b a u m, dessen ausgezeichnete Eröffnungsrede wir weiter unten im Wortlaute veröffentlichen, weil sie so sehr den Nagel auf den Kopf traf, recht: Es darf nicht bei diesem einen Abend bleiben. Das Unglück der deutschen Künstler, die aus Stellung und Engagement vertrieben wurden, ist namenlos. Es sind Künstler darunter, die jeder deutschen Bühne zum Stolze gereichen würden. Aber Deutschland ist ihnen verschlossen und in Oesterreich mit seiner Theaterkrise können die Flüchtlinge trotz ihres Talents nur schwer und beinahe überhaupt nicht ein Engagement finden. Es ist die Frage, ob aus diesen Elementen ein Ensemble zusammengestellt werden könnte, das in einem eigenen Theater auftreten sollte. Wo finden sich heute die Mäzene, die eine solche gute Sache fördern würden, wo" das Publikum, das bei aller Hüfsbereitschaft dieses eine Theater bevorzugen würde? Aber etwas kann geschehen. Abende wie der gelungene vom vorigen Donnerstag müßten in der kommenden Saison wiederholt werden, mit wechselndem Programm und Abwechslung unter der Künstlerschar, müßten wiederholt werden in ständiger Reihenfolge und das jüdische Publikum sollte dafür in der Weise interessiert werden, wie es für Abonnementskonzerte zugänglich ist Wir sind überzeugt, daß diese Idee, gut ausgeführt, auf einen fruchtbaren Boden fallen wird. Voraussetzung wäre wohl, daß alle weiteren Veranstaltungen so gediegen sind wie die erste dieser Art. Fritz Grünbaum, den man oft als „nur" Kabarettisten unterschätzte und gelegentlich auch einmal in der jüdischen Presse wegen mancher drastischen Darstellung angriff, wird man nach der Rede, mit der er diesen schönen Abend einleitete, Ischias, Rheuma, Oldii 14tägige Ischias - Schnellkuren (Italienische Methode) Fango-, Schlammpackungen, Moor-, Schwefel-, Sool-, Fichten-, Koblensäurebäder, Diathermie Heißluft, Höhensonne Paraffin-Entfettungskuren und alle sonstigen modernen physikalischen Heilmethoden täglich von 8-6 Uhr HeUanstoU „Ihermia" L, Franz Josefskai 1 — Telephon R 29-1-37 Leiter: Dr. Wolf Somer viel abbitten müssen; das war ein Meisterwerk. Nach ihm kamen aus allen Teilen Deutschlands geflüchtete jüdische Künstler, die, weil sie ihr Bestes boten, alle zu nennen Pflicht wäre. Raummangel verbietet uns diese Pflichterfüllung und so seien sie mit einem Pauschallob bedacht. Nur drei seien aus der großen Künstlerschar herausgegriffen, weil ihre Leistungen besonders hervorragende waren, der Tenor Kurt Baum, der, den Wienern vom vorjährigen Internationalen Wettsingen, bei dem er den „Preis von Wien" errang, bestens bekannt, von einem bereits perfekten Vertrag mit der Berliner Staatsoper zurücktreten mußte, die Opernsängerin Fanny Cleve, die auch schon an der Wiener Staatsoper gastiert hat, und die Violinkünstlerin Pepi Trau-Holländer. Die Darbietungen dieser Künstler errangen Beium MÖBEL Moderne KOchen- Vorzlmmer- Wohnzlmmer- F. KOHN, Wien IL, TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen — Angeschlossen der „Schomra' fallsstürme, die selbst im applausgewohnten Musikvereinssaal selten zu hören waren. Es wäre schade, wenn es bei diesem einen Abend bliebe. Die Eröffnungsrede Fritz Grünbaums Meine Damen und Herren! Es läge für mich sehr nahe, in diesem Augenblick und an diesem Orte einen billigen Rednereffekt zu erzielen, indem ich bei Ihnen einen Sturm der Entrüstung über die Vorgänge im Nachbarlande entfessele, die den Anlaß zu der heutigen Veranstaltung gebildet haben. Aber was soll uns die Entrüstung helfen? So unzählbar sind schon die Protestkundgebungen, die in der ganzen gesitteten Welt seit den ersten Märztagen aufflammten, daß sie durch eine Einzelentrüstung nicht mehr vermehrt werden können. Alle Länder der Erde, mit Ausnahme des Penklubs in Wien, haben ihre Entrüstung über die Verfolgungen, die ein Häuflein von Menschen, eine winzige Minorität, um Glauben und Abstammung zu erdulden hatte. Wollen wir also ein Glas Wasser in den Ozean schütten? Nein! Was wir wollen, das ist: Hilfe bringen! Im Anfang ist das Wort, aber dem Wort muß die Tat folgen wie die Mobilisierung auf die Kriegserklärung. Das Wort war die Entrüstung, die Tat sei die Hilfe! Es ist sehr schön und sehr menschlich, einem Verfolgten die Hand zu schütteln und ihm die Entrüstung auszudrücken über die Verfolgungen, die er zu erleiden hatte. Aber, meine Damen und Herren, damit ist dem Bedrängten nicht geholfen. Entrüstung ohne Hilfe ist ein Teller ohne Nahrung. Was ihm widerfahren ist, das weiß der Flüchtling selbst. Das Unrecht, das ihm geschehen ist, zu erkennen und verdammen, dazu braucht er Sie nicht, das kann er allein. Aber sich wieder zu erheben, sich aufzurichten, weiterzuleben, dazu bedarf er Ihrer, denn das kann er nicht allein. Was er braucht, das ist nicht Ihr Mund, sondern Ihr Arm. Nicht Mitleid, sondern Hilfe. Denn das ist der große Vorteil, den die Tat dem Mitleid voraus hat: Die Empörung können wir nicht mehr vermehren, all unser Zorn ist nur ein Tropfen in der Flut, aber jeder Schilling, den wir sammeln, vermehrt die Kraft des Widerstandes und verringert die Not. Mit zusammengebissenen Zähnen helfen, das ist die Aufgabe des Judentums in dieser Stunde. Unser Wort gilt wenig, denn, so wird man sagen, wir sind Partei. Aber unsere Hilfe ist alles, denn sie bringt Rettung. Den Brand zu löschen, der an unser Haus gelegt wurde, dazu sind wir zu wenig. Das müssen wir den gutwilligen Andersgläubigen überlassen. Die können die Massen stellen, die dazu nötig sind. Wir können nur warten, bis die edlen Menschen der anderen Rassen und Religionen den Kampf aufnehmen, weil sie erkennen, daß dieser Brand nicht nur unser eigenes Haus bedroht, sondern auch das ihrige, die Gesittung und Kultur der Welt. Aber die Verunglückten vom Brandplatz wegzuführen, sie wieder aufzurichten, ihnen zu helfen, das können wir, und es zu tun, ist unsere Pflicht. Jeder Jude, mag er national oder international empfinden, oder sich als Bürger des Landes fühlen, in dem er lebt, muß erkennen, daß er dennoch unentrinnbar in eine Schicksalsgemeinschaft mit seinen Glaubens- und Rassegenossen verstrickt ist, daß ihr Wohlergehen sein Wohlergehen, ihr Unglück sein Unglück ist. Und daß daher alle seine Möglichkeiten, Hilfe zu bringen, in erster Linie seinen Schicksalsgenossen zu gelten hat. Dies, meine Damen und Herren, ist der Sinn unserer heutigen Veranstaltung: die flüchtigen Künstler, die sich an uns gewendet haben, brüderlich aufzunehmen und zu stützen. Und es darf auch nicht bei der heutigen Veranstaltung bleiben, denn die Not wird groß und langdauernd sein. Immer wieder werden wir uns aufrufen lassen müssen, um zu helfen. Aber wenn es uns einmal gelungen sein wird, alle Verfolgten aufgenommen und in eine gesicherte Existenz eingeordnet zu haben, dann wird die Welt der Andersgläubigen achtungsvoll erkennen, daß die Juden zwar nichts von der ihnen angedichteten Macht über andere Völker besitzen, daß sie aber unüberwindlich sind, weil sie die Kraft haben, sich zu wehren und ihren bedrängten Brüdern beizuspringen. Und dann, wenn einst der Wahnsinn des Brandes im Nachbarlande sich ausgetobt hat, wird das Wort Jude kein Schimpfwort, sondern ein Ehrenname sein und die Juden werden im Schöße der Völkerfamilie leben als ein geachtetes, vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft. Das ist der Sinn unseres heutigen Abends: nicht Entrüstung, sondern Hilfe, nicht Kampf, sondern Notwehr. Selbstbehauptung, Ehrgefühl, Stolz des Judentums! Faschistischer Uberfall auf das Londoner Hauptbüro der Jewish Ägency vereitelt. Mitglieder der außerhalb der vom Abgeordneten Mosley geführten britischen Faschisten- Liga stehenden radikalen und antisemitischen Faschistengruppen, unter die sich, wie Abg. Mosley vor kurzem mitteilte, zahlreiche zweifelhafte Elemente eingeschlichen haben, versuchten, einen nächtlichen Ueber fall auf das Londoner Hauptbüro der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation durchzuführen. Die Polizei, welche rechtzeitig von den Absichten der Faschisten Kenntnis erhalten hatte, konnte entsprechende Gegenmaßnahmen treffen, so daß der Ueberfall vereitelt wurde. Die Zionistische Exekutive wurde von der Polizei aus telephonisch von den durch Geheimpolizisten festgestellten Absichten der Faschisten in Kenntnis gesetzt und dem Hausverwalter wurden Instruktionen darüber erteilt, was er bei gegebener Gefahr zu veranlassen hätte. Tatsächlich fuhren am folgenden Morgen um 3 Uhr zwei von Faschisten besetzte Lastkraftwagen vor dem Büro der Exekutive vor. Als die Faschisten bemerkten, daß das Gebäude polizeilich bewacht war, fuhren die Autos in sehr schnellem Tempo, von der Polizei verfolgt, davon. Die Polizei erwartet, daß die rechtzeitige Vereitelung des Ueberfalls die Faschisten davon abhalten werde, ihren Versuch zu wiederholen. Dame aus bester Familie sucht tagsüber Stellung als Gesellschafterin. Stütze der Hausfrau. Pfleeerin und dergleichen. GefL Zuschriften unter ..Intelligent und erfahren", an die Redaktion dieses Blattes.

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