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Die Wahrheit · 1933-06-30 · Heft 26 (30.6.1933) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 26 (30.6.1933)
Date
1933-06-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 5 \AD6AtTBH HOTEL 9 ELISABETHHOF Zeitgemäße Preise. Kein Mahlzeitenzwang Einige von ihnen sind inzwischen in ihre palästinensische Heimat zurückgekehrt. Mit wenigen Ausnahmen handelt es sich um Mitglieder der Kommunistischen Partei Palästinas oder Personen, die mit dieser Partei sympathisierten. Derzeit haben die Sowjetbehörden die Wanderbewegung suspendiert. Man nimmt aber an, daß sie binnen kurzem wieder aufgenommen werden soll, und es heißt, daß einer weiteren Gruppe von 84 Personen in Palästina die Erlaubnis zur Einwanderung nach Biro-Bidschan gegeben wurde. Die wirtschaftliche Lage. Der Bericht stellt fest, daß die wirtschaftlichen und fiskalischen Verhältnisse in Palästina im Vergleich mit der in den meisten Ländern herrschenden wirtschaftlichen Depression auch im abgelaufenen Jahre weiter günstig geblieben sind. Es wird angenommen, daß der Hafen von Haifa im Oktober 1933 für den allgemeinen Verkehr eröffnet werden wird; seine Fertigstellung ist schon so weit vorgeschritten, daß große Schiffe im Hafen landen konnten. Wenig Juden in der Polizei. Der Bericht gibt sodann einen Ueberbück über die Tätigkeit der Jewish Agency und geht über auf die von der Jewish Agency bei der Palästinaregierung erhobenen Vorstellungen. Die Agency wurde u. a. bei der Regierung im Zusammenhang mit der Zahl von Juden in der palästinensischen Polizei und im transjordanischen Grenzkorps vorstellig. In der Polizei ist das jüdische Element folgendermaßen vertreten: Offiziere 17 Prozent, Mannschaften 13 Prozent. Es wurden Schritte unternommen, weitere Juden im transjordanischen Grenzkorps einzureihen, das gegenwärtig 47 Juden zählt. Nach einer Schilderung der Arbeitsverhältnisse des Landes und der Gewerkschaftsbewegung werden schließlich die Regierungsbemühungen erörtert, die au~sschließlich den Arabern gelten. Die landlosen Araber. Bis zum 31. Dezember 1932 waren beim Landentwicklungsdepartement 3188 Gesuche um Aufnahme in das Verzeichnis landloser Araber von Personen eingelaufen, die behaupteten, von dem von ihnen besetzten Boden dadurch entfernt worden zu sein, daß dieser Boden in jüdischen Besitz überging, und keine anderen Pachtungen oder eine in gleicher Weise zufriedenstellende Beschäftigung erhalten zu haben. Von diesen Gesuchen wurden 542 berücksichtigt, 2441 abgewiesen, 205 werden noch geprüft. Das Weltgewissen. Im amerikanischen Senat hat Senator M. M. N e e 1 y eine Resolution beantragt, in der das Bedauern über die Zurücksetzung der Juden in Deutschland ausgesprochen wird. * Ein umfangreiches, aus Trägern der besten Namen der geistigen Schweiz zusammengesetztes Komitee veröffentlicht einen Aufruf für ein Hi 1 f s w er k für deutsche Gelehrte, „die der herrschenden Richtung entweder politisch oder rassenmäßig mißliebig sind..." Der neue Kurs hat zahlreiche Betroffene veranlaßt, in der Schweiz Asyl zu suchen, in der Hoffnung, eine neue Beschäftigungsmögichkeit zu finden, die sie vor gänzlicher wirtschaftlicher Verelendung schützt. „Uns Schweizern," heißt es in dem Aufruf, „liegt fern, uns in die politischen Verhältnisse des Nachbarlandes einmischen zu wollen. Aber diese Neutralität auf dem Gebiete der Politik befreit uns nicht von der menschlichen Pflicht, uns für die traurige Lage der Schutzsuchenden zu interessieren. Herz und Geist sind es, die heute bei uns Schweizern angerufen werden. An unser Herz appelliert die bittere Not der deutschen Flüchtlinge. Bei unserem Geist aber pocht die Sympathie für eine großartige Kulturgemeinschaft an, die wir auch in schwerster Zeit nicht vergessen wollen." * Der Ausschuß der französischen Akademie der Wissenschaften, der mit der Nominierung eines Kandidaten für den durch das Ableben Michelsons freigewordenen ausländischen Sitz betraut ist, hat a n e r s t e r Stelle Professor Einstein vorgeschlagen, der von der Akademie im ersten Wahlgang mit 34 von 50 Stimmen gewählt wurde. Am gleichen Tage erhielt Einstein unter stürmischen Ovationen das Ehrendiplom der Universität Glasgow. * Der Verband der Universitätslehrer von England, Wales und Nordirland hat erklärt, sich der Hilfsaktion zugunsten der aus Deutschland ausgewanderten Gelehrten anschließen zu wollen. Die Exekutive des Verbandes hat ein Unterkomitee eingesetzt, das beauftragt wurde, Kontakt mit denjenigen Organisationen zu suchen, die sich mit der Unterbringung aus Deutschland ausgewanderter Gelehrter in England befassen. Es wurden folgende Resolutionen gefaßt: 1. Der Verband der Hochschullehrer wünscht, darauf hinzuweisen, daß er sich stets zum Grundprinzip derFreiheit von Meinung und Lehre im akademischen Leben bekannt hat. 2. Der Verband ist bereit, an den Bestrebungen, Hochschullehrern, die von ihren Posten an deutschen und anderen Universitäten aus Gründen entfernt wurden, die mit den in der ersten Resolution niedergelegten Grundsätzen unvereinbar sind, zeitweiliges Unterkommen und besondere Begünstigungen an britischen Universitäten zu sichern, teilzunehmen; hierbei wird vorausgesetzt, daß solche Arbeitsmöglichkeiten mit Hilfe besonderer Fonds geschaffen und daß die üblichen Wege der beruflichen Beförderung durch sie nicht berührt werden. Der Rat der Universität Manchester hat den Mitarbeiter Geheimrat Habers am Kaiser Wilhelm-Institut Dr. P o 1 a n y i eingeladen, den Lehrstuhl für physikalische Chemie an der Universität Manchester zu übernehmen. Wie es heißt, soll Dr. Polanyi die Einladung angenommen haben und sein Amt an der Universität Manchester zu Beginn des Studienjahres 1933/34 antreten. [ji=i==i==a Kaufmännische Paläsfinareise 11. Juli bis 31. Juli 1933 Glänzendes Arrangement, billigster Pauschalpreis- Anmeldungen und Auskünfte täglich von 3 bis 6 Uhr nachmittags im Zentralkongreßbüro des Gremiums der jüdischen Kaufmannschaft, des Gewerbes und der Industrie, Wien I., Elisabethstraße 9, 1. Stock, Tür 10. |E=" ==■== ■==B=====!=====! =====■==!<! Die Schweiz und der Antisemitismus. Eine der vornehmsten Schweizer Revuen „Die Information" beschäftigt sich mit den Bestrebungen der Nazi, auch in den Schweizer Mittelstand Eingang zu finden. Den interessanten Ausführungen Georg Schmidts zu dieser Frage entnehmen wir nachstehende Zeilen: Wer es mit den wirtschaftlichen Nöten des Mittelstandes wirklich aufrichtig meint, der kann unmöglich Antisemit sein. Umgekehrt: ein Führer der Mittelstandsbewegung, der Antisemit ist, ist a priori ein Verräter dieser Bewegung, denn er lenkt diejenigen, die er zu führen vorgibt, vom wirklichen Gegner ab und malt ihnen einen Gegner an die Wand, der seiner wirtschaftlichen Struktur und seinen wirtschaftlichen Interessen nach gar nichts Einheitliches, zum Teil sogar Leidensgenosse des Mittelstandes ist. Selbst wenn wir alle Juddn aust der Schweiz nausschmeißen würden, also nicht nur die Viehhändler, Kleinkaufleute, Advokaten und Aerzte, sondern auch die Warenhausbesitzer und die Finanzjuden — die wirtschaftliche Struktur unseres Landes würde sich um keinen Millimeter verschieben, dem Mittelstand als Ganzes wäre nicht im geringsten geholfen. Einen bloß momentanen Profit hätten die einzelnen christlichen Viehhändler, Aerzte und Warenhausbesitzer, die an die. Stelle der hinausgeschmissenen Juden sofort nachrücken würden. Der wirkliche Gegner, das Kapital, würde bei uns so wenig getroffen wie in Deutschland, denn das Kapital ist eine unpersönliche Macht. Holub. Herzo. rranenhelllmd Tützmannsdori (bMiriieiiiand) Mineral-, Moorand natürliche Kohlensäure-Sprudelbäder. Billiger Pensionspreis inklusive Heilbäder. — Auskünfte und Prospekte: Kurdirektion oder Kurkommission, Bad Tatzmannsdorf, Surgenland, und in allen Fremdenverkehrsbüros sowie bei der Oesterr. Anzeigen-Ges. A. G., Wien L, Biandstatte 8. — Zwei rituell.: Restaurants, darunter eines orthodox. Wir sind ein Volk ... Wir sind ein Volk, vom Sturm der Zeiten, Jäh überbraust, hart angefaßt. Wir sind ein Volk, bestimmt zu leiden, Bis zur Vernichtung man uns haßt. Was haben wir nicht schon ertragen! Dem letzten Bettler gleichgestellt. In den mit Blut geschriebenen Tagen Erschüttert lauscht selbst eine Welt, Die noch von Menschlichkeit durchdrungen, Erschauernd sieht der Opfer Zahl Ins Mittelalter rückgezwungen, Ein Leben angefüllt mit Qual. Und unsre Schud? Daß unserm Gotte Wir treu in Elend und in Not. Und darum ausgesetzt dem Spotte, Gejagt in den Märtyrertod. Daß sie die Früchte all* genießen, Von uns'rer Forscher Geist erdacht. Dafür in Kerkern grausam .büßen, Die dieser Menschheit Licht gebracht. Wir sind ein Volk der tieisten Leiden, Wir sind das Wild, umstellt vom Feind. Sie heißen uns den Weg beschreiten, Der alle Brüder neu vereint. Zum Judentum zurück sie führen, Die zweifelnd, halb schon abgewandt Den Hauch des ewigen Gottes spüren. Der weist in das verheiß'ne Land. Noch lebt ein Gott, der uns erhalten Jahrtausende. Drum seid getrost. Vertrauet auf sein himmlisch Walten, Wie auch das Wetter uns umtost. Leis' regt sich schon das Weltgewissen, Nach schwerer Nacht es zögernd tagt. Noch wandeln wir in Finsternissen. Hervor ein Hoffnungsstrahl sich wagt. 0, daß der Hoffnungsstern erglühe; und endlich Liebe, Duldsamkeit Der armen Menschheit froh erblühe. Die sehnsuchtsvoll nach Frieden schreit. B. ■^rfW*— Es beschämen Deutschland. Polen. Der polnische Gesandte im Haag, Herr Venceslas Babinski, äußerte sich im Zusammenhang mit einer vor kurzem von der nationaldemokratischen Partei Polens gefaßten Entschließung, in der die Einführung einer judenfeindlichen Gesetzgebung in Polen gefordert wurde, Vertretern der holländischen Presse gegenüber, die nationaldemokratische Partei sei eine antisemitische Gruppe mit verhältnismäßig geringem Anhang. Der Gesandte gab seiner Meinung dahin Ausdruck, daß die polnische Regierung sich die Forderungen der betreifenden Resolution, die dem Empfinden der überwiegenden Mehrheit des polnischen Volkes zuwiderliefen, niemals zu eigen machen würde. Rumänien. Der ehemalige rumänische Arbeitsminister Constantin Dimitriu, der als Vizepräsident des königlich-rumänischen Institutes für Verwaltungswissenschaften an einem Kongreß in Wien teilnahm, äußerte sich einem Mitarbeiter des „Neuen Wiener Journals" gegenüber über Fragen rumänischer und internationaler Politik. Er erklärte u. a.: Im rumänischen Parlament gehöre ich der nationalliberalen Fraktion an, die von unserem Parteichef Duca ausgezeichnet geleitet wird. Bezüglich innenpolitischer Fragen möchte ich hervorheben, daß bei uns zwei Gefahren ausgeschaltet sind, der Kommunismus und der Antisemitismus. Es ist statistisch nachgewie-

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