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Die Wahrheit · 1933-06-30 · Heft 26 (30.6.1933) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1933
Issue
Heft 26 (30.6.1933)
Date
1933-06-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Jüdisches Kinderheim am Plattensee für 6- bis Hiährige Knaben und Mädchen, unter Leitung des Religionsprof. Dr. Bernhard Fränkel, Budapest, Teleki ter 5 Erstklassige Verpflegung, sorgfältigste Aufsicht, freundliches jüdisches Heim. Nähere Auskünfte an obiger Adresse oder bei Frau Blumberger, Wien' I., Stubenring 18._ VIllA WMDRIin, SGIS CTIral), ca. 1000 in Rone Das schönste See- und Waldgebiet Ganze oder halbe 1123 - 1»EMS10RI - Eventuelle Verköstigunä auswärts Wohnender Zuschriften und Anfragen sind bis zum l. Juli gell, an das Möbelhaus FUCHS, Innsbruck, Wilbelm-Greilstraße 4, zu lichten NOBEL Moralisch heimatlos' 99 In der „Deutschen Reichszeitung", Bonn, vom 1. Juni 1933 lesen wir folgende „Gedanken eines katholischen Theologen zur Judenfrage": Es sei mir gestattet, von einem persönlichen Erlebnis auszugehea Am Tage des Boykotts der jüdischen Geschäfte war ich in einem kleinen Orte der Südeifel. Der Bäcker des Ortes, ein Mann von über 70 Jahren ist Jude. Drei von seinen vier Söhnen sind im Weltkrieg gefallen. Mit dem vierten betreibt der alte Mann, der sich allgemeiner Achtung erfreut, die Bäckerei. Auch an seine Türe wurde vorschriftsmäßig das bekannte Plakat: „Die Juden sind des deutschen Volkes Unglück" geheftet, von jungen Leuten, die vermutlich noch Knaben waren, als der Alte seine drei Söhne dem Vaterlande geopfert hat. Einige Tage später heimgekehrt, traf ich einen jüdischen Universitätskollegen, einen Gelehrten von internationalem Rute, hochverdient um die deutsche Wissenschaft, wegen seiner persönlichen Güte von allen, die ihn kennen, aufs höchste geschätzt Ihm war kurz zuvor sein Auslandspaß abgenommen worden, den er vor mehreren Jahren sich hatte ausstellen lassen müssen, als eine ausländische Universität ihn feierlich zum Ehrendoktor promovierte und den er seitdem — nie sonst habe ich ihn von seinen stillen Wohltaten erzählen hören; aber diesmal konnte er es nicht unterdrücken, dieses eine zu erwähnen — gebrauchte, um einer christlichen deutschen Familie in einem der heute von Deutschland abgetrennten Gebiete regelmäßige Unterstützungen zu schicken. Inzwischen habe ich noch so manchen Fall kennengelernt, wo Juden nicht nur in ihrem Empfinden, sondern auch in ihrer Existenz auf das härteste getroffen worden sind, die sich durch warmherzige Nächstenliebe auszeichnen und ganz und gar von vaterländischer Gesinnung erfüllt sind. Sie waren erschüttert durch den moralischen Druck, daß sie nicht mehr als Deutsche gelten sollten, die sich doch ganz im deutschen Boden verwurzelt fühlen. Und was mich in tiefster Seele dabei bewegt hat, war, daß mir das Schematische und daher in tausend Fällen Ungerechte von Maßnahmen so unmittelbar gegenwärtig wurde, die nicht nach der Person und ihren Taten, sondern nach der Abstammung fragen. Gewiß, es gibt Dinge in unserem sozialen und kulturellen Leben, bei denen manche Juden ungünstig beteiligt sind. Niemand hat mir gegenüber das verständiger ausgesprochen, als Juden selbst. Aber daher glaube ich auch, daß sich doch Wege hätten finden lassen, diese Mißstände zu bekämpfen, ohne so viele Unschuldige zu treffen, ohne Menschen, die mit der ganzen Seele an der Heimat hängen, moralisch heimatlos zu machen, um von den schlimmsten Härten ganz zu schweigen. Ja, ich wage es auszusprechen: Wäre es nicht möglich gewesen (ist es nicht immer noch möglich?), die edel und vaterländisch denkenden Juden selbst zum Kampfe gegen wirkliche Mißstände und gegen die schlechten Elemente zu Bundesgenossen zu nehmen? Nur wird man einen anderen Maßstab als das sogenannte Rassenprinzip heranziehen müssen. Den Geist könnt ihr nicht verbrennen! Ein Freund unseres Blattes befand sich an ienem Tage in New-York, da als Antwort auf die deutsche Bücherverbrennuns der große Protestaufmarsch stattfand. Er berichtet über diese gewaltige Kundgebung folgendes: New-York, 10. Mai 1933. Schon seit Tagen bringen die Zeitungen die Nachricht: Am Tage der Buciiverbrennung im Reich wird hier ein großer Protestaufmarsch abgehalten, hunderttausend sind erwartet. Ein Aufmarsch, der ganz anders ist als das, was man unter diesem Ausdruck sonst versteht. Es genügt das eine: Zur Ordnung der Menge hatte die Polizei — die Zeitungen brachten es als Rekord — 500 Mann aufgeboten. Für hunderttausend Menschen! Um 4 Uhr war der Abmarsch vom Madison- Square ausgeschrieben. Schon eine Stunde vorher waren Seitengassen der V. Avenue gefüllt mit sich einreihenden Menschen, mit Fahnen, Union Jack und Blau-weiß, mit Tafeln und großen Aufschriften. Ich komme zum Sammelplatz. Der Verkehr abgelenkt, mit Mühe drängte ich mich durch und eroberte einen etwas erhöhten Platz. „Titus und Haman haben es vergeblich versucht, auch Hitler wird es nicht gelingen!". „Unsere Bücher können sie verbrennen, unseren Geist nicht!" In allen Schattierungen, Englisch und Hebräisch, Schrift und Bild, Tafel und Band, derselbe Gedanke. Leute aller Stände: hier die Rechtsanwälte, Aerzte, Rabbiner, dort die Angestellten eines Pelzhauses, die Veteranen. Alle Konfessionen und Rassen. Führer ist ein irischer General. Das Hauptkontingent aus der Eastside, von den alttestamentarischsten Gesichtern bis zur assimilierten zweiten und dritten Generation. Auf der anderen Seite des Platzes endlich Bewegung. Der Zug beginnt zu marschieren, ein Marsch von fast sechs Stunden, bis zum nördlichen Ende der Stadt, bis in die Nacht. So marschieren sie in dichten Reihen, zehn und zehn die Länge der fünften Avenue hinab, die von einem engen Spalier von Zusehern eingesäumt, sich immer mehr und mehr mit Papierschnitzeln, hier als Konfetti verwendet, bedeckt. Und wie wenig Wache, meistens Berittene mit ihren Pferden, eingekeilt in die Menge, auf der sie zu stehen scheinen. Alles sonnengebräunte Gesichter, dem amerikanischen Pionierideal entsprechend. Noch ein wenig wie Trapper. Vor der City-Hall ist große Versammlung. Reden. Sie haben Dr. Schacht eingeladen, sich die Parade anzusehen und auch zu reden; er hat diesen guteifWitz ignoriert. Es ist ein eigenes Gefühl, diese Massen ziehen zu sehen. Wieder einmal bei einer Kundgebung zu stehen, stehen zu können, ohne das Gefühl des Hasses und der tiefsten Verachtung, das von der Menge ausströmt. Es würgt in der Kehle und kann sich doch nicht zum Lachen, nicht zum Weinen wenden. Man glaubt wieder, daß es doch anders ist, doch anders sein kann, doch anders sein wird! Selm. ■lUHIIIIIHnUNHIUNIUUll Palästinaregierung berichtet dem Völkerbund. In London und Jerusalem ist der zur Vorlage an die dieser Tage in Genf zusammentretende Mandatskommission des Völkerbundes bestimmte Jahresbericht der Palästinaregierung für das Jahr 1932 veröffentlicht worden. Der interessante Bericht bringt neben einem Ueberblick über wirtschaftliche Entwicklung, Einwanderungs- und Sicherheitsfragen eine politische Erklärung betreffend die geplante Einsetzung eines Legislative Council (Parlaments), sowie eine merkwürdige Interpretation des im MacDonald-Brief gegebenen Versprechens auf eine der jüdischen Steuerleistung entsprechende Berücksichtigung jüdischer Arbeitskräfte bei der Vergebung öffentlicher Arbeiten. IlllllllllllllllllilllllllllllllllllllillllllllW Mitglieder und Freunde der „Union" der ,jugend-Union« - freiten sich wahrend der Sommermonate jeden Donnerstag, ab V.8llhr abends, im reservierten Teil des Restaurant S. Deutschberger EL, Äusstellungsstraße (Straßenbahn-Haltestelle Lustspieltheater), woselbst auch Gelegenheit zu freier Aussprache gegeben ist. Das Parlament kommt Die Absichten der Mandatarmacht hinsichtlich der Einsetzung eines Legislative Council in Palästina, so wird im Bericht der Palästinaregierung ausgeführt, bestehen so. wie sie im Weißbuch von 1930 angekündigt wurden, unverändert fort Schritte zur Bildung des Council sollen ergriffen werden, sobald die neue Local Government 0 rd i n a n c e, die derzeit nach Beratung mit der Exekutive der Jewish Agency, der arabischen Exekutive und den einzelnen Stadtverwaltungen von der Palästinaregierung ausgearbeitet wird, in Kraft gesetzt sein wird. Die Vor- 11011111111 Moderne KUchen- Vorzimmcr- Wohnzlmmer- F. KGHN, Wien IL, TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen — Angeschlossen der „Schomra" schlage zur Errichtung des Legislative Council werden notwendig bestimmte Sicherungen enthalten, so daß unter keinen Umständen Friede und Sicherheit in Palästina gefährdet oder die Durchführung des Mandats, das die Erfüllung einer doppelten Verpflichtung vorschreibt, einer gegenüber dem jüdischen Volk und einer anderen gegenüber den nichtjüdischen Einwohnern Palästinas, gehindert werden könne. Palästinaregierung drückt sich um das öffentliche jüdische Arbeitsrecht. Der auf Grund des im MacDonald-Brief vor zwei Jahren gegebenen Versprechens bezüglich der Verwendung jüdischer Arbeiter bei öffentlichen Arbeiten in jüdischen Kreisen entstandenen Auffassung, es bestehe ein Anspruch auf Verwendung jüdischer Arbeiter im Verhältnis des prozentualen Anteils der von Juden geleisteten Steuern und Abgaben an der allgemeinen Steuerleistung Palästinas, wird im Bericht der Palästinaregierung entgegengetreten. Diesbezüglich wird ausgeführt: Es ist weder möglich noch war es beabsichtigt, daß die Zusicherung des Ministerpräsidenten in der Weise erfüllt werden soll, daß die Beteiligung von Juden bei der Durchführung öffentlicher Arbeiten ausschließlich auf Grund des Verhältnisses der jüdischen Beiträge zu den Einkünften Palästinas festgesetzt werde. Es wird hinzugefügt, das Versprechen MacDonalds sei dahin zu interpretieren, daß die Höhe des jüdischen Beitrages zu den Einkünften der Regierung bei der Festsetzung der jüdischen Arbeitsquote bloß mitberück sichtigt werden solle. Darüber hinaus stellt sich die Palästinaregierung nunmehr auf den Standpunkt. daß die Beschäftigung jüdischer Arbeiter bei öffentlichen Arbeiten nur in jenen Distrikten möglich sei, die wie Jerusalem. Haifa und Jaffa eine gemischte Bevölkerung aufweisen, und daß bei den dort durchgeführten öffentlichen Arbeiten schon jetzt Juden in beträchtlichem Ausmaß verwendet W"ISP"; Anderseits verspricht die Palästinaregierung, anläßlich der Prüfung des Programms für die öffentlichen Arbeiten für 1933 und 1934 den Anteil jüdischer Arbeiter bei der Durchführung jeder einzelnen Arbeit im Sinne des .Versprechens MacDonalds genau festzusetzen, wobei jedoch gleichzeitig auf die „rassische Zusammensetzung der lokalen Bevölkerung, die Art der Arbeit und den Preis der Arbeitskräfte" Bedacht genommen werden müsse. Einwanderung und KapitalszufluB. Diesbezüglich wird berichtet, daß im Jahre 1932 6370 judische Personen zur Einwanderung nach Paau zugelassen wurden. Von diesen waren 6?00 ^'■tieri und Arbeiterinnen, denen Einwanderungszertitikate zugeteilt worden waren. Außerdem wurden 3/90 Personen, die schon früher als Touristen oder sonst zu vorübergehendem Aufenthalt nach Palästina gekommen waren als Einwanderer registriert, nachdem sie ihre Qualifikation für die Einreihung in eine der Einwandererkategorien nachgewiesen hatten. Ferner gab es eine betrachtliche Einwanderung von Personen mit eigenem Kapital. Die Zahl der Einreisenden war 1932 um 15.908 großer als die der Ausreisenden. 253 Personen wurde die Einwanderung nach Palästina verweigert, außerdem eine Anzahl von Pionieren im Laufe des Jahres deportiert, weil sie sich ohne Erlaubnis in Palästina aufhielten Kommunistische Partei und Biro Bidscban. Einem Wunsch der Permanenten Mandatskommission entsprechend erteilt der Jahresbericht der Palästinaregierung auch Auskunft über den Exodus von Palästinensern nach Biro-Bidschan. Hierzu wird im Bericht ausgeführt, die Bewegung, Juden in dieser Sowjetprovinz anzusiedeln, sei bald nach der im Jahre 1928 in Angrif genommenen Ansiedlung von Juden in der Krim organisiert worden. Den der Palästinaregierung zur Verfügung stehenden Informationen zufolge wurde 115 in Palästina ansässigen Personen (unter ihnen auch Armeniern) die Erlaubnis, sich in Biro-Bidschan mit ihren Familien niederzulassen, erteilt: von 66 Familien weiß man, daß sie nach Biro-Bidschan ausgewandert sind.. isdiias, Rneuma, öidif * 14tägige~' " Ischias - Schnellkuren (Italienische Methode) Fango-, Schlammpackungen, Moor-, Schwefel-, Sool-, Fichten-, Kohlensäurebäder, Diathermie Heißluft, Höhensonne Paraffin-Entfettungskuren und alle sonstigen modernen physikalischen Heilmethoden täglich von 8-6 Uhr BeUansiaU „f hermia" L, Franz Josefskai 1 — Telephon R 29-1-37 Leiter: Dr. Wolf So.mer

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